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Ines Wulff: Implementierung von Gender-Mainstreaming

Cover Ines Wulff: Implementierung von Gender-Mainstreaming. Eine qualitative Untersuchung in Einrichtungen des Gesundheitsbereichs. Peter Lang Verlag (Frankfurt am Main/Berlin/Bern/Bruxelles/New York/Oxford/Wien) 2008. 117 Seiten. ISBN 978-3-631-57777-6. 24,50 EUR.

Reihe: Angewandte Genderforschung - Band 4.

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Autorin

Ines Wulff ist Krankenschwester, Diplompflegewirtin, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin und arbeitete, nach mehrjähriger Berufstätigkeit als Krankenschwester, in verschiedenen Projekten des Gesundheitswesens (u. a. Case Management, Gesundheitsförderung, Erstellung von E-Learning-Modulen) mit.

Entstehungshintergrund und Thema

Geplant und konzipiert als Diplomarbeit zeigt diese Arbeit die genaue und akribische Vorarbeit und Definitionsbeschreibungen der gegenwärtig im Gender Mainstreaming notwendigen Diskurse. Den Ausgangspunkt für diese Arbeit bildet das Ende 2006 abgeschlossene Projekt „Praxiseinführung der Materialien und Instrumente zur systematischen Berücksichtigung der Kategorie Geschlecht“, welches vom Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin im Auftrag des Ministeriums für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Nordrhein-Westfalens durchgeführt wurde. In ausgewählten Einrichtungen wurde unter Berücksichtigung der gegenwärtig diskutierten Umsetzungskonzepte bzw. der erforderlichen Rahmendbedingungen für die Implementierung von Gender Mainstreaming, sowie vor dem Hintergrund organisationsentwicklungstheoretischer Ansätze, eine empirische Untersuchung durchgeführt, welche die Bewertungskriterien hinsichtlich der „Good Practice“ - Modelle bilden.

Aufbau und Inhalt

Wie eine notwendige Wiederholung der Begrifflichkeiten vom Konstrukt Gender, den Zielen von Gender Mainstreaming und dem Verhältnis von Frauenförderung, Chancengleichstellung und Gender Mainstreaming führt die Autorin den konsequenten Weg zur Implementierung von Gender Mainstreaming exemplarisch vor. Hierbei wird ausdrücklich auch das Wissen von der Gestaltung von Veränderungsprozessen in Organisationen und die ausführliche Beschreibung von Innovations-Entscheidungsprozessen aufbereitet. Eingegangen wird dabei auch auf die Barrieren und Widerstände, die einem Implementierungsprozess zu Grunde liegen und als quasi Lösungen werden Nachhaltige Entwicklung und Modelle guter Praxis angeführt.

Unter Gender Mainstreaming wird ein Instrument zur Verwirklichung der Chancengleichheit auf Geschlechterebene verstanden, das in der Reorganisation, Verbesserung, Entwicklung und Evaluation von Entscheidungsprozessen besteht, sowie als Querschnittsaufgabe in Routineabläufen und Verfahrensweisen einer Institution wahrgenommen werden sollte. Die daraus abgeleitete Frage für die ausgewählten Einrichtungen des Gesundheitswesens lautet: „Wie ist der Implementierungsgrad von Gender Mainstreaming in diesen Einrichtungen?“ Leitend für die Beantwortung der Fragestellung war die Bearbeitung folgender Themenschwerpunkte: Welche Umsetzungskonzepte für Gender Mainstreaming werden gegenwärtig diskutiert? Welche Rahmendbedingungen sind für die Implementierung von Gender Mainstreaming erforderlich? Welche organisationsentwicklungstheoretischen Ansätze spielen eine Rolle?

Die Bewertungen ergeben einerseits eine Darstellung einer, der Autorin nach, „Good Practice“ Einrichtung und im zweiten Fall um eine Modelleinrichtung die noch weitere Impulsgebung und Förderung zu bedürfen scheint. Beide Ergebnisse lassen eindeutige Zusammenhänge zwischen den Einflussfaktoren auf Subjekt- und Organisationsebene, sowie gesellschaftlichen Strukturen erkennen. Die Interdependenz dieser drei Ebenen wurde im abschließenden Kapitel dargestellt.

In den Schlussbemerkungen wird nochmals festgehalten worum es beim Gender Mainstreaming geht: Es dient als strategische Weiterentwicklung der Chancengleichheitspolitik von der individualisierten Frauenförderpolitik hin zur Querschnittspolitik. Ziel ist eine Veränderung der Organisationsstrukturen zugunsten Geschlechterdemokratie und Chancengleichheit für Frauen und Männer. Dem Zusammenspiel von Gender Mainstreaming und Diversity Managing wird letztendlich in diesem Buch kein Platz gegeben.

Diskussion

Diese Untersuchung und der theoretische Unterbau können als Anregung für die Implementierung von Gender Mainstreaming, nicht nur im Gesundheitswesen, dienen. Die Autorin bemüht sich die gegenwärtig diskutierten Umsetzungskonzepte mit den theoretischen Grundlagen zu verknüpfen und bietet dadurch einer interessierten Öffentlichkeit einen breiten Einblick in die Materie. Für ExpertInnen dürfte der erste Teil eine bekannte Zusammenfassung sein. Jedoch die organisationstheoretischen Überlegungen könnten für viele KollegInnen im Gender Mainstreaming Anregungen für eigene Beratungs- und Begleitungsprozesse sein. Der Einblick in zwei Modelleinrichtungen und die Auswertung der Ergebnisse in den Kategorien: politische Verankerung, organisatorische Voraussetzungen, Implementierungsansatz, Kompetenz sowie Integration von Gender Mainstreaming in Organisationsstrukturen und Steuerungsprozessen sind aufschlussreich und spannend.

Fazit

Ein Buch für EinsteigerInnen und Profis das sich dem Nachhaltigkeitsdiskurs verpflichtet fühlt.


Rezensent
Heinz Baumann
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Zitiervorschlag
Heinz Baumann. Rezension vom 19.08.2009 zu: Ines Wulff: Implementierung von Gender-Mainstreaming. Peter Lang Verlag (Frankfurt am Main/Berlin/Bern/Bruxelles/New York/Oxford/Wien) 2008. 117 Seiten. ISBN 978-3-631-57777-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/6319.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.


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