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Christoph Flückiger, Günther Wüsten: Ressourcenaktivierung

Cover Christoph Flückiger, Günther Wüsten: Ressourcenaktivierung. Ein Manual für die Praxis. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2008. 77 Seiten. ISBN 978-3-456-84578-4. 14,95 EUR, CH: 24,90 sFr.

Reihe: Klinische Praxis.

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Zielgruppen, Entstehungshintergrund und Thema

Das Buch zur Ressourcenaktivierung ist ein praxisorientiertes Manual, das sich "an Psychologen, Psychiater, Sozialarbeiter, Supervisoren und Berater (wendet) und … praktische Ansatzpunkte auf(zeigt), in welchen Bereichen die individuellen Ressourcen einer Person unmittelbar diagnostiziert und wie sie in Therapie und Beratung eingesetzt werden können." (S. 8)

Das Buch ist entstanden aus der Arbeitsgruppe um Klaus Grawe (Bern), der mit seinen Konzepten zur Analyse therapieschulen-übergreifender Wirkfaktoren und in seinem Konzept einer "Allgemeinen Psychotherapie" die Ressourcenaktivierung als einen von vier zentralen Wirkfaktoren identifiziert und beschrieben hat. Das Manual nimmt explizit Bezug auf dieses Konzept, stellt die entsprechenden beraterischen und therapeutischen Interventionsmöglichkeiten dar und gibt darüber hinaus eine Vielzahl von praktischen Hinweisen für ein ressourcenaktivierendes Arbeiten.

Aufbau und Inhalt

Das erste Kapitel will Hinweise zu einer "systematischen Ressourcenanalyse" geben; dies ist relativ kurz gefasst. Es wird ein ergänzendes, zur Diagnose nutzbares Arbeitsblatt zum "Ressourcen-Priming" vorgestellt.

Im zweiten Kapitel werden ausführlicher Grundprinzipien ressourcenorientierter Gesprächsführung vorgestellt und durch Fallbeispiele verdeutlicht. Dabei geht es darum, die Gesprächsführung auf die Ressourcen der KlientInnen zu fokussieren: "Die Patientin findet sich oftmals in einem defizit-fokussierten Zustand und ist sich ihrer Ressourcen wenig bewusst. Um den Perspektivenwechsel aktiv herbeizuführen, muss die beratende Person aus dem Denksystem der Patientin ausbrechen… Durch sukzessives Einfließen der Ressourcenperspektive soll ein positiver Rückkopplungsprozess in Gang gebracht werden, welcher sich durch eine verbesserte Arbeitsbeziehung, größere Offenheit und Kooperation auszeichnet, sowie eigene Problembewältigungsversuche reaktivieren soll." (S. 17). Im Folgenden werden konsequent folgende Perspektiven "abgearbeitet":

  1. "Wahrnehmen und verstärken unmittelbar dargebotener Ressourcen und aktives Heranführen an brach liegende Ressourcen.
  2. Verbalisieren von Ressourcen und unmittelbares erlebbar Machen von Ressourcen
  3. Potentiale Ressourcen nutzen und motivationale Ressourcen integrieren
  4. Persönliche Ressourcen verstärken und Ressourcen des sozialen Umfeldes fördern
  5. Auf problemunabhängige Ressourcen fokussieren und problemrelevante Ressourcen nutzen
  6. Brachliegende Ressourcen optimieren und trainierbare Ressourcen fördern und aufrecht erhalten" (S. 18).

Das Kapitel wird abgeschlossen mit einer kurzen Betrachtung der "Risiken und Nebenwirkungen ressourcenorientierter Vorgehensweisen" (S. 37).

Der dritte Hauptteil des Buches besteht in der Darstellung "ressourcenaktivierender Strukturinterventionen", dabei werden unterschiedliche – auch aus anderen Therapieverfahren bekannte – Methoden konkret dargestellt und in ihren potenziellen Schwierigkeiten diskutiert, die genutzt werden können, um die Ressourcen von Klientinnen und Klienten gezielt zu aktivieren. Die Autoren weisen zurecht darauf hin, dass "die Methoden … in Abhängigkeit von den spezifischen Fallbedingungen und institutionellen Rahmenbedingungen (wirken). Die Strukturinterventionen bieten besonders gute Voraussetzungen, im Verlauf des Gesprächs die Aufmerksamkeit der Person auf ihre Ressourcen zu lenken und diese zu vertiefen" (S. 39). Beispiel für diese Strukturinterventionen sind "Geno- und Ekogramm unter Ressourcenperspektive" oder "Wunderfragen und Zielvisionen". Jedes Unterkapitel wird durch Hinweise auf weiterführende Literatur ergänzt – wobei kritisch anzumerken bleibt, dass diese Literatur überwiegend relativ veraltet ist.

Im Anhang werden drei hilfreiche Arbeitsblätter dargeboten. Ein – sehr knapp gehaltenes – Sachwortverzeichnis schließt das Buch.

Fazit

Es ist ein Verdienst der Autoren, das oftmals etwas mystisch betrachtete Phänomen der Ressourcenaktivierung konkret handhabbar zu machen. Es werden sehr konkrete Hinweise gegeben, wie eine ressourcenorientierte Haltung in Beratung und Therapie realisiert werden kann, die vorgestellten Methoden sind klar beschrieben und sinnvoll in der Praxis einzusetzen.

Der Manualcharakter hat zur Folge, dass der Gesamtansatz teilweise "mechanistisch" oder gar rezepthaft  wirkt und es an einzelnen Stellen den Anschein hat, als würde ein primär rational gesteuertes Aufzeigen der KlientInnen-Ressourcen quasi automatisch hilfreich wirken; hier sind die aufgeführten Fallbeispiele zum Teil etwas künstlich aufbereitet. Es wird nicht reflektiert, dass in Beratungs- und Therapiesituationen zunächst das vorgestellte Problem konstituierend für den Kontakt ist. Ohne dieses Problem finden KlientInnen und Berater/TherapeutInnen nicht zu einander – die Schwierigkeiten, sich von diesem konstituierenden Element zu lösen, werden nur am Rande reflektiert.

Es ist als sehr positiv anzusehen, dass das Konzept der Ressourcenaktivierung eingebettet ist in ein empirisch fundiertes, theoretisches Konzept. Allerdings wird diese wissenschaftliche Begründung der Psychologischen bzw. Allgemeinen Psychotherapie von Grawe nur sehr knapp begründet. Die entsprechenden Begriffe, wie z.B. "Kongruenz" oder das "Konsistenz-Prinzip" werden nur erwähnt, bzw. sehr "verdichtet" dargestellt. Demjenigen, der mit dem umfassenderen Konzept nicht vertraut ist, können daher manche Begründungen des Vorgehens als unzureichend oder auch unklar differenziert erscheinen.

Insgesamt handelt es sich allerdings um ein empfehlenswertes Werk, das auch sehr gut in der Ausbildung der avisierten Zielgruppen eingesetzt werden kann.


Rezensent
Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff
Hauptamtlicher Dozent für Klinische Psychologie und Entwicklungspsychologie an der EH Freiburg. Approbation als Psychologischer Psychotherapeut und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut. Abgeschlossene Ausbildungen in Psychoanalyse (DGIP, DGPT), Personzentrierter Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen (GwG), Gesprächspsychotherapie (GwG). 20 Jahre Tätigkeit als niedergelassener Psychotherapeut und als Geschäftsführer eines Jugendhilfeträgers (AKGG). Supervisor bzw. Dozent/Ausbilder bei verschiedenen Psychotherapie-Ausbildungsstätten. Leiter des Zentrums für Kinder- und Jugendforschung an der EFH Freiburg; Forschung im Bereich Jugendhilfe, Pädagogik der Frühen Kindheit, Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen.
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Zitiervorschlag
Klaus Fröhlich-Gildhoff. Rezension vom 14.07.2008 zu: Christoph Flückiger, Günther Wüsten: Ressourcenaktivierung. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2008. 77 Seiten. ISBN 978-3-456-84578-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/6334.php, Datum des Zugriffs 09.02.2012.


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