Ulrike Sammer: Verlustangst und wie wir sie überwinden
Ulrike Sammer: Verlustangst und wie wir sie überwinden. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2007. 192 Seiten. ISBN 978-3-608-86011-5. 14,90 EUR, CH: 29,00 sFr.
Reihe: Klett-Cotta Leben!.
Thema und Zielsetzung
Die Autorin behandelt in ihrem Buch auf empathische und leicht bekömmliche Art und Weise das Thema der Verlustangst, ihre Genese und den konstruktiven Umgang damit. Es liegt der Autorin am Herzen, in ihrem Ratgeber für jedermann zu informieren, aufzuklären und nicht nur dem potentiell Erkrankten, sondern auch seinem Umfeld zur Seite zu stehen.
Entstehungshintergrund
Wie schon der Titel dieses Buches vermuten lässt, handelt es sich hier zunächst einmal um einen Ratgeber für jedermann. Die Autorin als Mutter, Ehefrau, Mitmensch und Fachfrau greift dabei sowohl auf persönliche Erfahrungen, als auch auf ihr professionelles Wissen zurück. Dabei schildert sie lebhafte Szenarien, die sie täglich erlebt, genauso wie sie ihren theoretisch psychotherapeutischen Hintergrund nutzt, um dem Leser eine konstruktive Hilfe an die Hand zu geben, wie er mit Verlustangst und verlustängstlichen Personen umgehen sollte.
Autorin
Die Autorin, Frau Dr. phil. Ulrike Sammer, ist klinische Psychologin, Gesundheitspsychologin, Psychotherapeutin und Supervisorin. Sie lebt in der österreichischen Landeshauptstadt Wien und ist heute in freier Praxis tätig. Nach dem Studium der Sozialpädagogik und Psychologie sowie Stationen in Hamburg und Brasilien kehrte sie wieder in ihre Heimatstadt Wien zurück und arbeitete hier sowohl tiefenpsychologisch als auch verhaltenstherapeutisch. Ihre persönlichen Erfahrungen und erworbenen fachlichen Kenntnisse hat sie in zahlreichen Monographien und Mitautorenschaften der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Aufbau und Inhalt
Das Buch gliedert sich auf knapp 200 Seiten in vier Teile mit wiederum einzelnen Kapiteln. Hier schildert die Autorin nach einer kurzen Einleitung in das Thema zunächst das "Phänomen der Verlustangst", dann "Die Ursachen" und "Die Folgen" und im therapeutischen Teil schließlich das "Heil werden und Halt finden".
- Zunächst schildert die Autorin im ersten Teil die Normalität von Angstgefühlen, durch die ein menschliches Überleben sowohl phylogenetisch als auch ontogenetisch erst ermöglicht wurde und wird. Auch bespricht sie die Weitergabe bestimmter Ängste von Generation zu Generation und die individuelle Komponente der Angst. Darüber hinaus schildert sie sehr einfühlsam die körperlichen Merkmale von Angst im Allgemeinen und arbeitet sich nun in Richtung Verlustangst vor, die zum Teil auf pathologischen Verarbeitungen von Erlebtem beruht. Hierbei erklärt sie auch die hohe Affektivität der Verlustangst, die vor allem auf dem Herausfallen aus der interpersonellen Resonanz beruht.
- Im Kapitel über die Ursachen der Verlustangst beschäftigt sich die Autorin mit der multifaktoriellen Genese dieser Psychopathologie und illustriert einige Beispiele, wobei sie realitätsnahe Darstellungen wählt und kaum auf "trockene" akademische Theoriegebäude referiert, wenn sie auch oftmals – dem Thema entsprechend – auf die frühere und spätere Kindheit der Patienten eingeht und hieraus Störungsbilder herleitet.
- Im Kapitel über die Folgen der Verlustangst stellt sie den aktuellen Bezug der im vorangegangenen Kapitel geschilderten Erlebnisse her und setzt die stattgehabten (Kindheits-) Traumata in Bezug zu aktuellen Ereignissen, stattfindenden Modi der Verarbeitung und den aktuellen Umgang damit. Auch hier gibt sie realitätsnahe Beispiele und berücksichtigt keineswegs nur den Kranken selbst, sondern ebenso dessen soziales Umfeld. Auch eine geschlechtsspezifische Komponente lässt sie nicht außer Acht.
- Schließlich beschäftigt sich die Autorin mit dem "Heil werden und Halt finden", was für dieses Kapitel immanent ist und führt den Leser in mögliche Bewältigungsstrategien ein. Diese werden dem iHilfeLeser realitätsnah und gut umsetzbar beschrieben, wobei die Autorin dem potentiell direkt oder indirekt betroffenen Leser zwar Mut zur Selbsthilfe macht, keineswegs aber in Euphorie verfällt, sondern ebenso die Grenzen der Selbsthilfe aufzeigt.
Zielgruppen
Der kleine Ratgeber wendet sich nicht nur an Menschen, die selbst von Verlustängsten geplagt werden, sondern ist ebenso für Leser geeignet, die entweder privat oder auch beruflich mit Verlustängstlichen zu tun haben.
Fazit
Ulrike Sammer hat einen kleinen Ratgeber angefertigt, der munter aus Theorie und Praxis berichtet, Identifikationsmöglichkeiten bietet, dabei theoretisches Rüstzeug liefert und für den praktischen Umgang mit Verlustängsten und Verlustängstigen schult. Dabei berücksichtigt sie sowohl verhaltenstherapeutische als auch tiefenpsychologische Ansätze.
Rezensent
Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke
M.A. Arzt und Sozialwissenschaftler. Beschäftigt an den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel (Switzerland)
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Zitiervorschlag
Andreas G. Franke. Rezension vom 25.06.2008 zu: Ulrike Sammer: Verlustangst und wie wir sie überwinden. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2007. 192 Seiten. ISBN 978-3-608-86011-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/6359.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.
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