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Götz von Rotenhan: Die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung

Götz von Rotenhan: Die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung. Dashöfer (Hamburg) 2008. 32 Seiten. ISBN 978-3-939663-87-4. 32,90 EUR.

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Die Erfolgsgeschichte der Stiftungen

Die Geschichte der Stiftung ist sehr lang. Sie reicht bis in die Antike, so dass konstatiert werden kann, dass die Stiftung als eine besondere Form eines verselbständigten Vermögens mit eigener, rechtsfähiger Organisation und festgelegtem Stiftungszweck ein fester Bestandteil der europäischen und insgesamt westlich geprägten Kultur bezeichnet werden kann. Besondere historische Bedeutung haben vor diesem Hintergrund gerade die kirchlichen Stiftungen. Gleichwohl fristete die Stiftung über Jahrhunderte hinweg eher ein Schattendasein im Bewusstsein der Bevölkerung. Wenn einmal über die Tätigkeit von Stiftungen berichtet wurde, so wurden oft Vokabeln benutzt, die Konnotationen mit einem elitären Hintergrund hervorriefen: "Wer eine Stiftung gründet, muss sehr viel Geld haben." Um insofern mit einer Metapher zu sprechen, kann die bisherige Geschichte der Stiftung als langsame Kontinentaldrift bezeichnet werden – also als ein Prozess, der unmerklich aber dennoch unaufhaltsam vor sich ging. Dieses Bild bedarf seit ungefähr zehn Jahren einer Korrektur. Mittlerweile werden so viele neue Stiftungen gegründet, so dass man – um im Bild zu bleiben – fast von einer massiven Eruption mit gewaltigen tektonischen Verschiebungen sprechen muss. Aufgrund der demographischen Entwicklung und der ungleichen Vermögensverteilung scheint es in wohlhabenden Bevölkerungsschichten zwischenzeitlich zum guten Ton zu gehören, eine Stiftung zu gründen. Denn auch so kann man sich unsterblich machen und gleichzeitig altruistische Motive verfolgen. Doch die Gefahr bei jedem exponentiellen Wachstum ist, dass nach dem Erreichen einer Wachstumsspitze ein rapider Absturz erfolgt. Dies ist jedoch auf gar keinen Fall wünschenswert, da die Zivilgesellschaft auf privates Engagement dringend angewiesen ist, um auch in Zukunft durch die Verwirklichung gemeinnütziger Zwecke ein sozialstaatliches Antlitz zu behalten. Daher sind zunächst generell alle Bücher und sonstige Handreichungen, die die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung behandeln, zu begrüßen. Dies gilt selbstverständlich auch für das hier vorzustellende Buch von Götz von Rotenhan.

Aufbau

Der nicht sehr umfangreiche Band – er umfasst lediglich 32 Seiten – ist in insgesamt 14 Kapitel unterteilt. In diesen Kapiteln werden folgende Themen behandelt:

  1. Was ist eine Stiftung?
  2. Unterschiede Stiftung – Spende
  3. Was möchte ich gerne fördern?
  4. Eigene Stiftung oder Zustiftung?
  5. Fördernd, operativ oder beides?
  6. Wie viel Kapital braucht die Stiftung?
  7. Was kann ich stiften?
  8. Der Name der Stiftung
  9. Die Rechtsformwahl
  10. Die Gemeinnützigkeit der Stiftung
  11. Entwicklung der Satzung
  12. Steuerliche Rahmenbedingungen
  13. Was muss ich jetzt praktisch tun?
  14. Das Richtige tun – von Anfang an

Diskussion: Hoher Praxisbezug gepaart mit einer Fülle von Informationen

Positiv hervorzuheben bei dem kleinen Band von Götz von Rotenhan ist seine leicht verständliche Sprache, die es vereinfacht, die Materie zu verstehen. Das Buch, welches nur als bloßer Einstieg in die Thematik zu verstehen ist, macht anhand von kleinen Beispielsfällen die Überlegungen und Entscheidungen, die bei der Gründung einer Stiftung Beachtung finden müssen, anschaulich. Vor dem Hintergrund der Ausführungen in Kapitel 3 ("Was möchte ich gerne fördern?") ist es sehr vorteilhaft, dass die in der Abgabenordnung explizit genannten gemeinnützigen Zwecke, die durch eine Stiftung gefördert werden können, in Kapitel 10 (S. 20 ff.) ebenfalls aufgeführt werden. So wird der Leser und potentieller Stifter in die Lage versetzt, sich bereits in einem sehr frühen Stadium der Stiftungsgründung über den genauen Stiftungszweck dezidiert Gedanken zu machen. Zwar wird der evtl. Stifter ohnehin schon einen Stiftungszeck im Kopf haben. Gleichwohl wird durch den Abdruck der gesetzlich sanktionierten gemeinnützigen Zwecke die Möglichkeit eröffnet, zu kontrollieren, ob die bereits vorhandene Idee mit dem Gesetz in Übereinstimmung zu bringen ist. Ebenfalls positiv zu bewerten ist der Umstand, dass in Kapitel 13 (S. 30) dargestellt wird, welche konkreten Schritte zu machen sind, um die Arbeit der Stiftung zu ermöglichen.

Fazit

Insgesamt stellt das Buch des Autors einen leicht verständlichen und gut lesbaren Einstieg in die Rechtsmaterie der Stiftung dar. Nach der Lektüre des schmalen Bandes ist der Leser auf jeden Fall in der Lage, die Realisierbarkeit seines Stiftungsvorhabens besser einschätzen zu können. Gleichwohl bedarf es für die praktische Umsetzung in aller Regel der fachjuristischen Beratung, die einzuholen nicht versäumt werden sollte. Kritisch ist zum einen der in Relation zum Umfang doch als recht hoch erscheinende Preis zu nennen sowie zum anderen die Tatsache, dass einige wenige Hinweise auf weiterführende Informationen im Internet (z.B. die einzelnen Gesetze der Länder zum Stiftungsrecht, zu finden z.B. unter http://www.stiftungen.org) leider nicht vorhanden sind. Lediglich einige wenige weiterführende Literaturhinweise finden sich in dem Buch (S. 32).


Rezensent
Dr. iur. Marcus Kreutz
LL.M., Rechtsanwalt. Justiziar des Bundesverbandes Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V. in Köln
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Zitiervorschlag
Marcus Kreutz. Rezension vom 15.10.2008 zu: Götz von Rotenhan: Die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung. Dashöfer (Hamburg) 2008. 32 Seiten. ISBN 978-3-939663-87-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/6362.php, Datum des Zugriffs 07.02.2012.


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