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Ulrich Stangier, Thomas Fydrich (Hrsg.): Soziale Phobie und soziale Angststörung

Cover Ulrich Stangier, Thomas Fydrich (Hrsg.): Soziale Phobie und soziale Angststörung. Psychologische Grundlagen, Diagnostik und Therapie. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2002. 425 Seiten. ISBN 978-3-8017-1463-5. 36,95 EUR, CH: 62,00 sFr.

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Einführung in die Themenstellung

Menschen mit einer Sozialen Phobie bzw. Angststörung ängstigen sich vor sozialen Situationen und Interaktionen. Viele fühlen sich durch körperliche Symptome beeinträchtigt, manche erleben starke Ängste, bis hin zu Panikattacken. Andere Betroffene befürchten, dass sie sich blamieren könnten und versuchen daher soziale Situationen, wenn irgend möglich, zu vermeiden.

Die Soziale Phobie wird als psychische Störung mit Krankheitswert anerkannt, die - wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird - zu weiteren psychischen Störungen und beruflichen wie sozialen Nachteilen führen kann. In den USA und in der Bundesrepublik Deutschland gilt die Soziale Phobie mittlerweile als dritthäufigste psychische Störung hinter Depression und Alkoholabhängigkeit.

Aufbau und Inhalt

Die soziale Phobie wird im vorliegenden Buch überwiegend aus einem störungsspezifischen Blickwinkel betrachtet und dargestellt. Die Herausgeber Stangier & Fydrich erörtern kompetent die unterschiedlichen Fassungen der Kategorie Soziale Phobie in den Klassifikationssytemen "International Classification of Diseases (ICD)" und "Diagnostic and statistical manual of mental disorders (DSM)". Sie skizzieren den begriffsgeschichtlichen Wandel bis hin zu den neuesten Revisionen in der ICD-10 und dem DSM-IV. Die Autorinnen Lieb & Müller referieren zahlreiche Studien zur Epidemiologie und Komorbidität dieser Störung. Die interessanten Ergebnisse dokumentieren u.a. die Bedeutung sozialer Faktoren für die Ausbildung einer Sozialphobie. Gerade diese Zusammenhänge werden aber in den meisten weiteren Beiträgen vernachlässigt. Mehrere Kapitel zur Genese und Aufrechterhaltung der Sozialen Phobie stellen psychophysiologische, neurobiologische und kognitive Aspekte in den Vordergrund. Entsprechend ist auch die Psychotherapie ausgerichtet (man vergleiche die Abschnitte zur "Kognitiv-behavioralen Therapie" und zur "Kognitiven Therapie").

Diese störungsspezifische Sichtweise wird von Willutzki erweitert; sie stellt ein ressourcenorientiertes Therapiekonzept vor. Die Autorin zeigt auf, dass externe Ressourcen (z.B. sozioökonomischer Status, die jeweiligen Bedingungen der Lebenswelt, soziale Netzwerke) intrapersonale Fertigkeiten fördern können, ein Mangel aber zu Beeinträchtigungen führen kann. Die Therapie soll auf jeden Fall Ressourcen aktivieren helfen.

Als weitere Behandlungsmöglichkeit bei Sozialphobie favorisiert man heute die Pharmakotherapie. Bandelow referiert über Wirksamkeitsstudien, die erkennen lassen, wie unzureichend die Datenlage hierzu immer noch ist.

Fazit

Das Buch nimmt den allgemeinen Trend in der modernen Verhaltenstherapie auf: Das störungsspezifische Grundlagen- und Veränderungswissen wird umfassend dargestellt. Leider werden die kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhänge der Sozialphobie vernachlässigt. Zahlreiche internationale epidemiologische Studien belegen zweifelsohne deren Relevanz.

Das Buch kann allen Professionellen empfohlen werden, die in Psychotherapie und Beratung mit Menschen arbeiten, welche stark unter sozialen Ängsten leiden. Vom Niveau her ist es durchaus mit den internationalen Standardwerken zur Sozialphobie vergleichbar.


Rezensent
Prof. Dr. Hans-Peter Michels
Dipl.-Psychol.
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Zitiervorschlag
Hans-Peter Michels. Rezension vom 10.12.2002 zu: Ulrich Stangier, Thomas Fydrich (Hrsg.): Soziale Phobie und soziale Angststörung. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2002. 425 Seiten. ISBN 978-3-8017-1463-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/637.php, Datum des Zugriffs 23.05.2012.


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