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Friedrich W. Schwartz, Bernhard Badura u.a. (Hrsg.): Das Public Health Buch

Cover Friedrich W. Schwartz, Bernhard Badura, Reinhard Busse u.a. (Hrsg.): Das Public Health Buch: Gesundheit und Gesundheitswesen. Gesundheit fördern, Krankheit verhindern. Elsevier GmbH, Urban & Fischer (München, Jena) 2002. 2. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. 905 Seiten. ISBN 978-3-437-22260-3. 99,95 EUR.

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Einführung und Zielgruppe

Es handelt sich um ein umfassendes, aktuelles Standardwerk zum Thema Public Health, an dem 75 Autoren mitgewirkt haben, das sowohl dem Experten aktuelle Informationen bietet als auch für Studierende als Lehrbuch sehr gut geeignet ist und das in keiner medizinischen oder sozialwissenschaftlichen Hochschulbibliothek fehlen sollte. Der Umfang des Buches (gut 900 Seiten) wirkt sicherlich für Studierende und beruflich Tätige, die nicht im Kernbereich "Public Health" tätig sind, zunächst ein wenig abschreckend. Die durchgängig gute Lesbarkeit und grafische Gestaltung des Buches sowie die interessante Durchdringung methodischer und inhaltlicher Fragen dürften jedoch - bei entsprechendem Zeitbudget - Interesse wecken und zum Weiterdenken und -lesen anregen.

Aufbau und Inhalte

Ein Buch dieses Volumens zusammen zu fassen, ohne sich in Aufzählungen der Inhalte zu verlieren, wird wohl nur schemenhaft gelingen:

Nach einer auch international ausgerichteten Einführung geht es zunächst um Gesundheit und Krankheit und um deren individuelle, biologische und gesellschaftliche Einflussgrößen. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang das ausgesprochen interessante Kapitel "Altsein-Kranksein?", das sicher auch als einzelne Publikation für einen breiteren Leserkreis lohnenswert wäre, weil es viele gängige Vorurteile zum Thema Alter kritisch hinterfragt.

Der nächste große Bereich des Buches beschäftigt sich mit Institutionen, Systemen und Strukturen - mit Zielen der Gesundheitspolitik, mit Gesundheitsförderung, Prävention, Krankenversorgung, Pflege, öffentlichem Gesundheitsdienst und Finanzierungsfragen. Hier rücken auch der Patient, die Selbsthilfe und die Stärkung von Patientenkompetenzen ins Blickfeld.

Der anschließende Bereich widmet sich dem Thema "Informationen": Hierbei geht es in gut strukturierter Weise um eine themenbezogene Einführung in die quantitative und qualitative Sozialforschung: Um die Sammlung und Bewertung von Daten, um Studien- und Erhebungstypen und Analyseverfahren und deren systematischen Stärken und Schwächen, um ökonomische Evaluation und um die Sichtung und Bewertung von Ergebnissen im Zusammenhang und die sich daraus ergebenden Entscheidungsgrundlagen bis hin zur Gesundheitssystemforschung im europäischen Kontext. Die methodischen Ausführungen werden immer wieder an interessanten Beispielen verdeutlicht. Leider findet sich jedoch meiner Meinung nach in dem ausführlich besprochenen fiktiven Fallbeispiel "Screening" im 21. Kapitel ein Ansatzfehler im 2. Pfad.

Im Folgenden geht es dann um den großen Bereich der Krankheitsbilder, d.h. in exemplarischer Auswahl um Infektionskrankheiten (AIDS), Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt), Stoffwechselkrankheiten (Diabetes), bösartige Neubildungen, rheumatische Erkrankungen, psychiatrische Störungen (Depressionen), Missbrauch, Abhängigkeit und um Erkrankungen des Kauorganes. Leider erscheinen mir die fachlich interessanten Kapitel, in denen es um Diabetes und rheumatische Erkrankungen geht, an mancher Stelle unnötig mit medizinischen Fachausdrücken überfrachtet. (Z.B. könnte man den Satz: "Angesichts der unsicheren Prognose der RA quoad sanationem, rehabilitationem und sogar vitam richten sich alle rheumatologischen Hoffnungen auf eine konsequente Frühtherapie." sicher auch einfacher ausdrücken.)

Es folgen Kapitel, die bestimmte Bevölkerungsgruppen (Kinder und Jugendliche, Frauen und Männer, Arbeitende und Arbeitslose, Behinderte, Ältere und Migranten) in den Blick nehmen und weiterhin unter dem etwas unspezifischen Oberbegriff "System und Institutionen" zusammengefasste Ausführungen zu neueren Entwicklungen in den Bereichen Management und Qualitätssicherung. Hier werden z.B. die USamerikanischen Managed Care Ansätze und das Qualitätsmanagement ausführlicher thematisiert.

Den Abschluss bildet ein Überblick über Ausbildung und Forschung im Bereich Public Health.

Das über 50-seitige Literaturverzeichnis im Anhang wird noch ergänzt durch einen Serviceteil mit Auskünften über Forschungsverbünde, Studiengänge, Fachgesellschaften, Verbände, Zeitschriften und Informationsressourcen im Internet. Das Internet als Informationsquelle wird auch im gesamten Text des Buches immer wieder durch Verweise auf die entscheidenden Adressen erschlossen.

Themen, die weniger ausführlich behandelt werden

Sicherlich wird jeder Rezensent bei einem so umfangreichen Thema Ergänzungswünsche haben

Persönlich hätte ich mir eine ausführlichere Behandlung der Themen Schwangerschaft, Entbindung und Kleinkindalter gewünscht. Speziell hätte meiner Meinung nach z.B. das fetale Alkoholsyndrom, das eine bedeutsame Ursache geistiger Behinderung in Deutschland (ca. 2200 Neugeborene pro Jahr) ist, vor dem Hintergrund internationaler Präventionsansätze durchaus der Erwähnung bedurft.

In den Ausführungen über psychiatrische Erkrankungen fehlt die Besprechung der Integrierten Behandlungs- und Rehabilitationsplanung (IBRP), welche auch in anderen Kapiteln als Beispiel für Case-Management und vernetzte, über Kostenträgergrenzen hinweg verwirklichte an den Bedürfnissen der Klienten orientierte Planung interessant gewesen wäre.

Fazit

Den Herausgebern ist ein aktuelles, gut geschriebenes und ansprechend gestaltetes umfangreiches Standardwerk gelungen, das sehr gute Methodenkompetenz, Wissen und die Fähigkeit zur kritischen Analyse von Zusammenhängen vermittelt. Trotz der zahlreichen Autoren ist eine große Einheitlichkeit der Struktur und des Stils zu erkennen, Wiederholungen und unterschiedliche Zahlenangaben im Detail finden sich nur an wenigen Stellen. Ich werde sicherlich Teile des Buches in der Lehre der Sozialmedizin für Sozialarbeiter verwenden.


Rezensentin
Prof. Dr. Annemarie Jost
Professorin für Sozialmedizin am Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule Lausitz
Homepage www.hs-lausitz.de/users/ajost.html


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Zitiervorschlag
Annemarie Jost. Rezension vom 01.04.2003 zu: Friedrich W. Schwartz, Bernhard Badura, Reinhard Busse u.a. (Hrsg.): Das Public Health Buch. Elsevier GmbH, Urban & Fischer (München, Jena) 2002. 2. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. 905 Seiten. ISBN 978-3-437-22260-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/659.php, Datum des Zugriffs 23.05.2012.


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