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Klaus Fröhlich-Gildhoff, Iris Nentwig-Gesemann u.a. (Hrsg.): Forschung in der Frühpädagogik I

Cover Klaus Fröhlich-Gildhoff, Iris Nentwig-Gesemann , Ralf Haderlein (Hrsg.): Forschung in der Frühpädagogik I. FEL Verlag Forschung Entwicklung Lehre (Freiburg) 2008. ISBN 978-3-932650-27-7.
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Thema

Acht Forschungsberichte aus der deutschen Frühpädagogik werden mit ihren Ergebnissen systematisch dargestellt. Inhaltlich und methodisch bildet sich ein breites Spektrum von Forschungsaktivitäten im Bereich der Pädagogik in Kindertagesstätten vor der Schule ab.

Herausgeberin und Herausgeber

  • Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff lehrt Klinische Psychologie und Entwicklungspsychologie an der Evangelischen Fachhochschule Freiburg im Breisgau und dort Co-Leiter des Bachelor- Studiengangs „Pädagogik der Frühen Kindheit“.
  • Iris Nentwig-Gesemann ist Professorin für Bildung im Kindesalter an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Sie leitet den Bachelor-Studiengang „Erziehung und Bildung im Kindesalter“. Diese beiden Herausgeber sind verantwortlich beteiligt am Programm „Profis in Kitas“ der Robert Bosch Stiftung.
  • Rolf Haderlein ist Professor für Sozialmanagement mit Schwerpunkt frühe Kindheit an der Fachhochschule Koblenz und Leiter des Studienganges „Bildung und Sozialmangement mit Schwerpunkt frühe Kindheit B.A.“ und Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung im Kindesalter.

Im Herausgeberband berichten sowohl etablierte WissenschaftlerInnen als auch „newcomer“ über ihre Arbeiten.

Entstehungshintergrund

Der Sammelband reagiert auf das Fehlen einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift für den Bereich der Bildung, Erziehung und Betreuung und kann als der erste Band einer Reihe verstanden werden - ein zweiter Band ist zwischenzeitlich erschienen (Klaus Fröhlich-Gildhoff, Iris Nentwig-Gesemann, Ralf Haderlein (Hrsg.): Forschung in der Früpädagogik II. Freiburg: FEL 2009). Sowohl quantitative als auch qualitative Methoden und deren Kombinationen liegen den ausschließlich empirischen Beiträgen zugrunde, die einem Darstellungsschema verpflichtet sind und ein relativ strenges Auswahl- und Bewertungsverfahren durchlaufen haben.

Aufbau

Nach einem Einführungsbeitrag der HerausgeberIn sind sieben Forschungsbeiträge in alphabetischer Reihenfolge der Autorinnen aufgeführt. Zusammenfassungen auf Deutsch und auf Englisch sind jeweils vorangestellt. Der Aufbau war einheitlich vorgegeben, was wohl nicht nur dem Rezensenten das Lesen erleichtert. Eine Reflektion der Gütekriterien der angewandten Methoden war den Autorinnen aufgegeben, was diese Arbeiten und das Gesamtwerk im relativ neuen Forschungsbereich auszeichnet.

Inhalte

Dorothea Emmerl evaluierte eine Weiterbildung von Fach- und Lehrkräften in Kindertagesstätten und Grundschulen im Bereich der Zusammenarbeit in Hinsicht auf Handlungs- und Entscheidungsprozesse der Beteiligten. Die Untersuchung war längsschnittlich angelegt und griff als responsive Evaluation auf die dokumentarische Methode der rekonstruktiven Sozialforschung zurück. Gruppendiskussionen in einigen regionalen, dörflichen und städtischen Milieus in Bayern und Perspektiven unterschiedlicher Beteiligter – PraxisvertreterInnnen, Programmveranstalter, VertreterInnen von Schul- und Jugendämtern wurden analysiert. Beim Umgang mit geschützten Sozialdaten der Kinder wurden eine geänderte Praxis, aber kaum Änderungen in der Orientierung der Beteiligten festgestellt, die in Richtung auf ein Verständnis der Rechte der Kinder, die von ihren Eltern wahrgenommen werden, gehen. Im Hinblick auf „Risikokinder“ neigten die Akteure verstärkt dazu, das Statusgefälle der als „Laien“ wahrgenommenen Eltern und auch zwischen Fachkräften der Kindertagesstätten und der Lehrkräfte an den Schulen zu verfestigen. Leider erfährt der Leser nichts über die Weiterbildung selbst, deren Einfluss in Rede steht. Im Stil der Darstellung steht demgegenüber die akademische Prüfungsleistung der Autorin stark im Vordergrund.

Nicole Kirstein analysierte Beobachtungsprotokolle und Videoaufzeichnungen aus deskriptiver Feldforschung zu Kinderkonferenzen und Kinderratssitzungen in einem ländlichen Regelkindergarten in Hinsicht auf Aushandlungs- und Konfliktlösungsprozesse. Die sozialen Übereinkünfte der Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren und des achtköpfigen Teams belegten die Kompetenz der Kinder zur Partizipation an sozialen Bildungsprozessen. Die Bedeutung ko-konstruktiver Aushandlungsprozesse für soziale Wissensaneignung und soziale Beziehungen wurde unterstrichen. Der Einfluss der individuellen Strukturen der Gruppen, Konfliktnormen der Fachkräfte und die Haltung zur Partizipation im Konzept der Einrichtung konnten ebenso aufgezeigt werden wie geschlechtsspezifische Momente bei der kindlichen Beteiligung. Das alles bietet weiter ausgeführte Ansätze zur Reflektion und Weiterentwicklung der Partizipation der Kinder in Kindertagesstätten. Das Thema der Arbeit und die gewählte Methodik sowie die Ergebnisse beleuchten das Prinzip, dass Beteiligung von Kindern gesellschaftlich, normativ und in Bildung und Erziehung ein Element von zentraler Bedeutung ist. Die Tatsache allerdings, dass es sich um Kinderrechte als auch in Deutschland gültiges Recht handelt, blitzt im Text quasi nur verschämt auf.

Katja Mackowiak & Anke Lengning haben das Bochumer Angstverfahren zur Erfassung von Kinderängsten im subklinischen Bereich für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter (BAV 3-11) entwickelt. Ein breites Spektrum potenziell Angst auslösender Situationen wurde in einer Gesamtversion und zwei Kurzversionen insgesamt über 1000 Kindern im Alter von drei bis elf Jahren vorgelegt und von ihnen sowie als Fremdbeurteilern ihren Eltern beantwortet. Signifikante, moderate Zusammenhänge in der Selbst- und Fremdbeurteilung zeigten sich nur bei Grundschulkindern. Dies entspricht anderen Befunden zur Erfassung von kindlichen Ängsten aus unterschiedlichen Perspektiven. Items, die Trennungen thematisieren, wurden häufig als Angst auslösend beantwortet. Globale Angstneigungen bestimmten das Antwortverhalten der Kinder. Mädchen zeigten sich als ängstlicher als Jungen und wiesen auch andere Bewältigungsformen auf – was in Richtung auf geschlechtstypische Erwartungen im Antwortverhalten auf das Zugeben und Bewältigen von Ängsten hinterfragt wird. Höhere Ängstlichkeit von Grundschulkindern wird in Zusammenhang mit dem Übergang in die Schule gebracht, ein Absinken mit dem Alter dagegen mit gestiegenen Bewältigungskompetenzen. Fragen nach physiologischen Reaktionen – über welch letztere den Vorschulkindern Auskünfte schwer fielen – verweisen auf die Rolle gestiegenen Wissens über Ängste. Eine kritische Diskussion zu Ergebnissen und Anwendung des Verfahrens – Beachtung der kindlichen Belastung - wird gegeben.

Maike Rönnau, Gabriele Kraus-Gruner und Eva-Maria Engel stellen die Ergebnisse eines präventiven Programms zur Resilienzförderung in Kitas vor. Das von der Aktion Mensch geförderte Projekt ging über die Durchführung und Evaluation eines pädagogischen Programms zur Resilienzförderung, das mit Klaus Fröhlich-Gildhoff in Freiburg entwickelt worden war, hinaus. Ziel war, mit Beratungs-, Unterstützungs- und Trainingsprogrammen ein sozialraumbezogenes Konzept zur Resilienzförderung von Kindern unter Einbezug ihrer Familien in vier Kitas mit zusammen 247 Kindern und 193 Kindern in Kontrollgruppen durchzuführen und zu evaluieren, in Kooperation mit Erziehungsberatungsstellen. Die Kitas sollten zu vernetzten Anlaufstellen für Familien und zu gesundheitsförderlichen Lern- und Lebensorten werden, die stärker die Mitverantwortung für die ganzheitliche Entwicklung von Kindern übernehmen und Aktivitäten zur Resilienzförderung einleiten. Die Programmentwicklung und das Evaluationsdesign mit Theorie (Paradigmenwechsel zur Beachtung gesundheitsfördernder Schutzfaktoren in der Entwicklung!), Kontrollgruppen und quantitativen und qualitativen Methoden sowie deren Ergebnisse werden vorgestellt und reflektiert. Angesetzt wurde bei Fachkräften, Kindern, Eltern und Netzwerken. Mit einem mehrperspektivischen Kombinationsdesign mit Kontrollgruppen wurden die Probanden vor und nach der Intervention untersucht sowie nach 18 Monaten nachuntersucht. Fachkräfte gewannen an Kompetenz und Ressourcenorientierung, sie führten nach Projektende das Programm selbstständig weiter. Die Teams entwickelten sich positiv. In einem höheren Maße wurden Eltern erreicht. Bei den Kindern wurden Veränderungen in die angestrebte Richtung nachgewiesen bei ihrem Selbstwertgefühl, der kognitiven Entwicklung und damit bei Schutzfaktoren, die im Falle eintretender Lebensbelastungen sich als wirksam erweisen könnten. Ressourcenorientierte standardisierte Untersuchungsinstrumente wie „perik“ (Toni Mayr und Michaela Ulich, 2006) wurden nicht eingesetzt, was den beabsichtigten Prozess erschwerte. Wichtige Projektziele wurden dennoch erreicht. Dem Anspruch der HerausgeberIn an die Publikation wird dieser Beitrag in besonderer Weise gerecht.

Sarah Maria Soldanski fragt und beantwortet, in welche Beziehung Kinder sich selbst zu Tieren setzen. Mittels der dokumentarischen Methode der rekonstruktiven Sozialforschung wurden in Gruppendiskussionen Kinder zur Bedeutung von Tieren im Hier und Jetzt ihres Alltags befragt. Unter Verweis auf Annahmen zur Bedeutung von Tieren für Kinder – Angezogen Sein und Ängsten - in der Psychologie und Pädagogik wird im Rahmen der Kindheitsforschung die Frage nach der Bedeutung von Beziehungen von Kindern zu Tieren neu gestellt. Hypothesen sollten nicht postuliert, sondern erst aus den explorativen Daten generiert werden. Die Kinder wurden als Akteure ihrer Lebenswelt und ihre Entwicklung als eingebettet in soziale Interaktionen vorausgesetzt und dies als Grundlage für die gewählte Methode der Gruppendiskussionen genommen. Sowohl die zentralen Orientierungen der Kinder als auch die Aushandlungsprozesse in der Gruppe ließen sich in den Blick nehmen. Von vier Gruppendiskussionen mit 19 Kindern von 7 bis 12 Jahren fanden drei in pädagogischen Einrichtungen mit Tierhaltung statt, die vierte ohne Tierhaltung unter der Annahme, dass die dort befragten Kinder über weniger Erfahrungen mit direkten Kontakten zu Tieren verfügen. Darüber hinaus wurden für Mädchen und Jungen und Kinder unterschiedlichen Alters sowie für Kinder mit Migrationshintergrund erwartet, dass sich ihre Orientierungen unterscheiden würden. Erzählpassagen wurden zur Erfassung des atheoretischen Wissens der Kinder herangezogen. Kinder hatten danach Kontakte zu ganz unterschiedlichen Arten von Tieren und diese besitzen auf unterschiedlichen Ebenen Bedeutung für sie. Kontrastierende Auswertungen waren jedoch Beschränkungen der Stichproben und des Durchführungsrahmens unterworfen. Es wird herausgearbeitet, dass Tiere Kindern eine Vielfalt an Möglichkeiten bieten, wichtige Lebensprozesse mitzuerleben, umso mehr, je tierferner die Sozialisation der Kinder im Alltag verläuft. Die Übernahme von Verantwortung spielt dabei eine wichtige Rolle. Hervorgehoben werden der Wunsch nach einer persönlichen Beziehung zum Tier vor dem Wissen über Tiere, eine Dezentrierung ihres egozentrischen Weltbildes, die Reproduktion gängiger Geschlechterrollen auch in diesem Bereich, empfundene Bedrohlichkeit bei dem Menschen eher fern stehenden Lebewesen (Fische, Schlangen, Spinnen) gegenüber Nähe bei Fell tragenden Säugetieren, Ekel bei Tieren, deren Verhalten scheinbar Hygienestandards nicht entspricht. Dies entspreche nicht den Erwartungen Erwachsener, die Bedeutung allein zum Spielen geeigneten Haustiere und nur realen Tieren, nicht dagegen an tierischen Vorbildern orientierten Wesen aus den Medien zuschreiben. Der Beitrag ist spannend zu lesen auch hinsichtlich des in der zugrunde liegenden Magisterarbeit verwendeten methodentheoretischen Ansatzes. Implizit werden in diesem Beitrag mehr hypothetische Annahmen involviert als zunächst postuliert und zu pädagogisch verwertbaren Aussagen verdichtet. Der Einfluss der Forschenden bzw. beteiligten Fachkräfte, die sich theoretisch heraushalten, könnte eingehender thematisiert werden.

Petra Strehmel ermittelte in Hamburg längsschnittlich Effekte eines vom DPVW geförderten Programms zur Förderung des Zweitspracherwerbs für Kinder von drei bis sechs Jahren mit Migrationshintergrund. Elemente waren Kleingruppenarbeit, Querschnittsförderung der deutschen Sprache in der Kita, Elternarbeit, Teamarbeit und Management. Effekte der Kleingruppenarbeit wurden bei mehr als 250 Kindern in 30 Kitas in einer Interventions- und einer Kontrollgruppe hinsichtlich des Sprachstandes zu Beginn und am Ende des Programms sowie bei 100 Kindern ein Jahr später überprüft. Eingesetzt wurde das Konzept zum Zweitspracherwerb von Roger Loos, das die Stärkung in der Muttersprache sowie den Einbezug der Eltern, die Schulung und Unterstützung der Fachkräfte, Einbindung in das Gesamtkonzept der Einrichtung und eine überschaubare Investition vorsieht. Die Kinder wurden mittels SISMIK (Michaela Ulich und Toni Mayr, 2003) ausgewählt und in Gruppen von 5 – 7 Kindern mit homogenem Sprachstand gezielt und kontinuierlich gefördert. Mit den Eltern wurde eine Unterstützung der Förderarbeit vereinbart, sowie, dass sie nur in ihrer Familiensprache mit ihrem Kind sprechen sollten. Die Fachkräfte und Leitungen wurden geschult. In die Kitas wurde die Sprachförderung als Querschnittsaufgabe eingeführt. Theoretische Hintergründe zum Erwerb der Erst- und Zweitsprache werden gegeben, wobei mit letzterer Deutsch in einer überwiegend deutsch sprechenden Umgebung gemeint ist. Dabei erschien die Lingualität der Kinder differenzierter als von Loos postuliert, selten sind sie monolingual in ihrer Herkunftssprache und entwickeln in unterschiedlicher Weise einen Ausdruck ihrer mehrkulturellen Identität. Erwerb von Herkunftssprache und Deutsch stehen in engem Zusammenhang, auch abhängig von Struktur und Wortschatz der Erstsprache. Die Sprachpraxis in den Familien mit Migrationshintergrund ist gemischt, sie variiert nach Herkunftsland der Eltern ebenso wie nach Generationenbeziehungen und Integrationsprozesse der Familien. In den Kitas findet sich eine Sprach(en)vielfalt. Merkmale des Kindes, der Familie und der Kitas wurden entsprechend in der Studie berücksichtigt. Ergebnisse: Sowohl hinsichtlich der Voraussetzungen der Kinder als auch der Umsetzung des Programms in den Einrichtungen gab es unkontrollierbare Unterschiede. Für Jungen und für die jüngeren Kinder ergaben sich signifikante Fördereffekte, während die Kinder aus den Kontrollgruppen stagnierten, wenn sie ohne Deutschkenntnisse in die Kita gekommen waren oder in ihrer Familie nicht deutsch gesprochen wurde. Dem Follow-Up zufolge entwickelten Kinder ihre Sprachkompetenz schneller als ältere und holten sie ein, wenn sie vor dem Kindergartenalter bereits eine Kita besucht hatten. Für benachteiligte Kinder zeigten sich kompensierende Effekte. Der ausschließliche Gebrauch der Herkunftssprache in den Familien erschien als ungünstig für den Erwerb der deutschen Sprache für die Kinder. Methodische Probleme werden von der Autorin diskutiert. Die Konzentration auf die Effekte der Kleingruppenförderung in der Kita lässt darüber hinaus die Frage offen, wie beim Einbezug der Eltern und der Förderung ihrer Integration verstärkt angesetzt werden kann.

Dörte Weltzien und Susanne Viernickel gehen vom Bild des Kindes als innerhalb einer Lernumwelt aktiv lernendem Individuum aus, das ko-konstruktiv seine Selbstbildungspotenziale entfaltet, und berichten von einem Teilprojekt „Beobachtungs- und Erziehungspartnerschaft“ der Offensive Bildung. Sie gingen der Frage nach, wie sich durch den Kompetenzzuwachs von Fachkräften die Wahrnehmung kindlicher Interessen, Dialogbereitschaft und Teilhabe entwickeln. Bezug genommen wird auf die Bildungs- und Lerngeschichten von Margaret Carr, die in Deutschland vom DJI angepasst und eingeführt wurden, und eine Dokumentation kindlicher Entwicklung beinhalten, die nicht über, sondern mit Kindern und ihren Eltern und für die Kinder angelegt werden. Sie erfordern eine dialogorientierte pädagogische Praxis im Sinne von „anhaltendem gemeinsamen Nachdenken“ (Pesch, 2005) und mit ergebnisoffenem Fragen im Rahmen einer anregenden Lernumgehung. Dies wurde in 27 Ludwigshafener Kitas mit ca. 250 Fachkräften untersucht. Mit Fragebogen und Interviews sowie teilnehmenden Beobachtungen und standardisierten Erhebungsinstrumenten wurden Einstellungen, Wahrnehmungen und Verhaltensweisen von Fachkräften vor und nach einjähriger Schulung hinsichtlich der Bildungs- und Lerngeschichten als formative Evaluation erfasst. Festgestellt wurden mehr offene Gespräche mit den Kindern, Kompetenzsprünge bei einigen Fachkräften, aber auch, dass partizipatives Zusammenarbeiten nicht überall entstanden war. Es handelt sich um Zwischenergebnisse des länger laufenden Projektes. Weiterer Bedarf an Entwicklungen der bisher sehr unterschiedlichen Gesprächshaltungen und Gesprächsverläufe besteht. Erfolgsfaktoren auf der individuellen Ebene der Fachkräfte bedürfen weiterer Untersuchung. Vertieftes Fachwissen scheint dazuzugehören. Die Kausalität der Beziehungen von Wahrnehmung und Beobachtung einerseits und Dialogbereitschaft und Teilhabe andererseits sowie erlebte Momente intensiver Interaktion erfordern ebenfalls empirische pädagogische Erforschung. Der wegweisenden Einschätzung der Autorinnen, dass geforderte aufwändige Dokumentation der Bildungsleistungen zu wertvollerer Zeit mit Kindern führen müsse, kann nur zugestimmt werden.
Die schwierige und allgemeine Titelformulierung hätte konkreter auf die Untersuchung im Zusammenhang mit Bildungs- und Lerngeschichten gefasst sein können. Das Interesse der Eltern an Einblick in die Lernentwicklung ihrer Kinder, gesetzliche Vorgaben und Bildungspläne werden wohl, Kinderrechte als deren Legitimation aber nicht thematisiert. Der Beitrag ist ein eindringlicher Beleg dafür, dass sich das frühpädagogische Berufsfeld verändert und höhere Leistungen von Fachkräften erfordert, auf die sie in Aus- und Fortbildung vorbereitet werden müssen.

Fazit

Anlage und Beiträge des Bandes regen eine Methodendiskussion und die Weiterentwicklung von Standards in der pädagogischen Forschung der frühen Kindheit an. Weitere Fragen zur empirischen Untersuchung und Klärung bzw. Absicherung der Ergebnisse werden generiert. Der Band kann als sehr wichtige Publikation für die neue Zielgruppe akademisch ausgebildeter Elementarpädagoginnen und –pädagogen gelten. Gemeinsame Themen mit der Grundschule wie Basiskompetenzen und unterrichtsnahe Kompetenzen, gemeinsame Aus- und Fortbildung von Fach- und Lehrkräften im Sinne eines kohärenten Bildungssystems und daher der Anschluss an die empirische Forschung zum Übergang in die Grundschule sollten nicht aus dem Auge verloren werden.


Rezensent
Wilfried Griebel
Wissenschaftlicher Referent im Staatsinstitut für Frühpädagogik, München und stellv. Vorsitzender im Deutschen Kinderschutzbund, Landesverband Bayern e.V.
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Zitiervorschlag
Wilfried Griebel. Rezension vom 16.09.2009 zu: Klaus Fröhlich-Gildhoff, Iris Nentwig-Gesemann , Ralf Haderlein (Hrsg.): Forschung in der Frühpädagogik I. FEL Verlag Forschung Entwicklung Lehre (Freiburg) 2008. ISBN 978-3-932650-27-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/6614.php, Datum des Zugriffs 28.07.2016.


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