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Kim de Groote, Flavia Nebauer (Hrsg.): Kulturelle Bildung im Alter

Kim de Groote, Flavia Nebauer (Hrsg.): Kulturelle Bildung im Alter. Eine Bestandsaufnahme kultureller Bildungsangebote für Ältere in Deutschland. kopaed verlagsgmbh (München) 2008. 279 Seiten. ISBN 978-3-86736-037-1. 18,80 EUR.
Reihe: Kulturelle Bildung - Vol. 7.

Thema und Entstehungshintergrund

Die Enquete-Kommission des deutschen Bundestages „Kultur in Deutschland“ hat 2007 den Stellenwert von kultureller Bildung im Lebenslauf herausgearbeitet. Es liege auch in der öffentlichen Verantwortung, Möglichkeiten und Optionen zu öffnen, die „gewonnenen Jahre“ (Rosenmayr) im Alter mit Leben zu füllen. Vor diesem Hintergrund ist die parallel zur Enquete-Kommission entstandene Studie des Projektes „Kulturelle Bildung im dritten und vierten Lebensalter“ von Kim de Groote und Flavia Nebauer, MitarbeiterInnen des Instituts für Bildung und Kultur in Remscheid zu sehen. Seit seiner Gründung (1984) arbeitet das IBK forschend und entwickelnd im Bereich kultureller Bildung, setzte auch für das Feld Seniorenkulturarbeit frühzeitig innovative Impulse. In der hier vorgestellten Studie wird eine Bestandsaufnahme kultureller Bildung für Ältere in Deutschland vorgelegt: Ein gelungener umfassender Überblick über Erkenntnisstand, Diskurse, Praxisfelder und Akteure.

Aufbau …

Hauptteil und Schwerpunkt der Studie (ca. 200 Seiten) bilden sieben Praxisfelder, die jeweils von einem etwa einseitigem deutsch- und englischsprachigem abstract eingeleitet werden:

  1. Kulturvermittlung für Ältere in der Hochkultur
  2. Angebote 50+ von kulturpädagogischen Einrichtungen
  3. Soziokulturelle Zentren
  4. Kirche als Anbieter kultureller Bildung
  5. Integration durch kulturelle Bildung
  6. Einrichtungen der Erwachsenenbildung
  7. Selbstorganisierte Aktivitäten.

Als Hinführung zu diesem Hauptteil finden sich ein Überblicksartikel (auch in englischer Sprache abgedruckt), der wesentliche Ergebnisse der Studie knapp (acht Seiten) zusammenfasst; ein zweiter Beitrag, der begrifflich und konzeptionell die Schnittpunkte zwischen kultureller Bildung und Altenbildung diskutiert. Weiter finden sich eine knappe Entfaltung des Untersuchungsdesigns (Literaturrecherche, Sekundäranalyse, Feldrecherche, Experteninterviews, Befragung von Landesministerien, Sammlung guter Praxisbeispiele), die Vorstellung einiger aktueller empirischer Studien zum Gegenstand und eine tabellarische Darstellung der Förderpraxis in den 16 Bundesländern.

… und Inhalte

Begrifflich – und dies wird in zureichender Weise skizziert – bewegt sich die Studie gleichsam auf mehrfach ungesichertem Terrain: Sowohl die präzise Fassung der Lebensphase Alter als auch die Klärung der Begriffe Bildung und Kultur steht bislang aus. Als Arbeitsgrundlage wird eine Definition des Gegenstands von Fuchs (2007) vorgeschlagen: „Kulturelle Bildung (als Kernbegriff der Kulturpädagogik) ist Allgemeinbildung, die mit kulturpädagogischen Arbeitsformen vermittelt wird.“ (S. 33) Als Ziele kultureller Bildungsarbeit werden dabei die gleichen wie die der allgemeinen Bildungsarbeit ausgewiesen: Herstellen von Handlungsfähigkeit, Herstellen der Fähigkeit zur Gestaltung von Gesellschaft sowie Persönlichkeitsentwicklung.

So wenig klar begrenzbar der Begriff so diffus und kaum klar kategorisierbar die Angebotsstruktur. Den AutorInnen ist zuzustimmen, wenn sie die Bildungslandschaft kultureller Bildung für Ältere in Deutschland als „überaus komplexe Struktur“ (S. 71) charakterisieren. Die Komplexität und Unübersichtlichkeit bezieht sich dabei auf Lernorte, verschiedene Träger, unterschiedliche Zielgruppen, eine Vielzahl von Konzepten unter Verwendung unterschiedlicher Medien. Drei Felder überdachen gewissermaßen die verschiedenen Praxisfelder: Kunst und Kultur (z.B. Kulturpädagogische Einrichtungen), Erwachsenenbildung (z.B. Volkhochschulen) und Soziales und Gemeinwesen (Z.B. Kirchliche Gemeinde- und Altenarbeit). Bewusst ausgespart in der Betrachtung wurden die Bereiche Altenhilfe, Rehabilitation/Therapie, öffentliche Medien sowie Reiseveranstalter/Kulturtourismus, für die eine eigene Untersuchung aber angemahnt wird.

Fazit

Die AutorInnen haben mit der Studie eine hilfreiche, da zugleich strukturierende und materialreiche Über-Sicht zu einem wichtigen aber diffusen Bereich vorgelegt. Sprachliche Gestaltung und Lay-Out werden dabei auch interessierte PraktikerInnen ansprechen.


Rezensent
Prof. Dr. Heinz Bartjes
Hochschule Esslingen, Fakulät für Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege
Arbeitsschwerpunkte: Soziale Altenarbeit; Männer- und Geschlechterforschung; Theater und Soziale Arbeit, Bürgerschaftliches Engagement.
Homepage www.hs-esslingen.de/mitarbeiter/Heinz.Bartjes
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Zitiervorschlag
Heinz Bartjes. Rezension vom 28.05.2009 zu: Kim de Groote, Flavia Nebauer (Hrsg.): Kulturelle Bildung im Alter. kopaed verlagsgmbh (München) 2008. 279 Seiten. ISBN 978-3-86736-037-1. In: socialnet Rezensionen unter http://www.socialnet.de/rezensionen/6675.php, Datum des Zugriffs 11.03.2010.


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