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Karl Mangei: Nachtcafé im Altenpflegeheim

Karl Mangei: Nachtcafé im Altenpflegeheim. "Wer will denn schon um 18 Uhr ins Bett?". Mangei (Bruchsal) 2008. 87 Seiten. ISBN 978-3-936778-18-2. 16,90 EUR.

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Zielgruppe und Zielsetzung

Das vorliegende Buch von Karl Mangei versteht sich als Praxishilfe für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der stationären Altenhilfe. Als Grundlage wurden 32 Altenhilfeeinrichtungen angeschrieben und befragt, die nach eigenen Angaben über ein Nachtcafé verfügen. 15 Einrichtungen beteiligten sich an Umfrage und stellten Materialien und Informationen zur Verfügung, auf denen die Inhalte des Buches fußen.

Der Autor ist spürbar leidenschaftlicher Verfechter des Modells „Nachtcafé“. Das Buch soll von der Idee begeistern und Verantwortliche so wie Mitarbeitende in Pflegeheimen motivieren, die gewohnte institutionalisierte Tagesstruktur zu verändern. Es ruft dazu auf, mehr Lebensnormalität zu wagen, scheinbaren strukturellen Zwängen zu begegnen und im Heim „die Tage länger und die Nächte kürzer“ zu machen.

Aufbau ...

Das Buch ist grob in zwei Teilen gegliedert.

  1. Der erste Teil beschreibt auf der Basis der vom Autor durchgeführten Untersuchung und auf der Grundlage eigener Erfahrungen einzelne organisatorische und praktische Fragen, die sich bei der Implementierung eines „Nachtcafé“ stellen können.
  2. Der zweite (Materialien- und Praxis-)Teil besteht im Wesentlichen aus Konzepten und Selbstbeschreibungen, die von acht unterschiedlichen Einrichtungen zur Verfügung gestellt oder aus anderen Publikationen übernommen wurden.

Das Buch schließt mit der Zusammenfassung der Umfrageergebnisse im Sinne einer Kurzauswertung.

... und Inhalt

Im ersten (Theorie-) Teil beschreibt der Autor, die aus seiner Sicht gängige Tagesstruktur in stationären Altenhilfeeinrichtungen. Dabei bezieht er sich zum Teil auch auf reißerische Presseberichte der letzten Jahre, welche die skandalösen Zustände in deutschen Pflegeheimen anprangern. Sein Fazit: In einem großen Teil deutscher Pflegeheime werden die Bewohner institutionalisiert, müssen aufgrund organisatorsicher Zwänge bereits um 18 Uhr ins Bett; die in den Heimen gelebte Tagestruktur entspricht nicht der Lebensnormalität. Auch angesichts eines sich verändernden Klientels mit zunehmend dementiellen Erkrankungen, gilt es, sich stärker auf die individuellen Wach-/ Schlaf- und Beschäftigungsbedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner einzustellen. Ein Lösungsansatz für mehr Lebensnormalität im Heim ist für den Autor die Einrichtung eines „Nachtcafès“.
In 14 knappen Kapiteln begründet Mangei seine Forderung und beschreibt die Wesensmerkmale dieser Betreuungsform. Es werden u.a. die Minimalanforderungen an Räumlichkeiten und Personaleinsatz beschrieben. Die Frage nach der gemeinsamen Betreuung von dementen und orientierten Bewohnern im Nachtcafé wird ebenso behandelt, wie die Notwendigkeit anderer Arbeitszeitmodell und besonderer Finanzierungsformen, um die abendlichen (Personal-)Ressourcen zu verbessern. Bei allem Enthusiasmus für das Modell ist dem Autor sehr wohl bewusst, dass es nur funktioniert, wenn es den Verantwortlichen gelingt, Mitarbeitende zu begeistern und die nötige Akzeptanz und Bereitschaft bei diesen zu wecken.
Der Theorieteil schließt unter dem Stichwort „Nachtcafé statt Schlaftabletten“ mit wenigen Zitaten und Berichten, welche die Steigerung des Wohlbefindens von Bewohnerinnen und Bewohnern durch das neue Angebot beschreiben.

Im Materialien- und Praxisteil sind aus acht Einrichtungen Konzepte und Erfahrungsberichte zusammengetragen. Zum Teil handelt es sich dabei um den Nachdruck anderer Veröffentlichungen, wie von Zeitungsartikeln, Tagungsdokumentationen und Auszügen aus Fachbüchern.
Die einzelnen Konzepte und Berichte haben eine unterschiedliche Tiefe, ergeben insgesamt aber ein rundes Bild. Vor allem eines der abgedruckten Konzepte (CBT-Wohnhaus Emmaus, Bonn) bietet aus Sicht des Rezensenten eine sehr fundierte Arbeitshilfe.

Diskussion

Das faktisch nicht sehr umfangreiche Buch von Karl Mangei versteht sich als Arbeitshilfe für Mitarbeitende in der Altenhilfe, nicht als wissenschaftliche Abhandlung. Der Autor hat auch bei seiner kurzen Untersuchung keine strengen, der Sozialforschung folgenden Maßstäbe angelegt. Das Buch ist so geschrieben, dass es von ungelernten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Heim ebenso gut gelesen werden kann, wie von Fachkräften und Leitungsverantwortlichen. Gliederung und Typographie erleichtern den Lesefluss und laden ein, auch einmal vor oder zurück zu blättern.

Dem Autor ist anzumerken, dass er „Lust auf Nachtcafé“ machen möchte. Er gibt ausreichende praktische Hinweise, mit denen man in seiner jeweiligen Einrichtung ein Nachtcafé implementieren könnte. Weiterführende Literaturhinweise ermöglichen es, noch tiefer einzusteigen.

Der 2 ½-seitige Exkurs „Verbindung von Nachtcafé und Nachtpflege nach § 41 SGB XI“ wäre aus Sicht des Rezensenten entbehrlich gewesen, das seines Wissen nach die Nachtpflege in Deutschland immer noch ein Nischendasein führt.

Wünschenswert wäre, wenn der Autor eine kurze Verknüpfung zwischen individuellen Gewohnheiten und Bedürfnissen der Bewohner, einer gezielten Pflegeprozessplanung und dem „Nachtcafé“ hergestellt hätte, denn wie jedes andere pflegerische oder soziokulturelle Angebot muss auch dieses hinsichtlich seiner Wirksamkeit auf den einzelnen Bewohner evaluierbar sein und schärfer werdenden Qualitätsprüfungen standhalten.

Etwas unbefriedigt bleibt der Leser bei der Frage der Finanzierbarkeit zusätzlicher personeller Ressourcen für die abendliche und nächtliche Versorgung im Heim, denn durch die Einführung eines „Nachtcafés“ darf es nicht zu Leistungseinschränkungen am Tage kommen. Die Forderung nach höheren Pflegesätzen ist hier angesichts leerer öffentlicher und privater Kassen sicher etwas zu kurz gegriffen. Auch kann ein derartiges Angebot nicht flächendeckend mit Hilfe von Stiftungen und Spenden organisiert werden.

Vielleicht bietet hier mit Inkrafttreten des Pflegeweiterentwicklungsgesetzes zum 01.07.2008 das Zusatzpersonal nach § 87b SGB XI eine Möglichkeit, dieses gezielt für derartige Angebote einzusetzen. Einige Träger sind bereits dabei, diese neuen Mitarbeiter verbindlich nur in den Spätnachmittag- und Abendstunden einzusetzen.

Fazit

Ein gut lesbares Büchlein, welches geeignet, ist Mitarbeitenden und Leitungsverantwortlichen in Heimen einen Einstieg in das Thema „Nachtcafé“ zu bieten und ausreichende Umsetzungsempfehlungen für einen Start an die Hand gibt.


Rezensent
Dipl. Soz. Gerontologe Peter-Christian König
Sozialarbeiter, Mitarbeiter im Ev. Johanneswerk e.V. Bielefeld, Stabsstelle Regionalorganisation
Homepage www.johanneswerk.de
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Zitiervorschlag
Peter-Christian König. Rezension vom 14.09.2009 zu: Karl Mangei: Nachtcafé im Altenpflegeheim. Mangei (Bruchsal) 2008. 87 Seiten. ISBN 978-3-936778-18-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/6691.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.


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