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Ulrike Ehlert (Hrsg.): Verhaltensmedizin

Cover Ulrike Ehlert (Hrsg.): Verhaltensmedizin. Springer-Verlag (Berlin, Heidelberg, New York, Hongkong, London, Mailand, Paris, Tokio, Wien) 2003. 637 Seiten. ISBN 978-3-540-42929-6. 49,95 EUR, CH: 80,00 sFr.

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Einführung ins Thema

Die Verhaltensmedizin ist ein verhältnismäßig junges interdisziplinäres, aber inzwischen bedeutendes Arbeitsfeld. Sie erhebt den Anspruch der Verwirklichung eines biopsychosozialen Ansatzes, indem neben biologischen Faktoren, diejenigen psychologischen und sozialen Umstände erforscht werden sollen, welche zur Genese und/oder Aufrechterhaltung von somatischen Erkrankungen beitragen. In dieser Disziplin werden darüber hinaus medizinische Ansätze mit Kenntnissen und Methoden aus der Verhaltenstherapie verknüpft, um Prävention, Diagnose, Behandlung sowie Rehabilitation somatischer Erkrankungen zu unterstützen. Die Verhaltensmedizin ist daher, anders, als der Begriff vermuten läßt, eine Wissenschaft, die substanziell durch psychologische, insbesondere lern- und verhaltenstheoretische Konzepte geprägt wird.

Entstehungshintergrund und Autoren

Die Psychologieprofessorin Ulrike Ehlert von der Universität Zürich hat das zweite Lehrbuch der Verhaltensmedizin im deutschsprachigen Raum vorgelegt. Sie konnte hierzu eine stattliche Anzahl von namhaften Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft und Praxis gewinnen. Das erste Lehrbuch mit gleichlautendem Titel erschien 1986 ebenfalls im Springer-Verlag und war von Miltner, Birbaumer und Gerber, den Protagonisten der Verhaltensmedizin in Deutschland, erarbeitet worden.

Inhaltsübersicht

In einem ersten Teil werden die Grundlagen der Verhaltensmedizin dargelegt. Nach einer Standortbestimmung der Verhaltensmedizin bzw. Abgrenzung zu den Neurowissenschaften, der klinischen Psychologie, der medizinischen Psychologie und Psychosomatik, werden biologische Konzepte, beispielsweise zum Nervensystem, zum endokrinen System, zum Immunsystem und zur Verhaltensgenetik erörtert.

Im dritten Kapitel werden zentrale psychologische Ansätze, etwa Lerntheorien, subjektive Krankheitsmodelle, Forschungen zum Krankheitsverhalten und zur Krankheitsbewältigung sowie zur Lebensqualität vorgestellt.

Anschließend werden Methoden der Verhaltensmedizin und diagnostische Verfahren geschildert. Der erste Teil schließt ab mit einem Kapitel zu Anwendungsfragen.

Im zweiten Teil Spezifische Anwendungsfelder der Verhaltensmedizin (Kap. 6-18) werden folgende Themen abgehandelt:

- Chronische Schmerzsyndrome

- Herz-Kreislauf-Erkrankungen

- Atemwegserkrankungen

- Störungen des gastrointestinalen Systems

- Krebserkrankungen

- Dermatologische Erkrankungen

- Gynäkologie und Geburtshilfe aus einer biopsychosozialen Perspektive

- Immunologische Erkrankungen: Rheuma, Lupus erythematodes und HIV-Infektion

- Fibromyalgie und chronisches Erschöpfungssyndrom

- Adipositas

- Diabetes mellitus

- Tinnitus

- Neurologische Erkrankungen

Diese Kapitel sind im Aufbau wesentlich aufeinander abgestimmt: Nach der Definition der Erkrankung bzw. des Syndroms, der Darstellung ätiologischer und epidemiologischer Aspekte, werden physiologische, psychobiologische sowie psychologische Grundlagen und Modelle diskutiert. Es folgt eine kritisch-reflexive Darstellung krankheitsspezifischer verhaltensmedizinischer Interventionsstrategien, und es werden - soweit schon empirisches Datenmaterial vorliegt -Angaben zum Grad der Wirksamkeit der einzelnen Verfahren berichtet. Jedes Kapitel schließt mit einer Zusammenfassung und Wiederholungsfragen ab.

In einem Epilog gibt die Herausgeberin Informationen zu Kongressen und wichtigen Internetseiten. Sie wendet sich direkt an den Leser mit der Bitte um Rückmeldung zur weiteren Verbesserung des Lehrbuches.

Durch ein ausführliches Glossar wird die "Benutzerfreundlichkeit" des Lehrbuches erhöht.

Zielgruppen und Verwendbarkeit

In erster Linie ist das Lehrbuch für Studierende der Psychologie und Medizin sowie praktisch tätige Klinische Psychologen, Psychotherapeuten und Mediziner geschrieben.

Weitere Berufsgruppen, die im Bereich der Prävention und Rehabilitation von körperlichen Erkrankungen arbeiten, also auch Sozialpädagogen und Sozialarbeiter, profitieren von dem Werk, da sie das Besondere verhaltensmedizinischer Herangehensweisen kennenlernen, auch wenn sie selbst nicht unmittelbar "verhaltensmedizinische" Methoden in ihrer Arbeit anwenden dürfen.

Fazit

Insgesamt ist der Herausgeberin ein hervorragendes Lehrbuch gelungen, das den neuesten Stand dieser Disziplin wiedergibt. Gleichzeitig verdeutlicht diese Synopse, wohin die Verhaltensmedizin ihre weiteren Forschungungsanstrengungen ausrichten muß, um den Anspruch, eine biopsychosoziale Wissenschaft zu sein, realisieren zu können: Die sozialen Bedingungen von Krankheit und Gesundheit sollten stärker thematisiert werden.


Rezensent
Prof. Dr. Hans-Peter Michels
Dipl.-Psychol.
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Zitiervorschlag
Hans-Peter Michels. Rezension vom 04.03.2003 zu: Ulrike Ehlert (Hrsg.): Verhaltensmedizin. Springer-Verlag (Berlin, Heidelberg, New York, Hongkong, London, Mailand, Paris, Tokio, Wien) 2003. 637 Seiten. ISBN 978-3-540-42929-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/671.php, Datum des Zugriffs 23.05.2012.


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