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Norbert Erlemeier: Alternspsychologie. Grundlagen für Sozial- und Pflegeberufe

Cover Norbert Erlemeier: Alternspsychologie. Grundlagen für Sozial- und Pflegeberufe. Waxmann Verlag (Münster/New York/Berlin/München) 2002. 2., erweiterte Auflage. 300 Seiten. ISBN 978-3-8309-1185-2. 19,50 EUR.

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Zum Thema des Buches

"Altern" kann als Teil der lebenslangen Entwicklung des Menschen verstanden werden. "Alternspsychologie" befasst sich dann mit den Erkenntnissen über das Verhalten und Erleben von Menschen in der zweiten Lebenshälfte. "Alternspsychologie" gibt darüber Auskunft, wie ältere Menschen sich selbst erleben, was sie können, was sie fühlen, welche Beziehungen sie haben, wie sie mit anderen Menschen interagieren, wie sie von anderen gesehen werden.

Zum Aufbau des Buches

Der Autor ist Professor und war hauptamtlich Lehrender für das Fach Psychologie/Gerontopsychologie am Fachbereich Sozialwesen einer Fachhochschule. Als Einstieg in sein Buch gibt er einen kurzen Problemaufriss, der zeigt, welche Perspektiven ihm bei der "Psychologie des Alterns" wichtig sind und welche Schwerpunkte er setzt. Er sieht dabei "Alternspsychologie" als Beitrag zum multidisziplinären Ansatz der Gerontologie.

Bevor Erkenntnisse der Psychologie zum Altern selbst dargestellt werden, geht der Autor auf die Vorstellungen ein, die es von älteren und alten Menschen in unserer Gesellschaft gibt. Diese "Altersbilder" finden sich im Privaten, aber auch in den Medien. Sie verallgemeinern oft bestimmte Merkmale oder Eigenschaften einer kleinen Gruppe und werden damit den vielfältigen Unterschieden zwischen älteren Menschen nicht gerecht. Demgegenüber stehen die Erkenntnisse der Alternspsychologie zum "differentiellen", also unterschiedlichen Altern. Schon die Definitionen des Alters und des Alterns zeigen, dass es unter verschiedenen Aspekten, etwa biologischen, sozialen aber auch psychologischen gesehen werden kann. Ebenso kann die Entwicklung im Alter wieder unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden, z. B. als eine Abfolge von gesellschaftlichen Anforderungen und den Fähigkeiten der Menschen, mit diesen Anforderungen umzugehen, sie zu meistern. Man kann die Entwicklung im Alter aber auch danach befragen, wie sie verlaufen müsste, um als "erfolgreich" beurteilt zu werden.

Wie sehen nun Veränderungen im Alter tatsächlich aus? Erlemeier stellt hierzu Ergebnisse gerontologischer Forschung vor, die Tendenzen der Stabilität aber auch der Veränderung in intellektuellen Leistungen, in der Persönlichkeit und in sozialen Beziehungen zeigen.

Ergänzt werden diese Erkenntnisse durch das Thema "Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit im Alter". Dabei werden theoretische Annahmen und empirische Ergebnisse darüber vorgestellt, ob sich ältere Menschen wohler fühlen, wenn sie aktiv sind, wenn sie sich langsam zurückziehen, wenn sie in den Bereichen, die für sie wichtig sind, eine gewisse Kontinuität in ihrem Lebensstil aufrecht erhalten oder wenn sie in späteren Phasen ihres Lebens wichtigeren sozialen Beziehungen den Vorzug geben.

Abschließend geht Erlemeier auf Handlungskonzepte ein, die im Wesentlichen auf der Grundlage der Alternspsychologie entwickelt wurden. Diese Handlungskonzepte werden als "Interventionsgerontologie" bezeichnet. Sie umfassen Vorschläge zur Schaffung günstiger Entwicklungsbedingungen, zur Vorbeugung von Altersabbau, zur Rehabilitation und Therapie und zum Umgang mit irreversiblen Einschränkungen und Verlusten, so z. B. zur Arbeit mit dementen alten Menschen.

Zielgruppen des Buches

Norbert Erlemeier wendet sich vor allem an Studierende und Berufstätige, die mit alten Menschen zusammenarbeiten. Das Buch ist als grundlegende Einführung in die Alternspsychologie im Rahmen der Aus- und Weiterbildung von Altenpflegern und Altenpflegerinnen sowie Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen gedacht.

Diskussion

Der Aufbau des Buches orientiert sich an der Struktur der Gerontopsychologie, die Aussagen beziehen sich im Wesentlichen auf alle älteren und alten Menschen und nicht speziell die Gruppe der hilfebedürftigen Älteren. Vor allen Dingen im Kapitel über "Interventionsgerontologie" gibt Erlemeier Hinweise auf die Anwendung der Erkenntnisse in der Praxis. Leider hat sich in der Gerontologie der Begriff "Interventionsgerontologie" eingebürgert. Er schließt m. E. eine wenig kommunikative Vorstellung von Zusammenarbeit zwischen Fachkraft und älterem Menschen ein, der sich auch in den vorgestellten Verfahren wiederspiegelt. Er entspricht damit m. E. nicht der dem Buch zugrunde liegenden Vorstellung, dass soziale Altenarbeit und Altenpflege mit dem selbständigen, selbstbestimmten und kompetenten älteren Mitbürger arbeiten. Dies ist allerdings nicht dem Autor als Referenten gerontopsychologischer Literatur anzulasten.

Fazit

Das Buch gibt einen guten Überblick über Grundlagen der Alternspsychologie. Der Autor stellt die Erkenntnisse differenziert und sorgsam dar, so dass der wissenschaftliche Hintergrund und damit auch die Begrenztheit und/oder Verallgemeinerbarkeit von Aussagen deutlich werden - was im Rahmen von Ausbildung wichtig ist. Zugleich ist das Buch sehr verständlich geschrieben, die einzelnen Kapitel werden durch Zusammenfassungen, Schaubilder und Literaturangaben ergänzt. Insgesamt handelt es sich um ein gut lesbares, fundiertes und differenziertes Buch, das ich vor allen Dingen für die Ausbildung von Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen sowie Altenpflegern und Altenpflegerinnen sehr empfehlen möchte.


Rezensentin
Prof. Dr. Marianne Künzel-Schön
Dipl.-Psych., Professorin für Grundlagen der Psychologie und Soziale Arbeit mit älteren Menschen
Fachhochschule Wiesbaden
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Zitiervorschlag
Marianne Künzel-Schön. Rezension vom 25.02.2003 zu: Norbert Erlemeier: Alternspsychologie. Grundlagen für Sozial- und Pflegeberufe. Waxmann Verlag (Münster/New York/Berlin/München) 2002. 2., erweiterte Auflage. 300 Seiten. ISBN 978-3-8309-1185-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/673.php, Datum des Zugriffs 23.05.2012.


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