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Heinz Abels, Michael-Sebastian Honig u.a.: Lebensphasen

Cover Heinz Abels, Michael-Sebastian Honig, Irmhild Saake, Ansgar Weymann: Lebensphasen. Eine Einführung. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2008. 284 Seiten. ISBN 978-3-531-16024-5. 19,90 EUR.

Reihe: Hagener Studientexte zur Soziologie. Lehrbuch.

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Zielsetzung

Das Buch heißt Lebensphasen - nicht Lebensalter und „…die vier Beiträge sollen gesellschaftliche Bedingungen aufzeigen, unter denen Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Alte ihren Weg durchs Leben finden, aber auch den Sozialisationsprozess beleuchten, in dem wir selbst an unserer Identität arbeiten“ (S.7). Als Veröffentlichung im Rahmen der Hagener Studientexte zur Soziologie richten sie sich an eine breitere, an soziologischen Fragen interessierte Öffentlichkeit; sie soll dabei Forschungsstand und -diskussionen so präsentieren, dass es zum eigenen Weiterstudium motiviert.

Autoren und Autorin

Michael-Sebastian Honig ist heute Professor für Pädagogik/Sozialpädagogik an der Universität Trier. Er forschte lange Zeit am Deutschen Jugendinstitut u.a. zu Problemen von Familie, Kindern im Kindergarten und Fragen des empirischen Zugangs zu Kinderwelten. Heinz Abels (Jugend) war vor seiner Emeritierung Mitte 2008 an der Fernuniversität Hagen Professor für Soziologie, wo er grundlegende soziologische Ansätze vermittelte und wesentliche Phasen der Entwicklung der Soziologie in verschiedenen Feldern miterlebt hat. Ansgar Weymann ist seit langem Direktor des Instituts für angewandte Forschung in Bremen; seine Schwerpunkte liegen u.a. in der Forschung zu Übergangsrisiken im Lebenslauf; er ist einer der wenigen, die sich mit der neu aufkommenden Sozialisationsperspektive auf das Erwachsenenalter befasst haben. Irmhild Saake arbeitet als Wissenschaftliche Assistentin am Institut für Soziologie der Universität München. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen Konstruktionen von Alter und kulturelle Konzepte von Tod – u.a. in der Konfrontation mit medizinischen Umgangsweisen.

Die in ihrem Feld ausgewiesenen vier AutorInnen lösen diesen Auftrag vor den jeweiligen Hintergrund-Konstellationen ein, die zeitgeschichtliche Herausforderungen an Kindheit , Jugend, Erwachsenalter und Alter und damit auch die soziologische Perspektive geprägt haben. Dabei fällt auf, dass die ersten beiden Beiträge mit der Entfaltung einer historisch und theoretisch begründeten Sozialisationsperspektive weit auf die Herausbildung einer Kindheits- bzw. Jugendphase zurückblicken können, der Beitrag zur Lebensphase Erwachsenenalter eine Sozialisationsperspektive erst ausführlich vermittelnd einführt und vor dem Hintergrund institutionellen Wandels entfaltet während der Beitrag zum Alter sich vor allen Dingen kritisch den Definitionsprozessen zuwendet, unter denen Alter auch und gerade in der Soziologie als „problematisch“ definiert wird.

Lebensphase Kindheit (Honig)

Die Einleitung stellt die aktuellen Konzepte der Kindheitsforschung „Individualisierung“, „Selbst- Konstituierung als Lebensaufgabe von Kindern“ oder „Kinder als Akteure des Aufwachsens“ einerseits und Institutionalisierung - im Sinne der Normalität öffentlicher Kleinkinderziehung andererseits einander gegenüber. Hier positioniert sich der Autor gegen die Betonung kindlicher Entwicklungs- und Reifungsprozesse auf die Seite einer konstruktivistischen Sichtweise (Zuschreibung des Kindseins). Mit Blick auf die Kindheitsforschung verlangt er daher, dass der Sozialisationsblick auf Kindheit sich der Geschichtlichkeit von Kindheitsmustern versichern muss.

Daraus ergibt sich eine durchgehend geschichtliche Perspektive in den fünf Abschnitten. In einem ersten ideengeschichtlichen Rückblick wird aufgezeigt, dass das Bild vom Kind von der beginnenden Neuzeit an die Frage nach der Zukunft der Gesellschaft mit jeweils einem Ideal von Kindheit und mit Bildern von Erziehbarkeit und Erziehungsbedarfen verknüpfte. Laut Zusammenfassung lässt sich hier die Genese des Konzepts von „Subjektivität “ als Selbstgestaltung und einer (scheinbar zeitlosen) Vorstellung von einem „vor- und außergesellschaftliches Selbst“ verorten.

Unter der Überschrift „Der Wert von Kindern“ wird eine knappe und inhaltsreiche Sozialgeschichte der Kindheit geboten, die zentrale historische Entwicklungen im Wandel der Lebensbedingungen von Familien, von kindheitsbezogenen Institutionen, Bildern von Kindheit und daraus sich abzeichnenden Spaltungen der Interessen und der Positionierung von Kindern im Zusammenhang nachzeichnet. Dies bildet einen ersten empirischen Nachweis für Kindheit als soziale Konstruktion.

Die Sozialisationsperspektive im Spannungsfeld von „Individuierung und Vergesellschaftung“ wird dann ausführlich in ihren Grundkonzepten historisch hergeleitet und eingeordnet und mit der Phase der institutionalisierten Altersnomen - dazu den entsprechenden empirischen Untersuchungen verbunden. Hieraus ergibt sich für den Autor eine Kritik gegenüber Feststellungen von Auflösung und Entstrukturierung der Lebensphase Kindheit und der neuen Einbindung in Prozesse der Biographisierung .

Wichtige Untersuchungen und Konzepte im Abschnitt „Kindheitsforschung“ ordnet der Autor daher in den Zwischenbereich der „Einbettung der Kinder in soziokulturelle Zusammenhänge“ und „Mitarbeit des Kindes an seiner Entwicklung“ (Krappmann) ein: Ko-Konstruktion im Spiel (Krappmann), in die unterschiedlichen Lebensräume eingebaute Grenzen und „Konf likte der Lebensführung“ (Kirchhöfer), Selbstbildung (Schäfer, Laewen), Gleichaltrigenkultur (Oswald/Krappmann) . Ein letzter Abschnitt stellt Freisetzung und Informalisierung des Familienlebens und die möglichen Folgen von Kommerzialisierung und Medialisierung einander gegenüber.

In einem letzten Abschnitt werden die historische Wandelbarkeit von Kindheit und ihre pädagogische Verfasstheit betont und darin unterschiedlichen Diskussions- und Untersuchungslinien verortet. Am Ende werden neuere Ansätzen wie die Einordnung von Kindheit in „Generationenverhältnisse als Machtverhältnisse“ (Qvortrup) und Linien der aktuellen deutschen Kindheitsforschung vorgestellt.

Im Beitrag von Honig wird damit eine Fülle von Untersuchungsperspektiven entfaltet und geordnet. Der sozialgeschichtliche Abschnitt verweist auf gesellschaftliche Gefährdungen von Kindern. In der theoretisch-systematischer Perspektive werden auch Gefährdungslinien sichtbar; diese finden jedoch mit Blick auf unsere heutigen gesellschaftlichen Probleme keine vergleichbar- konzentrierte Berücksichtigung in den hier angeschnittenen Forschungsfragen.

Lebensphase Jugend (Abels)

Die Einleitung skizziert unter soziologischem Blickwinkel die Besonderheiten der Lebensphase Jugend und widmet sich ausführlich dem Beck´schen Konzept der „Individualisierung“.

Abels zeigt im ersten Schritt mit Verweis auf wenige Autoren auf, dass Jugend sich als Folie für die Thematisierung gesellschaftlicher Probleme eignete und entfaltet dann die dazu im Gegensatz sich entwickelnden Positionen und Untersuchungen Schelskys als eines ersten empirisch orientierten Soziologen aus den 50iger Jahren.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet der Beitrag Eriksons, der die besondere Qualität der Jugendphase als Suche nach Identität in neuen Innen-Außen-Balancen analysiert hat: Gegenseitigkeit der Erwartungen, Probeidentitäten, psychosoziales Moratorium. Die besondere Bedeutung von peers im Übergang unter dem Gesichtspunkt von gesellschaftlichem Wandel/Kontinuität und bei der Sozialisation in neue Rollen hinein wird mit Eisenstadt betont und in mehreren Schritten entwickelt; für die Auseinandersetzung mit widersprüchlichen Erwartungen griff Eisenstadt dabei auf die pattern-variables von Parsons zurück .

Eine neue Phase der soziologischen Auseinandersetzung mit dem Jugendalter wird mit dem Beitrag von Tenbruck umrissen, der gleichfalls die Bedeutung der altershomogen Gruppe mit eigener Teilkultur und die neue Anforderungen an „Selbstsozialisierung“ erforschte, in dem Maße, wie Erwachsene an Orientierungsbedeutung verlieren. Früh konstatierte Tenbruck schon eine Überforderung aus der neuen Freisetzung der Jugend angesichts der Vielfalt und von Optionen, die zu einer besonderen Angewiesenheit auf die Interaktion in Gruppen hinausliefe. Mit Tenbruck wird erstmals auch die Jugendkultur als neue Leitkultur beschrieben.

Die schichtspezifischen Differenzierungen zwischen verlängerter oder verkürzter Jugendphase und von der Gesellschaft verliehene „Teilreifen“ werden aus den Untersuchungen von Neidhardt eingeführt.

Ab dem 7. Abschnitt wandelt sich der Zuschnitt der Darstellung, jetzt folgt der Autor vor allen Dingen Prozessen des Wandels der Jugendphase, die immer wieder mit Verweisen auf die Ergebnisse der SHELL- Jugendstudien belegt werden. Jugend als eigenständige Lebensphase gewinnt an Bedeutung, insbesondere über sich verlängernde Bildungszeiten und sich ausdifferenzierende Jugendkulturen; zugleich findet eine Verlängerung und Entstrukturierung statt, indem Jugendzeit Elemente des Kindseins und der Erwachsenrollen zugleich angenommen hat. Der Autor nimmt die Frage nach den Prozessen der Individualisierung noch zweimal auf, um darin die besonderen Spannungen zu beschreiben, die sich aus diesen widersprüchlichen Prozessen ergeben. Hier verweist er besonders auf die Untersuchung der Widersprüche in der weiblichen Lebensführung (Hagemann-White). Zur Frage, wie Jugendliche diese Spannungen bewältigen, findet sich eine Typensammlung, die 2002 im Rahmen der 14. SHELL-Studie erarbeitet wurde.

Damit schließt der Beitrag, der mit der Auswahl aus frühen Jugenduntersuchungen Grundfragen benennt und diese m.H. jüngerer AutorInnen diskutiert. Insofern wirkt er selektiver und persönlich pointierter als die erste Abhandlung über Kindheit. Doch die Probleme, die sich z.B. aus Gefährdungen des Übergangs in Ausbildung und Beruf und der Verhinderung eines Erwachsenenstatus ergeben, finden sich hier kaum behandelt.

Erwachsenenalter (Weymann)

Die neue Betrachtung und Untersuchung der Lebensphase Erwachsenenalter stehen vor mehreren besonderen Herausforderungen. Weymann diskutiert zuerst die Frage der Anwendbarkeit der Sozialisationsperspektive auf Erwachsene, die einstmals doch als voll sozialisiert galten, mit Hilfe der Einführung der „lebenslangen Sozialisation“ und damit verbundener Konzepte wie „Verlernprozesse“, laufender Wechsel von Positionen und Status im Erwachsenenalter und „Bewältigung“ innerer und äußerer Wandlungsprozesse. Zu zentralen Bezugspunkten werden damit subjektive Alltagswelten und die darin eingelagerten Einbindungen in Institutionen-Zusammenhänge. Dies versucht der Autor mit der Präsentation eines fiktiven Tagesablaufs zu verdeutlichen. Mehrere andere Perspektiven auf spezifische Sozialisationsprozesse ergeben sich aus der Rolle von KlientInnen bei der Behandlung sozialer Probleme wie Arbeitslosigkeit, Kriminalität; der Teilnahme an Gruppenaktivitäten z.B. von Sozialen Bewegungen; eine weitere Perspektive liefert der Blick auf Statuspassagen (Elternschaft, Familiengründung, Studium und Beruf, Freizeit/Urlaub). Medien begleiten den Lebenslauf und nehmen vermehrt Probleme des Erwachsenenalters auf; ein besonderer Zugang zu Sozialisationsprozessen eröffnet der Autor über zeitgschichtlich-reflektiert gelesene Romanliteratur, wofür er eindrucksvolle Beispiele einfügt. Weitere Perspektiven und Problemstellungen werden m.H. von zwei „Fallstudien“ eingeführt, einmal in der Reflexion der Anforderungen und Balancierungsleistungen des Berufs in seinen als selbst- und fremdbestimmt erlebten Anforderungen; hier werden auch die Folgen von Arbeitslosigkeit mit der historischen Marienthal-Studie und leider bisher wenig aktuellen (sozialpsychologischen) Untersuchungen noch einmal aufgenommen.

An dieser Stelle gehen Fragen der Sozialisation dann über in zentrale Fragen gesellschaftspolitischer Problemstellungen über die Zukunft von Erwerbstätigkeit, die in der Kürze eher ideologische Programmatiken anreißt und nur Zitat zum Konzept beruflicher Sozialisation mit Chancen und Belastungen (Heinz) vorstellt.

Eine zweite „Fallstudie“ führt als Problem die grundlegenden Verunsicherungen stabiler Muster des Lebenslaufs in der Moderne ein, aus der heraus sich in den Nationalstaaten zunehmend Anforderungen an eine Lebenslaufpolitik zur Absicherung von Übergängen entwickeln haben: „Lebenslaufpolitik schafft oder verändert Institutionen der Lebenslaufregimes einer Gesellschaft und damit Muster der Erwachsenensozialisation“ S.199). In den folgenden Unterpunkten zum Zusammenhang von Sozialem Wandel/Globalisierung und Veränderung von Rahmungen des Lebenslaufs umreißt der Autor noch einmal grundlegende Prozesse des Wandels gesellschaftlicher Institutionen und Normorientierungen (Wirtschaft/Bildung/Politik) und stellt sie in die Spannung nationalstaatlicher und globalisierter Regulierungen, aus denen sich Verunsicherungen und Chancen für die Handlungsspielräume von Erwachsenen ergeben werden.

Als Theorien der Erwachsenensozialisation werden in historischer Folge abgehandelt der strukturfunktionalistische Ansatz, interaktionistische Konzepte und theoretische Perspektiven des rational-choice sowie Humankapitaltheorie. Letztere seien einer Konzipierung von Erwachsenensozialisation am angemessensten – die Angaben sind hier zu kurz und bewegen sich darüberhinaus mehr auf eine staatlich-programmatische Ebene zu. Ausführlicher wird am Ende eine neo-institutionstheoretische Perspektive entwickelt, die in Hauptaussagen und -konzepten schwankt zwischen Problemen der Verhaltensorientierung einerseits und Anpassung an sich beständig wandelnde Anforderungen aus der (scheinbar unübersichtlich gewordenen) Welt andererseits.

Damit gibt der Autor einer gesellschaftlichen Entwicklung nach, wie sie sich aktuell vollzieht und hier bewegt er sich auf einer allgemeinsten Abstraktionsebenen, die keinen theoretischen Rahmen für Gefährdungen, Konflikte und Krisenhaftigkeit mehr bieten können; kritische Bezugspunkte einer Erwachsenen-Sozialistion-Perspektive aus dem Ansatz des Lebenslauf-Regimes heraus gehen damit wieder verloren.

Alter (Saake)

Die Vorbemerkung benennt eine im Umgang mit Alter auftauchende Frage: Für wen ist Alter eigentlich ein Problem und: „Um wen geht es eigentlich, wenn von Alter geredet wird?“(S.236). Die Antwort der Autorin hat zwei Ansatzpunkte: einmal wird vorab festgestellt, dass auch die „Wahrnehmung eines problematischen Alters“ weitgehend ein „gesellschaftliches Produkt“ sei und daher gesellschaftliche Praxen als „doing age“ Alter erst herstellten. Zum zweiten sind die Möglichkeiten über Alter zu reden und danach zu handeln unterschiedlich nach Perspektiven zu ordnen, wobei Wissenschaft eine eigene Praxisform darstellt.

Nach dieser Einführung sollen entlang einer historischen Achse wissenschaftliche Annäherungen an Alter abgehandelt werden. Der strukturfunktionalistische Ansatz wird eher essayistisch-ironisch kommentiert eingeführt und zur Aussage zugespitzt, dass die Frage nach den Aufgaben des Alters das Problem der „Funktionslosigkeit des Alters“ erst hervortreten ließ.

Eine theoretisch-historische Betrachtung zur Entstehung der Altersphase orientiert sich an der Luhmann´schen Abfolge segmentär differenzierte, stratifizierte und funktional-differenzierte Gesellschaften und ordnet diesen jeweils eine Reihe unterschiedlicher Definitionen und Umgangsweisen mit Alter zu, die mit Forschungsergebnissen unterlegt werden. Zeitgeschichtlich einordnen lässt sich dann ein Definitionsansatz, der eine Stigmatisierungsproblematik aufnimmt. – Die Autorin erläutert dazwischen das interaktionistische Grundkonzept und diskutiert jeweils kritisch dessen Reichweite. Sie wechselt dann wieder zu einer Erläuterung weiterer Dimensionen des strukturfunktionalistischen Ansatzes und wendet diese auf Fragen des Alters an: das Nebeneinander und die Grenzen verschiedener Altersbilder nach der Verschiedenheit der Funktionssysteme und Organisationen, von wo aus sich ein kritischer Untersuchungs-Blick auf die Pflegeproblematik eröffnet. Entgegen den Vorteilen dieses Ansatzes ordnet sie „identitätsorientierte“ Problematisierungen als zu eng auf „erfolgreiches Altern“ bezogen ein, die zu einer Konstatierung eines Mangels führen müssten; diese kritische Perspektive wird kurz mit dem Verweis auf einen diskurstheoritschen Ansatz (Nassehi) vertieft.

Die Zusammenfassung kritisiert noch einmal, dass vorschnelle Bilder von Alter in der Forschung verhindern, dass untersucht werden kann, was „wirklich im Alter passiert“ (S.278). Die Autorin postuliert damit einen Bezugspunkt, der scheinbar außerhalb liegt und stellt dann aber viele Fragen relativierend nebeneinander.

Diskussion

Gerade weil es eine konstruktivistische Perspektive zuließe, fällt auf, dass anscheinend dabei soziologische Tugenden drohen verloren zu gehen: Möglichst genau eine Problemstellung in gesellschaftliche, gesellschafts- und sozialpolitische Zusammenhänge einzuordnen, indem man die Frage nach Machtbildungen und -abhängigkeiten, nach Interessenpositionen und Konfliktlagen aufrechterhält; erst daran könnten sich Fragen nach der Offenheit und Angemessenheit der Konzepte und Vorgehensweisen anschließen.

Eine Einführung in soziologische Untersuchungen zu Lebensphasen ist immer auch mit der anspruchsvollen Aufgabe verbunden, zugleich in verschiedene theoretische Konzepte einzuführen, deren Reichweite zu berücksichtigen und Ergebnisse empirischer Untersuchungen zu zentralen Themen zu präsentieren. Auch wenn das gelingen kann, so muss doch immer eine Auswahl getroffen werden; die Auswahl verweist oft eher implizit auf die eigene Position, die nicht sichtbar gemacht oder im Rahmen gesellschaftsstruktureller Probleme reflektiert wird.

Ich denke, dass unter diesem Vorzeichen Studierende einzelne Abschnitte mit kritischem Blick lesen können und dabei auf genaue Hinweise und Ausarbeitungen stoßen aber auch auf Lücken. Diese Lücken betreffen vor allen Dingen Ansätze, die die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den unterschiedlichen Lebensaltern nicht nur nach Lebens- und Konfliktlagen erfassen, sondern diese in die strukturelle Entwicklungsdynamik kapitalistischer Gesellschaften einordnen. Die Fragen zu geschlechtsspezifischen, ethnisch-kulturellen Differenzierungen bleiben ebenso weitgehend ausgeklammert.

Fazit

Alle Beiträge geben einen guten bis kompakten Einblick in Abschnitte historischen Wandels, in sozialwissenschaftlicher Fragestellungen, - nicht immer in die historisch-theoretischen Verortung dieser Fragestellungen, - und schließlich die daraus sich ergebender Forschungseinsichten und Ergebnisse empirischer Einzelforschung. Die eigenen präferierten Sichtweisen ordnen sich dann aber eher nach dem Muster „je moderner desto besser“, in dem man sich einer grundsätzlich relativierenden konstruktivistischen Haltung einerseits und einer Akteursperspektive anderseits als Meta-Perspektive anschließt.


Rezensentin
Prof. Dr. Heide Funk


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Zitiervorschlag
Heide Funk. Rezension vom 04.07.2009 zu: Heinz Abels, Michael-Sebastian Honig, Irmhild Saake u.a.: Lebensphasen. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2008. 284 Seiten. ISBN 978-3-531-16024-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/6812.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.


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