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Anita Schaller: Umgang mit chronisch verwirrten Menschen

Cover Anita Schaller: Umgang mit chronisch verwirrten Menschen. Leitfaden und Ratgeber für die tägliche Praxis. Brigitte Kunz Verlag (Hagen) 2003. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. 192 Seiten. ISBN 978-3-87706-731-4. 14,90 EUR.

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Zur Thematik und Vorgeschichte des Buches

Demenzen im Alter scheinen gegenwärtig das Thema in der Altenhilfe zu sein. Es wird allmählich schwer, einen Überblick über die Publikationen in diesem Bereich behalten zu können. Das vorliegende Buch ist bereits vor einigen Jahren erschienen, bei der jetzigen Veröffentlichung handelt es sich um die zweite, überarbeitete und erweiterte Auflage.

Die Autorin ist Altenpflegerin und war viele Jahre als Fachlehrerin für Alten- und Krankenpflege tätig. Gegenwärtig arbeitet sie als Leiterin eines Seniorenheimes.

Inhalt

Das Buch soll als Ratgeber und Leitfaden für die tägliche Praxis in den Heimen dienen.

Entsprechend stehen Ausführungen über die verschiedenen Konzepte und Vorgehensweisen versehen mit angeführten Beispielen aus der Praxis im Mittelpunkt der Arbeit.

Folgende Themen und Modellen werden in 13 Kapitel untergliedert u. a. in dem Buch behandelt bzw. vorgestellt:

Interventionsgerontologie, ganzheitliche Pflege, chronische Verwirrtheit, das Kompetenzmodell, Milieugestaltung, Biografiearbeit, Angehörigenarbeit als Management, die Pflegekräfte als Helfer, aktivierende Pflege, Sterben und Tod, Validation, Realitätsorientierungstherapie, Pflegestandards bei bestimmten Verhaltensweisen (Wut, Unruhe, Trauer u. a.) und zum Abschluss Fallbeispiele aus der "fremden Welt" (Halluzinationen u. a.).

Kritische Würdigung

Es ist ein äußerst verwirrendes Buch für den Rezensenten, angesichts der Einschätzungen, Beurteilungen und Erkenntnisse der Autorin.

So ist die Autorin der Überzeugung, dass mit Liebe und einer partnerschaftlichen Zugangsweise Abbauprozesse im Gehirn aufgehalten bzw. verlangsamt werden können.

Anita Schaller möchte jenseits der Wissenschaft mit ihren Erkenntnissen und Diagnosen mehr die "andere Seite" im Sinne der Vorstellungen von Naomi Feil darstellen, die ihr "mehr Erfolg und Zufriedenheit" versprechen. Die diffuse Skepsis Naomi Feils hinsichtlich der Alzheimer Demenz als Krankheit kommt bei der Autorin voll zum Ausdruck. Handelt es sich nach der Autorin nicht um Krankheitsprozesse, sondern eher um Phasen der "Aufarbeitung" und der "eigenen Welt" Entsprechend werden Erkenntnisse wie die Irreversibilität der primären Demenzen und Kategorien wie Wahn in Frage gestellt. (Zur Validation siehe die Rezension des Rezensenten zum Hauptwerk von Naomi Feil sowie weitere Rezensionen in diesem Rezensionsforum im März 2002.)

Des weiteren muss kritisch angeführt werden, dass für die Demenzpflege geradezu schädliche Ansätze wie die "aktivierende Pflege" und die "Realitätsorientierungstherapie" (ROT) teils unvollständig und auch unzureichend angeführt werden. Erfahrungen aus den Heimen und Untersuchungen haben mittlerweile ergeben, dass diese Vorgehensweisen die Demenzkranken nur noch mehr verwirren und überfordern.

Fazit

Ansätze über den Umgang mit Demenzkranken jenseits der Erkenntnisse aus der Forschung und der Erfahrungen aus der Praxis der Heime nur mit falschen und äußerst dürftigen Konzepten wie Validation und ähnlichem darstellen zu wollen, sind, wie die vorliegende Publikation zeigt, zum Scheitern verurteilt. Jenseits der kollektiven Erkenntnisse und Erfahrungen von Wissenschaft und reflektierter Praxis verbleiben nur die Sphären der Esoterik und Subkultur.


Rezensent
Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind
Gerontologische Beratung Haan
Homepage www.gerontologische-beratung-haan.de
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Zitiervorschlag
Sven Lind. Rezension vom 18.02.2003 zu: Anita Schaller: Umgang mit chronisch verwirrten Menschen. Brigitte Kunz Verlag (Hagen) 2003. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. 192 Seiten. ISBN 978-3-87706-731-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/687.php, Datum des Zugriffs 23.05.2012.


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