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Monika Alisch, Michael May (Hrsg.): Kompetenzen im Sozialraum

Cover Monika Alisch, Michael May (Hrsg.): Kompetenzen im Sozialraum. Sozialraumentwicklung und -organisation als transdisziplinäres Projekt. Verlag Barbara Budrich (Opladen; Farmington Hills, MI) 2008. 218 Seiten. ISBN 978-3-86649-191-5. D: 24,90 EUR, A: 22,70 EUR, CH: 39,00 sFr.

Reihe: Beiträge zur Sozialraumforschung - Band 1.

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Thema

Dieser Sammelband geht davon aus, dass es transdisziplinäre Kompetenzen braucht, um den sozialräumlichen Auswirkungen des ökonomischen Strukturwandels entgegenzusteuern und die Entwicklung sozialer Räume zu unterstützen. Er will daher Einblicke in die Denk- und Handlungsstrukturen der beteiligten Systeme vermitteln.

Herausgeberin und Herausgeber

  • Monika Alisch (Dr. phil. habil./ Stadt- und Regionalsoziologin) ist Professorin für sozialraumorientierte Sozialarbeit/GWA, Sozialplanung und Soziologie an der Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen.
  • Michael May (Dr. phil. habil./ Erziehungswissenschaftler) ist Professor für Theorie und Methoden der Jugend-, Gemeinwesen- und Randgruppenarbeit an der Fachhochschule Wiesbaden, Fachbereich Sozialwesen und Privatdozent an der J.W.G. Universität Frankfurt am Main.

Beide leiten den berufsbegleitenden Fernstudiengang Master of Arts: Soziale Arbeit - Schwerpunkt Sozialraumentwicklung und Organisation (MAPS)

Entstehungshintergrund und Zielsetzung

Seit nunmehr einem Jahrzehnt - nicht zuletzt manifestiert im Programm Soziale Stadt - sind sich Sozialwissenschaften, Kommunal- und Stadtentwicklungspolitik sowie Träger sozialer Einrichtungen einig, dass Sozialraumentwicklung eine Vielfalt von Handlungsstrategien braucht und Partizipation unabdingbar ist. Um den sozialräumlichen Auswirkungen des ökonomischen Strukturwandels entgegen zu steuern, verpflichten sich immer mehr Akteure eines ziemlich breiten Spektrums von Arbeitsfeldern (neben Stadtentwicklung auch Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, Gemeindepsychiatrie, Gesundheitsförderung) disziplinäre Scheuklappen abzulegen und sich an sozialraumorientierten Handlungsprinzipien auszurichten.

Dieses Buch soll helfen, die unterschiedlichen Perspektiven auf den sozialen Raum einnehmen zu können sowie Denk- und Handlungsstrukturen der beteiligten Systeme (Politik, Verwaltung, Wirtschaft, dritter Sektor, Nachbarschaft) kennen und verstehen zu lernen. Es zielt auf die relevanten Kompetenzen, die notwendig sind, um in integrierter Weise Sozialraum zu entwickeln und die Prozesse partizipativ zu organisieren“.

Aufbau

I Grundlagen, transdisziplinäre Perspektiven

  • Kompetenzprofil Sozialraumentwicklung und Sozialraumorganisation (Monika Alisch / Michael May)
  • Begriffsgeschichtliche Überlegungen zu Gemeinwesen und Sozialraum (Michael May)
  • Faktoren und Aspekte sozialräumlicher Entwicklungsprozesse (Thomas Wüst)
  • Sozialraumbezüge Sozialer Arbeit (Michael May)

II Fähigkeiten, Strategien, Herausforderungen: Die Perspektive der „Betroffenen“

  • Armut und soziale Teilhabe: Ein Überblick (Monika Alisch)
  • Reproduktionsstragien in Situationen der Armut und die Reproduktion von Armutsfeindlichkeit (Ellen Bareis / Helga Cremer-Schäfer)
  • Partizipation gestalten: Gesellschaftliche, politische und rechtliche Rahmenbedingungen (Monika Alisch)

III Strategien, Anforderungen: Die institutionelle Perspektive

  • Sozialraum und Ökonomie: Herausforderung sozialer Unternehmen (Andreas Knoth)
  • Wollen und Sollen - Governance und Steuerung im Sozialraum (Thomas Wüst)
  • Gesichter und Facetten des Managements im sozialen Raum (Heike Herrmann)

Inhalt

Eine kurze Einleitung erläutert die Zielsetzung des Sammelbandes, stellt die Inhalte der einzelnen Beiträge relativ ausführlich vor und skizziert, wie sie sich aus Sicht der Herausgeber in die Gesamtkonzeption einfügen.

Im ersten Teil werden „performative Akte der Verwendung, Umbenennung und Nicht-Verwendung“ der Begriffe (Sozial-)Raum und Gemeinwesen aufgezeigt, um die damit verbundenen Wirkungen zu kritisieren (S. 8). So fasst Michael May zunächst den sozialwissenschaftlichen Diskurs des Begriffes Raum zusammen um anschließend unterschiedliche historische und aktuelle Verwendungen des Begriffs Gemeinwesen zu diskutieren. In einem zweiten Beitrag entwickelt er eine Systematisierung der divergierenden Sozialraumbegriffe, die dem funktionalen, territorialen und kategorialen Ansatz von Gemeinwesenarbeit jeweils zugrunde liegen.

Im zweiten Teil werden Kompetenzen der Sozialraumentwicklung und –organisation aus der Perspektive der „Betroffenen“ fokussiert. Es geht um Herausforderungen, Fähigkeiten und Strategien der Raumaneignung in Form von gesellschaftlicher Teilhabe. Die ersten beiden Beiträge konzentrieren sich auf den Aspekt der Armut. So verdeutlichen etwa Ellen Bareis und Helga Cremer-Schäfer anhand von drei Fallgeschichten plastisch die zunehmend gravierenden Folgen, die der Umbau des fordistischen Wohlfahrtsstaates zum neoliberalen aktivierenden Wohlfahrtsstaat für die Betroffenen hat.
Monika Alisch fragt anschließend in einem transdisziplinär argumentierenden und lebendig formulierten Beitrag, der als zentral für den Titel dieses Sammelband gelten kann, danach, wie man Partizipation erfolgreich und gestalten kann. Ausgehend von der These, dass die bestehenden institutionellen Arrangements strukturelle Mechanismen enthalten, die Gesellschaftsmitglieder aus den Partizipationsverfahren weitgehend ausschließen, entwickelt die Autorin Qualitätskriterien für eine ertragreiche Partizipation.

Im dritten Teil werden sozialräumliche Anforderungen und Handlungsstrategien aus dem Blickwinkel von Institutionen beleuchtet (Soziale Unternehmen, Steuerung im Sozialraum, Soziale Stadtentwicklung). Beispielsweise diskutiert Andreas Knoth in seinem angenehm locker formulierten Beitrag die Hybridität als Charakteristikum sozialer Unternehmen und geht auf ihre Potenziale und Erfolgsbedingungen ein, bevor er schließlich einen praktischen Leitfaden zum Aufbau sozialer Unternehmen skizziert. Ähnlich anschaulich ist der Text von Heike Herrmann, die einen idealtypischen Managementkreislauf abbildet, welcher dazu beitragen kann, die vielfältigen Funktionen des Managements im Sozialen Raum zu erfüllen.

Diskussion

Was die Rezeption des Bandes als Gesamtwerk eher schwierig gestaltet, ist die Tatsache, dass es weitgehend dem Leser/ der Leserin überlassen bleibt, einen Bezug zum Thema „Kompetenzen im Sozialraum“ herzustellen. Die hohe Divergenz der Beiträge verdeutlicht zwar, dass es in der Tat transdisziplinäre Kompetenz braucht, aber eine integrierende Auseinandersetzung mit dieser Transdisziplinarität erfolgt lediglich in dem oben beschriebenen Beitrag von Alisch.

Ansonsten bildet der kurze einleitende Artikel der HerausgeberInnen die zentrale Klammer, die die unterschiedlichen Artikel des Sammelbandes verbindet. In Abgrenzung zu anderweitigen Versuchen (insbesondere durch Früchtel, Cyprian und Budde in: Sozialer Raum und Soziale Arbeit, Wiesbaden 2007), eine gemeinsame Definition von Sozialraum und eine Systematisierung vorzuschlagen und diese den einzelnen Beiträgen des Sammelbandes zugrunde zu legen, haben sich die Herausgeber bewusst dafür entschieden, der jeweils disziplinspezifischen Begriffsverwendung Raum zu geben. Auch hinsichtlich der Frage nach „Kompetenzen im Sozialraum“ scheint es wenig redaktionelle Vorgaben gegeben zu haben. Zumindest greift kaum ein Beitrag diesen Aspekt explizit auf. Das wesentliche Verdienst des Sammelbandes besteht daher in erster Linie darin, Einblicke in die Denk- und Handlungsstrukturen von beteiligten Systemen zu vermitteln, weniger darin, diese zusammenzuführen und Rückschlüsse auf angemessene transdisziplinäre Kompetenzen zu ziehen.

Fazit

Dieser Sammelband vereint viele gut durchdrungene Artikel, die aus höchst unterschiedlichen Perspektiven, Aspekte der Sozialraumarbeit behandeln. Sie reichen von begriffstheoretischen Auseinandersetzungen über kritische Darstellungen der Armutsforschung bis zu handlungspraktischen Erörterungen aus unterschiedlichen institutionellen Zusammenhängen.


Rezensentin
Prof. Dr. Gaby Straßburger
(Dr. phil., Dipl. Sozialarbeiterin, Dipl. Orientalistin) Professorin für Sozialraumorientierte Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin
Homepage www.gaby-strassburger.de
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Zitiervorschlag
Gaby Straßburger. Rezension vom 05.02.2009 zu: Monika Alisch, Michael May (Hrsg.): Kompetenzen im Sozialraum. Verlag Barbara Budrich (Opladen; Farmington Hills, MI) 2008. 218 Seiten. ISBN 978-3-86649-191-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/6882.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.


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