Ulrich Deinet, Marco Szlapka u.a.: Qualität durch Dialog
Ulrich Deinet, Marco Szlapka, Wolfgang Witte: Qualität durch Dialog. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2007. 205 Seiten. ISBN 978-3-531-15336-0. 29,90 EUR.
Thema
„Auch wenn es um standardisierte und damit vergleichbare Verfahren geht, wollen wir keine technokratischen Verfahren für die Kinder- und Jugendarbeit vorschlagen, sondern Bausteine, die auch die inhaltliche Entwicklung der Kinder- und Jugendarbeit weiter vorantreiben, ohne dass die Verfahren der Qualitätsentwicklung zu einer abgehobenen Ebene werden, die nichts mit der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben.“ (S. 7) Die Herausgeber, unterstützt durch Maja Arlt und Maria Icking, haben fachkundig und praxisnah die Thematik von Qualitäts- und Wirksamkeitsdialogen, vornehmlich im kommunalen Feld vorgestellt.
Aufbau und Inhalt
Aufgrund der Auswertung von Maßnahmen in der offenen Kinder und Jugendarbeit werden vier Schritte entwickelt: Maßnahmen, Zielsetzungen, Angebote, Auswertung, die wechselseitig sich aufeinander beziehen müssen und die auch jeweilige Rückmeldungen verlangen, um die Wirkweise zu beschreiben und eventuell zu verändern (vgl. das instruktive Schaubild auf S. 141). Wirksamkeitsdialoge werden auf drei Ebenen geführt:
- auf der institutionellen Einrichtungsebene,
- im dialogischen fachliche Austausch zwischen den Einrichtungen in einer Kommune
- und auf der kommunalpolitischen Ebene (vgl. S. 10 f.).
Folgende „Empfehlungen zur Einführung kommunaler Qualitäts- und Wirksamkeitsdialoge“ werden gegeben: „Qualitätsentwicklung auf Projekt- und Einrichtungsebene stärken, Einführung vereinheitlichter Jahres- bzw. Qualitätsberichte, Institutionalisierung einer trägerübergreifende Moderations- und Steuerungsgruppe, Beteiligung der Jugendhilfeplanung, sozial räumliche Orientierung, das heißt Einbeziehung weiterer Institutionen, Einbeziehung der Politik und Aufbau und Ausbau geeigneter Rückmeldeschleifen in den jeweiligen jugendkulturellen Einrichtungen“ (vgl. S. 108 ff.). Unterstützung kann geschehen durch die Nutzung der Software „Report Jugendarbeit“ (vgl. S. 164 ff.).
Die Autorinnen und Autoren fühlen sich dem Ansatz des Jugendministeriums in NRW verpflichtet, dass keine Auflagen für Wirksamkeitsdialoge erstellt hat, „sondern deren Entwicklung den Kommunen überlassen hat“. Dadurch „ergeben sich sehr gute Transfermöglichkeiten“ (S. 10) und man kann auf die Spezialitäten der jeweiligen, auch regionalen Arbeitszusammenhänge eingehen. Das zeigt sich etwa bei der Vorstellung des Berliner Handbuchs „Qualitätsmanagement der Berliner Jugendfreizeitstätten“, das auch die Angebotschwerpunkte „Kulturelle Jugendarbeit“, „Sportorientierte Jugendarbeit“ und „Geschlechtsbewusste Mädchen- und Jungendarbeit“ umfasst. Dieses Handbuch wurde (und wird) durch Fachkollegen der Jugendarbeit (aus etwa 430 Einrichtungen in Berlin) selber entwickelt und weiterentwickelt. Es kann als ein Muster dafür dienen, ein Arbeitsfeld einmal strukturiert wahrzunehmen und dort Innovationen vorzunehmen (Stichwort: Selbstevaluation).
Diskussion
Qualitätsmanagement wird hier explizit als ein dialogisches, die Qualität verbesserndes Verfahren verstanden. Herausgeber, Koordination und Redaktion fühlen sich nicht nur einem zivilisatorisch-demokratischen Steuerungsmodell verpflichtet, sie realisieren es bereits. Das wird besonders deutlich an der „Gebrauchsanweisung für Anfängerinnen, Anfänger und Fortgeschrittene“ und bei den sog. TOOLS, also dem „Handwerkszeug für das Qualitätsmanagement“. [Nebenbei: Ich habe damit bereits sehr gute Erfahrungen gemacht, etwa bei kollegialen Planungssitzungen, in denen unterschiedliche Berufssparten vertreten waren: Arbeitsbögen (Kopiervorlagen) konnten als gemeinsame Arbeitsgrundlage erfolgreich, integrierend und fachliche Aufmerksamkeit herstellend genutzt werden.]
Fazit
Das Buch „Qualität durch Dialog“ ist basis-orientiert und ein Plädoyer für dialogische Gleichberechtigung aller Beteiligten in kulturellen, jugendarbeiterischen, kommunalen Feldern. Der Begriff des Dialogs wird sehr konkret und auch systematisch entfaltet. Den VerfasserInnen gelingt der Spagat zwischen Systematik und Handeln an der Basis in ihrem gut lesbaren Buch. Eine für manche als trockene angesehene Materie wird mit dieser Veröffentlichung zugänglich.
Rezensent
Prof. Dr. Gerd Koch
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Zitiervorschlag
Gerd Koch. Rezension vom 02.01.2009 zu: Ulrich Deinet, Marco Szlapka, Wolfgang Witte: Qualität durch Dialog. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2007. 205 Seiten. ISBN 978-3-531-15336-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/6960.php, Datum des Zugriffs 09.02.2012.
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