Ihr Vorteil: Wir filtern, prüfen und ordnen die Angebote für die Sozialwirtschaft.

Kommunale Netzwerke für Kinder (frühkindliche Bildung)

(Hrsg.): Kommunale Netzwerke für Kinder. Ein Handbuch zur Governance frühkindlicher Bildung. Verlag Bertelsmann Stiftung (Gütersloh) 2008. 185 Seiten. ISBN 978-3-89204-978-4. 25,00 EUR, CH: 43,90 sFr.

Besprochenes Werk kaufen


Thema

Unter einem kommunalen Netzwerk versteht man den Versuch, die in einem Politikfeld relevanten Akteure zusammen zu bringen und zu enger Kooperation und gemeinsamem Handeln zu führen. Das vorliegende Handbuch will eine Anleitung zur Einrichtung kommunaler Netzwerke für Kinder liefern und dabei gleichzeitig die Arbeit des entsprechenden Modellprojektes „Kind & Ko“ dokumentieren, das von 2003 bis 2008 in den Städten Paderborn und Chemnitz durchgeführt wurde.

Herausgeber und Autoren

Als Herausgeber des Buches tritt die Bertelsmann Stiftung auf, die neben der Heinz Nixdorf Stiftung dieses Modellprojekt gefördert hatte. Verfasst wurden die einzelnen Kapitel von der Projektgruppe (Kathrin Bock-Famulla, Anja Langness, Mandy Schöne und Claus Stieve) sowie einigen externen Autoren.

Aufbau

Der erste Teil stellt die Notwendigkeit heraus, kindliche Lebenswelten bildungsfördernd zu gestalten, und führt in die Netzwerkarbeit ein. In den nachfolgenden Teilen wird der Aufbau eines kommunalen Netzwerks für Kinder skizziert und es werden geeignete Arbeitsformen und Instrumente der Netzwerkarbeit dargestellt. Im abschließenden Teil werden mit den Themenblöcken Qualifizierung, Öffentlichkeitsarbeit und Begleitforschung flankierende Maßnahmen und Prozesse behandelt. Knappe Literaturverweise am Ende der vier Handbuchteile erlauben dem Leser die Vertiefung einzelner Aspekte. Zahlreiche Schaubilder sowie textlich hervorgehobene Beispiele aus dem Projekt verdeutlichen die Inhalte. Das Handbuch wird ergänzt durch eine CD, auf der sich Mustertexte und weitere Arbeitshilfen befinden.

Zentrale Inhalte

Die Bildungschancen aller Kinder bereits in der frühen Kindheit zu verbessern, zählt zu den größten Herausforderungen unserer Gesellschaft. Gerade auf kommunaler Ebene bietet es sich dabei an, alle Akteure auf diesem Feld, deren Handlungen sich wechselseitig beeinträchtigen oder unterstützen können, zusammen zu bringen und zu koordinieren. Im Idealfall arbeiten diese Mitspieler freiwillig, gleichrangig und autonom zusammen. Dennoch benötigt die Etablierung und Verstetigung einer solchen Netzwerkstruktur einen koordinierenden Kopf, den „Netzwerker“. Seine Rolle, aber auch die Kompetenzen, die zur Erfüllung dieser Aufgabe erforderlich sind, lassen sich näher bestimmen.

Kommunale Netzwerke nehmen ihren eigenen Verlauf und bilden ihre eigenen Strukturen aus. Gleichwohl lassen sich aus den im Projekt „Kind & Ko“ gewonnenen Erfahrungen sinnvolle erste Schritte oder auch die nötigen Formen der Institutionalisierung beschreiben. Ein Steuerungsgremium sollte den inneren Kern des Netzwerkes bilden, um das sich Arbeitsgruppen oder Foren gruppieren. Ein Koordinationsbüro liefert die nötige Infrastruktur zur kontinuierlichen Netzwerkarbeit. Die Anbindung an die kommunale Verwaltung sowie an kommunalpolitische Entscheidungsgremien (Jugendhilfeausschuss) sollte hergestellt werden.

Die praktische Arbeit kommunaler Netzwerke für Kinder ordnet das Handbuch in einem „Strategiezyklus“, der die folgenden Arbeitsschritte umfasst:

  1. die gemeinsame Entwicklung eines Leitbildes zur frühkindlichen Bildung;
  2. eine kinder- und familienorientierte Bedarfsermittlung;
  3. die Priorisierung von Themen und eine Zielvereinbarung;
  4. die Entwicklung von Handlungsempfehlungen;
  5. die Planung und Umsetzung konkreter Maßnahmen sowie
  6. die Evaluation von Prozessen und Ergebnissen.

Diese einzelnen Arbeitsschritte werden vertiefend dargestellt und anhand praktischer Erfahrungen illustriert.

Diskussion

Die Stärken dieser Dokumentation und Reflexion des Modellprojekts „Kind & Ko“ liegen in der verständlichen und anschaulichen Einführung in Netzwerkarbeit als Instrument der politischen Steuerung und in der sehr systematischen und auch umfassenden Berücksichtigung geeigneter Strukturen und typischer Prozessverläufe. Die gelieferten Begründungen für die große Anstrengung, frühe Bildung gemeinsam zu fördern, bleiben auf der Ebene konsensualer, d. h. allzu glatter Aussagen (etwa bei dem Ziel, „die Erwachsenen darin zu unterstützen, zu stärken und zu qualifizieren, Lebens- und Lernwelten aktiv für Kinder zu gestalten, um [den] Bedürfnissen und Ansprüchen von Kindern gerecht zu werden“). Eine stärker argumentative Gedankenführung hätte den Text spannender gemacht und den Leser stärker gefesselt. So wird beispielsweise der Selbstbildungsansatz einer aktuellen Mode folgend zitiert, ohne seine Anwendbarkeit für die ersten drei Lebensjahre kritisch zu diskutieren. Alternative Kooperationsformen wie „Häuser für Kinder“ oder „Familienzentren“ werden nicht behandelt. Vergleichsweise blass bleibt zudem die Schilderung des konkreten Projektverlaufs an den Modellstandorten. Insbesondere Fehler, die bekanntlich besonders aufschlussreich und somit zentral für jedwedes Lernen sind, sucht der Leser vergeblich.

Fazit

Das Handbuch liefert eine nützliche Grundinformation und Orientierung für die Planung kommunaler Netzwerke.


Rezensent
Prof. Dr. Bernhard Kalicki
Diplom-Psychologe
Forscht am Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) in München und lehrt an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit Dresden (FH).
Homepage www.ifp.bayern.de
E-Mail Mailformular


Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Bernhard Kalicki. Rezension vom 26.10.2009 zu: (Hrsg.): Kommunale Netzwerke für Kinder (frühkindliche Bildung). Verlag Bertelsmann Stiftung (Gütersloh) 2008. 185 Seiten. ISBN 978-3-89204-978-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7049.php, Datum des Zugriffs 23.05.2012.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.

Zur Rezensionsübersicht
Zum Seitenanfang

Hilfe & Kontakt

Hinweise für RezensentInnen, Verlage, AutorInnen oder LeserInnen sowie zur Verlinkung bitte lesen, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.

Mehr zum Thema

Katharina Iseler: Kinderläden

Norbert Neuß (Hrsg.): Grundwissen Krippenpädagogik

Literaturliste anzeigen

Stellenangebote

Erzieher/in oder Sozialpädagoge (w/m) für Kinderheim, Freising

Fachberater/in für Kindergärten, Köln

Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.