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Armin Krenz: Konzeptionsentwicklung in Kindertagesstätten

Cover Armin Krenz: Konzeptionsentwicklung in Kindertagesstätten. Professionell, konkret, qualitätsorientiert. SCHUBI Lernmedien (Braunschweig) 2008. 204 Seiten. ISBN 978-3-427-40101-8. 19,80 EUR.

Reihe: Bildung von Anfang an - Kinder von 3 bis 6. Ursprünglich veröffentlicht im Bildungsverlag EINS.
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Thema

Mit dem vorliegenden Buch soll anhand praxisnaher Beispiele aufgezeigt werden, wie ein aussagefähiges Konzept mit verhältnismäßig geringem Aufwand zu entwickeln ist.

Autor

Dr. Armin Krenz ist am Institut für angewandte Psychologie und Pädagogik in Kiel tätig und führt Seminare sowie Weiterbildungen für sozialpädagogische Fachkräfte durch.

Entstehungshintergrund

Im Vorwort erläutert der Autor, dass die Frage nach der Konzeptionsentwicklung eine zentrale Frage bei den Fortbildungen ist, die er durchgeführt hat und durchführt. Um einem größeren Kreis Anregungen und Hilfestellungen zu geben, hat er dieses Buch verfasst.

Aufbau

Nach dem Vorwort sind sechs inhaltliche und nochmals untergliederte Kapitel angefügt. Das sechste Kapitel enthält Anschriften, das siebente ist das Schlusswort und im achten Kapitel befinden sich Literaturangaben.

1 Konzeption – Bestimmung eines vielschichtigen Begriffs

Zunächst greift Armin Krenz die Vielfalt der begrifflichen Umschreibungen aus der Praxis auf, um dann seine Definition und Erläuterungen zu geben. Dabei erfolgt eine Abgrenzung und ein Vergleich der Begriffe Konzept und Konzeption und eine Problematisierung der Tatsache, dass in vielen Kindertagesstätten zwar Ziele in den Konzeptionen formuliert sind, diese aber in der täglichen Praxis gar nicht realisiert werden.

2 Zur Notwendigkeit der Erarbeitung und regelmäßigen Überarbeitung einer Konzeption

Zunächst erfolgt eine Zusammenfassung von Bildungszielen aus den Kindertagesstättengesetzen und Verordnungen der Länder Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Anhand einer Reihe von Fragen werden diese Aussagen problematisiert, weil sie zu weit gefasst und interpretationsbedürftig sind. Mit Hilfe einer Darstellung erläutert der Autor dann die Wirkung von Konzeptionserarbeitungen bzw. –überarbeitungen auf das Innenverhältnis in einer Kita (Personen, das Team) und das Außenverhältnis (Kind/er und Öffentlichkeit). Diese Wirkungen werden dann in einzelnen Abschnitten noch näher erläutert.

In einem weiteren Abschnitt dieses Kapitels stellt der Autor den Bezug zwischen Qualitätsmanagement und Konzeption her, gibt einen Überblick über gängige Evaluationsverfahren und benennt gemeinsame Merkmale dieser Verfahren. Eine Zusammenstellung von Fragen soll dabei als Anregung für Eltern dienen, das Qualitätsmanagement einer Kindertageseinrichtung zu hinterfragen.

3 Erstellung einer Konzeption

Eine Liste von Fragen soll Einrichtungsteams helfen, die Phase der Konzeptionserarbeitung bzw. –überarbeitung vorzubereiten. Dann werden Schritte zur Erstellung einer qualitätsgeprägten Konzeption vorgestellt. Dabei geht Armin Krenz von einem Prozess aus, der sechs bis 15 Monate dauert. In einer Übersicht über mögliche Arbeitsweisen und Methoden werden konkrete Hinweise zum Erarbeitungsprozess gegeben, so wird auf Kleingruppenarbeit und die Arbeit mit Karteikarten verwiesen.

4 Hinweise und Hilfestellungen zu den einzelnen Schwerpunkten

Dieses Kapitel ist das umfangreichste des Buches. Als mögliche Gliederungspunkte einer Konzeption stellt der Autor die nachfolgenden heraus, die in einzelnen Abschnitten näher erklärt werden:

  • Vorwort
  • Auftrag der Kindertagesstätte
  • pädagogischer Ansatz
  • Religionspädagogik (bei kirchlicher Trägerschaft)
  • Kinder im Mittelpunkt
  • Besondere Schwerpunkte
  • Bedeutung und Stellenwert des Spiels
  • Person des Erziehers/der Erzieherin
  • Zusammenarbeit der Mitarbeiter/-innen
  • Zusammenarbeit mit den Eltern
  • Zusammenarbeit mit dem Träger
  • Zusammenarbeit mit Fachdiensten/Institutionen
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Anleitung/Beratung von Praktikanten
  • Fort-, Weiter-, Zusatzausbildung
  • Rahmenbedingung und Organisation

Dabei werden auch beispielhafte Formulierungen aufgeführt und weiterführende Literaturhinweise gegeben. Ein Abschnitt jedes Schwerpunktes stellt jeweils ein Brainstorming dar, bei dem Stichpunkte gegeben werden. Ein Abschnitt über Kinder unter 3 ist auch eingefügt.

5 Die Konzeption und ihre Konsequenzen für Mitarbeiter/-innen, Eltern, den pädagogischen Alltag und den Träger

Zunächst wird die Konzeption als Teil des Dienstvertrages dargestellt. Anschließend geht der Autor kurz darauf ein, dass es ratsam ist, die Konzeption mit einem Copyright zu versehen. Die Träger sollten ihrerseits die Konzeption genehmigen.

6 Anschriften von Kindertagesstätten mit qualitätsgeprägten Konzeptionen

In diesem Kapitel sind Anschriften von Kindertageseinrichtungen enthalten, die ihre eigene Konzeption in einem längeren Prozess kindorientiert und anspruchsvoll gestaltet haben. Es wird empfohlen, diese Einrichtungen anzuschreiben und um die Überlassung einer Konzeption zu bitten.

7 Schlusswort

Anhand einiger wortgetreuer Zitate kann noch einmal der Stolz der Erzieherinnen nachvollzogen werden, die den beschwerlichen Weg der Konzeptionsentwicklung auf sich genommen haben. Der Wert und der Ertrag solcher Prozesse liegt vor allem in der bewussten Reflexion der pädagogischen Arbeit und der Klärung von Beziehungen im Team.

Diskussion

Mit dem Buch soll es Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen erleichtert werden, ihre Konzeption neu zu erarbeiten bzw. zu überdenken. Dabei wird die Konzeptionserarbeitung durch das gesamte Team angestrebt und als Teamentwicklungsprozess gesehen. Armin Krenz hat seine Erfahrungen mit diesen Prozessen für eine breite Leserschaft dokumentiert.

Das zweite Kapitel ist eine Aufforderung, die eigenen, oftmals plakativen Formulierungen in Konzeptionen zu überdenken. Anhand einer ganzen Reihe von Fragen, wie der, was sich hinter dem viel zitierten Begriff der Ganzheitlichkeit verbirgt, kann es gelingen, eigene sprachliche Ausdrücke genauer zu betrachten und zu präzisieren.

Das Buch ist nicht einfach eine Handreichung, um Teams bei der Erstellung ihrer Konzeption bzw. deren Überarbeitung zu unterstützen, es ist gleichzeitig ein Beitrag zur Diskussion darüber, was Elementarpädagogik ausmacht. Armin Krenz wendet sich in verschiedenen Abschnitten gegen pädagogischen Aktionismus und eine Verschulung der Kindertageseinrichtungen.

Mir haben solche Gedanken sehr gut gefallen, wie der, dass eine „Pädagogik vom Kinde“ aus eine lebendig gelebte Pädagogik mit dem Kind ist und kein Denken für die Kinder, kein Handeln für sie. Das Kinderleben darf keine Aneinanderreihung von pädagogischen Arrangements sein. Der Verweis auf die Rolle des Spiels in diesem Zusammenhang ist nur folgerichtig: Im Spiel lernen die Kinder die Fähigkeiten, die wichtig sind, damit sie Mitgestalter ihrer Biografie sein können.

Die als „Brainstorming“ formulierten Stichpunkte zu den möglichen Schwerpunkten einer Konzeption können als Gedankenanstöße oder als Formulierungshilfen gesehen werden. Letzteres würde sich aber gerade gegen die Forderung des Autors richten, dass die Formulierungen in einer Konzeption nur durch das Personal einer Kita selbst gefunden werden können. Das habe ich etwas widersprüchlich empfunden.

Im Buch sind vor allem Erfahrungen dokumentiert. Die reichhaltigen Literaturempfehlungen in den einzelnen Abschnitten können helfen, sich vertiefter mit der Materie auseinander zu setzen. Allerdings lässt die Wissenschaftlichkeit zu wünschen übrig, aber das war wohl auch nicht das Ziel des Buches, es sollte ein praxisnahes Werk werden. Es gibt keine direkten Zitationen, Quellenverweise, auf welches Material sich der Autor im Konkreten gestützt hat. Außerdem muss es nicht sein, dass aus Lieselotte Ahnert „der Wissenschaftler Ahnert“ (S. 93) wird, schließlich ist sie eine Wissenschaftlerin.

Fazit

Das Buch enthält praxisnahe Anregungen für die Erstellung bzw. Überarbeitung der Konzeption einer Kindertageseinrichtung.


Rezensentin
Prof. Dr. paed. Michaela Rißmann
Fachhochschule Erfurt
Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften
Professur "Erziehungswissenschaften, Erziehung und Bildung von Kindern"
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Zitiervorschlag
Michaela Rißmann. Rezension vom 19.12.2009 zu: Armin Krenz: Konzeptionsentwicklung in Kindertagesstätten. Professionell, konkret, qualitätsorientiert. SCHUBI Lernmedien (Braunschweig) 2008. ISBN 978-3-427-40101-8. Reihe: Bildung von Anfang an - Kinder von 3 bis 6. Ursprünglich veröffentlicht im Bildungsverlag EINS. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7106.php, Datum des Zugriffs 29.07.2016.


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