Ihr Vorteil: Wir filtern, prüfen und ordnen die Angebote für die Sozialwirtschaft.

Olaf Altena: Wohnungsunternehmen und Sozialarbeit

Olaf Altena: Wohnungsunternehmen und Sozialarbeit. Hammonia-Verlag Hamburg (Hamburg) 2002. 121 Seiten. ISBN 978-3-87292-140-6. 16,00 EUR.

Titel ist vergriffen und erscheint voraussichtlich nicht wieder;antiquarische Suche ist möglich.
Siehe auch Replik oder Kommentar am Ende der Rezension.

Besprochenes Werk kaufen


Das Thema

In dem Maße, in dem sich der demographische und sozio-ökonomische Wandel in den Wohnquartieren niederschlägt, wird die Sozialarbeit auch für die Wohnungswirtschaft zu einem Thema. Quartiersmanagement, Mietschuldenberatung, Jugendarbeit, Beschäftigungsprojekte, Suchthilfe, Krisenintervention, interkulturelle Arbeit, soziale Betreuung alter Menschen, Konfliktmanagement - nahezu das gesamte Spektrum sozialer Arbeit findet sich im Aufgabenbereich von Sozialarbeitern, die für Wohnungsunternehmen tätig sind. Grund genug, diesem Thema eine Monographie zu widmen.

Der Autor

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um eine Diplomarbeit, die der Verfasser zum Abschluss seines berufsbegleitenden Studiums an der Führungsakademie der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft eingereicht hat und die als jahrgangsbeste Arbeit mit einem Preis ausgezeichnet wurde.

Gliederung und Inhalt

Der Aufbau des Buches entspricht einer typischen akademischen Qualifikationsarbeit. Im Anschluss an eine knappe Einleitung werden die Methodik der Arbeit - der Verfasser hat 14 qualitative Interviews mit VertreterInnen von verschiedenen Wohnungsunternehmen geführt - dargelegt und der Stand der Forschung auf 1 1/2 Seiten referiert. Der Hauptteil des Buches wird von Exzerpten aus den geführten Interviews getragen, die der Verfasser thematisch gruppiert und knapp kommentiert. Am Ende eines jeden Kapitels werden die Kernbotschaften tabellarisch zusammengefasst.

Die Inhalte befassen sich (1) mit der Rolle des Sozialarbeiters im Wohnungsunternehmen, die noch keineswegs gefestigt ist, sondern zwischen "Feuerwehr" und "Feigenblatt" schwankt, (2) mit dem Verhältnis von Quartiersmanagement und Einzelfallarbeit, (3) mit dem Verhältnis von Sozialarbeitern und kaufmännischen Mitarbeitern im Unternehmen, (4) mit der Einbindung der Sozialarbeit in die Aufbauorganisation eines Wohnungsunternehmens, (5) mit Aufgabenprofilen und Qualifikationsanforderungen, (6) mit der Messbarkeit des Erfolgs von sozialer Arbeit, (7) mit Kooperationsmöglichkeiten und (8) mit einem Ausblick zur Entwicklung des Stellenwerts von sozialer Arbeit in der Branche. Ein kurzes Kapitel mit Schlussfolgerungen schließt die Arbeit.

Die Stärke des Buches liegt darin, dass es - durch die breite Zitation ungeschminkter Interviewäußerungen - ein absolut realistisches Bild des Arbeitsplatzes "Wohnungsunternehmen" für Angehörige sozialer Berufe zeichnet, wobei der Schwerpunkt einmal nicht auf der Klientenperspektive, sondern auf der Perspektive der Arbeitgeber, Vorgesetzten und Kollegen liegt. Nüchtern zeigt Olaf Altena auf, mit welchen Clichés Sozialarbeiter in diesem Berufsfeld zu kämpfen haben. So wird ihnen beispielsweise "klientenzentriertes Denken" vorgeworfen, das "Helfersyndrom" oder auch "das einfache Schwarz-Weiss-Bild", das ihnen in den Fachhochschulen von Professoren vermittelt werde, die "in den 60er und 70er Jahren sozialisiert wurden".

Ein Leitmotiv, das sich durch die Interviews hindurchzieht, stellt die Effizienz sozialer Arbeit dar, die sich immer wieder kaufmännisch zu legitimieren hat. Die Ergebnisse zeigen, dass selbst in den Wohnungsunternehmen, wo hohe Maßstäbe an die Rentabilität aller Geschäftsprozesse gestellt werden, die Evaluation und das Controlling sozialer Arbeit noch in den Kinderschuhen stecken. Altena schiebt den schwarzen Peter dabei aber durchaus den Unternehmensleitungen zu, wenn er etwa das Fehlen klarer Zielvorgaben für die Sozialarbeiter auch als "Führungsschwäche" abkanzelt. Im Schlusskapitel skizziert er immerhin auf einer halben Seite, wie man sich des Problems der Wirkungsanalyse sozialer Arbeit mit Hilfe einiger Indikatoren (z.B. Fluktuation, Mietrückstände, Zahl aktivierter Bewohner, Budgeteinhaltung) und systematischer Erhebungen zu nähern vermag.

Fazit

Der Wert des Buches liegt nicht nur darin, dass es ein vergleichsweise junges, noch deutlich wachsendes Einsatzfeld von Sozialarbeitern sehr realistisch beschreibt, sondern dass sich die beschriebenen Clichés, Konflikte, Rollenbilder und Anforderungen zunehmend auch in anderen, durchaus traditionellen Berufsfeldern sozialer Arbeit finden. Die Wirtschaftlichkeit sozialer Arbeit muss mittlerweile auch in der öffentlichen Verwaltung oder bei freien Trägern der Wohlfahrtspflege nachgewiesen werden.

Insofern enthält das Buch Anstöße zur Selbstreflexion sozialer Arbeit, die über das Berufsfeld "Wohnungswirtschaft" hinausgehen. Indirekt wird auch der Ausbildung nahegelegt, betriebswirtschaftliche Aspekte stärker in das Studium der sozialen Arbeit einzubinden - einerseits, um SozialarbeiterInnen besser in die Lage zu versetzen, die Effizienz ihres eigenen Handelns nachzuweisen, andererseits aber auch, um SozialarbeiterInnen gegenüber ihren KollegInnen aus den kaufmännischen Abteilungen akzeptanz- und kommunikationsfähig zu machen.

Olaf Altena bietet einen - durchaus realistischen und instruktiven - Einblick in ein vergleichsweise junges Berufsfeld für soziale Berufe, nicht aber einen Überblick über das Thema "Wohnungsunternehmen und Sozialarbeit". Ein systematischer Überblick hätte wohl eine etwas gründlichere Aufarbeitung der (durchaus schon ergiebigen) Literatur zum Thema und einen breiteren methodischen Zugang erfordert. Das hätte allerdings den Rahmen einer Diplomarbeit gesprengt. An die Adresse des Verlages sei gesagt, dass der Arbeit ein wenig Lektorat gut getan hätte - so ist die Diplomarbeit offensichtlich unverändert abgedruckt worden, einschließlich ehrenwörtlicher Erklärung am Schluss und einiger Flüchtigkeitsfehler bei den Literaturangaben.


Rezensent
Prof. Dr. Volker Eichener
E-Mail Mailformular


Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Titel ist vergriffen und erscheint voraussichtlich nicht wieder; antiquarische Suche ist möglich.


Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Volker Eichener. Rezension vom 17.06.2003 zu: Olaf Altena: Wohnungsunternehmen und Sozialarbeit. Hammonia-Verlag Hamburg (Hamburg) 2002. 121 Seiten. ISBN 978-3-87292-140-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/714.php, Datum des Zugriffs 23.05.2012.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.

Zur Rezensionsübersicht
Zum Seitenanfang

Hilfe & Kontakt

Hinweise für RezensentInnen, Verlage, AutorInnen oder LeserInnen sowie zur Verlinkung bitte lesen, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.

Mehr zum Thema

Tilman Lutz: Soziale Arbeit im Kontrolldiskurs

Brigitte Geißler-Piltz, Susanne Gerull (Hrsg.): Soziale Arbeit im Gesundheitsbereich

Literaturliste anzeigen

Stellenangebote

Erzieher/in oder Sozialpädagoge (w/m) für Kinderheim, Freising

Fachberater/in für Kindergärten, Köln

Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.