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Berit Heitzmann, Susanne Helfert u.a.: Fit für den Beruf

Berit Heitzmann, Susanne Helfert, Uwe Schaarschmidt: Fit für den Beruf. AVEM-gestütztes Patientenschulungsprogramm zur beruflichen Orientierung in der stationären Rehabilitation. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2008. 104 Seiten. ISBN 978-3-456-84580-7. 34,95 EUR.
Reihe: Arbeiten zur Theorie und Praxis der Rehabilitation in Medizin, Psychologie und Sonderpädagogik - Band 49.

Thema

Auf gut 100 Seiten Text - ergänzt um eine materialreiche CD-ROM - stellen die Autor/innen in „Fit für den Beruf“ ein Patientenschulungsprogramm vor, das sie in zweijähriger Forschungsarbeit entwickelt und in sieben Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation erprobt haben. Mit der vorliegenden Buchpublikation bieten sie ihr Produkt nunmehr für den professionellen Einsatz auch außerhalb der „eigenen vier Wände“ an.

Inhalt

Das Programm widmet sich Menschen, die nach Abschluss einer medizinischen Rehabilitation an ihren Arbeitsplatz zurückkehren wollen, ohne dass sich die dortigen Belastungen verändert haben. Für die Aufrechterhaltung des in der Rehabilitation wiedergewonnenen Gesundheitsstatus ist von zentraler Bedeutung - so die zentrale Hypothese -, wie die Arbeitsplatzrückkehrer/innen mit ihrer beruflichen Situation individuell umgehen. Das Schulungsprogramm soll die Betroffenen durch eine aktiv-reflektierende Auseinandersetzung mit ihrer beruflichen Wirklichkeit in die Lage versetzen, ihr Verhalten, ihre Kognitionen und ihre Emotionen in gesundheitsfördernder Richtung zu überprüfen und bei Bedarf neu auszurichten. In der Schulung geschieht dies durch die Vermittlung von Wissen, durch die Erarbeitung konkreter Handlungsalternativen und durch die Überprüfung von Einsichten zum Verständnis und zur gezielten Veränderung gesundheitsgefährdender Anforderungsbewältigung.

Im Mittelpunkt steht das potentielle Fehl- und Risikoverhalten der Betroffenen, nicht der mögliche Gefährdungsgrad der Arbeitsbedingungen selbst. Hierin mag man eine Engführung des Problemzuschnitts sehen, die im Rahmen eines ganzheitlich angelegten betrieblichen Eingliederungsmanagements ganz sicher aufzubrechen wäre. Diese kritische Bemerkung entwertet das AVEM-Modell der Verfasser nicht, es zeigt aber den spezifischen Ansatzpunkt, der bei einem solitär entwickelten Schulungsprogramm freilich nicht anders ausfallen kann. Schließlich lehrt schon die Alltagserfahrung, dass ein und dieselben objektiven Gegebenheiten subjektiv höchst unterschiedlich wahrgenommen und verarbeitet werden können. Insofern sind Schulungsprogramme fraglos ein wichtiger Baustein einer erfolgreichen beruflichen Reintegration.

AVEM steht für „Arbeitsbezogenes Verhaltens- und Erlebensmuster“. Es handelt sich dabei um ein psychodiagnostisches Verfahren, das über 11 gemessene Merkmalsdimensionen („Beruflicher Ehrgeiz“, „Verausgabungsbereitschaft“ etc.) typische arbeitsbezogene Bewältigungsmuster sichtbar macht, die als Risikofaktoren einen medizinisch-psychologischen Interventionsbedarf signalisieren können.

Das aus AVEM abgeleitete Schulungsprogramm ist als Manual konzipiert, das von erfahrenen Reha-Fachkräften in der Praxis unmittelbar eingesetzt werden kann. In den fünf aufeinander aufbauenden Sitzungen von 120 Minuten lernen die teilnehmenden Rehabilitanden in Gruppen von 8 bis 12 Personen „über ihre persönlichen Vorerfahrungen zu reflektieren, sich angemessene berufliche Ziele zu setzen, aus eigenem Antrieb Bewältigungsbemühungen zu unternehmen und mit dem Erleben von mehr Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit in den Berufsalltag zurückzukehren.“ Jeder Sitzung widmen die Wissenschaftler/innen der Universität Potsdam ein eigenes Kapitel. Es weist die Ziele der Sitzung aus und präsentiert anschließend in einer auch für interessierte Laien gut verständlichen Form die jeweiligen Vorgehensweisen (z.B. Gruppenarbeit zum Belastungsmanagement). Um die Selbstreflexion der Patienten gezielt zu fördern, stehen zahlreiche Hilfsmittel zur Verfügung. Wie sie eingesetzt werden, wird im Text gut erläutert. Alle Hilfsmittel sind auf der beiliegenden CD-ROM gespeichert, sodass sie jederzeit für einen neuen Praxiseinsatz bereitstehen. Den Ausführungen zur Umsetzung des Programms gehen in jedem Kapitel ausführliche Darlegungen und wissenschaftliche Begründungen des vorgeschlagenen therapeutischen Vorgehens voraus.

Das letzte der insgesamt drei Hauptkapitel des Buches präsentiert das für Wissenschaftler wie Praktiker gleichermaßen interessante Forschungskonzept und die Ergebnisse einer Evaluation des Programms. Die im Kontrollgruppendesign erhobenen Daten zeigen, dass ein berufsbezogenes Schulungsprogramm in der Tat an einem zentralen ‚kritischen’ Punkt der Arbeitsplatzrückkehr ansetzt, auch wenn zehn Stunden Gruppenarbeit problematische Haltungen nicht ‚mir nichts dir nichts’ umzudrehen vermögen und neue Sichtweisen auf das alte Arbeitsleben weiterer Stabilisierung bedürfen.

Fazit

Das Buch gefällt nicht nur durch seinen rehapraktisch bedeutsamen Inhalt, sondern auch durch sein leser- und anwenderfreundliches Layout. Die gut geschriebenen Texte werden durch grau unterlegte Kästen, durch zahlreiche Abbildungen, Beispiele und eine Tabelle sinnvoll durchbrochen. Ob man die Präsentation eines wissenschaftlich seriös fundierten Handlungsprogramms unter die Überschrift „Fit für den Beruf“ bringen sollte, könnte man noch einmal erörtern. Auch der im Untertitel auftauchende Begriff der beruflichen Orientierung meint eigentlich Anderes als die Erarbeitung einer veränderten Haltung zur Arbeit, was der Qualität des Werkes aber keinen Abbruch tut.


Rezensent
Prof. Dr. Rudolf Bieker
Hochschule Niederrhein/Fachbereich Sozialwesen
Lehrgebiet: Theorie und Strukturen Sozialer Dienste/Sozialverwaltung
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Zitiervorschlag
Rudolf Bieker. Rezension vom 19.03.2009 zu: Berit Heitzmann, Susanne Helfert, Uwe Schaarschmidt: Fit für den Beruf. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2008. 104 Seiten. ISBN 978-3-456-84580-7. In: socialnet Rezensionen unter http://www.socialnet.de/rezensionen/7180.php, Datum des Zugriffs 12.03.2010.


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