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Michael Berger, Jutta Chalupsky u.a.: Change Management - (Über-)Leben in Organisationen

Cover Michael Berger, Jutta Chalupsky, Frank Hartmann: Change Management - (Über-)Leben in Organisationen. Dr. Götz Schmidt Verlag (Wettenberg) 2008. 6., völlig neu bearb. Auflage. 460 Seiten. ISBN 978-3-921313-74-9.

Ibo-Schriftenreihe - Band 4.
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Thema

Der Begriff „Change Management“ beschreibt üblicherweise den Prozess der steuernden Gestaltung unternehmensbezogener Veränderungsprozesse. In Zeiten zunehmender Dynamik der Entwicklungsbedingungen, der Globalisierung und der Finanzkrise wird es für Unternehmen immer wichtiger, sich an veränderte Umweltbedingungen anpassen und darüber hinaus initiativ produktive Entwicklungen einleiten zu können.

Aufbau …

Das vorliegende Werk will „ein einheitliches Verständnis vom Umgang mit Veränderungen“ (Vorwort) erzeugen, Instrumente vorstellen und alle relevanten Dimensionen von Veränderungen erfassen. Dazu gliedert sich das Werk in ein Grundlagenkapitel und drei Abschnitte von jeweils gut 100 Seiten, die anhand der Interventionsebenen von Veränderungsprozessen – Entwicklung des Individuums, Entwicklung des Teams, Entwicklung der Organisation – strukturiert sind.

… und Inhalt

Das Grundlagenkapitel als erster Abschnitt (S. 17 – 72) gibt gleichsam quer zu den drei Interventionsebenen eine generelle Einführung in „Voraussetzungen, Prinzipien und Kultur der Veränderung“. Diese Grundlagen für Change-Prozesse – z.B. die Frage der Bestimmung des Veränderungsbedarfs, die Einbeziehung der Beteiligten und ihrer Veränderungsbereitschaft und die im Unternehmen herrschende Kultur der Veränderung – werden sehr knapp und gleichsam apodiktisch vorgestellt. Die Hälfte in diesem Kapitel umfasst die detaillierte und facettenreiche Darstellung allgemein einsetzbarer Instrumente systemischer Interventionen („Toolbox“), die allerdings ein Schwergewicht auf den Einsatz bei personalen Entwicklungsprozessen (z.B. Coaching) legt; die Anwendung dieser Instrumente dürfte professionelles Know-How und Erfahrung voraussetzt.

Der zweite Abschnitt des Werkes charakterisiert die Entwicklung des Individuums als Gegenstand von Veränderungsprozessen. In dem knappen, aber klaren und pointierten Kapitel 1 „Rollen in Veränderungsprozessen“ werden die Rollen im Beratungsprozess übersichtlich und klar differenziert dargestellt. Diese Ausführungen zu Beratungsprozessen treffen allerdings nicht nur auf die Ebene „Individuum“ zu, sondern enthalten auch für die anderen beiden Interventionsebenen wichtige Hinweise (z.B. zum systemischen Beratungsansatz); insofern hätte eine Zuordnung zum vorhergehenden Grundlagenkapitel eigentlich nahegelegen. Das Kapitel 2 „Kognition, Motivation, Emotion“ gibt sehr kurz gefasste, recht allgemeine Hinweise zu den personalen Voraussetzungen für Verhaltensänderungen. Ausführlicher sind die praktisch verwertbaren Hinweise zum Umgang mit Stress im Rahmen des Selbstmanagements (Kap. 3) und zum Coaching (Kap. 4). Hier zeigen sich die umfangreichen Beratungserfahrungen der Autoren, die ihren Ausdruck in umfangreichen, detaillierten Checklisten finden, die für Interessierte durchaus von Nutzen sein können.

Der dritte Abschnitt befasst sich mit dem Team als dem Ort im Unternehmensgeschehen, in dem fast alle Veränderungsprozesse ihre Umsetzung finden müssen. Der Abschnitt beginnt mit kurzen, knappen Ausführungen zu Führung und Macht. Die Selbstanalysefragen in der Toolbox dieses Abschnittes stammen von Mintzberg und sind gut einsetzbar. Die Checkliste zu Zielvereinbarungsgesprächen gibt Tipps zur Ausgestaltung dieses Führungsprinzips; allerdings fehlen Hinweise darauf, warum für dieses Konzept eine Vertiefung durch eine Checkliste vorgenommen wird, für die anderen Konzepte aber nicht. Auch die übrigen vier Abschnitte – Gruppendynamik und –entwicklung, Moderation und Teamarbeit, Kommunikation, Konfliktmanagement – geben Erstinformationen, die allenfalls für einen groben Überblick ausreichen und häufig formelhaft verkürzt wirken (z.B. „Damit sind akute Konflikte unvermeidbar.“). Nutzenpotenziale ergeben sich dagegen immer dann, wenn die Autoren auf Instrumente zurückgreifen, die in Beratungsprozessen Anwendung finden, so bei der „Toolbox Teamentwicklung“ (S. 237ff.), der Darstellung von Kreativitäts- und Problemlösetechniken (S. 251ff.) und der „Toolbox“ für den Einsatz in der Konfliktberatung (S. 310ff.)

Der vierte Abschnitt des Werks stellt die Veränderungsprozesse auf der Ebene der Gesamtorganisation vor. Unternehmen müssen sich an veränderte Umweltbedingungen anpassen, um überleben zu können. Als Beispiel für gelungene Marktanpassungsprozesse werden eingangs dieses Abschnitts ausgerechnet Finanzdienstleister angeführt (S. 315); die ironisch-sarkastische Konnotation dieses Beispiels war bei Drucklegung des Werkes vermutlich noch nicht absehbar. – Der Abschnitt stellt zwei unterschiedliche Intensitätsstufen organisationaler Veränderungen einander gegenüber (vgl. Überblicksgraphik auf S. 325): Organisationsentwicklung als eher ruhige, partizipativ angelegte, in Projekten durchgeführte Strategie (Kapitel 10) und Veränderungsmanagement als „zyklischer, aber nicht steuerbarer“ (S. 325) Prozess mit enthaltener top-down-Komponente und starker externer Erfolgsorientierung (Kap. 11). Das letzte Kapitel des Werkes stellt Veränderungsprozesse von Unternehmenskulturen dar (Kap. 12). - Gegenüber den vorherigen beiden Abschnitten liegt das Schwergewicht in diesem Abschnitt auf der Darstellung der Zusammenhänge; die praktisch ausgelegten Teile („Toolboxes“) in diesen drei Kapiteln sind sehr knapp und kommen über die bloße Nennung und stichwortartige Erläuterung der Techniken nicht hinaus. Eine Ausnahme hiervon bilden die Fragen zur Kulturanalyse und –diagnose (S. 412/413).

Fazit

Insgesamt liefert das Buch einen guten Überblick über wesentliche Probleme und Lösungsansätze für Veränderungsprozesse auf den drei Ebenen Individuum – Team – Organisation. Es bietet Anregungen für Führungskräfte, Mitarbeiter und Berater , wie derartige Prozesse zu verstehen und zu gestalten sind. Für wissenschaftliche Vertiefungen bietet das Werk schon durch die thematische Breite, die Konzentration auf Rezepte und Methoden ohne Klärung der Anwendungsbedingungen und den Verzicht auf einschlägige Zitiertechniken sowie fundierte Definitionen wenig Material. Stärken des Werks sind die nachvollziehbare, durch Graphiken und Hervorhebungen im Text gut lesbare Darstellung und die große Anzahl von Beispielen.


Rezensent
Prof. Dr. Knut Dahlgaard
Professor für Personalmanagement und Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Fakultät Wirtschaft und Soziales
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Zitiervorschlag
Knut Dahlgaard. Rezension vom 25.08.2009 zu: Michael Berger, Jutta Chalupsky, Frank Hartmann: Change Management - (Über-)Leben in Organisationen. Dr. Götz Schmidt Verlag (Wettenberg) 2008. 6., völlig neu bearb. Auflage. ISBN 978-3-921313-74-9. Ibo-Schriftenreihe - Band 4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7307.php, Datum des Zugriffs 27.05.2016.


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