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Cecilia A. Essau: Angst bei Kindern und Jugendlichen

Cover Cecilia A. Essau: Angst bei Kindern und Jugendlichen. UTB FÜR WISSENSCHAFT (Stuttgart) 2003. 303 Seiten. ISBN 978-3-8252-2398-4. 21,90 EUR, CH: 38,50 sFr.

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Einführung in das Thema

Angststörungen gehören zu den bestuntersuchten psychischen Störungen ‑ nicht aber Angst und Angststörungen im Kinder- und Jugendlichenalter, obwohl diese zu den Störungen mit der höchsten Prävalenzrate gehören. Cecilia A. Essau widmet sich diesem Thema mit großer wissenschaftlicher Expertise.

Aufbau und Inhalt

Das Buch entspricht in seinem gelungenen Aufbau dem ein Jahr zuvor im gleichen Verlag erschienenen Werk zu Depressionen bei Kindern und Jugendlichen. Wie dieses ist es in drei Abschnitte gegliedert.

  1. Der erste Teil ist mit dem Titel "Merkmale der Ängste, Furcht, Angststörungen" überschrieben und umfasst ca. die Hälfte des Buchumfangs. Angst, Furcht und Phobien werden zunächst im Kontext von normalen Entwicklungsverläufen als adaptive Phänomene beschrieben (Kap. 1), bevor Angststörungen mit Symptomen und Klassifikation (in Kap. 2) ausführlich dargestellt werden. In Kap. 3 wird auf diagnostische Verfahren eingegangen; auch hier werden die verschiedenen Vorgehensweisen ‑ Interviews, Verhaltensbeobachtung, Selbst- und Fremdratings etc. ‑ detailliert und fundiert vorgestellt. In weiteren Kapiteln geht es um Epidemiologie (Kap. 4) und Komorbidität (Kap. 5), wobei auch auf die schwierige Frage nach der Abfolge in der Entwicklung komorbider Störungen eingegangen wird. Kap. 6 behandelt die Kluft zwischen Beeinträchtigungsschwere und Versorgungsrealität, deren Implikationen (Unter- und Fehlversorgung) deutlich herausgestellt werden. Kap. 7 zeigt typische Störungsverläufe und bekannte Prädiktoren auf.
  2. Der zweite, mit etwas über 30 Seiten kürzeste Abschnitt ist mit "Theorien und Risikofaktoren" betitelt. Er umfasst zwei Kapitel, die sich mit Störungs- und Genesemodellen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen und psychotherapeutischen Perspektiven (Kap. 8) sowie mit familiären und individuellen Risikofaktoren (Kap. 9) auseinandersetzen.
  3. Der dritte Abschnitt von erfreulicherweise über 60 Seiten ist mit "Psychologische Intervention" überschrieben. Er enthält nur ein gleichnamiges Kapitel, das sowohl therapeutische als auch präventive Programme unterschiedlicher Ausrichtung (überwiegend kognitiv-verhaltenstherapeutisch, aber auch familientherapeutisch und tiefenpsychologisch) skizziert.

Ein ausgesprochen nützliches Schlusskapitel (Kap. 11: "Zusammenfassung und Ausblick") bietet einen summarischen Überblick und markiert schließlich die offenen Fragen auf diesem Gebiet. Abgerundet wird das Buch durch ein Glossar, ein umfangreiches Literaturverzeichnis und einen Sachindex für die Suche nach Stichwörtern und Begriffen im Text.

Kommentar

In der Gestaltung haben Autorin und Verlag mit Tabellen, Abbildungen und Aufstellungen sowie grau hinterlegten Flächen zu spezielleren Themen (z.B. exemplarische Untersuchungen oder kurze Falldarstellungen) einigen Aufwand betrieben, um Leserinnen und Lesern die Lektüre zu erleichtern. Neben der klaren Gliederung trägt auch die durchgehende Marginalienspalte mit Kern- und Schlüsselbegriffen zur guten Lesbarkeit und Verständlichkeit des Textes bei. Am Ende eines jeden der 10 inhaltlichen Kapitel befinden sich Übungsfragen (insgesamt 97), die nicht nur bei der Überprüfung des Verständnisses sondern auch bei der Fokussierung auf relevante Informationsaspekte hilfreich sind.

Somit kann das Lehrbuch all Jenen empfohlen werden, die in ihrer praktischen oder wissenschaftlichen Tätigkeit mit Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen befasst sind. Es bietet detailliertes und fundiertes Hintergrundwissen zu den behandelten Störungsbildern. Eine Stärke liegt sicherlich in dem großen Überblick der Autorin über international vorliegende Arbeiten zu den in den einzelnen Kapiteln vertieften Teilaspekten. Möglicherweise liegt hier jedoch auch eine Schwäche, weil die Auswahl der vorgestellten Befunde nicht immer überzeugt. Beispielsweise fehlen Hinweise auf die Ergebnisse der Dresdener Arbeitsgruppe um Sylvia Schneider, die sich mit zeitlichen Abfolgen von Angst und Depression sowie Risikofaktoren für die Entstehung von Angststörungen in der Adoleszenz beschäftigt hat. Auch im Interventionsteil wären Verweise auf weiterführende Literatur zu Präventions- und Behandlungsprogrammen wünschenswert, zumal längst nicht alle aktuell im deutschsprachigen Raum verbreiteten Programme erwähnt werden (z.B. Unnewehr & Joormann, 2002).

Fazit

Diese Kritik an Details mindert jedoch nicht den hohen Informationswert, die gute Aufbereitung des Materials und den insgesamt positiven und ausgewogenen Eindruck, den das Buch macht.


Rezensent
Dr. Joachim Kosfelder
Fachhochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Zitiervorschlag
Joachim Kosfelder. Rezension vom 01.03.2005 zu: Cecilia A. Essau: Angst bei Kindern und Jugendlichen. UTB FÜR WISSENSCHAFT (Stuttgart) 2003. 303 Seiten. ISBN 978-3-8252-2398-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/732.php, Datum des Zugriffs 23.05.2012.


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