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Ingrid Holler: Trainingsbuch Gewaltfreie Kommunikation

Cover Ingrid Holler: Trainingsbuch Gewaltfreie Kommunikation. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2003. 222 Seiten. ISBN 978-3-87387-538-8. 19,50 EUR.

Mit einem Vorwort von Marshal B. Rosenberg.
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Einführung in das Thema

Marshall B. Rosenberg hat herausgefunden, dass die Art und Weise zu sprechen, wie körperliche Gewalt, in der Lage ist, zu verletzen und Leid bei uns selbst und bei anderen herbeizuführen.

Dies ist eine Erkenntnis, die im Bewusstsein der meisten Menschen nicht präsent ist. Daneben wissen Menschen meist nicht genau, dass Gefühle nicht einfach hinzunehmen sind, sondern beeinflussbar und steuerbar sind.

Marshall B. Rosenberg hat ein für jeden anwendbares praktisches Modell geschaffen, wie der Einzelne seine Art und Weise zu sprechen und mit anderen Menschen umzugehen auf Gewaltelemente prüfen kann. Er wird dadurch in die Lage versetzt, sich über seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse im Klaren zu sein und auch die Gefühle und Bedürfnisse anderer zu verstehen.

Gewalt ist nach dieser Auffassung Folge dieser Unklarheit über die eigenen Gefühle und der eigenen Bedürfnisse.

Er hat weltweit Streitschlichtungsmodelle durchgeführt und dabei eine Methode entwickelt,

  • wie Menschen ohne verletzende Wirkung (gewaltfrei) sprechen können,
  • wie Menschen ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse erkennen,
  • wie sie mit anderen über diese Bedürfnisse sprechen können,
  • wie sie die Bedürfnisse und Gefühle der anderen erkennen können und darauf reagieren können.

Diese Methode - er nennt sie "nonviolent communication" - oder übersetzt: "Gewaltfreie Kommunikation" - hat Marshall B. Rosenberg einfach und klar in dem Buch "Gewaltfreie Kommunikation, aufrichtig und einfühlsam sprechen" (Junfermannverlang, Paderborn 2002) beschrieben.

Angaben zur Autorin

Ingrid Holler ist seit 1985 selbständige Trainerin, Mediatorin und Coach. Seit 1987 besteht ihr Engagement für gewaltfreie Kommunikation. Sie ist zertifizierte Trainerin von Marshall B. Rosenbergs "center for nonviolent communication", USA. Im Jahre 2000 brachte sie das Buch "Gewaltfreie Kommunikation" nach Deutschland. Sie hält Einführungs- und Ausbildungsseminare in gewaltfreier Kommunikation ab und ist Mitbegründerin und Vorsitzende vom Netzwerk Gewaltfreie Kommunikation e. V., das Marshall B. Rosenberg regelmäßig nach München einlädt. Die Autorin hat auch verschiedene Seminarveranstaltungen von Marshall B. Rosenberg übersetzt.

Hintergrund für die Entstehung des Buches

Wer das Buch von Dr. Marshall B. Rosenberg "Gewaltfreie Kommunikation" gelesen hat, ist begeistert von den aufgezeigten Mechanismen, die einem selbst ein Hilfsmittel an die Hand gegeben, um die oftmals bestehende Hilflosigkeit, mit starken aggressiven Emotionen bei sich selbst und anderen umzugehen. Obwohl die Methodik von Marshall B. Rosenberg einfach und klar in seinem Buch niedergelegt ist, besteht bei der Umsetzung in der Praxis oft eine starke Hilfslosigkeit des "Übenden", weil zum einen die alten Sprachmuster und Verhaltensweisen sehr stark eingeübt sind, zum anderen der Übende bei strenger Anwendung die Lockerheit des Ausdruckes verliert. Hier setzt die Autorin an und gibt einem ein Übungsbuch an die Hand. Es ist gerichtet an alle, die gewaltfreie Kommunikation in der Alltagssprache lernen wollen oder ihre Fähigkeiten verbessern möchten.

Die Leser können das Handwerk der gewaltfreien Kommunikation trainieren, wie z. B.

  • Störungen aktiv und aufrichtig ansprechen
  • klare Bitten äußern statt Forderungen aufzustellen
  • mit Kritik, Vorwürfen und Schuldzuweisungen produktiv umgehen
  • empathisch auf die Menschen hinter dem Konflikt hören ohne die anderen Meinungen zu übernehmen
  • Ärger vollständig auszudrücken statt ihn heimlich wirken zu lassen
  • Dankbarkeit auszudrücken ohne sich selbst oder andere zu verpflichten
  • ähmende innere Konflikte in lebendiger Perspektive umzuwandel

Aufbau

Das Buch ist aufgebaut in zwölf Übungseinheiten. Jede Einheit verdeutlicht die vorgestellten Elemente der gewaltfreien Kommunikation zunächst an einer kleinen Übung. Danach stellt die Autorin den Kerngehalt des Lernstoffes an "Gewaltfreier Kommunikation" dar. Hinsichtlich einer genauen und ausführlichen Beschreibung verweist sie unter Angabe der Seitenzahlen, auf die behandelten Kapitel des Buches "Gewaltfreie Kommunikation" von Dr. Marshall Rosenberg zum Selbststudium, Wiederholen oder Vertiefen. Dieses Buch muss man nicht kaufen. Die Prinzipien werden auch durch die Darstellung im Werk der Autorin klar. Dann folgen Übungsaufgaben mit Lösungen. "Auf dem Marktplatz" kann man das Gelernte in Bezug auf die eigene Situtationen für sich im Weg einer Übungsaufgabe üben. Das Buch enthält 58 Beispiele und Übungen für das Selbststudium sowie zu jedem Kapitel 10 bis 15 Gruppenübungen und Vorschläge für Einsatz in Seminaren und Übungsgruppen.

Inhalt

  • Einheit 1: Beschäftigt sich mit der Frage der Motivation von menschlichem Handeln "und Geben und Nehmen".
  • Einheit 2: Beschäftigt sich mit der Frage, warum manchmal das Verständnis für den anderen nicht aufgebracht werden kann (Einfühlung blockiert?). Es wird der Unterschied zwischen moralischen Urteilen und Werturteilen herausgearbeitet.
  • Einheit 3: Beschäftigt sich mit dem "Beobachten zu lernen ohne zu bewerten". Beobachtung/Wahrnehmung ist von Interpretation/Bewertung zu trennen.
  • Einheit 4: Dort lernt man, Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken.
  • Einheit 5: Gefühle sind steuerbar. Hier lernt man, die Verantwortung für eigene Gefühle zu übernehmen. Der Leser lernt, Gefühle und Bedürfnisse zu trennen und dass negative Gefühle Ausdruck eines nicht erfüllten Bedürfnisses sind. Er lernt, sich selbst über die "fehlenden" und eigenen Bedürfnisse klar zu werden.
  • Einheit 6: Autorin schildert, wie man um das bittet, was das Leben bereichert. Der "Wunsch" wird von der erfolgversprechenden Bitte abgegrenzt.
  • Einheit 7: Beschäftigt sich mit dem Thema Empathie. Nachdem in den Einheiten 2 bis 6 trainiert wurde, wie der Leser Konfliktsituationen in vier Schritten ansprechen kann, geht es in dieser Einheit darum, wie hier der Leser mit den vier Schritten auf den anderen reagieren kann. Empathie bedeutet, dass ein Kontakt hergestellt wird mit dem, was die andere Person gerade bewegt. In der Regel ist es das die andere Person befähigende Gefühl und das die andere Person bewegende Bedürfnis.
  • Die Einheit 8 beschäftigt sich mit der Macht der Empathie. Wie soll man mit einer "Nein-Antwort" umgehen? Wie sage ich selbst nein, ohne den anderen zu verletzen.
  • Einheit 9: Wie geht man mit eigenem Ärger um? Der Entstehungsprozess von Ärger, nämlich das Bedürfnis, welches nicht erfüllt wird. Das Primärgefühl, "ich will nicht fühlen, weil der andere schuld ist", das Urteil über den anderen führt zu einem Sekundärgefühl Ärger.
  • Einheit 10: Die beschützende Anwendung von Macht, Anwendung von Gewalt zum Schutz menschlicher Bedürfnisse, jedoch nicht als Mittel zur Strafe.
  • Einheit 11: Abgrenzung Selbst-Empathie zu Selbstmitleid.
  • Einheit 12: Ausdruck der Wertschätzung und Anerkennung in der gewaltfreien Kommunikation. Abgrenzung zwischen Wertschätzung und Schmeicheleien.

Diskussion

Ich meine, dass das Buch das Informations- und Ausbildungsbedürfnis des an der gewaltfreien Kommunikation interessierten Lesers erfüllt. Selbstlerner/innen können in leicht nachvollziehbaren Übungen auf gehirnfreundliche Art das Handwerk der gewaltfreien Kommunikation trainieren. Wer das Bedürfnis hat, Gewaltfreie Kommunikation im Alltag praktisch umsetzen zu können, dem gibt das "Trainingsbuch" Hilfestellung. Es werden Sprachmustervorschläge unterbreitet, die dichter am deutschen Sprachgefühl und der eigenen Anwendbarkeit in der Umgangssprache liegen und jede Menge hilfreiche Übungen und Anleitungen zum Selbstudium und für Gruppen gegeben.

Fazit

Wer an gewaltfreier Kommunikation interessiert ist, wird in seinen Bemühungen von diesem Buch unterstützt werden und viel Nutzen für seine eigene Beschäftigung mit dem Thema gewinnen. Ob Interessierter, Anfänger, Übender und Fortgeschrittener, die Übungen sind interessant und humorvoll für jeden Empfänger. Die Empfehlungen für die Erarbeitung in Gruppen geben Anregungen. Die Übungen Marktplatz fordern und fördern die eigene Qualifizierung und Ausbildung. Letztendlich ermöglicht das Buch ein Fernstudium bzw. einen Fernlehrgang für "Gewaltfreie Kommunikation".


Rezensent
RA Claus-Rudolf Löffler
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Familien-, Steuer- und Erbrecht, Mediator, Leiter einer Übungsgruppe in Hannover
Homepage www.scheidung-direkt.de
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Zitiervorschlag
Claus-Rudolf Löffler. Rezension vom 22.07.2003 zu: Ingrid Holler: Trainingsbuch Gewaltfreie Kommunikation. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2003. ISBN 978-3-87387-538-8. Mit einem Vorwort von Marshal B. Rosenberg. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/738.php, Datum des Zugriffs 30.08.2016.


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