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S. A. Safren, C.A. Perlman u.a.: Kognitive Verhaltenstherapie der ADHS des Erwachsenenalters

Cover S. A. Safren, C.A. Perlman, S. Sprich, M.W. Otto: Kognitive Verhaltenstherapie der ADHS des Erwachsenenalters. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2009. 176 Seiten. ISBN 978-3-939069-65-2. D: 29,95 EUR, A: 30,85 EUR, CH: 52,30 sFr.

Originaltitel: Mastering your adult ADHD. Deutsche Bearbeitung von Esther Sobanski, Martina Schumacher-Stien und Barbara Alm.

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Chaos im Kopf

Eine neue Studie könnte erklären, warum etwa die Hälfte der Kinder mit Aufmerksamkeit Diagnose-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) mit zunehmendem Alter aus ihrer Fehlfunktion herauszuwachsen scheint. Wie die Studie, veröffentlicht in der Online-Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences, feststellte, tendieren bestimmte Hirnregionen bei Kindern mit ADHS dazu, zu einem späteren Zeitpunkt als normal zu reifen. Wissenschaftler haben das vorher nicht gewusst, weil sie normalerweise auf MRT-Scans des Gehirns angewiesen sind. Dabei entstehen einzelne Schnappschüsse, die lediglich erfassen, was zu einem bestimmten Zeitpunkt geschieht. Aber für diese Studie verwendet, ein Team am National Institute of Mental Health mehrere Aufnahmen vom Gehirn eines Kindes, die in regelmäßigen Abständen aufgenommen wurde. Dabei konnte sichtbar gemacht werden, wie das Gehirn des Kindes an bestimmten stellen wuchs. Es bleibt unklar, warum manche Kinder mit ADHS weiterhin Probleme haben. Forscher vermuten deshalb, weil ihr Gehirn unreif bleibt.

Autoren

Steven A. Safran, Diplom-Psychologe, Direktor des Programms für kognitive Verhaltenstherapie un der Abteilung für Verhaltensmedizin am Massachusetts General Hospital, Professor für Psychologie an der Harvard Medical School der Harvard University in Bosten, USA. Neben der klinischen und wissenschaftlichen Arbeit mit Erwachsenen mit ADHS fühlt Steven A. Safren v.a. Untersuchungen zu Fragen der Therapieadherence durch und entwickelt und evaluiert Therapiestrategien für assoziierte psychische Störungen bei medizinischen Erkrankungen u.a. bei HIV-erkrankten Patienten.

Carol A. Perlmann, Dipl.-Psych., Supervisorin für Verhaltenstherapie, klinische Mitarbeiterin am Massachusetts General Hospital und Dozentin an der Harvard Medical School in Boston, USA. Klinische und wissenschaftliche Arbeitsschwerpunkte in der Anwendung und Evaluation von kognitiv.verhaltenstherapeutischen Behandlungsprogrammen bei ADHS im Erwachsenenalter, affektiven Störungen, Angststörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen sowie sexuellem Missbrauch.

Susan Sprich, Dipl.-Psych., Verhaltenstherapeutin, klinische Mitarbeiterin am Massachusetts General Hospital, Dozentin an der Harvard Medical School in Boston, USA. Klinische und wissenschaftliche Arbeitsschwerpunkte in der Anwendung und Evaluation von kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlungsprogrammen bei ADHS im Erwachsenenalter, affektiven Störungen und sozialen Phobien.

Michael W. Otto, Dipl.-Psych., Direktor des Programms für kognitive Verhaltenstherapie am Massachusetts General Hospital und Professor für Psychologie an der Harvard Medical School der Harvard University, USA (bis 2004). Seit 2004 Professor für Psychologie an der Universität von Boston.

„Ich will so ein wie andere Kinder, wenn ich es nur könnte“ (H.C. Müller)

Wörtlich übersetzt bedeutet Psychotherapie „Behandlung der Seele“ bzw. Behandlung von seelischen Problemen. Mit psychologischen Methoden - wie psychotherapeutischen Gesprächen, Entspannungsverfahren oder kognitiven Methoden – werden Störungen des Denkens, Handelns und Erlebens identifiziert und therapiert. Psychotherapie ist die Behandlung von psychischen Störungen mit Krankheitswert, dazu zählen unter anderem Depressionen, Ängste, Essstörungen, Zwänge oder psychosomatische Erkrankungen.

Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass Menschen ihr Verhalten und Erleben durch Erfahrungen im Laufe ihres Lebens erlernen. Eine psychische Krankheit entsteht dann, wenn die erlernten Muster problematisch oder unangemessen sind; etwa indem sie beim Patienten oder seiner Umgebung Leidensdruck verursachen.

Welche Muster bzw. welche Verhaltensweise Menschen mit der Grunderkrankung ADHS entwickeln ist unterschiedlich. Für den psychotherapeutischen Ansatz ist es daher grundlegend breit gefächert zu sein, individuell auf die Probleme der einzelnen Klienten/-innen eingehen zu können und u.a. eine weitere psychische Grunderkrankung, die sich durch das ADHS entwickeln könnte, zu vermeiden.

Aufbau

Das Buch „Kognitive Verhaltenstherapie der ADHS des Erwachsenenalters“ beschreibt daher ein modulares Behandlungsprogramm für Erwachsenen mit der Diagnose ADHS. Jedes Kapitel beschreibt ein Modul des Programms.

Einführung

Zu Beginn des Buches werden einige wenige grundlegende Information über den neuropsychologischen Kenntnisstand der ADHS Erkrankung gegeben, gefolgt von der Darstellung eines kognitiv-verhaltensorientierten Modells der Funktionsstörung bei ADHS.

Inhalt und Struktur des Programms

Auf der Grundlage dieses Modells wurde das modulare Behandlungsprogramm entwickelt.

Modul 1: Organisation und Planung. Das Modul 1 umfasst 5 Sitzungen, die die Themen Psychoedukation, Organisation und Planung behandeln. Hier werden grundlegende Informationen zum Krankheitsmittel vermittelt. Darüber hinaus werden mit den Klienten/-innen Fertigkeiten im Bereich Alltagsorganisation, Aufgaben- und Zeitplanung trainiert.

Modul 2: Umgang mit Ablenkbarkeit. In 2 Sitzungen wird die individuelle Aufmerksamkeitsspanne festgestellt und Techniken zur Kontrolle der Ablenkbarkeit angeboten.

Modul 3: Kognitive Umstrukturierung und funktionales Denken. An dieser Stelle wird im Behandlungsprogramm der Umgang mit automatisierten Gedanken, dysfunktionalen kognitiven Schemata, Training funktionaler Bewertungen und rationaler Situationseinschätzung eingeführt.

Modul 4: Emotionsregulation. Auf der Basis eines kognitiven Emotionsmodells werden Strategien zur Gefühlsregulation im Umgang mit intensiven Gefühlen, wie z.B. Wut, Ärger und emotionale Verletzbarkeit eingesetzt.

Modul 5: Optionale Sitzungen. Am Schluss bietet das Behandlungsprogramm individuell einsetzbare Sitzungsinhalte an. Dazu zählen der Umgang mit Vermeidungsverhalten, das langfristig positive Erfolge oft verhindert, die Psychoedukation von Partner/-in und Familie sowie eine Rückfallprophylaxe, um Therapieerfolge langfristig zu sichern.

Anhang. Das Programm wird durch einen Informationstext ADHS für Klienten/-innen sowie deren Angehörige abgerundet.

Diskussion

Die „kognitive Verhaltenstherapie der ADHS des Erwachsenenalters“ betont an einigen Stellen, dass die Inhalte des Behandlungsprogramms für die Klienten/-innen u.a. deswegen schwer sein können, weil der aktuelle Bezug erst einmal nur schwer herzustellen ist. Da es für jeden Menschen schwer ist, sich auf Inhalte ohne Interesse zu konzentrieren, bleibt die Frage zu klären, ob solche Aspekte des Training nicht durch mehr Flexibilität der Module raus genommen werden könnten. Inwieweit einzelne Module in der Effektivität für die Klienten/-innen unterschiedlich ausgefallen sind, kann der Literatur nicht entnommen werden, da aufgrund der Übersichtlichkeit auf statistische Informationen verzichtet wird. Die Evaluation wurde an 31 erwachsenen medikamentös stabil eingestellten Patienten/-innen gegenüber einer Kontrollgruppe, die nur medikamentös behandelt wurde, durchgeführt. Die Gruppe, die mit Medikamenten und dem verhaltenstherapeutischen Programm behandelt wurde, erreichte eine signifikante Symptomreduktion.

Fazit

„Kognitive Verhaltenstherapie der ADHS des Erwachsenenalters“ ist eine sehr gute Ergänzung zur aktuellen ADHS-Literatur, die sich trotz bekannter genetischer Prädisposition und anfänglicher systemischer Sichtweise auf das Problem fast ausschließlich um Kinder oder Jugendliche dreht. Das modulare Programm selber ist sehr einfach und scheint in der Durchführung alleine keinen Rechtfertigungsgrund für eine psychotherapeutische Qualifikation zur Durchführung der Behandlung zu sein. Um die im Buch beschriebene Transferproblematik zu reduzieren wäre die Durchführung des Trainings im familiären häuslichen Kontext mittels sozialpädagogischer Familienhilfe ergänzend zu einer Psychotherapie sicher erfolgversprechend.


Rezensentin
Dr. Kirsten Oleimeulen
Psychologin – Familienberaterin, akkreditierte Psychologin für Gesundheitspsychologie und Prävention (BDP), systemische Familientherapeutin und Supervisorin, online-Beraterin für www.kinderwelten.de
Homepage www.oleimeulen.info
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Zitiervorschlag
Kirsten Oleimeulen. Rezension vom 27.11.2009 zu: S. A. Safren, C.A. Perlman, S. Sprich u.a.: Kognitive Verhaltenstherapie der ADHS des Erwachsenenalters. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2009. 176 Seiten. ISBN 978-3-939069-65-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7385.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.


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