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Martina Völger: Hilfen zur Erziehung im Sozialraum

Cover Martina Völger: Hilfen zur Erziehung im Sozialraum. Historische Grundlagen, aktuelle Modelle und fachliche Anforderungen. Lehmanns Media (Berlin) 2008. 172 Seiten. ISBN 978-3-86541-244-7. 17,00 EUR.

Reihe: Lüneburger Schriften zur Sozialarbeit und zum Sozialmanagement - Band 4.

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Thema

Martina Völger hat mit ihrer Recherche ein Handbuch erarbeitet, welches einen Einführungskurs in die sozialraumorientierten Hilfen zur Erziehung Deutschland unter reformbürokratischen Bedingungen leistet.

Inhalt

Breiten Raum gewährt Frau Völger dabei den rechtlichen Problembereichen sowie Fragen des Finanzcontrollings. Handlungsanregungen für interessierte Teams aus öffentlichen und freien Trägern sowie aktuelle Deutungsvorschläge zu den Grundsätzen des SGB VIII („Sozialgesetzbuch, Achtes Buch“) sind prominent im Buch platziert.

Im Unterschied zu den charakteristischen Publikationen über „Sozialraumorientierung als Fachkonzept Sozialer Arbeit“ oder über „Steuerungsprobleme Sozialer Arbeit“ (vgl. Hinte 2001, vgl. Haller et. al. 2007) macht Frau Völgers Arbeit die spezifische Public-Management-Strategie von sozialraumorientierter Jugendhilfe deutlich, wie sie sich offensichtlich vor dem Hintergrund der bundesdeutschen Wohlfahrtsverbände, der konkreten Ausbuchstabierung des SGB VIII sowie dem Elften Kinder- und Jugendbericht als handlungsrational und sozial-logisch gestaltet.

So ist es insbesondere aus der Perspektive einer räumlich distanzierten Beobachterin von Vorteil benennen zu können, was in Stuttgart unter „Umbau der Erziehungshilfe“ konkret verstanden wird und wie sie sich bürokratisch-verwaltungstechnisch, ökonomisch-betriebswirtschaftlich sowie sozialarbeiterisch-berufsethisch herunterbrechen lässt. Jedem/r Interessierten, der/die wissen möchte, wie sich beispielsweise das INTEGRA Modellprojekt in Konzeption, Ablauf und Evaluation gestaltet hat und auf welche Findings sich eine abschließende evaluative Reflexion zusammenfassen lässt, sei das Buch empfohlen.

Martina Völger beschreibt aus einer Perspektive 2. Ordnung, verfolgt offensichtlich keinen Missionierungsanspruch und informiert z. T. chronologisch über die jeweiligen Vorgehensweisen in Stuttgart, Neunkirchen und im überregionalen Verbund von INTEGRA. Normativ argumentiert die Autorin, wenn sie die Modelle im Hinblick auf deren AdressatInnen-Ebene beschreibt, wenn sie den darin verwirklichten Partizipationsgrundsätzen von jugendlichen KlientInnen nachgeht oder wenn sie vom Hilfeanspruch der Familien im Fall von sozialer Isolation berichtet. Die Definitionen über das Vorgehen einer fallunspezischen oder einer fallspezifischen Sozialen Arbeit, des User-Involvements oder der Gremienarbeit werden dabei als Erkenntnisse der Sozialraumorientierung deskriptiv herausgestrichen.

Die beschriebenen Projekte sind – wie dies in sozialarbeiterischen Programmbeschreibungen häufig der Fall ist – in erster Linie vor dem Hintergrund der existierenden Real-Bedingungen erörtert. Die Verknüpfung von finanziellen Aspekten (Stichwort „Einsparung“) mit fachlich qualifizierten, passgenauen Maßnahmenkonzepten (S. 77) offenbart den normativen Zwang des faktischen Handlungsdrucks, vor dem sozialarbeiterische Leistungen sich vielfach verwirklichen müssen. Auf diese Weise arbeitet sich auch Frau Völger über weite Strecken an den Real-Bedingungen ab, sodass für eine sozialwissenschaftliche und -philosophische Grundlagenarbeit, für die Erörterung und Diskussion von Konzepten, für eine kritische Analyse der interaktionellen Strukturen von Hilfe und User-Involvement wenig Platz bleibt. Unerörtert bleibt der Begriff des „Fachkonzepts“, die Hinführung zu einem professionalisierten Verhältnis von Sozialer Arbeit und Verwaltungshandeln sowie die Thematisierung zeitgenössischer „Raumbegriffe“. Möglicherweise ist aber an dieser Stelle auch nur das Vorwort irreführend, welches umfangreich auf den dem Werk typischen Charakter „wissenschaftlicher Grundlagenliteratur“ und „kritisch-fachlicher Reflexion“ (S. 5) verweist.

Fazit

Aus LeserInnen-Perspektive stellt sich das vorliegende Werk - insbesondere ohne die wortreiche Patronanz der Herausgeber – als übersichtlich strukturiertes und offensichtlich sorgfältig recherchiertes Nachschlagewerk dar.

Weitere Quellen:

  • Budde, W.; Früchtel F. (2005): Fall und Feld. Oder was in der sozialraumorientierten Fallarbeit mit Netzwerken zu machen ist. Das Beispiel Eco-Mapping und Genogrammarbeit. In: Sozialmagazin 06/2005. S. 14-23
  • Budde, W. (2006): Sozialraumorientierte Jugendhilfe.In: Nachrichtendienst des Deutschen Vereins für Öffentliche und Private Fürsorge. 8 / 5. S. 273-282
  • Hinte, W. (2001): Management im sozialen Raum. Aus: Social management 2001, Heft 6, S. 10-13
  • Haller, D.; Hinte, W.; Kummer (2007): „Sozialraumorientierung. Jenseits von Tradition und Postmoderne. Sozialraumorientierung in der Schweiz, Österreich und Deutschland

Rezensentin
Mag. Dr. Manuela Brandstetter
Homepage www.sozialraum.at
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Zitiervorschlag
Manuela Brandstetter. Rezension vom 07.11.2009 zu: Martina Völger: Hilfen zur Erziehung im Sozialraum. Lehmanns Media (Berlin) 2008. 172 Seiten. ISBN 978-3-86541-244-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7398.php, Datum des Zugriffs 07.02.2012.


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