Clemens Hausmann: Psychologie und Kommunikation für Pflegeberufe
Clemens Hausmann: Psychologie und Kommunikation für Pflegeberufe. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis. Facultas Verlag (Wien) 2009. 2., überarbeitete u. erweiterte Auflage. 300 Seiten. ISBN 978-3-7089-0370-5. D: 26,20 EUR, A: 26,90 EUR, CH: 46,50 sFr.
Autor und Entstehungshintergrund
Der oesterreichische Autor Clemens Hausmann ist ein in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Gesundheits- und Krankenpflegern und –pflegerinnen erfahrener Klinischer Psychologe. Darüber hinaus ist der Autor beruflich als Gesundheitspsychologe, Notfallpsychologe, Traumatherapeut und Supervisor tätig. Bereits drei Jahre nach Erscheinen der ersten Auflage liegt nun eine überarbeitete und um zwei Kapitel und diverse Beispiele angereicherte zweite Auflage des bewährten Lehr- und Praxisbuches „Psychologie und Kommunikation für Pflegeberufe“ vor.
Thema
Die vorliegende Neuerscheinung setzt punktgenau in dem Schnittfeld an, in dem im gesamten Bereich der deutschsprachigen Gesundheits- und Krankenpflege ein anhaltender Bedarf an aktuellem psychologischen und kommunikationswissenschaftlichem Theoriewissen und einer evidenzbasierten und reflektierten kommunikativen Kompetenz besteht. Genau dies liefert das vorliegende Buch und macht seinen aktuellen Wert aus.
Empirische Studien, die den kausalen Zusammenhang zwischen kommunikativer Kompetenz professioneller Helfer, der Bereitschaft der Patienten zu einer aktiven Teilhabe an Behandlung und Pflege und Patientenzufriedenheit belegen, liegen längst vor (vgl. Möller-Leimkühler, Dunkel, 2003). Zugleich zeigen aktuelle Analysen und Erfahrungsberichte von Ärzten und Pflegenden im Gesundheitssektor, dass die strukturellen Bedingungen und die Zeiten und Räume für eine störungsfreie, wirksame Kommunikation mit Patienten zunehmend ungünstiger sind. Umso höher ist die Bedeutung und der Nutzen dieses handlichen, theoretisch wie praktisch brauchbaren Buches einzuschätzen.
Aufbau
Auch die zweite überarbeitete und ergänzte Auflage des Lehr- und Praxisbuches ist in vier Teile untergliedert, wobei Teil zwei um die Kapitel Körperliche Behinderungen (Kap.19) und Geistige Behinderung (Kap. 20) erweitert wurde. Literaturverzeichnis und Index schliessen das Buch ab.
Inhalte
(vgl. hierzu ausführlicher die Rezension zur 1. Auflage)
- Grundlagen der Psychologie
- Psychologische Aspekte von Krankheit und Behinderung.
- Pflegerische Kommunikation in ihren vielseitigen Facetten einschliesslich der Bearbeitung kommunikativ komplexer Situationen im pflegerischen Alltag wie Aggression, Krisensituationen, zwischenmenschliche Konflikte, Mobbing und akute Notfallsituationen.
- Der vierte Teil des Buches thematisiert detailliert und erfahrungsnah das zentrale Thema Psychohygiene. Seit den Ergebnissen der in zehn europäischen Ländern durchgeführten NEXT-Studie (nurses’ early exit study, Hasselhorn, 2005), welche die Analyse der Gründe für einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Pflegeberuf zum Ziel hatte und u.a. einen Zusammenhang der Qualität der zwischenmenschlicher Beziehungen im Beruf, Partizipation an beruflichen Entscheidungsprozessen, Bindung an die Organisation Krankenhaus, Arbeitszufriedenheit und erhöhtes Selbstwertgefühl bestätigte.
Diskussion
Auch die vorliegende Auflage besticht durch ihre Ausgewogenheit zwischen theoriebasierter und anwendungsorientierter Konzeption des Autors.Den beiden neu eingefügten Kapiteln ist hingegen eine baldige Überarbeitung zu wünschen: Unklar bleibt dem Leser beispielsweise, warum der Autor aus dem Gesamtspektrum von Behinderungen ausführlicher Körperliche Behinderungen (Kap.19) und Geistige Behinderung (Kap. 20) behandelt, mit keinem Wort jedoch andere Arten möglicher Behinderungen (Sinnesbehinderung, Sprachbehinderung, Lernbehinderung, seelische Behinderung) thematisiert.
Ferner vermisst der Leser in Kapitel 19, dass lediglich auf die Erste Internationale Klassifikation der Schädigungen, Fähigkeitsstörungen und Beeinträchtigungen (ICIDH, WHO 1980) eingegangen wird ohne auf das veränderte Internationale Klassifikationssystem ICIDH-2 (International Classification of Impairments, Activities and Partification (1999) Bezug zu nehmen, in der weniger die Defizite der betroffenen Person, sondern die für sie individuell bedeutsamen Fähigkeiten, Aktivitäten und soziale Teilhabe (Partizipation) an öffentlichen, gesellschaftlichen, kulturellen Aktivitäten und Errungenschaften im Zentrum der rehabilitativer Zielsetzung und Bemühungen stehen.
Fazit
Das vorliegende Lehr- und Praxisbuch ist in seiner Gesamtheit auch in der aktuellen zweiten Auflage als unverzichtbares Grundlagenbuch der Psychologie und Kommunikation im Berufsfeld Pflege für Berufsanfänger, berufserfahrene Pflegende sowie Lehrenden im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege zu empfehlen. Vor allem, da die Arbeit mit dem Buch begründet hoffen lässt, dass auch komplexere berufliche Anforderungen für Pflegende unter strukturell ungünstigen zeitlichen und personellen Arbeitsbedingungen kommunikativ kompetent, mit hoher Berufszufriedenheit und zum Wohle des Patienten bewältigt werden können.
Rezensentin
Prof. Dr.rer.medic. Christa Winter von Lersner
Professorin für Pflegewissenschaft, Pflegepraxis, Pflegeforschung, Dipl.Psych., Lehrerin für Pflegeberufe
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Zitiervorschlag
Christa Winter von Lersner. Rezension vom 17.08.2009 zu: Clemens Hausmann: Psychologie und Kommunikation für Pflegeberufe. Facultas Verlag (Wien) 2009. 2., überarbeitete u. erweiterte Auflage. 300 Seiten. ISBN 978-3-7089-0370-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7454.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.
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