Sabine Meinig: Wenn Kinder sterben (Kinderhospiz)
Sabine Meinig: Wenn Kinder sterben. Die Arbeit im Kinderhospiz. Tectum-Verlag (Marburg) 2008. 144 Seiten. ISBN 978-3-8288-9712-0. D: 24,90 EUR, A: 24,90 EUR, CH: 43,70 sFr.
Thema
Das Buch widmet sich der haupt- und ehrenamtlichen Arbeit in einem Kinderhospiz. Dabei wird das Erleben der Situation von betroffenen Kindern und ihren Familien ebenso aufgegriffen, wie Fragen, die sich für die Kinder und Familien aus dieser Krisensituation ergeben können.
Autorin
Die Autorin arbeitet als Diplomreligionspädagogin an einer Grundschule in Berlin-Pankow. Vor ihrem beruflichen Hintergrund erörtert sie religiöse und spirituelle Aspekte des Sterbens entsprechend tiefgründig.
Entstehungshintergrund
Dieses Buch entstand im Anschluss an ihre Diplomarbeit an der Evangelischen Fachhochschule Berlin zu diesem Thema. Im Rahmen dieser Arbeit hat sie sich intensiv mit dem Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin-Pankow auseinandergesetzt.
Aufbau
Das Buch gliedert sich in drei Hauptkapitel. Nach dem Grußwort stellt die Autorin die Frage „Warum dieses Buch?“ bevor sie mit der ausführlichen Darstellung des Kinderhospizes Sonnenhof beginnt. Es folgt eine eingehende Beschreibung der Begleitung des erkrankten Kindes und seiner Angehörigen. Im Anschluss wird eine Bewertung der Arbeit im Sonnenhof vorgenommen. Abgerundet wird das Buch durch ein Schlusswort und ein umfangreiches Literatur- und Medienverzeichnis sowie Bildnachweise.
Inhalt
Der Autorin gelingt deutlich zu machen, warum ihr dieses Buch wichtig ist. Das Thema Tod und Sterben ist in unserer Gesellschaft nach wie vor ein Tabuthema. Sind Kinder betroffen, ist die Sprachlosigkeit oft noch größer. Kinderhospize, ähnlich wie Kinderkrankenpflegedienste, die kranke und sterbende Kinder zu Hause betreuen, gehören zu den Einrichtungen im Gesundheits- und Sozialwesen, die der Allgemeinheit kaum bekannt sind, die aber einen so wichtigen Beitrag bei der Betreuung und Versorgung der Betroffenen spielen. Einen Beitrag, der es ihnen ermöglicht, ein friedliches, würdevolles und schmerzfreies Leben bis zum Tod im Kreise ihrer Familie zu erleben, und der es ihren Familien ermöglicht Abschied in Ruhe und Würde zu nehmen. Wie das ermöglicht werden kann, erläutert dieses Buch. Es zeigt auf, wie das Kinderhospiz entstanden ist, wie es ausgestattet ist, welche Aufnahmekriterien es gibt, welche Voraussetzungen die MitarbeiterInnen mitbringen müssen, welche Aufgabengebiete sie abdecken, welche Voraussetzungen ehrenamtliche MitarbeiterInnen (FamilienbegleiterInnen) mitbringen müssen, welche Ausbildungsinhalte für FamilienbegleiterInnen in ihren Kursen zum Tragen kommen, und schließlich, wie die Inhalte der stationären Kinderhospizarbeit gestaffelt sind (u. a. palliative Betreuung, bedürfnisorientierte, psychosoziale Beratungsangebote sowie Angebote der Sterbe- und Trauerbegleitung).
Im Kapitel über die Begleitung des erkrankten Kindes und seiner Angehörigen kommt die Perspektive der Betroffenen zum Ausdruck. Es wird die Begleitung vor dem Sterben aufgriffen, wo zunächst eine Reflexion über den Begriff „Wahrheit“ als Einstieg gewählt wird. Wahrheit ist hier ein Schlüsselbegriff, der immer wieder aufgegriffen wird. Die Wahrheit zu akzeptieren und die Bedeutung der Wahrheit im Umgang mit Eltern, Geschwisterkindern und dem betroffenen Kind werden genauso thematisiert, wie Reaktionen der Beteiligten auf diese unausweichliche Wahrheit. In diesem Teil wird auch die Frage beleuchtet, die sich Kinder und Jugendliche nach Gottes Wirken stellen, wobei Vorstellungen über Sterben, Tod und dem Leben danach ebenso aufgegriffen werden.
Der nächste Teil widmet sich der Begleitung beim Sterben. Hier werden zunächst die christliche Tradition sowie die Spiritualität im Kinderhospiz skizziert und die Bedeutung der Angehörigen beim Sterben unterstrichen. Schließlich wird die Finalphase bei Kindern und Jugendlichen mit einer lebenslimitierenden Erkrankung beschrieben, die die Angehörigen immer wieder vor schwierige Entscheidungen stellen kann und sehr belastend ist. Den Abschluss dieses Teils bildet das Kapitel über Sterbeorte.
Schließlich wird der Begleitung nach dem Tod, der sich überwiegend mit Ritualen (Abschiedrituale, Beerdigungsrituale, Trauerrituale sowie Gedenkrituale) beschäftigt, Raum gegeben.
Abschließend erfolgt eine Bewertung der Arbeit im Sonnenhof.
Diskussion
Das Buch gibt einen sehr guten Einblick in die Arbeit eines stationären Kinderhospizes. Es liefert umfangreiches Material über die Darstellung des Sonnenhofes hinaus und zeigt insbesondere im Kapitel über die Begleitung des erkrankten Kindes und seiner Angehörigen sensible Einblicke in das Erleben der Familien und insbesondere des Kindes. Diese beiden Perspektiven, MitarbeiterInnen des Sonnenhofes auf der einen und betroffene Familien auf der anderen Seite, ergänzen sich gut, veranschaulichen das Thema eindrücklich und einfühlsam und leisten einen wichtigen Beitrag zum Verstehen des Unbegreiflichen, dem Sterben eines Kindes.
Leider ist das Kapitel zur Bewertung der Arbeit des Sonnenhofes, wo neben der Würdigung die Grenzen des Sonnenhofes nur kurz angerissen werden, zu fragmentarisch ausgefallen, um eine abschließende Einschätzung der Einrichtung vornehmen zu können.
Fazit
Dieses Buch ist zu empfehlen für
- betroffene Familien, die auf der Suche nach einem Kinderhospiz sind und Informationen brauchen;
- Menschen, die sich diesen Bereich professionell erschließen möchten (z. B. Pflegende, Sozialarbeiter);
- interessierte Laien bzw. Menschen, die ggf. Interesse haben, sich in diesem Bereich ehrenamtlich zu engagieren (z. B. FamilienbegleiterInnen oder solche, die es werden wollen).
Rezensentin
Prof. Dr. Christina Köhlen
Lehrstuhl für Pflegewissenschaft
Bachelor of Nursing
Evangelische FH Berlin
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Zitiervorschlag
Christina Köhlen. Rezension vom 17.10.2009 zu: Sabine Meinig: Wenn Kinder sterben (Kinderhospiz). Tectum-Verlag (Marburg) 2008. 144 Seiten. ISBN 978-3-8288-9712-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7474.php, Datum des Zugriffs 04.02.2012.
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