Anke König: Interaktionsprozesse zwischen ErzieherInnen und Kindern
Anke König: Interaktionsprozesse zwischen ErzieherInnen und Kindern. Eine Videostudie aus dem Kindergartenalltag. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2009. 293 Seiten. ISBN 978-3-531-16134-1. 34,90 EUR.
Reihe: VS research.
Thema
Der Kindergarten ist schon lange mehr als eine Bewahranstalt. Es wird immer deutlicher wahrgenommen, wie wichtig frühkindliche Bildung als Voraussetzung für eine erfolgreiche Schulbildung ist. Kleine Kinder haben ein enormes Lernpotenzial, das zu seiner Entfaltung aber auch Futter z.B. durch eine anregende Umgebung oder – und darum geht es in der Dissertation von Anke König – durch Interaktionen mit anderen Menschen braucht. In einer Videostudie hat die Autorin Interaktionsprozesse zwischen ErzieherInnen und Kindern in deutschen Kindergärten untersucht.
Aufbau und Inhalt
Im ersten Teil gibt König einen historischen Abriss über die auf den Kindergarten bezogene Bildungsdiskussion. Sie beginnt bei der kompensatorischen Erziehung der 1970er Jahre, schildert die Bedeutung des Situationsansatzes in den 1980er und -90er Jahren und endet bei den gegenwärtigen Bildungs- und Orientierungsplänen. Dabei geht sie immer auch auf entsprechende Forschungsergebnisse ein.
Im zweiten Teil stellt König die Qualitätsdiskussion im Bereich der Kindertagesstätten dar. Sie vergleicht unterschiedliche Qualitätskonzepte miteinander und arbeitet deren Qualitätskriterien heraus. In vielen Qualitätskonzepten spielen insbesondere Interaktionsprozesse eine Schlüsselrolle, die König dann auch ins Zentrum ihrer Forschungsarbeit stellt.
Als Grundlage ihres eigenen Forschungsansatzes geht König im dritten und vierten Teil ausführlich auf Interaktionstheorien und Ergebnisse der Interaktionsforschung bezogen auf die Arbeit im Kindertagesstättenbereich ein. Den Abschluss der theoretischen Grundlagen bilden konstruktivistische Lern-Lehrformen, die eine wichtige Basis der Bildungsarbeit in Kindertagesstätten sind.
Königs zentrales Anliegen ist herauszufinden, welche Interaktionsformen ErzieherInnen im Kindergartenalltag nutzen. Um diese Frage zu beantworten, hat König in einigen ausgewählten Kindertagesstätten umfangreiches Videomaterial gesammelt und dieses sowohl qualitativ als auch quantitativ ausgewertet.
Die Ergebnisse ihrer Studie sind ernüchternd. Die Interaktionsprozesse zwischen Kindern und ErzieherInnen beziehen sich meistens auf die Bewältigung des Alltages und dienen nur selten einer vertieften Aneignung der Welt durch das Kind. Die ErzieherInnen finden im Alltag nur selten Zeit sich einem einzelnen Kind intensiv zu widmen und häufig werden sie unterbrochen. König zeigt, wie komplex der Alltag von ErzieherInnen ist, so dass der Anspruch einer Bildung im Sinne konstruktivistischer Lehr-Lernformen häufig nicht einlösbar ist. Immerhin zeigen die ErzieherInnen trotz ihrer hohen Belastung fast durchgängig eine wertschätzende Haltung den Kindern gegenüber.
Diskussion
Dissertationen sind sicher nicht dafür geschrieben, in der Hängematte gelesen zu werden. Trotzdem habe ich mit großem Interesse auch die historischen und theoretischen Grundlagen der Arbeit gelesen. Insbesondere hat mich überrascht, dass – obwohl häufig immer noch im Zentrum der Ausbildung für ErzieherInnen – Forschungsergebnisse zeigen, dass der Situationsansatz gegenüber anderen Ansätzen nicht per se zu besseren Bildungsergebnissen im Kindergarten führt.
Königs eigene Ergebnisse zeigen, wie wichtig es wäre Interaktionsprozesse zwischen Kindern und ErzieherInnen in der Ausbildung zielgerichteter zu berücksichtigen und die Arbeitsbedingungen von ErzieherInnen so zu verändern, dass es auch Raum für die Initiierung solcher Interaktionsprozesse gibt.
Die Ergebnisse der Dissertation sind m.E. sowohl für politische EntscheidungträgerInnen im Kindertagesstättenbereich als auch für ErzieherInnen wertvoll. Die Dissertation selbst beinhaltet aber naturgemäß viel Ballast, der für diese Personengruppen wenig interessant ist.
Fazit
Ich hoffe, dass Königs Ergebnisse Eingang finden in Zeitschriftenartikel und Lehrbücher für ErzieherInnen und solche, die es werden wollen.
Rezensentin
Dr. Anke Meyer
Fachschule für Sozialpädagogik, Fachoberschule für Sozial- und Gesundheitswesen
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Zitiervorschlag
Anke Meyer. Rezension vom 07.09.2009 zu: Anke König: Interaktionsprozesse zwischen ErzieherInnen und Kindern. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2009. 293 Seiten. ISBN 978-3-531-16134-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7526.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.
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