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Iris Beck, Heinrich Greving (Hrsg.): Lebenslagen und Lebensbewältigung

Cover Iris Beck, Heinrich Greving (Hrsg.): Lebenslagen und Lebensbewältigung. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2012. 356 Seiten. ISBN 978-3-17-019634-6. 44,90 EUR, CH: 54,90 sFr.

Reihe: Enzyklopädisches Handbuch der Behindertenpädagogik - 5.
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Thema

Der Schwerpunkt der zu besprechenden Publikation liegt „auf der Auseinandersetzung mit zentralen Fragen der Lebensführung und Lebensbewältigung angesichts von Beeinträchtigung, Benachteiligung und Behinderung, und zwar nicht losgelöst von der professionellen Sichtweise auf erschwerte Bildungs- und Partizipationsprozesse, aber doch ohne sie von vorneherein aus organisations- und institutionsbezogener Sicht oder dadurch vermittelt zu thematisieren und zu beschreiben“ (S. 9).

Herausgeber

Iris Beck ist Professorin am Fachbereich Behindertenpädagogik der Universität Hamburg. An der Universität Oldenburg wurde die Erstherausgeberin 1992 mit einer Arbeit zur Neuorientierung in der Organisation pädagogisch-sozialer Dienstleistungen für behinderte Menschen promoviert.

Heinrich Greving ist Professor an der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Münster. Sein Lehrgebiet dort ist die allgemeine und spezielle Heilpädagogik. 1999 wurde der Zweitherausgeber an der seinerzeitigen Gesamthochschule Essen mit einer Arbeit zu Interaktionen in Organisationen der Behindertenhilfe promoviert.

Entstehungshintergrund

Die Publikation ist der fünfte Band aus der Reihe „Behinderung, Bildung, Partizipation.“ Hierbei handelt es sich um ein enzyklopädisches Handbuch der Behindertenpädagogik, welches von Iris Beck, Georg Feuser, Wolfgang Jantzen und Peter Wachtel herausgegeben wird.

Aufbau

Teil I: Grundlegung

  • Iris Beck/Heinrich Greving: Lebenswelt, Lebenslage
  • Walter R. Heinz: Sozialisation, Biographie und Lebenslauf

Teil II: Zentrale Fragestellungen

  • Richard Münchmeier: Kindheit und Jugend
  • Angelika Engelbert: Familie
  • Heinz Wieland: Erwachsensein und Alter
  • Christoph Heckmann:: Alltags- und Belastungsbewältigung und soziale Netzwerke
  • Stefan Hradil: Soziale Exklusions- und Desintegrationsrisiken: Soziale Ungleichheit, soziale Abhängigkeit
  • Thomas Schott/Benjamin Kuntz: Sozialepidemiologie: Soziale Faktoren und Gesundheit, Krankheit und Behinderung
  • Wolfgang Jantzen: Macht, Gewalt, Herrschaft
  • Christian von Ferber: Gesellschaftspolitik
  • Jan Weisser: Politische und soziale Partizipationsprozesse
  • Iris Beck/Heinrich Greving: Normalisierung, Integration, Lebensqualität

Teil III Einzelprobleme

  • Dieter Gröschke: Lebenssinn
  • Detlef Horster: Normen und Werte
  • Christian von Ferber: Selbstverantwortung, Solidarität und Subsidiarität
  • Christiane Rohleder: Demographie und demographischer Wandel
  • Martin Herz: Feundschaft, Partnerschaft
  • Ursula Pixa-Kettner: Elternschaft
  • Friedrich Dieckmann: Wohnen
  • Klaus Struve:: Erwerbstätigkeit, Leben ohne Arbeit und berufliche Bildung
  • Ulrich Heimlich: Spiel
  • Reinhard Markowetz: Freizeit
  • Christian Mürner: Kunst und Kultur
  • Jan Weisser: Mobilität
  • Urike Greb: Gesundheit und Krankheit
  • Eckhard Rohrmann: Leben im Heim
  • Christel Bienstein: Pflege, Pflegebedürftigkeit
  • Emil Erich Kobi: Not, Notlage
  • Willi Düe: Übergänge und Krisen
  • Georg Antor: Hilfe, Helfen, Selbsthilfe
  • Helmut Richter: Vereine/Verbände
  • Karin Evers-Meyer: Politische Beteiligungsverfahren und kommunale Interessenvertretung
  • Ingrid Burdewick: Interessenvertretung in Kindheit und Jugend
  • Ulrich Scheibner: Interessenvertretung am Arbeitsplatz
  • Bettina Schneider: Interessenvertretung in Institutionen
  • Emil Erich Kobi: Technologien
  • Helmut Heck: Barrieren
  • Alois Bürli: Europäische Behindertenpolitik
  • Friedrich Albrecht: Internationale Behindertenpolitik

Inhalt

Aus den drei Teilen erlaube ich mir jeweils einen Beitrag zu besprechen.

Einen grundlegenden Beitrag zu Lebenswelt und Lebenslage liefern die Herausgeberin und der Herausgeber im ersten Teil. Zunächst widmen sie sich der Definition der beiden Begriffe. Im zweiten Teil wenden sie sich der Begriffsgeschichte zu. In 2.1 geht es um die Lebenswelt. Hier führen die Verfasserin und der Verfasser die diesbezüglichen Argumente von Edmund Husserl, Alfred Schütz, Peter L. Berger und Thomas Luckmann sowie Erving Goffman an.

Abschnitt 2.2 thematisiert den Terminus Lebenslage und nimmt Bezug auf Otto Neurath, Kurt Grelling und Gerhard Weisser sowie Ingeborg Nahnsen.

Der dritte Abschnitt fokussiert die zentralen Erkenntnisse und Probleme:

  1. zur Relevanz und Verbreitung vor dem Hintergrund der Gesellschaftsentwicklung;
  2. zur Realisierung von gleichberechtigten Lebenschancen zwischen System und Lebenswelt;
  3. zu den Lebenschancen und der Lebensbewältigung.

Kapitel 4 wagt einen Ausblick auf die Bildungs- und Lebenschancen.

Richard Münchmeier leitet mit seinem Artikel in den zweiten Teil ein, der sich mit zentralen Fragestellungen zu Kindheit und Jugend befasst. Nach einer Definition dieser spezifischen Lebensaltersgruppe und der Begriffs- und Gegenstandsgeschichte führt der Autor zentrale Probleme an: Der in den letzten Jahren zu beobachtende tiefgreifende Wandel in den Bedingungen des Heranwachsens führt zu veränderten Ausgangsbedingungen, einem veränderten Verhältnis von Kindern und Erwachsenen und einer Auflösung von Normalitätsstandards. „Die zentrale Frage lautet deshalb, ob solche und andere Vorstellungen von Normalität, die bisher der Praxis ausreichende Orientierung und Handlungssicherheit gewährt haben, noch umstandslos vorausgesetzt werden können oder ob die Pädagogik bzw. Kinder- und Jugendhilfe in ihren Problemdefinitionen und Handlungsansätzen zu einer Neuorientierung gezwungen ist“ (S. 88).

Das vierte Kapitel zeigt zentrale Erkenntnisse und den aktuellen Forschungsstand auf. Die einzelnen Abschnitte befassen sich mit:

  1. der Frage danach, ob unsere Bilder vom Kindsein noch stimmen (der Stadtkindheit, der Familienkindheit, der Schulkindheit und dem Kinderleben);
  2. der Bewältigung der Jugend durch die Jugendlichen;
  3. den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Jugendphase heute;
  4. dem, was Jungsein heute heißt;
  5. Mädchen und dem Wandel der weiblichen Biographie;
  6. der Jugend in einer multikulturellen Gesellschaft.

Aus dem Teil Einzelprobleme erlaube ich mir den Beitrag von Georg Antor zu Hilfe, Helfen, Selbsthilfe zu betrachten. Das Helfen „ist der Versuch, Kompetenzunterschiede, materielle wie soziale Einschränkungen auszugleichen“ (S. 296).

Bei der Nennung der zentralen Erkenntnisse und Probleme widmet sich Antor:

  1. der Hilfe und Erziehung;
  2. der Hilfe als verbindenden und verbindlichen Kern;
  3. der asymmetrischen Konstellation der Hilfe.

Fazit

Bei der besprochenen Publikation handelt es sich um ein lesenswertes Werk, welches den Namen Enzyklopädie – denn als eine solche ist die gesamte Reihe ja von dem Gesamtherausgeber Wolfgang Jantzen konzipiert – sehr zu recht trägt: die Publikation thematisiert sämtliche gegenwärtig relevanten Themen der Behindertenpädagogik.


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 30.08.2012 zu: Iris Beck, Heinrich Greving (Hrsg.): Lebenslagen und Lebensbewältigung. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2012. ISBN 978-3-17-019634-6. Reihe: Enzyklopädisches Handbuch der Behindertenpädagogik - 5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7535.php, Datum des Zugriffs 29.05.2016.


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