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Nicole Weissenberger: Motivations-Schwierigkeiten von Jugendlichen [...]

Nicole Weissenberger: MotivationsLos. Motivations-Schwierigkeiten von Jugendlichen bei der Berufswahl. Edition Soziothek (Rubigen) 2002. 90 Seiten. ISBN 978-3-03796-007-3. 16,00 EUR, CH: 26,00 sFr.

Bezugsadresse: Edition Soziothek, Abendstrasse 30, CH-3018 Bern, Mail: mail@soziothek.ch. Nähere Informationen unter www.soziothek.ch/?3-03796-007-8.


Einführung in Thema und Zielsetzung des Buchs

In den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union herrscht ein weitgehender bildungs- und jugendpolitischer Konsens, dass die Jugendausbildungs- und Jugendarbeitslosigkeit ein zentrales gesellschaftliches Problem ist, was die dauerhafte Integration von jungen Menschen in den Arbeitsmarkt und damit ihre soziale Integration erheblich gefährdet. Deshalb gibt es auf europäischer Ebene und in der Bundesrepublik Deutschland zahlreiche Förderprogramme, um Jugendlichen, denen an der so genannten "ersten Schwelle" der Übergang von der allgemeinbildenden Schule in eine Berufsausbildung nicht gelingt, besondere pädagogische Unterstützung zu geben. Nicole Weissenberger zeigt mit ihrer an der Fachhochschule Zürich, Hochschule für Soziale Arbeit Zürich erstellten Diplomarbeit, dass auch außerhalb der EU, nämlich in der Schweiz, Jugendliche Schwierigkeiten an der "ersten Schwelle" haben und dort besondere Förderangebote vorhanden sind, die jenen in der Deutschland weitgehend entsprechen. Nicole Weissenbergers empirisches Feld ist die "Nahtstelle", ein Züricher Projekt zur Begleitung von Jugendlichen "im Übergang von der Volksschule in die Berufswelt" (Anhang II). Damit leistet diese Diplomarbeit einen interessanten und gleichermaßen überraschenden Einblick in die Schweizer Jugendberufshilfe, die bisher in der bundesdeutschen Diskussion wenig berücksichtigt wurde und somit auch kaum bekannt ist. Darüber hinaus bringen ihr motivationstheoretischer Zugang und ihre durch teilnehmende Beobachtung und in ExpertInneninterviews gewonnenen empirischen Befunde interessante Ergebnisse zu den besonderen Problemlagen und Motivationsschwierigkeiten der Jugendlichen, die es lohnen, in ausführlicheren und eingehenderen Untersuchungen eingehender geprüft und differenziert zu werden. Allerdings möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass mich zunächst die Ausgangsthese von Nicole Weissenberger befremdet hat, dass die Jugendlichen aufgrund ihrer mangelnden Motivation Schwierigkeiten beim Übergang von der allgemeinbildenden Schule in eine Berufsausbildung haben. Diese Irritation aufgrund der Engführung auf "Motivations-Schwierigkeiten" (Titel der Arbeit) und die damit verbundene Individualisierung der Übergangsprobleme hat sich jedoch beim Lesen bald gegeben, weil es Nicole Weissenberger aufgrund ihrer breiten motivationstheoretischen Basis gelingt, neben der Biografie und Lebenswelt der Jugendlichen ebenso wirtschaftlich-konjunkturelle und wirtschaftlich-strukturelle Einflüsse mit in den Blick zu nehmen, weil insbesondere Letztere in erheblichem Maße die Ausbildungschancen der Jugendlichen begrenzen.

Inhaltsübersicht

1) Nach der Einleitung (1. Kapitel), in der - wie in einer Diplomarbeit gefordert - kurz und präzise der Bezug zum Thema, die Problemstellungen und Fragestellungen sowie der Aufbau der Arbeit erläutert werden, geht Nicole Weissenberger im 2. Kapitel der Frage nach "Was ist Motivation und wie entsteht sie?" (S. 2). Zur Beantwortung greift sie auf unterschiedliche biologische, psychologische und soziologische Motivationstheorien und auf Erkenntnisse zum Jugendalter zurück, um damit ihre theoretische Basis für den Fortgang der Untersuchung zu legen. Dabei überrascht vor dem Hintergrund bundesrepublikanischer Diskurse in der Sozialen Arbeit ihre starke und unhinterfragte Berücksichtigung von Motivationstheorien aus biologisch-orientierten Forschungen der Psychologie und Soziologie. Ein Blick in ihr Quellenverzeichnis erklärt jedoch diese Auswahl im Hinblick auf die besuchten Lehrveranstaltungen an der Fachhochschule Zürich, Hochschule für Soziale Arbeit Zürich.

2) Auf der Folie ihrer motivationstheoretischen Basis beschreibt Nicole Weissenberger im 3. Kapitel aufgrund der Ergebnisse ihrer ExpertInneninterviews und ihrer teilnehmenden Beobachtung die "Problemgruppe" (S. 22ff.) und formuliert "Hypothesen für den Ursprung der Motivationslosigkeit", die dann in zwei Szenarien für Zukunftsprognosen münden, die eintreten könnten, wenn keine Förderangebote für die Jugendlichen vorhanden wären.

3) Im 4. Kapitel skizziert Nicole Weissenberger nicht nur Ideen für pädagogische, sondern auch für sozialpolitische und ausbildungspolitische Problemlösungen, die sie aufgrund der Beschreibungen der Zielgruppe und ihrer Hypothesenbildung zur Motivationslosigkeit der Jugendlichen im 3. Kapitel gewonnen hat. Interessant sind dabei zum einen ihre dazu einführend zu diesem Kapitel gebildeten Ziele, die im Weiteren auch in Unterziele und Teilziele differenziert werden, denn sie gewährleisten eine hohe Nachvollziehbarkeit ihrer normativen Überlegungen. Zum anderen erläutert sie Interventionsmöglichkeiten Sozialer Arbeit in diesem Feld.

4) Im 5. und letzten Kapitel erwähnt Nicole Weissenberger nicht nur die aus ihren Forschungsergebnissen resultierenden Schlussfolgerungen und wünschenswerten Veränderungen, sondern auch zum einen ihre persönlichen Erfahrungen, die sie beim Schreiben ihrer Diplomarbeit gewonnen hat, und zum anderen die für sie offen gebliebenen Fragen, die weiterführenden Untersuchungen bedürfen.

Fazit

Auf nur 49 Textseiten und mit einem breiten Anhang, der auch die Projektbeschreibungen der "Nahtstelle" und die transkribierten ExpertInneninterviews enthält, gelingt es Nicole Weissenberger zum einen, interessante Einblicke in ein Schweizer Jugendberufshilfeprojekt zu geben. Zum anderen ermöglicht ihr motivationstheoretischer Zugang Ergebnisse zu den Problemlagen und Lebenswelten der Jugendlichen mit den daraus resultierenden Konsequenzen für die Soziale Arbeit sowie für Sozial- und Ausbildungspolitik, die dazu einladen, in eingehenderen Forschungen weiter zu folgt zu werden. Dabei könnte dann auch der von Nicole Weissenberger durchgängig eingenommene Defizitblick auf die Jugendlichen ergänzt werden um die Kompetenz- und Ressourcenorientierung, die in der deutschen Forschung und Praxis in der Jugendberufshilfe von großer Bedeutung ist. Darüber hinaus ist diese Diplomarbeit in methodischer Hinsicht ein gutes und nachahmungswertes Beispiel für eine gelungene Diplomarbeit für die Studierenden der Sozialpädagogik und Sozialarbeit.


Rezensentin
Prof. Dr. Ruth Enggruber
Fachhochschule Düsseldorf, FB Sozial- und Kulturwissenschaften
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Zitiervorschlag
Ruth Enggruber. Rezension vom 01.04.2003 zu: Nicole Weissenberger: Motivations-Schwierigkeiten von Jugendlichen [...]. Edition Soziothek (Rubigen) 2002. 90 Seiten. ISBN 978-3-03796-007-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/756.php, Datum des Zugriffs 23.05.2012.


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