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Ingeborg Hedderich: Einführung in die Körperbehindertenpädagogik

Cover Ingeborg Hedderich: Einführung in die Körperbehindertenpädagogik. Mit 17 Tabellen und 20 Übungsaufgaben. UTB (Stuttgart) 2006. 2. völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. 208 Seiten. ISBN 978-3-8252-2102-7. 16,90 EUR.

Reihe: UTB - 2102.
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Thema

Wie der Titel des Buches besagt, soll in diesem Buch eine Einführung in die Körperbehindertenpädagogik gegeben werden. Im Zentrum des Buches steht also die Frage: Was bedeutet eine Körperbehinderung unter pädagogischen Aspekten? Die Autorin erörtert diese Frage, indem sie sich sowohl der Beschreibung des Personenkreises nähert, als auch geschichtlich sowie interdisziplinär die Entstehung des Fachgebiets skizziert. So besteht die Intention, pädagogisches Basiswissen speziell für Studierende in den Anfangssemestern zu vermitteln und dabei prägnant die wichtigsten Themenbereiche der Körperbehindertenpädagogik abzudecken.

Autorin

Die Autorin Ingeborg Hedderich ist Professorin und Lehrstuhlinhaberin (Lehrstuhl Körperbehindertenpädagogik) an der Universität Leipzig. Sie leitet dort u.a. das Institut für Förderpädagogik.

Entstehungshintergrund

Die „Einführung in die Körperbehindertenpädagogik“ von Ingeborg Hedderich erscheint nun in der zweiten Auflage. Sechs Jahre nach der Erstveröffentlichung (2000) war, nach Angabe der Autorin, eine völlige Überarbeitung der ersten Ausgabe notwendig. Dies geschah einerseits, um neue Bewegungen innerhalb der Körperbehindertenpädagogik einzuarbeiten und um den Bestand der Informationen für Studierende des Grundstudiums und darüber hinaus zu erweitern.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist, neben Einführung und Anhang, in sieben übergeordnete Kapitel eingeteilt, welche sukzessive in die Körperbehindertenpädagogik einführen und verschiedene praktische wie theoretische Themenbereiche erörtern.

Vorangestellt wird ein biographisches Portrait eines Menschen mit Körperbehinderung, dessen Lebenslauf mit allen Lebenserschwernissen skizziert wird. Die verschiedenen Etappen seines Lebens geben dabei einen ersten exemplarischen Einblick in lebensbegleitenden Institutionen für Menschen mit Körperbehinderungen.

Im zweiten Kapitel wird eine Annäherung an den Personenkreis der Menschen mit Körperbehinderung versucht. Zum einen werden der Behinderungsbegriff und den Begriff der „Körperbehinderung“ diskutiert. Des Weiteren werden die Sozialisationsbedingungen und Entwicklungstheorien aufgeführt, bevor dann eine ausführliche Übersicht über Behinderungsformen das Kapitel abschließt.

Das nächste Kapitel zeigt die historische Entwicklung des Umgangs mit Menschen mit Körperbehinderung auf, wobei gleichzeitig der geschichtliche Ursprung und Verlauf der Körperbehindertenpädagogik behandelt wird, indem in wichtige Persönlichkeiten und deren wegweisende Erneuerungen eingeführt wird.

Im vierten Kapitel wird die Körperbehindertenpädagogik als erziehungswissenschaftliche Disziplin behandelt. Die Positionierung des Fachgebiets geschieht in Abgrenzung zu den Nachbardisziplinen. Dabei wird auch ein kurzer Überblick über die heilpädagogische Grundhaltung, das Menschenbild und die vorherrschenden Paradigmata der Körperbehindertenpädagogik gegeben.

Eine zentrale Stellung nimmt das Kapitel 5 „Aufgabenfelder im System der Körperbehindertenpädagogik“ ein, da dieses einen Einblick in die verschiedenen Arbeitsfelder vermittelt, beispielsweise in

  • die Diagnostik
  • die Frühförderung
  • die schulische Förderung
  • den Übergang ins Erwachsenenleben
  • Körperbehinderung im Alter
  • die Förderung bei schwerster Behinderung
  • Hilfsmittel bei Körperbehinderung

In Kapitel 6 zeigt Ingeborg Hedderich die verschiedenen Theoriebildungen im Bereich der Körperbehindertenpädagogik auf. Sie verweist dabei zunächst auf grundsätzliche Denktraditionen und Forschungsmethoden in der Pädagogik und zeigt dann die Herausbildung der Körperbehindertenpädagogik als Wissenschaft, in der zum gegenwärtigen Zeitpunkt speziell systemisch-ökologisch-konstruktivistische Modelle eine zentrale Stellung einnehmen.

Abschließend wird im siebten Kapitel das Studium der Körperbehindertenpädagogik in den Fokus genommen. Neben Themen wie „Prüfungsangst“ und „Prüfungsmanagement“ werden auch studienbegleitende Prüfungen wie mündliche Präsentation oder schriftliche Hausarbeiten diskutiert.

Diskussion

Für Ingeborg Hedderich galt es den Anspruch einzulösen, eine eingängliche, kurze Einführung in das Fachgebiet Körperbehindertenpädagogik zu geben, ohne dabei aus Gründen gegebener Kürze die Präzision zu vernachlässigen und eine zu verkürzte Darstellung zu liefern. Sie schafft diesen Spagat gut, insbesondere durch die einleitende biographische Skizze eines Menschen mit Körperbehinderung, die bereits die vielfältigen Themenbereiche der Körperbehindertenpädagogik tangiert und somit einen Aufriss bietet für die darauf folgende Besprechung der historischen Entwicklung der Körperbehindertenpädagogik, der Behinderungsformen und der Aufgabenfelder „Diagnostik, Frühföderung, Schule, Arbeit, etc.“.

Dabei ist erkennbar, dass Ingeborg Hedderich die Entwicklungslinie der Körperbehindertenpädagogik nicht nur aus Sicht der BRD aufzeigt, sondern auch die historische Entwicklung in der ehemaligen DDR mitdenkt.

Weiter wählt sie trotz gegebener Kürze eines Einführungswerkes gelungene Schwerpunkte. Dabei wird deutlich, dass die Diagnostik und Frühförderung, sowie die schulische Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Körperbehinderung stärker in den Fokus gerückt werden. So wird beispielsweise bei der schulischen Bildung nicht nur die (historische und statistische) Entwicklung des Sonderschulwesens aufgeführt, sondern auch die Didaktik und Methodik näher besprochen. Neben den gängigen Unterrichtskonzepten und den damit zusammenhängenden didaktischen Entscheidungen, wird die Unterrichtsplanung an einem Beispiel thematisiert und konkretisiert.

Die Frage des Bildungsortes wird jedoch nur peripher behandelt. Zwar wird kurz (in Anlehnung an die KMK-Empfehlungen von 1994) angeführt, dass sonderpädagogische Förderung im gemeinsamen Unterricht, in kooperativen Formen und in Sonderschulen erfolgen kann. Eine stichhaltige Diskussion darüber, welcher Förderort der angemessene für Kinder und Jugendliche mit Körperbehinderung sei, wird außen vor gelassen. Eine relativ rasche Fokussierung auf die Sonderschulen als primären Förderort findet statt, wohingegen die Thematik um Integration und Inklusion lediglich im vorhergehenden Kapitel als wichtiges Paradigma zur Erreichung von Normalisierung und Selbstbestimmung angesprochen wird.

Ein weiterer Kritikpunkt, der wohl der allgemeinen UTB-Reihe „Basiswissen der Sonder- und Heilpädagogik“ anzulasten ist, ist die mangelnde Zahl an weiterführenden Literaturhinweisen zur Vertiefung des jeweiligen Themengebietes. Zwar werden die wichtigsten Punkte am Ende eines jeden Kapitels in einem Übersichtskasten zusammengefasst, an Hinweisen zu weiterführender Literatur mangelt es allerdings.

Im Allgemeinen bietet die „Einführung in die Körperbehindertenpädagogik“ aber eine gute erste Lektüre für Studierende des Fachs, da sehr verständlich und zusammenhängend ein Überblick über die Themenbereiche der Körperbehindertenpädagogik gegeben wird. Der Einblick in die Theoriebildung und Forschung in der Körperbehindertenpädagogik und die Hinweise für ein erfolgreiches Studium des Fachs, runden dabei das Einführungswerk in angenehmer Weise ab.

Fazit

Die zweite Auflage der „Einführung in die Körperbehindertenpädagogik“ von Ingeborg Hedderich, die als Teil der Reihe „Basiswissen der Sonder- und Heilpädagogik“ im Ernst Reinhardt Verlag erschienen ist, dient als hilfreiche erste Orientierung im Fach. Das Buch bietet einen einführenden Überblick über das breite Spektrum an Themenfeldern rund um die Körperbehindertenpädagogik und kann, wie die Autorin auch ausdrücklich betont, speziell Studierenden in den Anfangssemestern empfohlen werden.


Rezensent
Andreas Köpfer
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Universität zu Köln, Pädagogik und Didaktik bei Menschen mit geistiger Behinderung


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Zitiervorschlag
Andreas Köpfer. Rezension vom 05.12.2009 zu: Ingeborg Hedderich: Einführung in die Körperbehindertenpädagogik. Mit 17 Tabellen und 20 Übungsaufgaben. UTB (Stuttgart) 2006. 2. völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-8252-2102-7. Reihe: UTB - 2102. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7564.php, Datum des Zugriffs 01.10.2016.


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