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Gerda Geyer: Alternsforschung in Österreich

Cover Gerda Geyer: Alternsforschung in Österreich. Entwicklung, Institutionalisierungsgrad, Forschungsförderung. WUV Wiener Universitätsverlag 2008. 255 Seiten. ISBN 978-3-7089-0052-0. D: 19,40 EUR, A: 19,90 EUR, CH: 35,00 sFr.

Reihe: Dissertationen der Universität Wien - Band 112.
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Thema

Als Basis hat Gerda Geyer in ihrem Buch „Alternsforschung in Österreich“ den Europäischen Forschungsraum in der Alternsforschung (European Research Area in Ageing Research) ERA-AGE zur Entwicklung einer Förderungsschiene in der Alternsforschung und zur Festlegung der zukünftigen Prioritäten bei Forschungsförderungsprogrammen gewählt.

Mit der im Jahr 2000 beschlossenen Lissabon-Strategie hat sich die Europäische Union zum Ziel gesetzt, Europa bis zum Jahr 2010 zur „dynamischsten und wettbewerbsfähigsten wissensbasierten Wirtschaft der Welt zu machen“ (Vgl. Geyer 2008, 20) und bekennt sich damit zur Forschungsförderung. Weiters soll der gesellschaftliche Nutzen der Alternsforschung durch intensiven Kontakt mit PolitikerInnen und AnwenderInnen betont und auf deren konkreten Forschungsbedarf eingegangen werden. Das Buch baut auf dieser politischen Strategie als Fundament auf.

Aufbau und Inhalt

Der Themenblock A setzt sich mit der Einbettung der Alternsforschung in den Kontext der Entwicklung des Verhältnisses zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, in den Kontext der Disziplineneinteilungen sowie in den forschungspolitischen Kontext auseinander.

Zuerst wird der Weg der Autonomie der Wissenschaft zum gesellschaftlichen Nutzen und damit in die Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit beleuchtet. Die Beschreibung des ERA-NET Systems zeigt den gesellschaftlichen Einfluss auf die wissenschaftliche Entwicklung. Bereits hier wird besonders auf das ERA-AGE Projekt eingegangen und die Stärkung der Interdisziplinarität betont, weil bisher traditionelle Grenzen der Forschungsdisziplinen die Alternsforschung begrenzten und die Herstellung des gesellschaftlichen Bezugs erschwerten. In weiterer Folge werden Multi-, Inter- und Transdisziplinarität sowie die Relevanz für die Alternsforschung genauer beleuchtet.

Die alternsforschungsrelevanten Förderstrukturen und die Strukturreform der Forschungsförderung in Österreich bilden den Abschluss des Themenblocks A.

Der Themenblock B stellt Entwicklungsstand, Institutionalisierungsgrad und Struktur der Alternsforschung in Österreich unter Einbeziehung von Alternsforschungsprogrammen dar. Durch die Darstellung unterschiedlicher wissenschaftstheoretischer Modelle gelingt der Autorin die schlüssige Annäherung an das Vier-Phasen-Modell nach Nicolas Mullins (Paradigmagruppe, Netzwerk, Gruppe/Cluster, Spezialgebiet), welches die Grundlage für die weiterführende Untersuchung darstellt. Sie wird durch die gesellschaftlich-politische Unterstützung beziehungsweise Forschungsförderung im Bereich der Alternsforschung als gesellschaftliche Einflussvariante empirisch erweitert.

Zusätzlich wird die Festlegung der Kategorien und Themenbereiche der Analyse klar beschrieben. Zwölf top-down Alternsforschungsprogramme aus dem europäischen Raum werden deskriptiv beschrieben und mit Hilfe folgender Themenbereiche dargestellt: Organisationsstruktur, Zielsetzung, Einflussfaktoren, Auswahlverfahren, Budget, Internationale Kooperationen, Nachwuchsförderung, Ethik und Projekte. Leitfadengestützte Interviews mit sechs Programm-ManagerInnen werden nach manifesten Kommunikationsinhalten analysiert um daraus zu einem Hypothesenkatalog für die zukünftige Entwicklung dieses Forschungsfeldes zu gelangen.

Basierend auf der skizzierten Geschichte der Alternsforschung in Österreich spannt die Autorin einen Bogen zu Fachverbänden und – zeitschriften bis hin zur Gründung von themenspezifischen Gesellschaften und Instituten in Österreich. Sie schafft eine übersichtliche geschichtliche Darstellung und Aufzählung und ermöglicht der LeserInnenschaft Rückschlüsse auf mögliche Entwicklungspotentiale. Die Spiegelung der österreichischen Forschung in der europäischen Alternsforschung ermöglicht die Einbeziehung internationaler Forschungsergebnisse und Erfahrungen.

Das letzte Kapitel bietet schlüssige Ableitungen aus der zuvor beschriebenen Arbeit und ermöglicht empfehlenswerte Ausblicke wie die strukturelle Förderung von Interdisziplinarität, die Betonung der Notwendigkeit von kontinuierlicher Forschungstätigkeit gepaart mit größeren Forschungseinheiten, die Weiterführung von top-down Programmen zur Förderung der Alternsforschung wie auch die Einrichtung einer „Koordinationsstelle für Alternsforschung“. Zumindest der letzte Punkt wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in der neuen Förderperiode (7. Forschungsrahmenprogramm der EU, 2007- 2013) verwirklicht.

Eine Auflistung der InterviewpartnerInnen, der Leitfadengespräche sowie der Themen und Vortragenden der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und ein ausführliches Literaturverzeichnis beschließen das Buch von Gerda Geyer, die als nationale Koordinatorin für das ERA-AGE Projektes im Rahmen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften verantwortlich zeichnete.

Fazit

Das Werk bietet einen breiten Überblick über die Institutionslandschaft in der Alternsforschung mit permanentem Praxisbezug. Sowohl Budgetgrößen als auch namentliche Nennung von verantwortlichen MitarbeiterInnen wie auch kritische Anmerkungen sind als Mehrwert für die alltägliche Praxis besonders zu betonen. In diesem Sinne ist die Lektüre der Publikation sowohl für StudentInnen als auch PraktikerInnen unterschiedlicher Fachbereiche mit Bezug zur Alternsforschung äußerst aufschlussreich.


Rezensentin
Mag.(FH) DSA MSc Doris Lepschy


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Zitiervorschlag
Doris Lepschy. Rezension vom 24.04.2009 zu: Gerda Geyer: Alternsforschung in Österreich. Entwicklung, Institutionalisierungsgrad, Forschungsförderung. WUV Wiener Universitätsverlag 2008. ISBN 978-3-7089-0052-0. Reihe: Dissertationen der Universität Wien - Band 112. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7599.php, Datum des Zugriffs 30.05.2016.


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