Dagmar Orthmann Bless, Roland Stein (Hrsg.): Lebensgestaltung bei Behinderungen [...]
Dagmar Orthmann Bless, Roland Stein (Hrsg.): Lebensgestaltung bei Behinderungen und Benachteiligungen im Erwachsenenalter und Alter. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2009. 196 Seiten. ISBN 978-3-8340-0524-3. 18,00 EUR, CH: 31,60 sFr.
Reihe: Basiswissen Sonderpädagogik - Band 5.
Reihe „Basiswissen Sonderpädagogik“ und Ziel des 5. Bandes
Allgemeine Informationen zur Reihe finden sich unter Reihe: Basiswissen Sonderpädagogik.
Ziel dieses letzten Bandes der Reihe „Basiswissen Sonderpädagogik“ ist es, die in der sonderpädagogischen Diskussion bisher wenig beachtete Lebensgestaltung bei Behinderungen und Benachteiligungen im Erwachsenenalter näher zu beleuchten.
Aufbau und Inhalt
In Ihrem einleitenden Beitrag:
„Lebensgestaltung bei Behinderungen und Benachteiligungen im
Erwachsenenalter und Alter“ weist Gertrud Ortmann Bless
darauf hin, dass die Gruppe der erwachsenen und alten Menschen mit
Behinderungen sehr heterogen ist. Sie wird künftig aus zwei
Gründen wachsen: auch Menschen mit Behinderungen werden heute
älter und im Alter treten auch bei vorher nicht behinderten
Menschen physische und psychische Veränderungen und Krankheiten
auf, die zu Behinderungen führen. Der Schwerpunkt des Bandes
liegt jedoch bei der ersten Gruppe.
Welche
Bewältigungsstrategien älteren Menschen mit Behinderungen
z. B. für die Gestaltung der Nacherwerbsphase, für soziale
Beziehungen und beim Verlust an Autonomie durch Krankheiten zur
Verfügung stehen, hängt von den in früheren
Lebensphasen erworbenen Fähigkeiten und Ressourcen ab. Besondere
Probleme gibt es deswegen für Menschen mit schweren
Behinderungen und solche, die eine Sonderschulkarriere mit niedrigem
Schulabschluss aufweisen.
Die für das
Erwachsenenalter typische große Rollenvielfalt ist für
Menschen mit Behinderungen erheblich eingeschränkt. Dies gilt
insbesondere für Partnerschaft und Elternschaft. Ein dadurch
bedingt kleineres soziales Netzwerk hat auch Folgen für die
Pflegesituation im Alter: aktuelle Programme zur Förderung der
häuslichen Pflege können nicht auf Menschen mit
Behinderungen übertragen werden, weil es z. B. keine pflegenden
Ehefrauen und Töchter gibt. Notwendig sind für diesen
Personenkreis gemeindenahe betreute Wohnformen als Alternative zu
großen Behinderteneinrichtungen.
Die Verfasserin
konstatiert außerdem einen großen Bedarf an nicht nur
berufsbezogenen Bildungsangeboten für erwachsene und ältere
Menschen mit Behinderungen.
Dieses Thema wird im Beitrag von
Christian Lindmeier: “Weiterbildung bei
benachteiligten Erwachsenen - lebenslanges Lernen unter erschwerten
Bedingungen“ aufgegriffen und vertieft.
Nach
einer kurzen Darstellung der Geschichte sozialintegrativer
Erwachsenenbildung befasst sich der Autor mit konzeptionellen
Problemen dieser Disziplin: das in Deutschland seit den 70er Jahren
vorherrschende Konzept der „Zielgruppenorientierung“ ist
insofern problematisch, als es Homogenität der Gruppen entweder
unterstellt oder eine Homogenisierung nach Defiziten herbeigeführt.
Stereotypisierung und Stigmatisierung können die Folge sein,
wenn individuelle Problemlagen nicht ausreichend berücksichtigt
werden.
Seit den 80er Jahren ist ein Rückgang der
Bemühungen um Erwachsenenbildung für Menschen mit
Behinderungen zu verzeichnen, der z. T. darauf zurückzuführen
ist, dass die Einrichtungen auf die „Zahlungskräftigkeit“
ihrer Adressaten Rücksicht nehmen müssen. Als problematisch
muss auch die Herausbildung einer „Sondererwachsenenbildung“
mit eigenen Institutionen für Menschen mit Behinderungen gesehen
werden. Notwendig wäre stattdessen eine „inklusive
Erwachsenenbildung“ mit einer behindertengerechten Ausstattung
und barrierefreier Zugänglichkeit der Einrichtungen,
Individualisierung der Bildungspläne, persönlicher
Assistenz und Doppeldozenturen für integrierte Kurse.
Abschließend warnt der Verfasser von weiteren Kürzungen in
diesem Bereich, die sich insbesondere bei der Bundesagentur Arbeit
abzeichnen.
In seinem Beitrag: „Ein Leben
mit Assistenz gestalten“ thematisiert Reinhard Lelgemann
einen in den letzten Jahren häufig diskutierten Ansatz.
Das Konzept der Assistenz - ursprünglich von der
Krüppelbewegung in den 70er Jahren entwickelt - hat das Ziel,
den Menschen mit einer Behinderung ein selbstbestimmtes Leben zu
ermöglichen. Assistenz wurde für unterschiedliche
Lebensbereiche entwickelt (Arbeitsassistenz, Persönliche
Assistenz) und kann entweder durch die behinderte Person direkt oder
über die Vermittlung von Diensten organisiert werden.
Umstritten ist die Frage, inwieweit professionelle Helfer diese
Dienste leisten sollen. Von den Nutzern wird dies häufig als
Einschränkung ihrer Autonomie empfunden. Dennoch stellt sich die
Frage, ob es nicht auch in ihrem Interesse liegen könnte,
qualifizierte Assistenten einstellen zu können. Sie laufen sonst
Gefahr, einen ständigen Personalwechsel ertragen zu müssen.
In jedem Falle wird auf beiden Seiten ein hohes Maß an
Kommunikationsfähigkeit gefordert, um die aus gleichzeitiger
Nähe und professioneller Distanz entstehenden Probleme
bewältigen zu können.
Seit dem 1.1.2008 ist
durch die Einführung des „Persönlichen Budgets“
eine wesentliche Verbesserung der finanziellen Situation eingetreten,
weil die Leistungen jetzt gebündelt werden und nicht mehr jede
einzelne Leistung vom jeweiligen Träger genehmigt werden
muss.
Die schon länger bestehende Arbeitsassistenz
wird vor allem von körper- und sinnesbehinderten Menschen
genutzt. Ein Problem besteht darin, dass die Ergebnisse der Tätigkeit
des Assistenznehmers über den Kosten der Arbeitsassistenz liegen
müssen. Dadurch werden schlecht ausgebildete Personen
benachteiligt.
Sexualassistenz reicht von der
Beschaffung von Verhütungsmitteln bis zum Geschlechtsverkehr.
Sie wird in Deutschland nicht öffentlich finanziert, könnte
aber im Rahmen des Persönlichen Budgets geregelt werden.
Persönliche Assistenz wird zur Unterstützung in
der privaten Lebensführung gewährt. Da sie ein hohes Maß
an Regiekompetenz des Nutzers voraussetzt, kommt sie vor allem für
körper- und sinnesbehinderte Menschen in Frage. Von Assistenz
müssen vom Vormundschaftsgericht angeordnete Betreuung
oder eine Pädagogische Unterstützung unterschieden
werden. Die Betreuer oder Unterstützter nehmen hier eine
wesentlich aktivere Rolle ein als die Assistenten.
Abschließend stellt der Verfasser in seinem sehr
fundierten Beitrag fest, dass Persönliche Assistenz und
Pädagogische Unterstützung den veränderten Ansprüchen
von Menschen mit Behinderungen auf ein selbstbestimmtes Leben
Rechnung tragen. Ihre konkrete Ausgestaltung muss stets neu
ausgehandelt werden.
In seinem zweiten Beitrag in diesem
Band: „Lebenswelt- und Biographorientierung in der Arbeit
mit erwachsenen und alten Menschen mit Behinderung“ greift
Christian Lindmeier ein Thema auf, das in der Sonderpädagogik
bisher vernachlässigt wurde. Ursache ist eine lange Zeit
vorherrschende Devianzorientierung, die den Blick nicht auf den
Lebenslauf behinderter Kinder und Jugendlicher, sondern auf ihre
Defizite richtete.
Die Fruchtbarkeit des aus der
„oral-history-Bewegung“ hervorgegangenen Ansatzes
verdeutlicht der Verfasser an mehreren Beispielen:
Konkrete
methodische Hinweise für die Alltagsbegleitung von behinderten
und benachteiligten Menschen hat die im anglo-amerikanischen Raum
entwickelte „person-zentrierte Zukunftsplanung“ erstellt,
die auch als „supported employment“ bzw. „suppported
living“ für Menschen mit geistiger Behinderung geeignet
sind.
Biographiearbeit bedeutet, dass Menschen mit
(geistiger) Behinderung in ihrer Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit
wahrgenommen werden. Ihre pädagogische Umsetzung zielt darauf
ab, die Betroffenen zu einer produktiven Verarbeitung des eigenen
Lebens und damit zu einer zunehmenden Bewusstheit ihrer
Lebensgeschichte anzuleiten.
Vorbilder für die
sonderpädagogische Biographieabeit sind in der Altenhilfe
entwickelte Methoden im Umgang mit demenzkranken Menschen. Im Rahmen
einer „offenen Didaktik“, die zwar Lebenssituationen einer
Normalbiographie (Geburt, Kindheit, Schule...) vorgibt, den
Beteiligten aber größtmögliche Freiheit in der
konkreten Ausgestaltung gewährt, werden als methodische
Hauptformen die gesprächsorientierte, die aktivitätsorientierte
und die dokumentationsorientierte Biographiearbeit unterschieden.
Den vielfältigen Möglichkeiten biographischer Arbeit
steht in der Praxis eine Lebenssituation geistig behinderter Menschen
gegenüber, in welcher wenig auf ihre individuellen
Besonderheiten Rücksicht genommen wird. Der Verfasser fordert in
seinem sehr lesenswerten Beitrag deswegen, „die Kultivierung
von Erinnerung (Reminiszenz) und die Entfaltung sinnvoller
Zukunftsperspektiven (persönliche Zukunftsplanung) in allen
Phasen des Lebenslaufs zu einer vordringlichen Aufgabe der
Ggeistigbehindertenpädagogik“ zu machen (S. 113).
Ein selten behandeltes Thema greift
Anne Waldschmidt in ihrem Beitrag: „Politische Partizipation
von Menschen mit Behinderungen und Benachteiligungen“ auf.
Neben Menschen in
prekärer Lebenslage (z. B. Langzeitarbeitslose), Menschen mit
besonderen sozialen Problemen (z. B. Straffällige) und Menschen
mit Migrationshintergrund (z. B. Flüchtlinge) zählt die
Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Bürgerschaftliches
Engagement“ auch Menschen mit Handicaps (z. B. Behinderte und
Drogenabhängige) zu den benachteiligten und diskriminierten
Menschen. Auf letztere beschränkt sich dieser Beitrag.
Zu „Interesse an Politik“ und „Beteiligung an
Wahlen“ liegen für diesen Personenkreis nur wenige Daten
vor. Hervorzuheben ist jedoch, dass leicht behinderte Menschen in
Gewerkschaften und Umweltgruppen überdurchschnittlich häufig
vertreten sind.
Selbsthilfegruppen
als Form kollektiver Beteiligung sind vor allem im Gesundheitsbereich
aktiv. Bei seltenen Erkrankungen wie z.B. Chorea Huntington ist der
Grad der Beteiligung Betroffener besonders hoch. Ihr politisches
Engagement ist meist begrenzt.
Behindertenverbände
haben dagegen explizit das Ziel der politischen Einflussnahme. Wegen
„schwacher Konfliktfähigkeit“ (S. 138) neigen sie
mehr zu „Kontakt- und Integrationsstrategien“ und sind
damit durchaus erfolgreich gewesen.
Die Ende der 70er
Jahren entstandene Behindertenbewegung
verfolgte dagegen eine eher konfrontative Strategie der kollektiven
Aktionen, um ihre radikaldemokratischen Ziele durchzusetzen, hat im
Laufe der Zeit aber ihre radikalen Ansprüche zu Gunsten einer
pragmatischen Politik zurückgenommen. Ihr wichtigstes Resultat
ist eine Veränderung der politischen Kultur, die u.a.
zu größerer Toleranz gegenüber abweichenden
Lebensformen geführt hat. Trotz z. T. ungünstiger
Rahmenbedingungen wie geringe Bildung benachteiligter und behinderter
Menschen haben die Gruppen und Verbände einen wesentlichen
Beitrag zur Inklusion der Betroffenen geleistet.
Der vorletzte Beitrag des Bandes
„Elternschaft bei Menschen mit Behinderungen“ von
Gisela Hermes ist Ausdruck der durch die Behindertenbewegung
hervorgebrachten kulturellen Veränderungen. Während
Sexualität von Menschen mit Behinderungen und erst recht
Elternschaft lange Zeit Tabuthemen waren, hat sich hier ein
grundlegender Wandel vollzogen: zum selbstbestimmten Leben zählt
auch die Erfüllung des Wunsches nach Kindern. Dies gilt
insbesondere für Menschen mit Behinderungen, die in privaten
Haushalten leben. In Heimen ist die Realisierung dieses Wunsches
schwieriger, weil diese weder räumlich (z. T. Mehrbettzimmer)
noch konzeptionell auf Sexualität und Elternschaft eingerichtet
sind. Trotzdem gibt es auch in Heimen für Menschen mit geistiger
Behinderung eine überraschend hohe Zahl von Elternschaften. Die
Kinder werden jedoch häufig in Pflegefamilien untergebracht.
Nach wie vor berichten Frauen mit Behinderungen über
negative Reaktionen auf ihrem Kinderwunsch, weil Vorurteile wie
Vererbung von Behinderung (real nur in drei Prozent der Fälle),
mangelnde Verantwortungsfähigkeit von Eltern mit Behinderungen
und Leiden der Kinder unter einer Behinderung der Eltern bisher nicht
ausgeräumt werden konnten. Der gesellschaftliche Druck, nicht
behinderte Kinder zu gebären und zu diesem Zweck eine
humangenetische Beratung in Anspruch zunehmen, ist sehr groß.
Auch die Adoption eines Kindes wird behinderten Menschen in der Regel
verwehrt.
Wenn behinderte Menschen dennoch ihren Wunsch
nach Elternschaft realisieren, müssen sie zahlreiche
Alltagsprobleme bewältigen, die die Verfasserin mit Hilfe von
Fallbeispielen erläutert. Die Eltern berichten jedoch auch
positive Erfahrungen, wenn sie z. B. die Entwicklung ihres Kindes mit
Kindern nicht behinderter Eltern vergleichen.
Eine
besondere Problematik entsteht durch den Einsatz von
Assistenzkräften, wenn diese von den Kindern als Bezugspersonen
empfunden werden. Hier hilft nur eine klare Vereinbarung zur
Zurückhaltung mit den Assistenten.
Unterstützungsbedarf
haben Eltern bei folgenden Einschränkungen in der Bewältigung
des Alltags:
- „...Bauliche Zugangsbarrieren für mobilitätsbehinderte Menschen zu fast allen gesellschaftlichen Bereichen
- Kommunikationsbarrieren für blinde und gehörlose Menschen
- Fehlende Hilfsmittel sowie barrierefreie Produkte zur Versorgung der Kinder
- Fehlende personelle Unterstützung für stark körperbehinderte Menschen
- Mangelnde finanzielle Unterstützung zum Ausgleich von Nachteilen...“ (S. 168).
Nicht unbegründete Ängste vor Sorgerechtsentzug durch die Jugendämter hindern insbesondere allein erziehende Eltern mit Behinderungen daran, ihre berechtigten Forderungen offensiv zu vertreten. Selbsthilfegruppen betroffener Eltern, die in den 90er Jahren entstanden sind, stärken jedoch das Selbstbewusstsein ihrer Mitglieder und schaffen Abhilfe.
Ziel des letzten Beitrages von Heike
Milz und Reinhilde Stöppler: „Sozial-geragogische
Hilfen für alte Menschen mit Behinderungen“ ist es,
Bildungsangebote für behinderte Menschen in höherem
Lebensalter aufzuzeigen.
Während frühere
Theorien des Alterns eher den Abbau von Kompetenzen in den
Mittelpunkt stellten, wird heute allen Menschen eine lebenslange
Lernfähigkeit attestiert. Wie das Alter sich konkret
ausgestaltet, wird durch den biographischen Werdegang einer Person
bestimmt. Dies erklärt auch, warum die Lebensperiode „Alter“
sich bei Menschen mit Behinderungen anders gestalten kann als bei
nicht behinderten. In der Literatur wird dies als „Kumulierung
von Nachteilen“, z. B. durch Hospitalisierung, Fehlen einer
Kernfamilie und mangelnde finanzielle Ressourcen beschrieben.
Sozial-geragogische Angebote werden insbesondere deswegen
erforderlich, weil im Zuge des demografischen Wandels auch die Gruppe
der alten Menschen mit Behinderung erheblich anwächst. Die
Gerontagogik als Spezialdisziplin befasst sich mit Lernen im Alter
und bereitet u.a. Menschen mit geistiger Behinderung auf den
Ruhestand vor. Im nach einem amerikanischen Vorbild entstandenen
Lehrgang „Selbstbestimmtes Älterwerden“ geschieht
dies in 16 Lektionen und drei Exkursionen, die sich mit Themen wie
„Wählen und Entscheiden“, „Gesundheit und
Wohlbefinden“ oder „Freundschaft und soziale Netzwerke“
befassen.
Wohnen im Alter bedeutet für Menschen mit
Behinderung sehr häufig Unterbringung im Heim. Das Angebot
gemeinwesenintegrierter Wohnformen deckt bei Weitem nicht den
Bedarf.
Eine besondere Herausforderung stellt schließlich
der Umgang mit Sterben und Tod dar. Fortbildung für das Personal
und Erinnerungsarbeit für Betroffene, Freunde und Angehörige
können dazu beitragen, diese Phase würdevoll zu gestalten.
Fazit
Der Band wird seiner Zielsetzung, die gesamte Lebensspanne des Erwachsenenalters und des Alters von Menschen mit Behinderungen mit ihren Chancen zu autonomen Lebensgestaltung und den immer noch bestehenden Barrieren und Unzulänglichkeiten zu analysieren, voll und ganz gerecht. Ebenso wie vor einem Band 3 (Private Lebensgestaltung bei Behinderungen und Benachteiligungen im Kindes- und Jugendalter) macht er den sich in der Sonderpädagogik vollziehenden Perspektivenwechsel deutlich: nicht Defizite, sondern Chancen der Lebensgestaltung stehen im Mittelpunkt. Die Beiträge des Bandes verschweigen aber auch nicht, dass die Praxis noch weit hinter den Möglichkeiten zurückbleibt. Sie sind für alle diejenigen eine anregende Lektüre, die im Spannungsfeld von theoretisch Möglichem und realen Einschränkungen neue Handlungsperspektiven für die Normalisierung der Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen suchen und entwickeln möchten.
Rezensent
Prof. Manfred Baberg
Hochschule Emden/Leer, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit. Arbeitsgebiete u.a. Behindertenarbeit und Integrationspädagogik in den Studiengängen Soziale Arbeit/Sozialpädagogik und Integrative Frühpädagogik
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Zitiervorschlag
Manfred Baberg. Rezension vom 17.10.2009 zu: Dagmar Orthmann Bless, Roland Stein (Hrsg.): Lebensgestaltung bei Behinderungen [...]. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2009. 196 Seiten. ISBN 978-3-8340-0524-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7608.php, Datum des Zugriffs 23.05.2012.
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