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Gerd Grampp, Anke Triebel: Lernen und Arbeiten in der Werkstatt für behinderte Menschen

Cover Gerd Grampp, Anke Triebel: Lernen und Arbeiten in der Werkstatt für behinderte Menschen. Berufliche Bildung, Arbeit und Mitwirkung bei psychischer Erkrankung. Psychiatrie-Verlag (Bonn) 2007. 6. Auflage. 112 Seiten. ISBN 978-3-88414-331-5. 24,90 EUR, CH: 43,70 sFr.

Hrsg. vom Verbund Anerkannter Werkstätten (Forschung für die Praxis - Hochschulschriften).
Siehe auch Replik oder Kommentar am Ende der Rezension.

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Einführung

Das Buch beschreibt ein Projekt und dessen Ergebnisse (Laufzeit 01.01.99 bis 31.12.2001) zur Erarbeitung einer Konzeption für die berufliche Qualifizierung in einer Werkstatt für psychisch kranke Menschen unter Trägerschaft des Verbundes anerkannter Werkstätten gGmbh in Ahorn, in dem die beiden Autoren als Projektleitung (Triebel) und im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung (Grampp) gemeinsam gearbeitet haben. Mit Hilfe dieses Projekts wurde bereits vor Einführung des SGB IX dessen gesetzliche Grundlagen in eine inhaltlich konzeptionelle Anwendung transferiert..

Hintergrund für die Entstehung

Das SGB IX (seit 01.07.2001) legt für den Bereich der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) den Schwerpunkt der Zielrichtung der Werkstattarbeit auf berufliche Qualifizierung. Aus dem ehemaligen "Arbeitstraining" wurde der "Berufsbildungsbereich". Innerhalb der Werkstätten bilden die Werkstätten für psychisch kranke Menschen in Form einer "Reha Werkstatt" eine besondere Gruppe, deren inhaltlich konzeptionelle Ausrichtung sich aufgrund des Personenkreises von anderen Werkstätten unterscheidet.

Aufbau, Inhalte, Gliederung

Im ersten Abschnitt wird das Projekt beschrieben (Seiten 9-11), dann folgen die ethischen und rechtlichen Grundlagen aus denen die Projektziele und die Mittel zur Umsetzung abgeleitetet werden, Grundaussagen zum Personenkreis und Qualitätsfragen runden das Grundsätzliche ab (Seiten 12- 22).

Daran schließen sich Prozessbeschreibungen (Erstkontakt, Eingangsverfahren, Berufsbildung, Arbeit, Mitwirkung) an, die dann in Handlungsanleitungen präzisiert werden (Seite 25- 45).

Der nächste Themenblock beschäftigt sich mit der Didaktik und Methodik des Arbeitspädagoschischen BildungsSystem (ABS) und seinen Teilmodulen (53- 61). Der letzte und umfangreichste Teil des Buches ist einem Dokumentenanhang gewidmet, in dem sich neben einem Standard Rahmenplan für die berufliche Bildung z.B. verschiedene Arbeitsblätter wie ein Selbsteinschätzungsbogen, oder ein Beobachtungs- und Bewertungsbogen befinden (S. 63-107). Die letzten beiden Seiten enthalten das (sehr kurze) Literaturverzeichnis und Angaben zu den Autoren

Zielgruppen

Zielgruppen sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Werkstätten für psychisch kranke Menschen, die sich mit dem Thema berufliche Bildung beschäftigen. In erster Linie wendet sich aber das Buch an Personen, die inhaltlich konzeptionell für die Weiterentwicklung der Arbeit zuständig sind, bzw. daran mitarbeiten.

Einschätzung

Die Leistung des Buches besteht darin den Fokus des Themas Berufliche Bildung in Werkstätten auf die Personengruppe der psychisch kranken Menschen zu richten. Dieser fachlich eigenständige Teilbereich der Werkstätten kommt in der "herkömmlichen Werkstattliteratur" häufig nur als "Anhängsel" vor und die sozialpsychiatrische Fachwelt wendet sich erst seit kurzem dem zentralen Thema Arbeit zu.

Das Thema Berufliche Bildung ist nach Einführung des SGBIX zu einer der großen Herausforderung an die Weiterentwicklung der Werkstätten geworden. Durch die Laufzeit des beschriebenen Projekts bereits vor Einführung des SGB IX antizipiert es bereits bestimmte nun geltende Grundlagen.

Dieser sehr positiver Grundsatz wird aber nicht in ausreichendem Maße auf die spezifischen Besonderheiten in den Werkstätten für psychisch kranke Menschen ausgeweitet: die Beschreibung verhaftet zu sehr in der konkreten Projektarbeit und den theoretischen Grundlagen. Zu erwähnen sind z.B. folgende Grundfragen, die leider nur angedeutet aber nicht weiterausgearbeitet wurden:

Wie wirkt sich das Selbstverständnis vieler psychisch kranker Menschen, die sich nicht als behindert begreifen auf das Thema Berufliche Bildung aus?

Welche inhaltlichen Anforderungen an die Arbeit werden gestellt, wenn bei der Personengruppe ein sehr breites Spektrum von Vorerfahrungen, beruflichen Kenntnissen, Wünschen und Vorstellungen existiert? Vielleicht ist es eine Anregung in einem Folgeprojekt gerade die Verzahnung des Prozesses Berufliche Bildung zum Prozess Arbeit, einem der Kernprozesse in einer WfbM (der auch im Berufsbildungsbereich anzusiedeln ist) genauer zu beleuchten: Dem Prozess Arbeit wird gerade mal eine Seite gewidmet und angemessene Arbeit wird inhaltlich auf den Arbeitsbereich beschränkt und das obwohl für den Bereich der Schulung sowohl Bildungs- als auch Arbeitsangebote konzipiert werden müssen). Im Gegensatz dazu ist der Bereich der Mitwirkung, der im Titel gleichbedeutend wie die Arbeit genannt wird, weitaus deutlicher ausformuliert.

Das Buch gibt aber eine sehr gute theoretische Grundlage für eine Ausgestaltung einer Konzeption zur beruflichen Bildung mithilfe des bestehenden Didaktik und Methodik Instrumentariums des Arbeitspädagogischen Bildungsplan und seinen Teilelementen. Aber gerade diese theoretische Detailtreue wiederum im Didaktik und Methodikteil macht es notwendig, sich intensiv im Detail mit den Modulen PMO, PSF, KZP, ISR usw. zu beschäftigen, um sich nicht von deren sperrigen Abkürzungen, falls man mit ihnen nicht schon vertaut ist, abschrecken zu lassen. Gleichzeitig besteht dadurch die Gefahr, den bis dahin durchgängigen roten Faden der Projektbeschreibung zu verlieren.

Durch den ausführlichen Dokumentenanhang wird dieser Eindruc ist statt der Gesamtheit für k erfreulicherweise wieder zu Recht gerückt. Auch hier die Praxis wohl eher das Detail interessant: außerhalb einer Projektphase ist schwer vorstellbar, dass z.B. in der Praxis der 11-seitige Komplett Standard Rahmenplan für die berufliche Bildung und der 7-seitige Arbeitspädagogische Beobachtungs- und Bewertungsbogen zusätzlich zu anderen Bögen in ihrer Gesamtheit dauerhaft verwendet werden.

Das Ende des Buches lädt also wieder dazu ein, weiter vorne nochmals zu blättern.

Fazit

Das Buch gibt ausgehend von einem wissenschaftlich begleiteten Projekt einen guten Überblick über die theoretischen Grundlagen für eine Konzeptionsentwicklung unter Einsatz von konkreten Didaktik und Methodik Modulen in einer Werkstatt für psychisch kranke Menschen. Diese "spezialisierte und qualitativ andere Werkstatt" wird von den Autoren im Sinne eines Arbeitstitels als "Reha-Werkstatt" bezeichnet. Das Buch spürt den Besonderheiten dieser Werkstatt für den Bereich berufliche Bildung nach. Dieser Fokus ist das spezifisch Neue an diesem Buch (und hoffentlich erst der Anfang). Das Thema Berufliche Bildung in Werkstätten hat seit der Einführung des SGB IX eine neue inhaltliche Dimension bekommen, die einher geht mit Anforderungen an die Institution, die sich aufgrund der Personenzentrierung ergeben.

Bei Konzeptionsentwicklungsprozessen für die Berufliche Bildung, die sich anderer Hilfsmittel bedienen oder bedient haben, kann das Buch aber auch gedankliche Einzelanregungen liefern, sei es bei der Beschreibung einzelner Prozesse (z.B. dem Erstkontakt) oder der Nutzung von Teilen aus dem umfangreichen Dokumentenanhang. So ist das Buch eine sinnvolle Hilfe bei der Reflexion und Weiterentwicklung der Praxis der beruflichen Bildung. Die Themenbereiche Arbeit und Mitwirkung werden entgegen des Hinweises im Untertitel im Vergleich zur Thematik berufliche Bildung (leider) nur gestreift.

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension basiert auf der 1. Auflage von 2002.


Rezensentin
Angelika Tinter
Leitung Rehazentrum und Werkstätten im Rehazentrum Waiblingen und Schorndorf
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension basiert auf der 3. Auflage aus dem Jahr 2005.


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Zitiervorschlag
Angelika Tinter. Rezension vom 03.06.2003 zu: Gerd Grampp, Anke Triebel: Lernen und Arbeiten in der Werkstatt für behinderte Menschen. Psychiatrie-Verlag (Bonn) 2007. 6. Auflage. 112 Seiten. ISBN 978-3-88414-331-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/765.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.


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