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Thomas Köhler-Saretzki: Heimerziehung damals und heute

Cover Thomas Köhler-Saretzki: Heimerziehung damals und heute. Eine Studie zu Veränderungen und Auswirkungen der Heimerziehung über die letzten 40 Jahre!. Pro Business (Berlin) 2009. 205 Seiten. ISBN 978-3-86805-970-0. 14,90 EUR.

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Autor

Thomas Köhler-Saretzki hat das vorliegende Buch als Dissertationsschrift der Humanwissenschaftlichen Fakultät (Department Heilpädagogik und Rehabilitation) der Universität Köln im Jahre 2008 eingereicht.

Aufbau und Inhalt

Die Schrift ist in zwei Hauptkapitel aufgeteilt:

Im Kapitel „Jugendhilfe damals“ werden diegesellschaftlichen und politischen Zustände, deren Veränderungen sowie Initiativen (69er Heimkampagne) in den 60er und 70er Jahren in ihrem Zusammenhang mit realisierten Reformen der Heimerziehung dargelegt und analysiert. Exemplarisch werden durchgeführte Praxisreformen am Beispiel des Rheinischen Landesjugendheimes Viersen-Süchteln aufgezeigt. Der Verfasser resümiert, „dass die politische Entwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg die Grundlage für den Zeitgeist der 60er Jahre und dem damit verbundenen gesellschaftlichen Wertewandel war, der auch vor den Toren der Kinder- und Jugendhilfe nicht halt gemacht hat“ (S. 19). Zielsetzung der Reformen sei es nicht gewesen, Heimerziehung abzuschaffen, sondern diese zu demokratisieren, um aus pädagogischer Sicht für günstigere Rahmenbedingungen zu sorgen sowie interne Vorgänge transparent zu gestalten. Die Professionalisierung der Erziehungskräfte sowie die Differenzierung einer nun bedarfsorientierten Heimerziehung werden hierbei ins Zentrum gerückt.

Das zweite Hauptkapitel „Jugendhilfe aktuell“ dient der Untersuchung der Praxis und Veränderungen der Kinder- und Jugendhilfe der 80er Jahre bis heute. Hierzu werden die Voraussetzungen für die Implementierung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes erläutert, das KJHG als ein modernes Gesetz bewertet, welches die Jugendhilfe nachhaltig positiv beeinflusst und verändert habe. Dieser Veränderungsprozess wird nun wiederum an einer Praxiseinrichtung dargelegt, dem „Heilpädagogischen Zentrum Die Gute Hand“.

Im Fazit seines Buches macht der Verfasser auf die Notwendigkeit der Weiterentwicklung von Dezentralisierung und Regionalisierung der Heimerziehung aufmerksam, er setzt sich mit den knappen Finanzmitteln für die Stationäre Jugendhilfe auseinander, betont die Effektivität von Qualitätsmanagement und Forschung innerhalb des Praxisfeldes sowie die Vernetzung von Jugendhilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie. Es folgen noch Unterkapitel zur Thematik der Partizipation sowie zum Rollenbild des Erziehers.

Fazit

Thomas Köhler-Saretzki hat in seiner Schrift die gesellschaftspolitischen Verhältnisse der 60er und 70er Jahre in ihrem Zusammenhang mit der Skandalisierung der Heimerziehung und überfälliger Reformen sehr detailliert analysiert. Er hat hierbei wissenschaftlich fundierte Quellen benutzt und auf politische Einzelmeinungen verwiesen, die in diesem Zusammenhang auch der fachlich versierten Leser nicht allgemein bekannt gewesen sein dürften. Die exemplarischen Berichte über die Veränderungen und Reformen in zwei Praxiseinrichtungen sind gut gewählt, da diese jeweils wissenschaftlich begleitet und evaluiert wurden.

Insgesamt gesehen dürfte das Buch auch für Praktiker interessant sein, es eignet sich jedoch vor allem für den eher wissenschaftlich orientierten Leser.


Rezensent
Prof. Dr. Richard Günder
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Zitiervorschlag
Richard Günder. Rezension vom 20.08.2009 zu: Thomas Köhler-Saretzki: Heimerziehung damals und heute. Pro Business (Berlin) 2009. 205 Seiten. ISBN 978-3-86805-970-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7868.php, Datum des Zugriffs 09.02.2012.


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