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Hans Eberwein, Sabine Knauer (Hrsg.): Handbuch Integrationspädagogik

Cover Hans Eberwein, Sabine Knauer (Hrsg.): Handbuch Integrationspädagogik. Kinder mit und ohne Beeinträchtigung lernen gemeinsam. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2009. 7., durchges. und neu ausgestattete Auflage. 534 Seiten. ISBN 978-3-407-83167-5. D: 49,95 EUR, A: 51,40 EUR, CH: 84,00 sFr.

Reihe: Pädagogik.

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Thema

Das Handbuch der Integrationspädagogik zeigt Grundpositionen und Veränderungsmöglichkeiten auf dem Gebiet der Integrationspädagogik auf und setzt sich mit Entwicklungen im Bereich des Förderschulwesens kritisch auseinander.

Herausgeber und Autoren

Die Herausgeber des Handbuches sind Professor Dr. Hans Eberwein und Dr. Sabine Knauer. Hans Eberwein ist ehemaliger Hochschullehrer an der FU Berlin, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie, Arbeitsbereich Integrationspädagogik. Sabine Knauer ist Grund- und Sonderschullehrerin und freiberufliche Erziehungswissenschaftlerin.

43 Autoren und Autorinnen aus allen Bereichen der Pädagogik beleuchten in 10 Kapiteln das Thema der Integration aus unterschiedlichsten Perspektiven\.

Zielgruppe

Das Nachschlagewerk richtet sich vornehmlich an Lehrer, Schulpsychologen und Sozialpädagogen, aber auch an Eltern und Politiker.

Aufbau und Inhalt

Die 7. Auflage des Handbuchs gliedert sich thematisch in 10 Kapitel.

  1. Einleitung
  2. Integration als ethischer Anspruch und gesellschaftlicher Auftrag
  3. Entwicklung und Kritik des eigenständigen Sonderschulwesens – Notwendigkeit einer veränderten Begriffsbildung
  4. Erziehungswissenschaftliche Grundpositionen und Integrationspädagogik
  5. Rechtliche Grundlagen
  6. Integration im Kindergarten, in der Schule und in der beruflichen Bildung
  7. Organisatorische didaktische und diagnostische Konzepte zum gemeinsamen Lernen
  8. Integrativer Unterricht unter dem Gesichtspunkt spezieller Problematiken
  9. Kooperation von Lehrern sowie integrationspädagogische Lehrerbildung
  10. Ergebnisse der Integrationsforschung – schulische Integration unter verschiedenen regionalen und nationalen Bedingungen

Hans Eberwein leitet mit einführenden Bemerkungen zur 7. Auflage in das Handbuch ein. Er verweist insbesondere auf die Integrationsquote in Deutschland, die bei nur 13% liegt und damit Deutschland immer noch als „integrationspädagogisches Entwicklungsland“ ausweist.

Integration ist eine „humane Selbstverständlichkeit“ (Muth, S. 43). Die primäre Frage nach der Integrationsfähigkeit der Schule, die Jakob Muth stellt, ist auch heute noch so zu stellen. Iben schließt hieran an und verlangt ein neues schulisches Selbstverständnis, um die Frage nach dem ‚schulgerechten Kind’ in die nach der ‚kindgerechten Schule’ umzumünzen (S. 69). Integrationspädagogik ist diesem Denken folgend aufgefordert, Missstände aufzuzeigen (Knauer).

Ein Blick in die Geschichte zeigt diese Defizite eindringlich bis in das 21. Jahrhundert auf (vgl. Möckel, S. 80ff). Gleichzeitig wird dieses defizitorientierte Denken am Begriff „Behinderung“ im Kontext der Sonderpädagogik festgemacht. Der Arbeit ‚am Kind’ steht ein ‚ökosystemischer Behinderungsbegriff’ entgegen, der an den konkreten Umfeldbedingungen integrationsorientiert arbeitet (Sander, ausführlich dargestellt ab S. 304ff). D.h. es müssen Lernumgebungen geschaffen werden, die menschliches Leben respektieren und Anderssein nicht ausschließen.

Diese Entwicklung kann in dem Begriff ‚Inclusion’ gefasst werden, der die Veränderung der Regel- und Sonderschulpädagogik meint, um Aussonderungen zu vermeiden. (vgl. Begemann S. 126ff). Das verlangt Innovationen, ein Denken in dynamischen Systemzusammenhängen, Handlungsspielräume auszuloten und interne und externe Vernetzungen herzustellen, um nur einige Punkte zu nennen, die Krämer und Meister herausarbeiten.

Schulrechtliche Rahmenbedingungen können insgesamt durchaus so interpretiert werden, dass sie einen integrationspädagogisch vernünftigen Sinn ergeben, auf diese Formel lassen sich die Beiträge von Füssel und Dietze zusammenfassen (S. 158ff).

Sowohl im Elementarbereich als auch in allen anderen Schulformen bis hin zur beruflichen Integration bzw. der Erwachsenenbildung werden integrationspädagogische Ansätze nachgezeichnet (vgl. S. 178ff), allerdings mit einem eher ernüchternden Fazit: „ So einleuchtend und sinnvoll die dargestellten Fallbeispiele wirken, so können sie nicht darüber hinwegtäuschen, dass es – von der fehlenden Breitenwirkung ganz abgesehen – noch eine große Zahl ungelöster Probleme gibt.“ (Schuchardt, S. 274)

Die sich daran anschließende Darstellung organisatorischer, didaktischer und diagnostischer Konzepte (S. 280ff) lotet die Möglichkeitsräume ebenso aus wie die Diskussion um Kooperationsmöglichkeiten und eine integrationspädagogische Lehrerbildung (S. 404ff).

Das Handbuch schließt mit einem Überblick über die Ergebnisse der Integrationsforschung sowohl im nationalen als auch im europäischen Kontext (S. 458ff).

Fazit

Das Handbuch Integrationspädagogik ist als Standardwerk aus keiner Bibliothek wegzudenken. Die grundlegenden Fragen in bezug auf Integrationspädagogik, die Abgrenzung zur Sonderpädagogik und die Möglichkeit, neue pädagogische Konzepte zu wagen, werden hier auf über 500 Seiten verständlich und differenziert herausgearbeitet. Kritisch ist jedoch anzumerken, dass die Beiträge in der 7. Auflage des Handbuches im Jahr 2009 nicht über die Darstellungen der 6. Auflage aus dem Jahr 2002 hinausgehen – bis auf den einleitenden Beitrag von Eberwein. Der Beitrag von Anette Hausotter z.B. über ‚Entwicklungen und Trends integrativer Erziehung in Europa’ ist identisch mit ihrem Beitrag aus 20026\. Sie hat jedoch in der Zwischenzeit einen aktualisierten Beitrag in Eberwein, H., Mand, J. (Hg.) Integration konkret, Bad Heilbrunn 2008 zu diesem Thema veröffentlicht. Das ist nur ein Beispiel von mehreren anderen. Der Stand der verarbeiteten Literatur in der 7.Auflage wird somit den neueren Entwicklungen nur bedingt gerecht.


Rezensentin
Prof. Dr. Ursula Henke


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Zitiervorschlag
Ursula Henke. Rezension vom 28.11.2009 zu: Hans Eberwein, Sabine Knauer (Hrsg.): Handbuch Integrationspädagogik. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2009. 7., durchges. und neu ausgestattete Auflage. 534 Seiten. ISBN 978-3-407-83167-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7875.php, Datum des Zugriffs 09.02.2012.


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