Christine Weber (Hrsg.): Spielen und Lernen mit 0- bis 3-Jährigen

Cover Christine Weber (Hrsg.): Spielen und Lernen mit 0- bis 3-Jährigen. Der entwicklungszentrierte Ansatz in der Krippe. Cornelsen Scriptor (Berlin) 2009. 3., vollst. überarbeitete und erweiterte Auflage. 206 Seiten. ISBN 978-3-589-24658-8. 19,95 EUR, CH: 35,50 sFr.

Reihe: Frühe Kindheit - Spielen & lernen.

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Thema

Das Buch „Spielen und Lernen mit 0 – 3-Jährigen“ thematisiert die pädagogische Arbeit in Kinderkrippen und versucht damit den derzeitigen quantitativen Ausbau der Kinderkrippen durch inhaltlich – qualitative Ausführungen und Überlegungen zu unterstützen. Ausgangs- und Bezugspunkt hierzu ist der entwicklungszentrierte Ansatz in der Krippe.

Dieses Buch ist in erster Linie ein Praxishandbuch, dessen Schwerpunkt in der Vorstellung verschiedenster pädagogischer Überlegungen und Vorgehensweisen für die Arbeit mit Krippenkindern liegt.

Ziel

Dieses Buch richtet sich in erster an Erzieherinnen in Kinderkrippen; aber auch an Tagesmütter und interessierte Eltern. Es soll eine Orientierung für die pädagogische Arbeit in der Krippe darstellen, die durchaus Eingang in die jeweilige Konzeption einer Einrichtung finden oder auch zur Grundlage für die Fort- und Weiterbildung von Erzieherinnen werden kann. Dabei stützen sich die Autorinnen und Autoren auf unterschiedliche gegenwärtige wie historische Grundlagenforschungen wie auch auf ihre eigene Praxiserfahrung.

Inhalt und Aufbau

Das Buch gliedert sich in einen Grundlagen- und einen Anwendungsteil.

Im Grundlagenteil werden eine Reihe wissenschaftlicher Erkenntnisse herangezogen und zusammengefasst, um die Basis für die pädagogische Arbeit mit den 0 – 3-Jährigen zu begründen. Zentrale Themen sind dabei:

  • das Bild vom Kind
  • Lernen in der frühen Kindheit
  • Betreuung und Erziehung in Familie und Krippe
  • Erzieherinnen als Partner
  • Miteinander leben lernen
  • Rahmenbedingungen für die Betreuung

Zentraler Bezugspunkt dieser Kapitel ist die Frage der systematischen und entwicklungsangemessenen Lernbegleitung von Kindern sowie die Frage, welche Aufgaben und Rollen dabei insbesondere der Erzieherin zu kommen und wie sie diese grundsätzlich erfüllen kann. Ergänzt werden diese Ausführungen durch einige Grundlegungen einer systematischen Elternarbeit, die Fokussierung auf die Interaktionen der Kinder untereinander und die Darstellung erforderlicher Rahmenbedingungen.

Im Anwendungsteil mit dem Titel „Pädagogische Gestaltung des Tages in der Krippe“ werden thematisch nach Bildungsbereichen geordnet zentrale Themen der pädagogischen Arbeit in der Krippe sehr anwendungs- und praxisorientiert aufgezeigt:

  • die Eingewöhnungsphase
  • Spielzeit
  • Die Welt der Sprache
  • Sortieren, Ordnen, Vergleichen
  • Wenn Musik erklingt
  • Kritzeln, Malen, Formen
  • Kriechen, Klettern, Werfen
  • Umwelt erfahren
  • Der ganz normale Alltag

Hauptsächlich werden dabei Vorgehensweisen vorgestellt, die die individuelle Entwicklung von Kindern in den unterschiedlichsten Entwicklungsbereichen wie z.B. Sprache oder Motorik durch entsprechende Aktivitäten der Erzieherin zu unterstützen versuchen.

Abgeschlossen wird dieses Buch durch einige Tabellen, die die wichtigsten Entwicklungsschritte von Kindern in den ersten drei Lebensjahren erfassen.

Diskussion

Die Aufteilung in einen Grundlagen- und einen Anwendungsteil ist grundsätzlich sehr zu loben. Lassen doch viele in letzter Zeit veröffentlichter Praxishandbücher gerade jene handlungsbegründenden Überlegungen vermissen.

Jedoch ist kritisch anzumerken, dass dieser Grundlagenteil gemessen an seinem Anspruch viel zu deskriptiv gestaltet wird. So wird z.B. ein durchaus aktuellen wissenschaftliche Erkenntnissen angemessenes Bild vom Kind entwickelt, dieses jedoch nicht konkret genug in den Bezug zu wissenschaftlichen Begründungszusammenhängen gestellt. Hier bleibt es fast durchgängig bei der beschreibenden Darstellung.

So wird schon zu Beginn der Begriff des impliziten Lernens eingeführt, aber es fehlt dann die Erklärung dazu, wie man sich diesen Prozess vorzustellen hat. Dies wird dann an späterer Stelle zum Problem, wenn der Frage nachgegangen wird, wie jener Form kindlichen Lernens methodisch-didaktisch begegnet wird. Dabei wird deutlich, dass sich in den vielen Praxisbeispielen das Verhältnis von individueller Prozessierung von Lernen und dessen sozialer Konstruktion, auch durch die Erwachsenen, nicht stimmig auflöst. Ein Indikator hierfür man die vielfältige Verwendung des Begriffes „Beschäftigung“ sein, der immer wieder die Nähe zu einer überwiegenden Instruktionspädagogik vermuten lässt, auch wenn fast durchgängig für eine sehr individualisierte und entwicklungsangemessene Pädagogik gesprochen wird.

Eine vergleichbare Ambivalenz kann ebenso in der Bewertung der Beziehungen zu den Kindern beobachtet werden. An vielen Stellen wird die gerade in diesem Ater so grundlegende Bedeutung der Beziehung zu den Kindern betont und z.B. im vorgeschlagenen Eingewöhnungskonzept auch angemessen realisiert. In der Gesamtbetrachtung dieses Buches treten jedoch die Anregungen zur direkten inhaltlich orientierten Arbeit mit den Kindern gegenüber den Anregungen zur angemessenen Beziehungsgestaltung in den Hintergrund. Gute Ansatzpunkte hierzu hätten z.B. die Ausführungen zur täglichen Pflege geboten.

Grundsätzlich ist allerdings die Vielfalt der vielen stimmigen Anregungen für die Gestaltung des Alltags in einer Kinderkrippe zu loben. Hier liegt eindeutig die Stärke dieses Buches und dabei wird es auch seinem Anspruch voll gerecht.

Fazit

So wird auch strotz der oben ausgeführten Unstimmigkeiten ein gutes Votum für eine kindorientierte und entwichlungsangemessene Pädagogik in der Krippe vorgestellt, das in vielen Praxisstellen eine fruchtbare Diskussion zur konzeptionellen Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit anstoßen kann.

Für den Bereich der Aus-, Fort und Weiterbildung ist es aufgrund der mehr deskriptiven Darstellung der Grundlagen nur bedingt einsetzbar.

In der Summe hebt sich dieses Buch aufgrund seiner systematischen Anlage und seines Plädoyers für eine kindorientiert geplante Bildungsarbeit in der Kinderkrippe positiv aus der Reihe der derzeitigen Veröffentlichungen heraus.


Rezensent
Prof. Dr. Helmut Lechner
Hochschule München
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Zitiervorschlag
Helmut Lechner. Rezension vom 27.01.2010 zu: Christine Weber (Hrsg.): Spielen und Lernen mit 0- bis 3-Jährigen. Cornelsen Scriptor (Berlin) 2009. 3., vollst. überarbeitete und erweiterte Auflage. 206 Seiten. ISBN 978-3-589-24658-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7884.php, Datum des Zugriffs 23.10.2014.


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