Anja Ballis, Doris Fetscher (Hrsg.): E-Learning in der Hochschule
Anja Ballis, Doris Fetscher (Hrsg.): E-Learning in der Hochschule. Diskurse, Didaktik, Dimensionen. kopaed verlagsgmbh (München) 2009. 149 Seiten. ISBN 978-3-86736-066-1. 16,80 EUR.
Reihe: eLearning - 5.
Thema
Unter der Prämisse, dass „die Notwendigkeit der Integration von Informations- und Kommunikationstechnologien in die Hochschullehre als unbestritten“ gilt, geht es den Herausgeberinnen darum, didaktisches Design und die Modellierung von diskursivem Lernen in geisteswissenschaftlichen und medienwissenschaftlichen Fächern darzulegen, sowie praktische Umsetzungsbeispiele zu geben. Ein Teil der Beiträge wurde in einem Workshop an der Universität Augsburg zu „E-Learning in der Hochschullehre“ 2006 diskutiert.
Herausgeberinnen
Anja Ballis, Prof. Dr. phil. Habil., arbeitet als Professorin für Literarisches Lernen an der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Verknüpfung von fachspezifischen Inhalten mit medialen Umsetzmöglichkeiten, vor allem im Bereich Lesen in medialen Kontexten.
Doris Fetscher, Prof. Dr. phil., bekleidet die Professur für Interkulturelles Training an der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der interkulturellen Kommunikation im virtuellen Raum mit dem Schwerpunkt Videoanalyse und Videofeedback.
Aufbau
Der Aufbau des Buches gliedert sich in die vier Hauptteile
- \„Einleitung\“,
- \„Lernkultur und didaktische Konzepte\“,
- \„Innovative Seminarkonzepte\“ und
- \„Perspektivierungen\“.
Inhalte
In der „Einleitung“ nehmen Anja Ballis und Doris Fetscher „Positionsbestimmungen“ zu „E-Learning in den Geisteswissenschaften“ vor. Sie halten fest, dass in den Geisteswissenschaften die Modellierung von Diskursen im virtuellen Raum eine große Herausforderung ist.
Im zweiten Teil („Lernkultur
und didaktische Konzepte“) wird in zwei Artikeln das Thema
„Lernkultur und didaktische Konzepte“ beleuchtet.
In „E-Learning und Didaktik in der Hochschullehre –
Mediale und pädagogische Herausforderungen“ setzt sich
Anja Ballis mit dem Zusammenspiel von didaktischem Design und
Lernprozessen in drei Beispielen auseinander. Diskurse werden in
Foren modelliert, wobei klare Rollen und transparente Prozesse zum
Beitragen motivieren. Stärker instruktionale Aufgaben
erleichtern unerfahrenen Studierenden den Einsteig in die virtuelle
Welt. Ein konstruktivistisches Design motiviert und ermöglicht
Innovation.
Laura Ascari beschreibt in „E-learning
education and applications in human sciences“ die Umsetzung
eines kollaborativen, konstruktivistischen Designs in einem
Masterstudiengang der Universität Florenz sowie in einem
Online-Kurs der Universität Modena. Das „wrap around“
lerner-zentrierte Design beinhaltet eine offene Aufgabenstellung zu
Beginn, die die Studierenden motiviert, sich mit dem Thema umfassend
auseinanderzusetzen und voneinander zu lernen. Erst am Ende des
Prozesses werden die Ergebnisse preäsentiert.
“Innovative
Seminarkonzepte“ werden im dritten Teil vorgestellt.
Doris Fetscher berichtet über
„Virtuelle und semivirtuelle Seminare im Interkulturellen
Lernkontext”, die aufgrund von überfüllten Seminaren
und steigenden Studierendenzahlen im Fach „Deutsch als
Fremdsprache“ an der Universität Augsburg eingeführt
wurden. Eine besondere Herausforderung besteht dabei in der
Heterogenität der Studierenden, insbesondere wegen des großen
Anteils an internationalen Studierenden. Die Nutzung des Forums
ermöglicht den Studierenden den Austausch und der Dozentin die
kontinuierlichen Leistungskontrolle. Durch E-Learning wird
Motivation und Verbindlichkeit geschaffen, insbesondere die
Vorstellungsrunde bildet den Anfang des gruppendynamischen Prozesses.
Wichtig stellt sich die Heranführung der Studierenden an Kritik
und Korrektur im interkulturellen Kontext heraus.
Volker
Druba setzt sich in „Always online? Modellierung und
Reflexion virtueller Kursräume in der Deutschlehrerausbildung“
mit dem Einsatz der neuen Medien im Deutschunterricht auseinander.
Die Verwendung des Computers als Kommunikationswerkzeug braucht
prozessorientierte Lese- und Schreibkompetenzen der im Lernprozess
Beteiligten.
Das
Buch schließt mit praktischen Umsetzungsbeispielen im Kapitel
„Perspektivierungen“.
Erika Ladurner
und Carina Sommer berichten über die „Top-down
Einführung der Lernplattform moopaed an der Pädagogischen
Hochschule Weingarten“. Nach der Plattformevaluation werden
Gespräche mit den zukünftigen BenutzerInnen geführt,
um ihre Wünsche auch an begleitende Services wie Support,
Beratung und Schulung abzufragen. Um ein kontinuierliches technisches
Service anbieten zu können, werden Hosting und technische
Betreuung der Plattform extern vergeben.
In seinem Beitrag
„Eine Lernplattform für mich alleine?“ setzt sich
Richard Leinstein mit der Entwicklung der „Lernplattform
Unilearn am Schnittpunkt Schule und Hochschule“ auseinander,
die als Studierendenprojekt angelegt ist. Dabei werden als Ergänzung
zum vorigen Artikel Stärken und Schwächen eines „Bottom-up“
Ansatzes dargestellt.
Zu guter Letzt befasst sich Tillman
Graach mit der veränderten Rolle der Lehrenden im Artikel
„Lächelnd an der Front – der E-tutor zwischen
Theorie und Praxis“ aus seiner persönlichen, mehrjährigen
Erfahrung als E-Tutor.
Diskussion
„Der Einsatz von eLearning ist noch keine pädagogische Innovation“, die Lehrenden sind aufgerufen, sich bewusst mit dem gewählten didaktischen Design in Hinblick auf Lernprozesse und Lernergebnisse auseinanderzusetzen. Besonders die beiden Artikel der Herausgeberinnen liefern theoretische und praktische Einblicke, wie diese Auseinandersetzung kreativ und vielfältig geführt werden kann. Wesentliche Ingredienzien für den Ablauf von Diskursen im virtuellen Raum sind Emotionen und das Arbeitsklima, die eigene Kultur (gerade im interkulturellen Kontext, jedoch nicht nur dort) sowie die Rollen, die eingenommen werden können. Durch die automatische Dokumentation ist eine Analyse des Diskurses möglich, die in einem Präsenzseminar schwer durchzuführen wäre. Im Sinne eines konstruktivistischen Ansatzes agieren die Studierenden als VerwalterInnen eigener virtueller Räume.
Einige Artikel erläutern konkrete Umsetzungsbeispiele. Besonders hervor streichen möchte ich die bunte, abwechslungsreiche Auseinandersetzung im experimentellen Seminar zu interaktiven Medientechnologie. Studierende erforschen aktuelle Themen der Medientechnologie und wenden diese Technologien gleichzeitig auch an. Im Artikel zur Modellierung virtueller Räume für die Ausbildung von DeutschlehrerInnen eröffnet die Übertragung des Konzepts von „defensivem“ und „expansiven“ Lernen in die virtuelle Welt neue Perspektiven auf E-Learning. Im Sinne der Ermöglichung expansiver Lernprozesse stehen den Lernenden unterschiedliche Werkzeuge wie Journale, E-Portfolios, WIKIs, Ö zur Verfügung. Dabei zeigt sich, dass perspektivische Divergenzen Diskurse in virtuellen Kursräumen begünstigen.
Die Artikel im letzten Kapitel des Buches setzen sich eher pragmatisch und mit wenig theoretischem Hintergrund mit Rahmenbedingungen für die Implementierung einer Lernplattform sowie mit der Arbeit eines E-Tutors auseinander. Hier werden bereits beschriebene und möglicherweise auch bereits erlebte Erfahrungen prägnant dargestellt, ohne besonders in die Tiefe zu gehen.
Fazit
Alles in allem ist dieses Buch lesens- und empfehlenswert. Gerade die Sicht aus der Perspektive der Geisteswissenschaften macht den Reiz des Buches, welches auf vielen Erfahrungen der Nutzer und NutzerInnen mit Technik und Didaktik basiert. Didaktische Themen insbesondere die Rolle des Diskurses im virtuellen Kursraum werden vertieft behandelt.
Rezensentin
Dr. Jutta Pauschenwein
Homepage www.fh-joanneum.at/zml
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Zitiervorschlag
Jutta Pauschenwein. Rezension vom 10.10.2009 zu: Anja Ballis, Doris Fetscher (Hrsg.): E-Learning in der Hochschule. kopaed verlagsgmbh (München) 2009. 149 Seiten. ISBN 978-3-86736-066-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7889.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.
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