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Bernd Groot-Wilken, Tanja Kaseric: Sprechanlass Alltag

Cover Bernd Groot-Wilken, Tanja Kaseric: Sprechanlass Alltag. Kindorientierte Angebote und Projektarbeit zur Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen. Cornelsen Scriptor (Berlin) 2009. 141 Seiten. ISBN 978-3-589-24553-6. 19,95 EUR, CH: 35,50 sFr.

Reihe: Frühe Kindheit - Sprache & Literacy.

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Thema

Die Autoren möchten in ihrem Buch Möglichkeiten für kindorientierte Angebote zur Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen aufzeigen.

Aufbau und Inhalt

Im ersten Kapitel geben sie zunächst einen anschaulichen Einblick in die theoretischen Grundlagen des Spracherwerbs und skizzieren kurz und prägnant Störungen der Sprachentwicklung mit Hinweis auf eine notwendige Überweisung an Experten .Zudem wird auf die möglichen Probleme im Spracherwerb für Kinder mit Migrationshintergrund hingewiesen. Weiterhin findet sich in diesem Kapitel eine Liste mit Tests zur Sprachstandserfassung.

In Kapitel 2 werden auf allgemein pädagogische Grundlagen eingegangen wie z.B. dem Bild vom Kind, Kompetenz der Fachkräfte, kindorientierte Pädagogik und die Wichtigkeit der sprachlichen Förderung nochmals deutlich herausgearbeitet. Die Fachkräfte erhalten Vorlagen für Dokumentationsbögen um den Spracherwerbsstand festzuhalten. Ziel der Autoren ist praktische Möglichkeiten der Umsetzung von Sprachförderung in der Kindertageseinrichtung darzulegen. Hierbei soll der Schwerpunkt des Angebotes in alltäglichen Aktivitäten sowie Projektarbeiten bestehen. Beobachtungsbögen und Dokumentationsvorlagen sollen die Umsetzung einer effizienten und effektiven Spachbegleitung- und förderung unterstützen.

Im 3. Kapitel findet sich ein weiteres Ziel der Autoren: Selbsthilfebuch für pädagogische Fachkräfte zu sein, um sich schnell und themenzentriert vorzubereiten. Auch hier findet sich ausführliches Material zur Dokumentation von Entwicklungsverläufen in der sprachlichen Entwicklung, zum Spracherwerbsstand und Beobachtungsbögen zudem wird ermutigt einzelne Elemente in die KiTa zu integrieren, sowie eigenständige Ergänzungen und Modifizierungen des angegebenen Materials durchzuführen. Da es sich laut Autoren um beispielhaftes Material handelt. Ein Unterkapitel beschäftigt sich ausführlich mit Projektarbeit. Dabei fordern die Autoren ausdrücklich Teamarbeit in der Kita bei der Entwicklung neuer und eigener Fragestellungen.

So ist es nur logisch, dass die Autoren im vierten Kapitel ein „Teamentwicklungsmodel zur Implementierung sprachlicher Förderung und Begleitung“ vorstellen mit dem Ziel durch detaillierte Anweisungen dies praktisch umzusetzen.

Im „Ausblick“ weisen die Autoren ausdrücklich darauf hin „dass der Entwicklungsprozess eines Sprachförderkonzepte bei aller Professionalität des Teams nur dann erfolgreich sein kann, wenn diesem auch genügend Ressourcen zur Verfügung stehen“ (S.137). Allerdings frage ich mich, welcher KiTa stehen genügend Ressourcen zur Verfügung?

Diskussion

Den Autoren ist es meiner Ansicht nach gelungen, auf die Notwendigkeit der Sprachförderung im frühesten Kindesalter (je früher um so besser) hinzuweisen und darzustellen welche hohe Bedeutung der sprachfördernden Kompetenz der pädagogischen Fachkräfte in der KiTa zufällt,(wobei sie eine deutliche Abgrenzung zur notwendigen Sprachförderung bei Sprachentwicklungsstörungen durch Experten hervorheben). Somit ergibt sich ein hoher Anspruch an pädagogisches Fachpersonal:

  1. Die Fachkraft soll die Sprachliche Kompetenz der Kinder korrekt einschätzen können und ihren Sprachstil individuell dem Sprachstand des Kindes anpassen.
  2. Sie soll Sprachstandserhebungen, Beobachtungen, Entwicklungen schriftlich dokumentieren und vergleichen.
  3. Sie soll ein gutes Sprachvorbild sein.
  4. Sie soll ihren Sprachgebrauch reflektieren
  5. Sie soll sich im Team absprechen, damit eine „Bruchfreie“ Sprachförderung möglich ist.
  6. Sie soll Kooperationspartner finden.

In Anbetracht des realen Kindertagesstättenalltags stellt dies einen kaum zu leistenden Arbeitsaufwand dar und steht damit im Widerspruch zur eigentlichen Zielsetzung der Autoren.

Bei der Bearbeitung des Buches wird die Dringlichkeit zukünftig im Arbeitsleben Ressourcen zur Durchführung einzufordern sehr deutlich. Persönlich stelle ich mir unter dem Titel „Sprechanlass Alltag-kinderorientieret Angebote und Projektarbeit zur Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen“ ein handliches Nachschlagewerk vor, in dem ich kurze Beispieldialoge sowie Satzbausteine, Redewendungen, Sprechanlässe, Idee und konkrete Sprachwendungen finde um ein Gespräch in Gang zu bringen beziehungsweise Kinder in ihren sprachlichen Äußerungen im Alltag zu ermutigen und zu unterstützen. Eine theoretische Einführung in die Sprachentwicklung, wie sie im ersten Kapitel gelungen ist, könnte dem Leser Verständnis und Erklärungen für die dargebrachte Äußerung des Kindes vermitteln und ihn ermutigen mit Achtsamkeit ein Kind sprachlich im Alltag (ohne Übungssequenz) zu fördern. Zudem wird deutlich, dass der Sprachförderung in der KiTa eine entscheidende Rolle in der frühkindlichen Bildung zufällt. Denn die „sprachliche Kompetenz“, also inwieweit sich ein Kind adäquat zu verstehen geben kann, beeinflussen den Lebens-uns Bildungsweg von Kindern maßgeblich.

Fazit

Für mich ist das vorliegende klar gegliederte Buch ein Arbeitsbuch, das in der wissenschaftlichen Hochschulausbildung von ErzieherInnen als Basisliteratur genutzt werden könnte, indem es die Studenten theoretisch für die Notwendigkeit einer Sprachfördermaßnahme in der Kita sensibilisiert und deren Installation vorbereitet.


Rezensentin
Petra Pütz-Frohneberg
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Zitiervorschlag
Petra Pütz-Frohneberg. Rezension vom 03.12.2009 zu: Bernd Groot-Wilken, Tanja Kaseric: Sprechanlass Alltag. Cornelsen Scriptor (Berlin) 2009. 141 Seiten. ISBN 978-3-589-24553-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7892.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.


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