Werner Michl: Erlebnispädagogik
Werner Michl: Erlebnispädagogik. UTB FÜR WISSENSCHAFT (Stuttgart) 2009. 96 Seiten. ISBN 978-3-8252-3049-4. D: 9,90 EUR, A: 10,20 EUR, CH: 18,90 sFr.
Reihe: UTB S (Small-Format).
Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-8252-3606-9 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
Autor
Werner Michl ist Professor für Soziale Arbeit, lehrt an der OHM-Hochschule Nürnberg und seit Jahrzehnten als Autor und Herausgeber im Bereich Erlebnispädagogik bekannt. Er weist umfangreiche Erfahrungen in verschiedenen Organisationen auf, auch in Leitungspositionen. Der im UTB- und im Ernst-Reinhardt-Verlag erschienene Band intendiert eine Einführung in
die Erlebnispädagogik.
Aufbau und Inhalt
Das Werk ist in 7 Kapitel gegliedert:
- Geschichte: Woher kommt die Erlebnispädagogik
- Kurt Hahn: Wie wird Erlebnistherapie zur Pädagogik?
- Die Wiederentdeckung der Erziehung: Was hat die Erlebnispädagogik dazu beigetragen?
- Lernmodelle: Last oder Lust des Lernens?
- Von der Praxis zur Forschung: Wie wirkt Erlebnispädagogik?
- Metaphorische Lernen: Königswege oder Sackgassen?
- Erlebnispädagogische Aktivitäten: Was und wie?
Ein Sachregister erleichtert die gezielte Suche nach Fachbegriffen und Inhalten.
Die Kapitel sind gut gegliedert, bieten neben erklärenden Passagen auch Definitionen, Merksätze und Beispiele aus der erlebnispädagogischen Arbeit, die den Text ergänzen und mögliche praktische Umsetzung theoretischer Überlegungen bieten. Angenehm gestaltete handgezeichnete und -beschriftete Graphiken und Modelle illustrieren und veranschaulichen.
Diskussion
Wer die verschiedenen Auflagen von Erleben & Lernen von Bernd Heckmair und Werner Michl kennt, die regelmäßig aktualisiert und um weitere Aspekte ergänzt wurden, ist erst einmal kritisch, inwieweit ein deutlich dünneres Werk (94 Seiten im Format 12x18 cm) die gleiche Aufgabe leisten kann, eine Einführung in die Erlebnispädagogik zu bieten.
Was folgt, ist eine angenehme Überraschung. Werner Michl hat dicht formuliert und vieles, was wortreich beschrieben werden kann, auf den Punkt gebracht. Kritische Themen, kontroverse Positionen und verschiedene Sichtweisen werden trotz der beabsichtigten Kürze des Werks angesprochen – beispielsweise wird der Begriff der Abenteuerpädagogik kritisch hinterfragt (S. 12), werden Vor- und Nachteile verschiedener erlebnispädagogischer Modelle (Kapitel 4) und Reflexionsmethoden vorgestellt.
Positiv zu erwähnen ist auch der – wenngleich notwendigerweise knappe – Überblick über erlebnispädagogische Forschung. Dass beim Anspruch einer überschaubaren Einführung Schwerpunkte gesetzt werden müssen und nicht jede Position zum Zug kommen kann, versteht sich von selbst.
Kapitel 7 bringt Anliegen, Ansätze und Möglichkeiten der konkreten Umsetzung gut zusammen und berücksichtigt dabei aktuelle Trends wie die Rückbesinnung auf das Wandern.
Fazit
Wer eine knappe Einführung in Erlebnispädagogik, ihre Zielgruppen Anwendungsfelder und in verwandte Konzepte sucht, ist auf jeden Fall gut bedient. Trotz der Kürze fällt dieser Überblick erstaunlich differenziert aus. Wer von vorneherein mehr Zeit aufwenden will, kann das Werk als Ergänzung zu anderer Literatur gegenlesen – auch der entsprechend Vorgebildete findet anregende Passagen. Oder man nimmt die „Erlebnispädagogik“ als Ausgangspunkt und vertieft dann gezielt einzelne Themen.
Da erfahrungsgemäß ein Teil der Studierenden zur Seminarvorbereitung nicht gerne 300 Seiten liest, ist das vorliegende Werk eine gute Möglichkeit, um einen ersten Überblick zu bekommen und die Basics vorauszusetzen.
Rezensent
Dr. Thomas Eberle
Homepage www.thomas-eberle.de
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Zitiervorschlag
Thomas Eberle. Rezension vom 12.03.2010 zu: Werner Michl: Erlebnispädagogik. UTB FÜR WISSENSCHAFT (Stuttgart) 2009. 96 Seiten. ISBN 978-3-8252-3049-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7931.php, Datum des Zugriffs 09.02.2012.
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