Uschi Backes-Gellner, Stephan Veen (Hrsg.): Altern, Arbeit und Betrieb
Uschi Backes-Gellner, Stephan Veen (Hrsg.): Altern, Arbeit und Betrieb. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Stuttgart) 2009. 157 Seiten. ISBN 978-3-8047-2544-7. 24,00 EUR, CH: 40,80 sFr.
Reihe: Altern in Deutschland - Band 3. Nova acta Leopoldina - Nr. 365 - Band 101.
Thema und Herausgeber
Der Band 3 setzt sich mit dem viel diskutierten Thema älterer Arbeitnehmer im Betrieb auseinander. Herausgeber sind Uschi Backes- Gellner, Professorin am Institut für Strategie und Unternehmensökonomik an der Universität Zürich und Stephan Veen, der an derselben Einrichtung beschäftigt ist. Die Erkenntnisse des vorliegenden Bandes waren Gegenstand der Tagung „Arbeit, Altern und Betrieb“, die im Januar 2006 stattfand. Es werden insbesondere Produktivitäts- und Beschäftigungseffekte untersucht, die erste Antworten auf die Beschäftigung Älterer unter dem demografischen Wandel geben sollen.
Aufbau
Band 3 ist in drei Teile mit jeweils ein bis fünf Kapiteln unterschiedlicher Länge untergliedert.
1. Forschungsstand
Neben einem Vorwort enthält der erste Teil, der dem „Forschungsstand“ gewidmet ist, ein Kapitel von der Herausgeberin zum Thema „Beschäftigung älterer Arbeitnehmer im Spiegel bisheriger Forschung“. Sie stellt die auf der Tagung gehaltenen Beiträge vor, wobei in einem betont wird, dass ca. 40% der Betriebe keine Älteren beschäftige, das träfe insbesondere auf Kleinbetriebe zu.
2. Neue Forschungsbeiträge der Akademiengruppe
Teil zwei „Neue Forschungsbeiträge der Akademiengruppe“ wird mit einem ersten Kapitel „Betriebliche Altersstrukturen und Produktivitätseffekte“, von den beiden Herausgebern des Bandes 3 geschrieben, eingeleitet (S.29). Sie betrachten die sich verändernde Alterszusammensetzung und die Effekte, die sich daraus für die Unternehmen ergeben. So würde sich das Durchschnittsalter der Erwerbsbevölkerung in den nächsten zwanzig Jahren von 29 Jahren auf 42 Jahre erhöhen und der Anteil der über 55 – Jährigen von 12% auf fast ein Viertel aller Arbeitnehmer mehr als verdoppeln. Die weiteren Ausführungen setzen sich sowohl mit negativen als auch positiven Effekten von Altersheterogenität in Teams auseinander. So würde diese tendenziell die Identifikation, Integration und Kohäsion in Gruppen erschweren, was zu sinkender Produktivität und steigender Fluktuation führen könnte sowie zu Wertkonflikten infolge unterschiedlicher Sozialisation (S. 37). Vorteile altersheterogener Arbeitsgruppen könnten dagegen Komplementaritäts- und Kompositionseffekte sein, die in einer höheren Vielfältigkeit, mehr Lösungsansätzen und Kreativität sowie einer geringeren Dominanz einer Altersgruppe bestünden. In eher innovativen Betrieben zeigten sich ebenso positive Effekte, wohingegen sich bei Aufgaben, die eine schnelle Koordination verlangten, eher eine Altershomogenität von Vorteil wäre.
Thomas Zwick (München) ist der Autor des zweiten Kapitels, das mit dem Titel überschrieben ist „Senioritätsentlohnung in Deutschland im internationalen Vergleich“. In Deutschland gäbe es einen positiven Zusammenhang zwischen der Dauer der Betriebszugehörigkeit und den Löhnen. So lägen die Durchschnittslöhne der über 50- Jährigen Männer mehr als 150% höher als der 25 – 29- Jährigen, bei den Frauen sind es ca.120% (S. 66). Im Durchschnitt würde die jährliche Lohnsteigerung mit höherer Betriebszugehörigkeit bei ca. 4% liegen und weitgehend linear verlaufen. Gegenüber anderen Ländern sei deshalb die Senioritätsentlohnung relativ hoch.
Auch das folgende Kapitel wurde von Thomas Zwick zum Thema „Die Beschäftigungskonsequenzen von Senioritätsentlohnung in Deutschland“ verfasst. Er untersucht hier, ob Unternehmen mit einem starken Senioritätsentlohnungsprofil eine veränderte Beschäftigungsstruktur aufweisen. Zwick kommt zum Schluss, dass überdurchschnittliche Lohnerhöhungen der Beschäftigten im Verlauf der Betriebszugehörigkeit mit einem geringeren Durchschnittsalter der Beschäftigten einhergingen, der Anteil der neu eingestellten über 50 – Jährigen zudem signifikant geringer sei (S. 85).
Das vierte Kapitel in englischer Sprache „Employment Risks and Opportunities for an Ageing Workforce in the EU“ von Miriam Hartlapp und Günther Schmid (Berlin) analysiert die Beschäftigungssituation Älterer in den EU – Mitgliedsländern. Arbeitslosigkeit sei vor allem ein Geschlechtsproblem, weil Frauen durchschnittlich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten als Männer, wobei sich lebenslanges Lernen dann besonders auszahle und zwar sowohl für den Arbeitnehmer als auch den Arbeitgeber, wenn dieses schon in frühen Altersphasen begänne, damit die „Früchte“ noch geerntet werden könnten.
Das fünfte und letzte Kapitel dieses zweiten Teils „Die Beschäftigung älterer Menschen in Japan – Ursachen und Rahmenbedingungen einer hohen Alterserwerbsquote“ von Harald Conrad (Sheffield) geschrieben, geht der Frage nach, warum in diesem Land die höchsten Beschäftigungsraten älterer Menschen zu verzeichnen sind (S. 111). Japan ist das Land mit der am schnellsten alternden Bevölkerung aller OECD Staaten, die zudem von derzeit ca. 85 auf 49 Millionen schrumpfen wird, so dass ein erheblicher Anpassungsdruck auf das System der sozialen Sicherung besteht. Da zwischen der Ruhestandsgrenze der Betriebe (ca. bei 55 Jahren) und dem regulären Renteneintrittsalter der öffentlichen Altersrentenversicherung immer eine zeitliche Lücke bestand, gäbe es nach der Ruhestandsgrenze zwei Systeme: die Weiterbeschäftigung bei niedrigem Gehalt oder die Wiedereinstellung mit in der Regel einjähriger Befristungszeit. Gegenwärtig würden sozialversicherungsrechtliche Regelungen, das Renteneintrittsalter auf 65 Jahre zu erhöhen und arbeitsmarktpolitische Instrumente für ältere Arbeitnehmer erprobt. Eine Übertragung auf deutsche Verhältnisse sei aber nur sehr eingeschränkt möglich und sinnvoll (S. 137).
3. Ausblick
Der dritte Teil des dritten Bandes „Ausblick“ genannt, enthält ein letztes Kapitel von Uschi Backes- Gellner zu „Ergebnisse und Schlussfolgerungen“. Sie arbeitet zunächst noch einmal die wichtigsten neuen Erkenntnisse des vorliegenden Bandes heraus und versucht danach, Empfehlungen für eine längere Beschäftigung Älterer zu erarbeiten. So schlägt Gellner vor, zwei Aspekte zu berücksichtigen: an der Veränderung der Produktivität im Alter und am Einkommen. Einen wirklichen Hebel würde nur die Bündelung spezifischer Aktivitäten im Rahmen einer Age- und Diversity- – Management – Strategie liefern.
Fazit
Der vorliegende dritte Band aus der neunbändigen Ausgabe „Altern in Deutschland“ist der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer im Betrieb gewidmet. Er ist wie die bisher rezensierten Bände auch spezifisch für einen Schwerpunkt – für den Zusammenhang Alter, Bildung und Betrieb - aufbereitet und bietet insbesondere Personalführungen wichtige Empfehlungen, deckt Hintergründe auf und benennt mögliche neue Lösungswege. Infolge dieser Spezifik gelingt eine tiefgründige wissenschaftliche Durchdringung der Thematik, die es zulässt, auch in ferneren Ländern nach möglichen Adaptionen für Deutschland zu suchen. Besonders dieser Band ist frei von Redundanzen, weil kurz und prägnant auf die wichtigsten Entwicklungen verwiesen wird, obgleich auch auf ausführliche Berechnungen beispielsweise für Regressionskoeffizienten oder andere spezifische Aspekte, die nur für einen Insider nachzuvollziehen sind, hätte verzichtet werden können.
Rezensentin
Prof. Dr. habil. Gisela Thiele
Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
Berufungsgebiete Jugendsoziologie und Gerontologie
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Zitiervorschlag
Gisela Thiele. Rezension vom 11.03.2010 zu: Uschi Backes-Gellner, Stephan Veen (Hrsg.): Altern, Arbeit und Betrieb. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Stuttgart) 2009. 157 Seiten. ISBN 978-3-8047-2544-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7940.php, Datum des Zugriffs 09.02.2012.
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