Stefan Kühne, Gerhard Hinterberger (Hrsg.): Handbuch Online-Beratung
Stefan Kühne, Gerhard Hinterberger (Hrsg.): Handbuch Online-Beratung. Vandenhoeck und Ruprecht (Göttingen) 2009. 264 Seiten. ISBN 978-3-525-40154-5. 29,90 EUR.
Thema
Die Online-Beratung erfreut sich als niederschwelliges Beratungsangebot in den letzten Jahren steigender Beliebtheit. Von den einen wird die Online-Beratung aufgrund der eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten im Internet kritisch bewertet, andere sehen gerade in den neuen Informationstechniken neue Chancen und Zugangsformen für den Beratungsalltag.
Ziel der vorliegenden Publikation ist es, die zahlreichen theoretischen Überlegungen und erste Evaluationsergebnisse zum Thema zusammen zu fassen. Ebenso kommen Erfahrungsberichte aus der Praxis des psychosozialen Beratungsalltags nicht zu kurz. Chancen und Grenzen dieses neuen Mediums werden im Handbuch in Bezug auf ausgewählte Zielgruppen differenziert geprüft.
Herausgeber
- Hintenberger, Gerhard; Mag., Psychotherapeut und Supervisor, Lehrtherapeut und Lehrbeauftragter für integrative Therapie an der Donau- Universität Krems, Gründer und Mitherausgeber e-beratungsjournal.net und Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Online-Beratung (ÖGO). Mitglied im Fachausschuss Online-Beratung der Kath. Bundeskonferenz für Ehe-Familien- und Lebensberatung.
- Kühne, Stefan, Dipl. Erwachsenenbildner, Stud. der Germanistik, Geschichte und Philosophie, Gründer und Mitherausgeber e-beratungsjournal.net und stellv. Vorsitzender der Österreichischen Gesellschaft für Online-Beratung (ÖGO). Leiter von wienXtra-jugendinfo. Zahlreiche Vorträge und Fortbildungen zum Thema Online-Beratung.
u.a. Autoren/innen
Aufbau
Die vorliegende Publikation führt den Leser und die Leserin in sieben Schritten von theoretischen Überlegungen über die technischen und methodischen Ansätze, über zielgruppenspezifische Projekte hin zur Formulierung von Qualitätsstandards und Kriterien für die Ausbildung von professionellen Online-Beratern und Beraterinnen.
- Online-Beratung – eine Einführung (Beiträge von: Gerhard Hintenberger, Stefan Kühne)
- Theorie der Online-Beratung ( Beiträge von: Alexander Brunner, Karlheinz Benke)
- Medien der Online- Beratung (Beiträge von: Birgit Knatz, Gerhard Hintenberger, Alexander Brunner, Emily Engelhardt, Triz Heider, Nicola Döring, Christiane Eichenberg)
- Methodische Ansätze der Online-Beratung (Beiträge von: Birgit Knatz, Bettina Zenner , Ludo Gielen, Claudia Beck, Florian Klampfer, Mario Lehenbauer, Birgit U. Stetina)
- Zielgruppenspezifische Online-Beratung (Beiträge von: Sandra Gerö, Bettina Zehetner, Josef Lang, Werner Bock)
- Qualitätsstandards der Online-Beratung (Beiträge von: Petra Risau, Franz Eichenbenz)
- Qualifizierung für Online-Beratung (Beitrag von: Stefan Kühne)
Der Band schließt mit einem ausführlichen Autorenverzeichnis und einer weiterführenden Literaturliste ab. Hilfreich ist am Ende des Buches ein kurzes Stichwortverzeichnis.
Inhalte
Als theoretischen Ansatz der Online-Beratung beschreibt Brunner im II. Kapitel vier zentrale Themenfelder: Kommunikation/Interaktion, Beziehung/Gefühle, Kontext/Raum, Person/Identität (S. 28). Beratung als computervermittelte Kommunikation (CvK) sollte sich gegenüber dem Vorwurf wehren, defizititär im Vergleich zur Face-to-Face- Beratung zu sein. Sie sollte besser ihre Vorteile die durch das Schreiben und Lesen entstehen nützen und sich die Reflexion des Umgangs mit den imaginären Bildern und Gefühlen der Ratsuchenden und Ratgebenden für die Online-Beratung dienstbar machen.
Im Kapitel III werden die gängigen Medien der Online-Beratung beschrieben und kritisch bewertet. Diese sind die webbasierte Mailberatung (Knatz, S. 59-67), der Chat als neues Beratungsmedium bestehend aus Gruppenchat oder Expertenchat (Hintenberger, S. 69-78), die Foren-Beratung (Brunner, Engelhardt, Heider, S.79 -90) und Klinisch-psychologische Interventionen mit Hilfe des Mobiltelefons (Döring, Eichenberg, S. 91-101).
Knatz entwirft im IV. Kapitel ein Vier-Folien-Konzept als methodischen Ansatz der Online-Beratung in dem es um den Aufbau einer Beratungsstruktur und vor allem um die Kompetenz der Berater/innen geht, „Zwischen den Zeilen lesen zu lernen“ (S. 105). Dieser Gedanke aus dem geschriebenen Text Stimmen und Stimmungen zu hören und zu reflektieren wird im folgenden Aufsatz von Zenner und Gielen vertieft. Er wird als „dialogischer Ansatz“ (S. 117) beschrieben. Der Leser und die Leserin werden im Folgenden von Beck durch die Interpretation von Sprachbildern in das Handwerkszeug der Beratung, bezeichnet als „systematische Metapheranalyse“ eingeführt (S. 131). Aus Herausforderung für Supervisor und Supervisanden skizziert Klamper ein Modell der „Online-Supervision im Gruppenchat“ (S.144). Erste empirische Ergebnisse liegen auch zu interaktiven Programmen und virtuellen Simulationen, eine anonyme Form der Psychotherapie über Second Life vor (Lehenbauer, Stetina, S. 156).
Die beschriebenen Hilfsangebote im Kapitel V kommen u.a. aus dem Bereich der frauenspezifischen Online-Beratung, der Gesundheitsprävention, und der Nachsorge bei psychosomatischen Erkrankungen.
Die Beschreibung der Qualitätsstandards der Online-Beratung (Kapitel VI) beginnt Risau mit einer Auflistung der technischen Lösungen, insbesondere mit den Anforderungen an den Datenschutz und die Beratungsdokumentation (S. 202-211). Eidenbenz entwirft ein Kompetenzprofil für Berater und Beraterinnen und Checklisten für einen reflektierten Beratungsprozess und dessen Evaluation (S.214-227).
Das Handbuch wird von Kühne im Kapitel VII mit einem Weiterbildungskonzept für Online-Berater und Beraterinnen abgerundet. (S.231-239).
Diskussion
Das Handbuch gibt einen fundierten Überblick über den aktuellen Diskussionsstand der Online-Beratung im deutschsprachigen Raum. Die Autoren spannen einen weiten Bogen von theoretischen und methodischen Ansätzen über die technischen Medien bis zu ausgewählten zielgruppenspezifischen Angeboten. Aufgrund der großen Bandbreite fehlt jedoch der vertiefte Einblick in die einzelnen Themenfelder. So würde man sich noch eine differenzierte theoretische Auseinandersetzung zwischen dem Anspruch der traditionellen Face-to-face-Beratung und der Online-Beratung wünschen.
Fazit
Resümierend ist zu sagen, dass die vorliegende Publikation sowohl für Berater und Beraterinnen in der Praxis als auch für Studierende und Lehrende der Sozialen Arbeit hilfreiches theoretisches und praktisches Wissen über die Herausforderungen der Online-Beratung bietet.
Rezensentin
Prof. Dr. Ursula Mosebach
Dipl. Sozpäd. (FH), Dipl. Pädagogin (Univ), Professorin an der Kath. Stiftungsfachhochschule München, Abt. Benediktbeuern für Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit, Schwerpunkte: Jugendarbeit & Jugendsozialarbeit und Sozialinformatik, virtuelles Studium
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Zitiervorschlag
Ursula Mosebach. Rezension vom 28.10.2009 zu: Stefan Kühne, Gerhard Hinterberger (Hrsg.): Handbuch Online-Beratung. Vandenhoeck und Ruprecht (Göttingen) 2009. 264 Seiten. ISBN 978-3-525-40154-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7947.php, Datum des Zugriffs 09.02.2012.
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