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Karl Prammer: TransformationsManagement

Cover Karl Prammer: TransformationsManagement. Theorie und Werkzeugset für betriebliche Veräünderungsprozesse. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2009. 368 Seiten. ISBN 978-3-89670-707-9. D: 39,00 EUR, A: 40,10 EUR.
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Entstehungshintergrund

Das vorliegende Werk basiert auf Erfahrungen, die der Autor als externer Berater von Veränderungsprozessen in Organisationen gewonnen hat. Er will durch Analyse und Generalisierungen von Wirkmechanismen bei Veränderungsprozessen „Orientierung für das Managen und die Begleitung von Transformationsprozessen“ (S. 11) geben und warnt im Vorwort vor der Gefahr nicht situationsadäquater Anwendung derartiger Leitlinien oder Instrumente.

Aufbau

Das Buch lässt sich grob in fünf Abschnitte unterteilen. Im ersten Abschnitt (Kap. 1 und 2) werden theoretische Grundlagen des Veränderungsmanagements vorgestellt, im zweiten (Kap. 3) folgt eine kurze Beschreibung von vier Fallbeispielen. Der dritte Abschnitt (Kap. 4) befasst sich mit dem Projektmanagement, der vierte Abschnitt (Kap. 5) mit einem Phasenschema eines Veränderungsprozesses und der fünfte Abschnitt (Kap. 6) wendet sich noch einmal dem Thema des Geschäftsprozessmanagements zu. Ein kurzes Resümee schließt das Werk ab.

Inhalt

Die ersten beiden Kapitel des Werks versuchen eine theoretische Grundlegung des Begriffs „Transformationsmanagement“ zu geben. Dieser wenig rezipierte Begriff steht für einen „dritten Weg“, den der Autor zwischen dem allseits bekannten Ansatz der Organisationsentwicklung einerseits und dem eher durch externe fachliche Interventionen, Außensteuerung des Prozesses und geringere Partizipation gekennzeichneten Ansatz einer Gestaltung von Arbeitssystemen sieht. Dass er diesen letztgenannten Ansatz mit dem häufig als Oberbegriff für alle Arten von Veränderungsprozessen verwandten Begriff „Change Management“ belegt, ist ungewöhnlich. Dennoch ist die idealtypische Gegenüberstellung der beiden Ansätze anhand klar definierter Kriterien (S. 30ff.) komprimiert und überzeugend. -

Der Ansatz des Transformationsmanagements versucht eine Art „Königsweg“ zwischen den beiden Ansätze zu realisieren, indem die Eigenheiten des OE-Ansatzes (z.B. Eigenlogik des Systems als Ausgangspunkt) mit den Eigenheiten des Systemgestaltungs-Ansatzes (z.B. externe Logiken, die das System analysieren und prägen) verbunden werden und eine integrative Lösung (z.B. eine Verbindung interner und externer Systemlogik, die sich wechselseitig befruchten) vorgesehen ist. – Diese Integrationssicht führt anhand dreier Vergleichsaspekte (Beschleunigung des Prozesses, Integration der Beteiligten, „Musterwechsel“ (Einstellungsveränderungen)) zu zehn einzeln dargestellten Merkmalen von Transformationsprozessen. An diesen Merkmalen wird die im Einzelfall nicht triviale Wahl einer angemessenen Vorgehensweise zwischen den beiden Ansätzen plausibel und anhand einer ganzen Reihe von Beispielen aus der Beratungspraxis verdeutlicht. Der Umfang der Beispiele und der Detaillierungsgrad der Angaben erschwert gelegentlich, einen Überblick zu behalten; die zusammenfassenden Anmerkungen sind teilweise etwas abstrakt formuliert.

Im nächsten Abschnitt (Kap. 3) stellt der Verfasser vier Fallbeispiele für Transformationsprozesse aus unterschiedlichen settings (global tätiges Großunternehmen, Behörde, Krankenhaus, kommunales Unternehmen) anhand einer standardisierten Kurzbeschreibung (Kennzeichnung, Ausgangssituation, Veränderungsprozess, Resümee) dar. Diese Fallbeispiele geben einen sehr guten Einblick in die Bedingungen und Verfahren systemischer Beratungen. An der Darstellung gefällt insbesondere, dass der Verfasser Veränderungsprozesse nicht als alleiniges Erfolgsprodukt omnipotenter Beratungs-Schamanen sieht, sondern eher als „Puzzle“, in dem Akteure in einem differenzierten Kräftefeld auf den Prozess einwirken und auch für erfahrene Berater ab und an nur der Rückzug aus dem Feld als letzte Möglichkeit bleibt. Etwas kurz kommt in diesem Kapitel die Rückbeziehung auf den Ansatz des Transformationsmanagements, hier hätte ein ausführlicheres, spezifischeres Eingehen auf alternative Vorgehensmodelle zur Klärung des „Königswegs“ beitragen können.

Das Kapitel 4 skizziert die Vorgehensweise des Transformations-Projektmanagements. Unter diesem Begriff versteht der Verfasser eine ausgewogene Berücksichtigung der klassischen Vorgehensweisen und Instrumente des Projektmanagements einerseits und der soft facts, die bei Veränderungsprozessen einzubeziehen sind, andererseits. Basierend auf einem explizierten Grundverständnis der unterschiedlichen Beteiligung von Linien- und Projektfunktionen in Veränderungsprozessen sowie der Einschätzung von Veränderungsenergien idealtypischer Management-Rollen formuliert Prammer insgesamt dreizehn Eckpfeiler eines erfolgreichen Transformations-Projektmanagements. Auch wenn diese Elemente (bewusst) Überschneidungen aufweisen und keine Herleitungen und Begründungen aus dem Gesamtzusammenhang gegeben werden, ist deren Evidenz für das Gelingen von Veränderungsprojekten doch augenscheinlich. Auch in diesem Abschnitt gelingt es dem Verfasser, auf der Basis umfänglicher eigener Beratungserfahrungen und anhand der vorgestellten Fallbeispiele wertvolle Hinweise und Empfehlungen für die Gestaltung von Veränderungsprozessen zu geben. Die klassischen Instrumente des Projektmanagements werden nicht mehr ausführlich dargestellt, sondern eher vorausgesetzt; kreativ sind die Ergänzungen (z.B. hinsichtlich der Übertragung der Überlegungen von Schein zur Unternehmenskultur auf die „Projektkultur“) und die Widersprüche zum klassischen Ansatz (z.B. hinsichtlich der hierarchiefreien Binnenkoordination im Projekt anstelle einer internen „Projektleitung“). Insgesamt gibt dieses Kapitel produktive Hinweise zur Gestaltung von Veränderungsprozessen und kann eine Selbstreflexion der Beteiligten wirkungsvoll anstoßen.

Die in Kapitel 5 dargestellten Phasen eines Tranformations-Management-Vorhabens beruhen zunächst auf dem im klassischen Projektmanagement-Ansatz enthaltenen Ansatz der Projektphasen (von Projektanlass und –idee bis hin zum Projektabschluss). Die im Vergleich dazu neue Nomenklatur des Transformationsmanagement-Ansatzes nimmt insbesondere wiederum die soft facts von Veränderungsprozessen auf. So wird z.B. ergänzend zur klassischen Eingangsphase (Zielsetzung und Auftrag) der Begriff des „Transformationsbedarfs“ eingeführt und bei den Aufgaben das Augenmerk auf das im Vorhaben vorhandene Energiepotenzial, auf Problemsichten und auch auf Scheiternspotenziale gerichtet. Interessante Anregungen liefern in diesem Kapitel insbesondere die komprimierten Anforderungskriterien an externe Berater/-innen (S. 234 – 242) und die ausführliche Rezeption der Gestaltungsaspekte der Transformation nach Projektabschluss.

Im 6. Kapitel wendet der Verfasser den Ansatz des Transformations-Managements auf die Entwicklung einer Geschäftsprozessorientierung in Unternehmen an, einem Feld also, bei dem besonders wichtig ist, „die Chance auf Musterwechsel zu erhöhen“ (S. 271). Nach einer knappen Einführung in den Ansatz der Prozessorientierung folgt dann die Darstellung einer Geschäftsprozessanalyse, die Auswahl eines zu gestaltenden Geschäftsprozesses sowie die Entwicklung einer „alternativen organisationsneutralen Idealteilprozesslandkarte“. Dieser letzte, etwas sperrige Begriff soll andeuten, dass das Veränderungsmanagement hier für eine Analyse sorgen muss, die spätere Umsetzungsschritte noch nicht präjudiziert. In gleicher Weise wird bei der Entwicklung von Organisationsmodellen und der Ausformulierung einer organisatorischen Lösung dafür Sorge getragen, dass – auch durch die externen Inputs und Steuerungssignale – eine fachlich hochwertige und zugleich akzeptierte und effiziente Lösung gewonnen wird. – Der Bereich der Prozessorganisation ist ein überzeugendes Beispiel dafür, wie Transformationsmanagement im Sinne einer gleichermaßen klientenzentrierten wie fachlich-prozessual überzeugenden Prozesssteuerung zum Erfolg führen kann.

Fazit

Insgesamt gesehen liefert das Buch Führungskräften, Beraterinnen und Beratern, aber auch Studierenden und anderen Interessierten eine Fülle von Anregungen für eine gleichermaßen strukturierte wie selbstreflektierte Gestaltung von Veränderungsprozessen.


Rezensent
Prof. Dr. Knut Dahlgaard
Professor für Personalmanagement und Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Fakultät Wirtschaft und Soziales
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Zitiervorschlag
Knut Dahlgaard. Rezension vom 09.06.2010 zu: Karl Prammer: TransformationsManagement. Theorie und Werkzeugset für betriebliche Veräünderungsprozesse. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2009. ISBN 978-3-89670-707-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/7990.php, Datum des Zugriffs 08.12.2016.


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