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Armin Krenz: Professionelle Öffentlichkeitsarbeit in Kindertagesstätten

Cover Armin Krenz: Professionelle Öffentlichkeitsarbeit in Kindertagesstätten. Fachbuch. SCHUBI Lernmedien (Braunschweig) 2009. 301 Seiten. ISBN 978-3-427-40102-5. 24,90 EUR.

Ursprünglich veröffentlicht im Bildungsverlag EINS.
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Thema

Öffentlichkeitsarbeit, öffentliches Auftreten und Eigendarstellung als Aufgabe von Pädagoginnen in Einrichtungen, die Kinder aufnehmen und mit ihnen bildend, betreuend und erzieherisch arbeiten, sind das Thema des Handbuchs. Die Thematik Öffentlichkeitsarbeit wird als Arbeiten im öffentlichen Raum behandelt. Dementsprechend sind die Zugänge breit angelegt. Den Ausgangspunkt bildet die Frage der besonderen Funktion von Öffentlichkeitsarbeit, die der Autor ausführlich diskutiert. Alle praktizierbaren Formen der Öffentlichkeitsarbeit werden behandelt und dazu regt der Autor anhand vieler Beispiele und Ideenbeschreibungen die Umsetzung in Kindergarten und sozialpädagogischer Einrichtung an. Hilfestellungen zur pragmatischen Herangehensweise an das Arbeitsfeld Öffentlichkeitsarbeit gibt er, indem er z.B. Checklisten zur Bestandsaufnahme der aktuellen Situation in einer Einrichtung oder auch systematisch geordnete Qualitätskriterienkataloge zur Verfügung stellt. Er präsentiert außerdem vorformulierte Fragebögen, um Eltern die Qualität der von den Kindern besuchten Einrichtung einschätzen zu lassen und gibt Tipps und Ratschläge zu Gestaltung und Einsatz von Medien wie Homepage, Zeitungsartikel, Radio- und Fernsehbeiträge oder auch den Elternbrief und die Vortragsveranstaltung am Abend.

Zielsetzung

Kindertagesstätten, Kindereinrichtungen in sozialpädagogischer Trägerschaft, Horte, generell Pädagoginnen in Einrichtungen, denen Eltern ihre Kinder anvertrauen, leisten Bemerkenswertes. Doch allzu oft werden diese Leistungen nicht angemessen wahrgenommen oder wertgeschätzt. Der Autor meint, dass sich mit professioneller Öffentlichkeitsarbeit mehr Aufmerksamkeit erzeugen lässt. Erzieherinnen und Erzieher, Pädagoginnen und Pädagogen können mit ihren Aktivitäten in Sachen öffentlicher Darstellung und Präsentation der Arbeit in der Einrichtung großen Einfluss darauf nehmen, wie das gesamte Feld der Frühpädagogik im öffentlichen Raum wahrgenommen wird. Es geht ihm darum, mit Öffentlichkeitsarbeit die besondere Bedeutung des Aufgabenfeldes frühkindliche Pädagogik hervorzuheben.

Der Autor will Impulse geben und Einrichtungen bzw. die dort Tätigen ermutigen, engagiert in die Öffentlichkeit zu treten. Er fordert eine ganze Berufsgruppe heraus, sich zu professionalisieren, indem sie die öffentliche Aufmerksamkeit ganz gezielt mit qualitativ hochwertiger Selbstdarstellungsarbeit auf sich lenkt.

Aufbau und Inhalt

Das Handbuch ist in sieben Kapitel untergliedert. Alle folgen einer eigenen Systematik, so dass jedes Kapitel für sich allein gelesen werden kann.

Ausgehend von im Alltag der Einrichtungen zu beobachtenden Beispielen für gelungenes und nicht gelungenes öffentliches Präsentieren (Kapitel 1), werden mit dem Eintauchen in die Thematik Checklisten angeboten, anhand derer Leser und Leserin überprüfen können, wie es um die eigene Einrichtung bzw. den eigenen beruflichen Alltag bestellt ist. Die Checklisten sind so aufgebaut, dass eine Bestandsaufnahme hinsichtlich der praktizierten Formen von Öffentlichkeitsarbeit gemeinsam mit dem Kollegenteam erarbeitet werden kann.

Die Kapitel 2 und 3 sind einer grundlegenden Einführung gewidmet. Erarbeitet werden verschiedene Perspektiven, aus denen heraus die Sinnhaftigkeit und Nützlichkeit von bewusst gestalteter Öffentlichkeitsarbeit begründet wird.

In Kapitel 4 fasst der Autor seine Erläuterungen und Argumentationen in Thesen zusammen, die seine Auffassung von einer qualifizierten Öffentlichkeitsarbeit konkret beschreiben.

Kapitel 5 rundet den einführenden Teil der Publikation ab, indem recht anschaulich verdeutlicht wird, wie Selbstdarstellung im Innen- und Außenverhältnis einer Einrichtung die Vision einer vorhandenen Corporate Identity vermitteln bzw. umgekehrt sehr deutlich signalisieren kann, dass in der Einrichtung so einiges nicht optimal läuft.

Das 6. Kapitel umfasst mit knapp 200 Seiten den Hauptteil der vorliegenden Publikation. Untergliedert nach Innen- und Außenverhältnis, nach medialen und personalen Formaten sind insgesamt 45 verschiedene Formen der Öffentlichkeitsarbeit zusammengetragen. Auf je drei bis 5 Seiten wird beschrieben, wie der Elternabend, die publizierte Konzeption der Einrichtung, die Hospitation, das Pressegespräch, der Leserbrief, das eigene Outfit u.v.m. so gestaltet werden können, dass jede einzelne Form dazu beiträgt die Einrichtung als professionell arbeitend zu erleben.

Social Sponsoring wird als eigenständiger Themenschwerpunkt abschließend in Kapitel 7 diskutiert.

Der besseren Übersicht halber seien die Kapitel nachfolgend der Reihenfolge nach benannt:

  1. Beispiele der Öffentlichkeitsarbeit von Kindergärten, Kindertagesstätten und Horten: gelungene und misslungene Versuche
  2. Öffentlichkeitsarbeit – Versuch einer Definition
  3. Öffentlichkeitsarbeit - und wem sie dient
  4. Thesen für eine qualifizierte Öffentlichkeitsarbeit
  5. Corporate Identity – sich im Innen- Außenverhältnis präsentieren
  6. Formen der Öffentlichkeitsarbeit
  7. Social Sponsoring – Leistungen und Gegenleistungen

Alle Kapitel sind mit Beispielen illustriert, das macht es für die Leserin oder den Leser einfach, sich jeweils konkrete Situationen vorzustellen und sofort eigene Ideen zu entwickeln.

Diskussion

Wer in einer öffentlichen Einrichtung arbeitet, wird gesehen. Jeder und jede Außenstehende macht sich sehend ein Bild bzw. bildet sich daraufhin eine Meinung. In Einrichtungen, die Kinder aufnehmen, sind es zumeist Eltern, die das tun und diese können in aller Regel zuverlässig einschätzen, ob die tägliche Arbeit der Pädagoginnen und Pädagogen gut oder weniger gut gelingt.

Dass eine Einrichtung positiv wahrgenommen wird, dafür können die Pädagoginnen und Pädagogen sehr viel tun. So lautet die Botschaft von Armin Krenz. Der Autor öffnet auf dieser Grundlage einen Zauberkasten, den er Öffentlichkeitsarbeit nennt. Er geht mit seinen Anregungen weit über die Vorstellung hinaus, dass sich Öffentlichkeitsarbeit in regelmäßigen Mitteilungen an Eltern oder Presse bzw. in der Gestaltung schicker Flyer erschöpft.

Öffentlichkeitsarbeit findet in der Kindertagesstätte ganztägig statt, bewusst gestaltet oder ungewollt praktiziert. Dadurch kommt es in Kindertageseinrichtungen zu ganz vielen Situationen, die in ihrer positiven oder negativen Wirkung beschrieben werden können. Mit diesen Beschreibungen arbeitet der Autor in einem durchgängigen Prinzip. Für fast jede Facette seines Themas Öffentlichkeitsarbeit hat er ein Beispiel parat, mit dem er zeigen kann: Liebe Erzieherinnen und Erzieher, ich habe (oder wir haben) es gesehen. Wenn ihr diese Situation optimal gestaltet, dann haben alle einen guten Eindruck von euch.

Der Autor plädiert für ein öffentlichkeitsbewußtes und somit reflektiertes, vielleicht auch kontrolliertes Verhalten von Erzieherinnen und Erziehern, von Pädagoginnen und Pädagogen. Er bietet viele Tipps, Anregungen und Hinweise zum Umgang mit öffentlichkeitswirksamen Situationen. Er wird nicht müde zu appellieren, gute Umgangsformen, professionell gestaltete Präsentationen und Selbstdarstellungen sind nützlich. Sie zeigen, dass in der Kindereinrichtung gute und hochwertige Arbeit getan wird.

Ein wenig ratlos bleibt die Rezensentin nach der Lektüre mit ihrer Frage, ob die Situationen, die der Autor beschreibt, wirklich alle unter der Thematik Öffentlichkeitsarbeit behandelt werden sollten. Einerseits kann sie fast jedes einzelne Beispiel sehr gut nachvollziehen und sich mühelos der Meinung des Autors im Sinne von gut oder nicht so gut anschließen. Andererseits würde sie ihrem Selbstverständnis nach sagen, in dieser oder jener Beispielsituation verhält sich eine Pädagogin nach den Maßgaben professionell pädagogischen Handelns, ggf. tut sie es auch nicht. Aber, sie ist nicht in der Berufsrolle der Öffentlichkeitsarbeiterin unterwegs und somit auch nicht als solche bewertbar.?

Das Kernstück des vorliegenden Buches ist die umfangreiche Beschreibung von Formen der Öffentlichkeitsarbeit. Diesem Kapitel können viele Anregungen entnommen werden. Durch die je Form eher knapp gehaltene Einzelbeschreibung lässt sich gut Übersicht gewinnen, was Pädagoginnen und Pädagogen so alles gut und besser machen können. Insbesondere lässt sich bei aktuellem Bedarf (z. B. der Tag der offenen Tür steht an) schnell nachschlagen. Das erleichtert die Handhabe des recht umfangreich geratenen Handbuches sehr.

Fazit

Die Publikation erfüllt den selbst gestellten Anspruch Beispiele aufzuzeigen, wie sich Kindertageseinrichtungen öffentlichkeitswirksam präsentieren können. Wer sich noch nie mit dem Thema beschäftigt hat, kann sich mit der Publikation einen Überblick verschaffen, was alles zu einer guten und professionell gestalteten Öffentlichkeitsarbeit gehört. Von der Fülle der Anregungen sollten sich die Leserinnen und Leser nicht abschrecken lassen. Der Autor erhebt sicherlich keinen Anspruch darauf, dass jede der vorgeschlagenen Formen umgesetzt wird.


Rezensentin
Prof. Dr. Ines Kadler-Neuhausen
Erziehungswissenschaftlerin, Hochschule Fulda, FB Sozialwesen
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Zitiervorschlag
Ines Kadler-Neuhausen. Rezension vom 12.07.2010 zu: Armin Krenz: Professionelle Öffentlichkeitsarbeit in Kindertagesstätten. Fachbuch. SCHUBI Lernmedien (Braunschweig) 2009. ISBN 978-3-427-40102-5. Ursprünglich veröffentlicht im Bildungsverlag EINS. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/8047.php, Datum des Zugriffs 11.12.2016.


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