Marie Gronwald: Der schöne Schein des Lächelns
Marie Gronwald: Der schöne Schein des Lächelns. Erzählungen. Westkreuz Verlag (Bad Münstereifel) 2009. 102 Seiten. ISBN 978-3-939721-10-9. 14,90 EUR.
Thema
In der zu besprechenden Publikation beschreibt die behinderte Autorin, wie ihr Menschen begegnen, wenn sie mit dem Rollstuhl unterwegs ist.
Autorin
Die Autorin (URL: www.marie-gronwald.de) dieses Buches ist 1982 in Bad Oldesloe geboren. Seit ihrer Geburt sind alle vier Gliedmaßen spastisch gelähmt. Mit persönlicher Assistenz organisiert und lebt sie ihr Leben. Zur Alltagsbewältigung stehen Marie Gronwald 10 Personen zur Verfügung. Das Schreiben von Kurzgeschichten und Erzählungen führt Gronwald seit ihrem siebten Lebensjahr durch. Berlin ist seit ihrem zweiten Lebensjahr zur Heimat geworden. Gegenwärtig studiert sie Philosophie und Deutsch an der Freien Universität von Berlin. Neben ihrem Studium ist sie journalistisch tätig, u. a. bei der mondkalb, einer Zeitschrift für das organisierte Gebrechen (URL: http://www.mondkalb.net.tc/).
Sulu Trüstedt, die die Illustrationen in Marie Gronwalds Buch vorgenommen hat, studierte an der Hochschule der Künste in Berlin und hat als Kostümbildnerin gearbeitet. Trüstedt illustriert Bücher, zeichnet Spielkarten, Bastelbögen und Bildergeschichten (URL: www.sulu.truestedt.de).
Aufbau
Das Buch beinhaltet 18 Erzählungen. Im Einzelnen sind das:
- Meine Schatten
- Gelb
- Damit es wieder besser geht
- Hilfe, die Vampire kommen!
- Vor(ur)teile
- Ungeschminkt
- Gottesschein
- Wetterlagen
- Kontrolle
- Das Kasperle-Syndrom
- Die Liste
- Rollende Räder
- Weißwurst-Isolation – ein Reisetagebucheintrag
- Karibische Wunderheilung
- Leben wie im Keller
- Kapitänsblau in rotem Backstein
- Liebe? Oder L(l)iebe(r) nicht?
- (K)ein Betreff für Amor – ein Tagebucheintrag
Inhalte
In „Meine Schatten“ geht es um das behinderte lyrische Ich und die gerade mit dem Studium begonnen habende Assistentin. Das Gespräch verläuft in Frage-Antwort-Manier. Das lyrische Ich ist der Ansicht, dass bei der Assistentin etwas nicht stimmt.
Dann ist da Carla, die dem lyrischen Ich bei PC-Problemen behilflich ist.
Das Kapitel „Gelb“ spielt in einem Restaurant, wo auf die Probleme eines Behinderten beim Trinken eines kohlensäurehaltigen Getränks mit dem Strohhalm gezeigt wird. Und dann entdeckt sie im Restaurant den Schatten ihrer Schulzeit hinter einer Illustrierten kauernd. „Sofort sehe ich uns beide vor meinem inneren Auge im Schulflur stehen, vor der Cafeteria. […] Mein Schatten nahm neben mir Platz. Sein Lächeln auch. Nach einer Weile fragte er mich, ob ich etwas essen wollte und wurde dadurch […] zu meiner Bewacherin. […] Jetzt schüttelte ich den Kopf und sagte ihr, ich hätte keinen Hunger. Sie lächelte und sagte: ‚Du musst doch etwas essen, du bist doch so dünn!’ Ich sagte ihr, dass läge an meiner Behinderung, mein Körper mache wegen der Spastik sozusagen Dauersport und verbrenne immer zu Kalorien“ (S. 14f.).
Diskussion und Fazit
Ein wirklich lesenswertes Buch, das alle Sozial-, Sonder-, Heil-, Behinderten-, Integrations-, Segregations-, Inklusionspädaoginnen und –pädagogen, Ärztinnen und Ärzte gelesen haben sollten. Die Erzählungen sind Berichte aus dem täglichen Leben, die aus den so genannten Aktivitäten des täglichen Lebens (bekannt unter dem Terminus ADL) einer behinderten Person entstammen. Sie erzählen von dem barrierebehafteten behinderten Leben. Die oben genannten Disziplinen können auch hier etwas über Behinderung und deren Konsequenzen erfahren. Dafür bedarf es nicht immer hochkarätiger Lehrbücher, deren Autoren das behinderte Leben zumeist nicht aus der eigenen Erfahrung kennen. Das Buch ist es wert gelesen zu werden!
Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 29.10.2009 zu: Marie Gronwald: Der schöne Schein des Lächelns. Westkreuz Verlag (Bad Münstereifel) 2009. 102 Seiten. ISBN 978-3-939721-10-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/8199.php, Datum des Zugriffs 04.02.2012.
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