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Sigrid Tschöpe-Scheffler: Fünf Säulen der Erziehung

Cover Sigrid Tschöpe-Scheffler: Fünf Säulen der Erziehung. Wege zu einem entwicklungsfördernden Miteinander von Erwachsenen und Kindern. Matthias-Grünewald-Verlag (Mainz) 2009. 5. Auflage. 112 Seiten. ISBN 978-3-7867-2469-8. 12,80 EUR.

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Thema

Es ist unübersehbar: Die Welt ist kleiner geworden und die Menschen rücken immer mehr zusammen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich die Schwierigkeiten und Probleme reduziert hätten. Gerade das Gegenteil ist der Fall: Die Anforderungen des Zusammenlebens wurden vielschichtiger, differenzierter und komplexer. Zwangsläufig erstrecken sich diese Veränderungen auch auf die Erziehung von Kindern und vervielfachen geradezu die damit verbunden Schwierigkeiten. Da steht jedoch schon Abhilfe auf dem Plan: Denn parallel dazu haben sich die Erziehungsratgeber ebenso vermehrt, die den Eltern zeigen wollen, was sie alles im Umgang mit ihren Kindern beachten müssen. Mehr noch: Wenn es aussichtlose Schwierigkeiten und Verhaltensprobleme der Kinder gibt, so stehen ebenfalls eine Fülle von Publikation zur Hilfe bereit.

Die vorliegende Veröffentlichung von Sigrid Tschöpe-Scheffler „Fünf Säulen der Erziehung“ unterscheidet sich von den vielen Ratgebern wohltuend, denn sie gibt einen Orientierungsrahmen für eine gelingende Erziehung vor.

Entstehungshintergrund

Ausgangspunkt für die Entwicklung des Konzepts einer „guten Erziehung“ war ein Interview: Eine Journalistin des Frauenmagazins BRIGITTE diskutierte mit der Professorin Dr. Sigrid Tschöpe-Scheffler das Thema: „Gibt es eine perfekte Erziehung?“ Die dabei geäußerte These „Gelingende Erziehung vollziehe sich auf vielen Wegen“ provozierte weitere Fragen: Wie können Eltern ihre Kompetenzen in der Erziehung ihrer Kinder erkennen? Könnte ein Test Stärken der Eltern fest machen und weiterführen? Auf der Grundlage dieser Impulse wurde in einem Projekt das pädagogische Konzept „Fünf Säulen der Erziehung“ und ein dazugehöriger Test mit dem Titel „Eltern-Stärken-Test“ entwickelt. Die „Fünf Säulen der Erziehung“ sind ein schlüssiges Konzept zur Frage, welche Elemente kennzeichnen eine „gute Erziehung“. Die Ausführungen haben bisher solchen Anklang gefunden, dass die vorliegende Veröffentlichung bereits die fünfte Auflage darstellt.

Aufbau und Inhalte

Das Buch „Fünf Säulen der Erziehung“ geht einleitend auf aktuelle Auseinandersetzungen ein und überprüft kritisch die Behauptung, dass momentan eine Erziehungskatastrophe bestehe. Der nächste Abschnitt beschreibt förderliche Bedingungen, die zur Entwicklung des Kindes beitragen können. Das Kernstück der Publikation ist die Darstellung der „Fünf Säulen“ einer „guten Erziehung“ im Abschnitt drei. Den fünf Säulen einer Erziehung, die die Entwicklung des Kindes fördernd unterstützen, werden fünf Schatten der Säulen entgegengestellt, die die Entwicklung hemmen. Sehr ausführlich beschreibt die Autorin folgende Säulen einer Erziehung, die optimal die Ressourcen des Kindes wecken können:

  1. Säule: Liebe: Sie wird deutlich, wenn sich Erwachsene dem Kind zuwenden und für eine warmherzige Atmosphäre sorgen.
  2. Säule: Achtung und Respekt: Erwachsene zeigen gegenüber dem Kind Aufmerksamkeit und zugleich lassen sie auch deutlich werden, dass sie das Anderssein des Kindes achten.
  3. Säule: Kooperation: Die Eltern vermitteln dem Kind in Gesprächen und Erklärungen, dass sie um gegenseitiges Verstehen bemüht sind.
  4. Säule: Struktur, Verbindlichkeit und Grenzsetzung: Die Kinder erleben, dass Zusammenleben nur mit verbindlichen Regeln möglich ist und dass deren Verletzen Konsequenzen hat.
  5. Säule: Allseitige Förderung: Die Eltern sorgen für eine Umgebung mit vielen Anregungen und schaffen Impulse für eine umfassende Bildung.

Die Abschnitte vier und fünf beschäftigen sich mit dem Problem „Gewalt in der Erziehung“ und den damit verbundenen negativen Folgen. Abschnitt sechs spricht den Eltern Mut zu, pädagogisch engagiert zu handeln. Denn die Autorin spricht sich für einen realistischen Ansatz in der Erziehung aus. Damit ist gemeint, dass die beschriebenen förderlichen Faktoren idealtypisch sind. Im Erziehungsalltag sind dann die idealen Ansprüche immer von hemmenden Verhaltensweisen der Erwachsenen durchsetzt.

Diskussion

In der vorliegenden Publikation gelingt Frau Tschöpe-Scheffler in aller Kürze und Übersichtlichkeit ein überzeugendes Konzept für das Gelingen von Erziehung in Familien vorzulegen. Die ausgearbeiteten Säulen der Erziehung geben konkrete Leitlinien vor, wobei die Ausführungen mehr allgemeine Orientierungsmöglichkeiten aufzeigen und nicht in eine Fülle von Ratschlägen abgleiten. Zusätzlich gelingt es der Autorin anschaulich und verständlich ihr Anliegen und die Zusammenhänge deutlich zu machen. Leider wurde bei der Neuauflage keine Überarbeitung vorgenommen, so bleiben neuere Debatten zur Familienerziehung unberücksichtigt und die weiterführende Literatur enthält nur Beiträge bis zum Erscheinen der ersten Auflage – 2003.

Fazit

Die hier vorgelegte Veröffentlichung ist derart grundlegend, dass jeder, der sich mit Fragen der Familienerziehung beschäftigt, diese Veröffentlichung einbeziehen muss. Kurzum: Alle pädagogischen und sozialpädagogischen Fachkräfte sollten unbedingt dieses Buch bearbeiten. Weiterhin ist es auch für alle Eltern sehr aufschlussreich.


Rezensent
Michael Schnabel
Staatsinstitut für Frühpädagogik, München
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Zitiervorschlag
Michael Schnabel. Rezension vom 14.09.2009 zu: Sigrid Tschöpe-Scheffler: Fünf Säulen der Erziehung. Matthias-Grünewald-Verlag (Mainz) 2009. 5. Auflage. 112 Seiten. ISBN 978-3-7867-2469-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/8215.php, Datum des Zugriffs 07.02.2012.


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