Edelgard Vacek: Wie man über Wandel spricht
Edelgard Vacek: Wie man über Wandel spricht. Perspektivische Darstellung und interaktive Bearbeitung von Wandel in Organisationsprozessen. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2009. 360 Seiten. ISBN 978-3-531-16843-2. 39,90 EUR.
Reihe: VS research - Kommunikation in Organisationen.
Thema
Intendierter Wandel und Veränderungsprozesse in Organisationen sind inzwischen als zentrale Aspekte in der Unternehmenssteuerungs-Diskussion angekommen. Unternehmensintern, als auch durch externe Berater, wird sich mit dieser komplexen Thematik beschäftigt. In der vorliegenden Publikation der Dissertation von Edelgard Vacek wird Wandel im Unternehmen und dessen Begründung u. a. aus organisationskultureller Sicht beleuchtet. Dabei hebt Vacek die Bedeutung, ja sogar die Schlüsselrolle, der Kommunikation über den organisationalen Wandel hervor. Diese herausragende Rolle verdeutlicht sie an der Darstellung eines exemplarischen Wandlungsprozesses. Hieraus folgt auch ihr Forschungsgegenstand: Sprache im Kontext des organisationalen Wandels.
Autorin
Frau Dr. Edelgard Vacek ist promovierte Sprachwissenschaftlerin und arbeitet als Unternehmensberaterin. Des Weiteren ist sie als Hochschul-Dozentin tätig.
Aufbau
Die vorliegende Publikation gliedert sich in acht Kapitel.
In den ersten Kapiteln werden die theoretischen Konzeptionen beschrieben, die die Basis der Dissertation bilden. In diesem Zusammenhang werden neben Sinnstiftungsprozessen im Kontext organisationalen Wandels auch konstruktivistische Ansätze der Organisationstheorie sowie der Linguistik thematisiert. Nicht nur hier findet sich der Grundgedanke der Arbeit wieder: Die Verknüpfung von Sprachwissenschaft und Wandlungsprozessen, die sich vor allem in der organisationalen Kommunikation zeigt.
Nach der Darstellung des organisationalen und sprachtheoretischen Analysehintergrunds und einem Fallbeispiel bildet Kapitel sieben, in welchem eine linguistische Analyse im Kontext eines organisationalen Veränderungsprozess durchgeführt wird, den Schwerpunkt der Arbeit. Im Rahmen ihrer Dissertation untersucht Vacek einen organisationalen Veränderungsprozess, der Lean Management mit Change Management verknüpft.
Inhalt
Die Autorin beschreibt im ersten Kapitel die Aktualität der Diskussion um organisationale Veränderungsprozesse, sowohl in der Literatur, als auch in den Unternehmen selbst. Hierbei konstatiert Vacek eine Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis, aus welcher die Suche nach kritischen Erfolgsfaktoren in organisationalen Veränderungsprozessen resultiert.
Kapitel zwei gibt einen knappen Überblick über Forschungsmodelle der Sinnstiftung in Organisationen sowie deren Bedeutung und Zusammenhang mit organisationalem Wandel. Die Begründung liegt darin, dass Wandel, stets verbunden mit Instabilität, Sinnschaffung benötigt, da diese einen Orientierungsrahmen für organisationales Handeln vorgeben kann.
Im dritten Kapitel werden konstruktivistische Ansätze sowie deren Weiterentwicklung in der Organisationstheorie und Linguistik vorgestellt und in den Zusammenhang mit Kommunikation als zentrales Medium gesetzt. Ebenfalls erfolgt eine Darstellung der angewandten Analysemethodiken Konversations-/ Gesprächsanalyse sowie Kritische Diskursanalyse nach Norman Fairclough im organisationalen Kontext.
Perspektive und Differenz, sowie deren Bedeutung bzw. Bearbeitung für bzw. in organisationalen Veränderungsprozessen, werden in einem kurzen Kapitel vier thematisiert. Hieran schließt sich mit Kapitel fünf eine Zusammenfassung und Verbindung der zuvor bearbeiteten theoretischen (Einzel-) Ansätze.
Anhand eines konkreten Fallbeispiels wird ein intendierter Veränderungsprozess (Verschlankung eines Fertigungs- und Montageprozesses) im sechsten Kapitel skizziert, der die Ausgangslage der in Kapitel sieben folgenden Analyse darstellt. Das Konzept Lean Production als Möglichkeit, Produktivität und Flexibilität eines Unternehmens zu erhöhen, kam in den 1980er Jahren auf. 2003 geht Dirk Baecker auf die Rolle der Kommunikation in diesem Zusammenhang ein.
Im siebten Kapitel werden zunächst anhand einer Manager-Rede sowie Podiumsdiskussion die Organisationskommunikation, ihre Struktur und Strategien, analysiert. Beides fand im Rahmen einer Auftaktveranstaltung des intendierten organisationalen Wandlungsprozesses statt. Die dritte analysierte Textart ist ein Gesprächsausschnitt eines Experten-Gremiums. Anhand dieser, auf drei unterschiedliche Arten gewonnenen, empirischen Daten werden mit Hilfe der Diskurs- und Gesprächsanalyse verschiedene Wandel-Konzepttypen herausgearbeitet.
Im abschließenden Kapitel acht werden die drei verschiedenen Textsorten unter dem Gesichtspunkt des Sprachhandelns sowie die Bedeutung von Ritualität diskutiert, bevor im Rahmen einer Schlussbetrachtung Chancen und Risiken der gewonnen „Wandel-Strategien“ sowie Handlungsempfehlungen für „Wandel-Manager“ dargestellt werden.
Fazit
Die vorliegende Publikation erfasst die aktuelle Diskussion und stellt eine gelungene Bearbeitung der Verschränkung von Steuerung bzw. Kommunikation von bzw. über intendierte organisationale Wandlungsprozesse dar. Sie bietet sowohl Einsteigern einen ersten Schritt in das Thema, gewährt aber auch Forschenden, die im Thema bereits verhaftet sind, weitreichende Diskussionsmöglichkeiten für nachfolgende Untersuchungen.
Rezensentin
Dipl. Sozialarbeiterin Edeltraud Botzum
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fachhochschule Koblenz, Standort Remagen (RheinAhrCampus), Fachbereich: Betriebs- und Sozialwirtschaft
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Zitiervorschlag
Edeltraud Botzum. Rezension vom 22.12.2009 zu: Edelgard Vacek: Wie man über Wandel spricht. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2009. 360 Seiten. ISBN 978-3-531-16843-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/8307.php, Datum des Zugriffs 09.02.2012.
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