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Sarah G. Hoffmann, Carola Reifenhäuser u.a.: Freiwilligen-Management

Sarah G. Hoffmann, Carola Reifenhäuser, Thomas Kegel: Freiwilligen-Management. ZIEL Verlag (Augsburg) 2009. 124 Seiten. ISBN 978-3-940562-30-2. D: 19,80 EUR, A: 20,40 EUR, CH: 35,00 sFr.

Reihe: Sozialwirtschaft Diskurs.
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Thema

Das Thema ist seit dem Vorliegen der ersten beiden Freiwilligen-Surveys, seit dem Bericht bzw. den Berichten der Enquete-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ und dem Freiwilligen-Atlas 2009 von PROGNOS ein ebenso anhaltend aktuelles, wie auch in vielen, nicht nur in politischen Sphären, diskutiertes Thema. Weitere Stichworte sind hier der Strukturwandel des Ehrenamtes, das so genannte „Neue“ Ehrenamt, der (doch wohl nicht) verloren gegangene „soziale Kitt“ in einer, in unserer Gesellschaft, deren bürgerschaftliches Engagement auch durch die Individualisierung und Pluralisierung der Lebenslagen neue Motive und Formen hat. Es wurde viel geklagt in Vereinen., Verbänden und gemeinnützigen Organisationen, ihnen breche das Ehrenamt weg, die jungen Engagierten würden nicht mehr nachwachsen, bis dort ankam, dass sich die Ansprüche an Engagement einfach nur gewandelt haben, das Potential ist erstaunlich hoch und wächst. Ansprüche an anspruchsvolle Projekte für Engagierte, Spaß wollen die Freiwilligen bei ihrem Tun haben und sich auch qualifizieren, sie fordern (zu Recht) Partizipation ein und sind durch eine Anerkennungskultur in die Organisationen und Organisationskultur und –entwicklung (wenn manchmal auch nur auf Zeit) einzubinden. Das alles leistet und sichert Freiwilligenmanagement, wie auch die Qualitätssicherung und –entwicklung sowie die Evaluation, wie es bereits seit vielen Jahren bei der Akademie für Ehrenamtlichkeit konzipiert und weiter entwickelt wurde. Dabei unterscheidet die Akademie in die Freiwilligenkoordination für das operative „Geschäft“ mit den Engagierten im Alltag und das strategische Freiwilligenmanagement auf der Ebene der Organisation.

Autorinnen und Autor

Carola Reifenhäuser ist Diplom-Sozialpädagogin und Diplom Pädagogin und Gestaltpädagogin. Sie ist Leiterin von Volunteer Consult in der Akademie für Ehrenamtlichkeit in Berlin und hat die Fortbildungen zum Basiskurs Freiwilligen-Koordination und zum Freiwilligen-Management inhaltlich und modular mit entwickelt und führt diese auch seit Jahren durch. Daneben ist sie selbstständige Organisationsberaterin und Trainerin.

Sarah G. Hoffmann ist ebenfalls Diplom-Sozialpädagogin und zudem Diplom-Soziologin und auch weiterbildende Gruppenleiterin der Themenzentrierten Interaktion am Ruth-Cohn-Institut. Sie gehört dem „Pool“ an Trainern und Referentinnen der Akademie für Ehrenamtlichkeit an, die im Freiwilligen-Management, Führungskräfte aus dem Non Profit Bereich qualifizieren.

Thomas Kegel ist Leiter der Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschland (fjS e.V.). Er gehört dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) an und dem Präsidium von Volunteurope. Von Haus aus, ist auch er Diplom Pädagoge und Kommunikationswirt. Er ist wie Carola Reifenhäuser Entwickler und Ausbilder des Basiskurses Freiwilligen-Koordination und des Aufbaukurses Freiwilligen-Management.

Die langjährigen Erfahrungen der drei Autoren in der Qualifizierung zum Freiwilligen-Management sind in dem hier besprochenen Titel zusammen getragen und ergänzt worden.

Aufbau und Inhalt

Die beiden Autorinnen und der Autor Thomas Kegel widmeten sich jeweils einem Themenfeld. So zeichnet Sarah G. Hoffmann für den ersten Abschnitt „Historischer und geistiger Hintergrund“ verantwortlich, dann folgt das Themenfeld „Sozialmanagement und Freiwilligenmanagement – eine sinnvolle Ergänzung“ für das Thomas Kegel steht. Die „Praxis des Freiwilligen-Managements und dessen Methoden“ stammt aus der Feder von Carola Reifenhäuser.

Sarah G. Hoffmann zeigt die Vielfalt der Begrifflichkeiten und Bezeichnungen im Thema auf und klärt diese durch Zuordnung und Abgrenzung. Dazu zeigt sie die Wurzeln des Ehrenamtes auf und benennt die Merkmale bürgerschaftlichen Engagements. Weiter zeigt sie den Forschungsstand zum Engagement auf und widmet sich ausgewählten Befunden und Trends aus den bisher vorliegenden Freiwilligensurveys, sowie der regionalen Verteilung von Engagementbereitschaft aus dem Engagementatlas. Sie zeigt, wofür man sich wo engagiert und befasst sich auch mit dem Strukturwandel des Engagements. Dazu stellt sie u. a. das traditionelle Ehrenamt dem neuen Freiwilligenengagement gegenüber. Neben einem Blick in die Zukunft des freiwilligen Engagements widmet sie sich den historisch-philosophischen Wurzeln, so zur republikanischen und liberalen Tradition, bis in den heutigen engagementpolitischen Diskurs hinein, wo auch die Begriffe der Zivil- oder Bürgergesellschaft geklärt werden. Mit drei historischen Beispielen werden historische Vorbilder des heutigen Engagements illustriert. Bei der Ausleuchtung der gesellschaftlichen Bedeutung des Engagements zieht sie die unterschiedlichen Bewertungen und Bedeutungszuschreibungen sozialen Kapitals bei Pierre Bourdieu und J. S. Colemann und aus den Studien von Robert Putnam unter Einschluss der kritischen Anmerkungen zum Begriff Sozialkapital von Anette Zimmer heran. Den Unterschieden und den Schnittflächen bzw. Grauzonen zwischen Engagement und Erwerbsarbeit wird ein weiterer Blickwinkel eingeräumt, der zum erweiterten Arbeitsbegriff der Mischarbeit führt. Die vorhandenen Infrastrukturen für das Engagement beschließen den Bearbeitungsteil von Sarah G. Hoffmann. Thomas Kegel beschreibt kurz die Entstehungshintergründe des Sozialmanagement-Diskurses und die anfängliche Skepsis in der Sozialen Arbeit gegenüber dem betriebswirtschaftlichen Kalkül und die besonderen Eigenschaften der Organisationen in der Sozialwirtschaft. Dann wird definiert, geklärt und abgegrenzt, so der Managementbegriff, der dritte Sektor und Unterschiede zwischen Profit- und Nonprofit- (vielleicht treffender: not for profit) Organisationen u. a. mit deren Sachzieldominanz. Ferner werden Entwicklungsperspektiven des Dritten Sektors aufgezeigt. Dann geht es über zum Freiwilligenmanagement, dessen Schnittflächen mit weiteren Managementbereichen aufgezeigt werden und das strategische Freiwilligenmanagement wird definiert. Die Organisationsentwicklung (OE) in Bezug auf das Freiwilligen-Management ist ein weiteres Themenfeld, in dem die Ziele und Aufgaben der OE, sowie die verfügbaren Instrumente aufgezeigt werden. Die Aufgaben eines Freiwilligen-Managers werden verdeutlicht und Thomas Kegel macht noch zwei wichtige Dinge deutlich, nämlich, dass Freiwilliges Engagement weder umsonst, noch kostenlos ist und gibt Anregungen wie die Frage, ob freiwilliges Engagement hauptamtliche Arbeit bedroht, mit einem klaren „Nein“ beantwortet werden kann. Zum Ende des von Thomas Kegel bearbeiteten Teiles geht er noch auf die Bedeutung und Ausgestaltung des Erstgespräches und der von der Akademie für Ehrenamtlichkeit geprägten Begrifflichkeit der „Passung“ zwischen Engagiertem und Organisation, sowie auf die Erforderlichkeit der Qualifikation von Engagierten und der Schaffung einer Anerkennungskultur ein. Die Einbindung der Engagierten und des Freiwilligen-Managements in ein Qualitätsmanagementsystem und der Sinn einer Evaluation des Einsatzes von Engagierten schließen das Themenfeld dieses Bearbeiters, der am Ende seiner Ausarbeitungen – dankenswerter Weise – auch noch auf die Freiwilligen-Koordination und/oder Freiwilligenmanagement als Beruf eingeht. Carola Reifenhäuser „übernimmt den Stab“ ein Stück vor Erstgespräch und „Passung“ dort, wo es erst einmal darum geht, Menschen überhaupt für ein Engagement zu gewinnen. In einem ersten Überblick mittels des Engagement-Zyklus wird der Weg vom Identifizieren möglicher Engagierter bis zu deren Verabschiedung nach ihrem Einsatz gezeigt. Dann geht es sehr systematisch mit einer Themenleiste um die einzelnen Schritte und deren Ausgestaltung in diesem Zyklus. Da geht es erst einmal darum, in der eigenen Organisation Themenfelder überhaupt zu identifizieren, die Ehrenamtliche besetzen könnten. Im zweiten Schritt sind die Engagementangebote zu beschreiben und zu bewerten. Hier folgt dann der Prozess der Akquise von Engagierten in fünf Schritten. Es gibt bei Carola Reifenhäuser zudem Antworten auf die Frage(n), wo finde ich denn Freiwillige und wie spreche ich sie dort jeweils an? Im dritten Schritt kommt Carola Reifenhäuser noch mal auf das Erstgespräch zurück und betont den Wert einer Engagementvereinbarung. Im nächsten Schritt geht es dann um die Einarbeitung und (weitere) Befähigung der Engagierten. Hier werden auch um die wichtigen Aspekte der Aufwandsentschädigung und des Auslagenersatzes behandelt. Auch das heiklere Thema, was tun im Konfliktfall, wird aufgegriffen. Im nächsten Blickwinkel – „Schritt“ wäre hier wohl die unpassende Bezeichnung – werden die Instrumente der Personalentwicklung aufgezeigt, die auch für Engagierte tauglich sind und demzufolge eingesetzt werden sollten. Daneben werden die Formen der Anerkennung, die Schaffung einer ganzen Anerkennungskultur inhaltlich aufgegriffen. Und zu guter Letzt geht es bei Carola Reifenhäuser darum, einen ausscheidenden Freiwilligen angemessen zu verabschieden. Den Schluss bildet dann das Themenfeld Qualitätsmanagement in der Arbeit mit Freiwilligen.

Fazit

Annette Zimmer schreibt in ihrem Vorwort, dieses Handbuch sei ein Kleinod. Dem ist in beiden Aussagen zuzustimmen. Ein Kleinod ist es durch die Kompetenz der Autoren auf diesem Feld, die es durchgängig verstehen, ganz dicht an der Praxis zu bleiben und verständlich mit vielen anschaulichen Beispielen Handreichungen zu geben und Aha-Einsichten zu vermitteln. Ein Handbuch ist es nicht zu Letzt durch die Stichworte und pointierten Verweise auf die bearbeiteten Inhalte am Seitenrand geworden. Dabei kommt es „aus einem Guss daher“, obwohl doch von drei Autoren verfasst. Denen verdanken die Leser ganz unterschiedliche Leistungen, die zusammen genommen das Werk so rund machen. Sarah G. Hoffmann ist es gelungen, die Wurzeln und Traditionen des Ehrenamtes und des bürgerschaftlichen Engagements in den aktuellen engagementpolitischen Diskurs einzuflechten, an dem so viele beteiligt sind und so unterschiedliche Interessen verfolgen. Thomas Kegel zieht die Verbindungslinien zwischen Sozialmanagement und Freiwilligenmanagement. Damit ist er der Erste, der das in dieser Deutlichkeit sieht und auch fest hält bzw. schreibt. Carola Reifenhäuser ist gleichermaßen systematisch wie praxisnah. Ihre Handreichungen, ihre Systematik im Prozess des Freiwilligenmanagements und die vielen Beispiele aus der Praxis mit und für Freiwillige erlauben so manches „Aha, geht doch!“ Wenn man ihre Anregungen und Erfahrungen beherzigt.

Der Band richtet sich in erster Linie an Multiplikatoren, wie im Vorwort ausgeführt wird, der Verlag benennt noch Führungskräfte und Beschäftigte in der Sozialwirtschaft, die Interesse an diesem Aufgabenfeld der Gewinnung und Einbindung von Engagierten haben und Studierende der Sozialen Arbeit, des Sozialmanagements und im Gesundheitsbereich. Ich denke alle Genannten können von der Lektüre profitieren und empfehle es den Studierenden im Vertiefungsgebiet „Bürgerschaftliches Engagement, Freiwilligenmanagement und Bürgerstiftungen“ des Studienganges Sozialmanagement gerade wegen seiner Praxisnähe und weil es so viele Anregungen zum Selbststudium enthält.


Rezensent
Prof. Dr. Harmut Bargfrede
lehrt am Studiengang Sozialmanagement der Hochschule Nordhausen u. a. das Vertiefungsgebiet „Bürgerschaftliches Engagement, Freiwilligenmanagement und Bürgerstiftungen“


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Zitiervorschlag
Harmut Bargfrede. Rezension vom 31.10.2009 zu: Sarah G. Hoffmann, Carola Reifenhäuser, Thomas Kegel: Freiwilligen-Management. ZIEL Verlag (Augsburg) 2009. ISBN 978-3-940562-30-2. Reihe: Sozialwirtschaft Diskurs. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/8361.php, Datum des Zugriffs 11.12.2016.


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