Ihr Vorteil: Wir filtern, prüfen und ordnen die Angebote für die Sozialwirtschaft.

Dieter Krauskopf (Hrsg.): Disease Management in der gesetzlichen Krankenversicherung

Cover Dieter Krauskopf (Hrsg.): Disease Management in der gesetzlichen Krankenversicherung. Asgard-Verlag Dr. Werner Hippe GmbH (Sankt Augustin) 2004. 1550 Seiten. ISBN 978-3-537-55499-4. 84,00 EUR.

Loseblattausgabe DIN A5 Stand: 10. Lieferung (Juli 2004).

Besprochenes Werk kaufen


Zum Thema des Kommentars

Mit Beschluss vom 30.11.01 hat der Bundesrat das Gesetz zur Reform des Risikostrukturausgleichs beschlossen. Damit hat der Gesetzgeber seine Ankündigung wahr gemacht, den wettbewerblichen Rahmen in der gesetzlichen Krankenversicherung umfassend zu verändern und der Versorgung von chronisch Kranken deutlich mehr Gewicht zu verleihen. Im Mittelpunkt der RSA-Reform steht die Einführung von Disease-Management-Programmen.

Der Gesetzgeber erhofft sich mit der Reform des RSA vor allem eine versicherten- und qualitätsbezogene Neuorientierung des Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Krankenkassen sollen Anreize erhalten, um die Versorgung (chronisch) Kranker in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen:

Chronisch Kranke, die in definierten Disease-Management-Programmen eingeschrieben sind, sollen künftig als eigene Versichertengruppe im RSA berücksichtigt werden. Daraus ergeben sich ganz erhebliche Auswirkungen auf die Ausgleichsansprüche und Ausgleichsverpflichtungen der Krankenkassen. Kassen, die in DMP eingeschriebene chronisch Kranke versichern, können die höheren standardisierten Leistungsausgaben für diese Versicherten im RSA geltend machen. Damit besteht künftig bei den Kassen ein geradezu existenzielles Interesse an einer möglichst optimalen Umsetzung der eigenen Programme.

Die Einführung der Disease-Management-Programme war und ist nicht unumstritten. So wird insbesondere die Koppelung der strukturierten Behandlungsprogramme mit dem Risikostrukturausgleich von verschiedenen Seiten immer wieder als kontraproduktiv bezeichnet (vgl. TK oder SBK). Unabhängig von diesen Einschätzungen, kann mit Fug und recht behauptet werden, dass die Einführung von DMP eine historische Zäsur für das deutsche Gesundheitssystem bedeutet: Mit der Einführung der Programme ist die künftige Entwicklung der Krankenkassen zu modernen Versorgungsmanagementunternehmen endgültig eingeschlagen worden: Der Wandel vom Verwalter zum Gestalter im Gesundheitswesen.

Dieter Krauskopf, ein namenhafter und ausgewiesener Experte des Rechts der gesetzlichen Krankenversicherung, hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit seinem neuen Kommentar, die komplexe rechtliche Materie umfassend und strukturiert aufzubereiten; ein wichtiges Ziel ist es dabei Rechtsprechung und Praxis - sozusagen aus einer Hand - die nötige Transparenz für alle Entscheidungen rund um das Themenfeld DMP-RSA zu geben.

Zielgruppe

Zur Zielgruppe können alle diejenigen gezählt werden, die auf der einen Seite mit sozialrechtlichen Fragestellungen zu tun haben, außerdem alle, die mit Fragen aus dem Umfeld Versorgungsmanagement betraut sind. Dazu gehören zum einen natürlich Richter, Rechtsanwälte und Studenten der Rechtswissenschaften sowie Dozenten, Studenten, Aus- und Fortzubildende mit sozial- und gesundheitswissenschaftlicher Ausrichtung. Andererseits aber auch alle, die Verantwortung in Fach- und Führungspositionen mit enger sozialrechtlicher Berührung in der Sozialversicherung, bzw. im allgemeinen Sozialwesen haben. Zu der Zielgruppe gehören aber auch alle, die sich im Rahmen bestimmter Aufgabenstellungen mit den speziellen Fragestellungen des Versorgungsmanagements beschäftigen müssen (z.B. Ärzte, Pflegekräfte, Case-Manager, DMP-Spezialisten, Unternehmensberater im Sozial- und Gesundheitswesen).

Aufbau und Inhalt

Der Kommentar folgt in Aufbau und Inhalt der bewährten Systematik guter Rechtskommentare.

Band I liefert neben einer allgemeinen Einführung in die Thematik auch einen Einblick in die rechtlichen Grundlagen, einschließlich der Rechtsentwicklung und der umfassenden Kommentierung der entsprechenden Vorschriften des SGB V und der RSA-Verordnung (Abschnitte A. und B.). Im Abschnitt C. wird ausführlich die komplexe Zulassung von Disease-Management-Programmen erörtert. D. behandelt die Auswirkungen strukturierter Behandlungsprogramme auf den Risikostrukturausgleich.

Band 2 vervollständigt die Kommentierung durch die Dokumentation der bundesweiter und regionaler DMP-Verträge und Vereinbarungen (Abschnitt E.) und durch die Rechtsprechung (Abschnitt G.). Ein Statistikteil befindet sich im Aufbau.

Zum Wert des Buches für die Zielgruppe

Die gesundheitspolitschen und -rechtlichen Publikationen des Asgard Verlages zeichnen sich durch große Praxisnähe und -relevanz aus. Der hier rezensierte Kommentar bildet dabei keine Ausnahme; im Gegenteil, der Herausgeber hat sehr frühzeitig damit begonnen, eine große Lücke in der sozialrechtlichen Literatur und Kommentierung zu schließen. Tatsächlich ist die Herausforderung Disease-Management-Programme so groß, dass bislang keine Kommentierung dieser Bedeutung auch nur annähernd gerecht geworden ist. Krauskopf hat insofern eine wirkliche Pionierarbeit begonnen, die vermutlich noch viele Jahre Kommentierungsarbeit mit sich bringen wird.

Das Werk bietet einen derzeit konkurrenzlosen Zugang zur Materie Disease-Management-Programme in Deutschland aus rechtlicher Perspektive; es ist daher als Arbeitsgrundlage unbedingt und uneingeschränkt zu empfehlen.

Die folgende kleine Einschränkung aus meiner persönlichen Perspektive sei daher auch nur als Anregung an den Herausgeber zu verstehen: Neben der Betrachtung der DMP aus rechtlicher Sicht gibt es noch eine weitere herausragende Perspektive, nämlich die Umsetzung der DMP aus Managementsicht: Disease-Management-Programme stellen insbesondere an das Management von gesetzlichen Krankenkassen eine enorme Anforderungen im Hinblick auf die Umsetzung dar. Dazu gehören entsprechende organisatorische, technische und personelle Fragen: Wie kann ich möglichst viele betroffene Versicherte identifizieren? Wie kann ich diese Versicherten (individuell) vom Nutzen der Programme überzeugen und zur Einschreibung bewegen (Stichwort "Kampagnenmanagement"), wie kann ich die Versichertencompliance in den Programmen erhöhen, wie kann ich sicherstellen, dass meine Versicherten zufrieden sind und in den Programmen bleiben ("Haltemanagement"), wie sieht das ideale Berichtswesen für die Programme aus und: Wie bereite ich mich auf den umfassenden Morbiditätsausgleich vor, etc.

Aus meiner Sicht und Erfahrung könnte eine künftige, ideale Erweiterung des Kommentars darin bestehen, managementrelevante Informationen zur Umsetzung von DMP mit aufzunehmen.

Fazit

"Disease-Management" füllt eine echte Lücke in der sozialrechtlichen Kommentierung; das Werk von Krauskopf hat nicht nur deshalb, sondern auch wegen der Qualität der Kommentierung und der Vollständigkeit der Materialien eindeutig das Zeug zur Standardliteratur. Es sei daher allen, die sich mit dem Thema DMP beschäftigen wärmstens empfohlen!

Perfekt wäre "Disease-Management" aus meiner ganz persönlichen Sicht, wenn die Managementperspektive von strukturierten Behandlungsprogrammen künftig noch Berücksichtigung finden könnte; denn auch hier ist die Einführung von DMP-Bahnbrechend: Recht und Managementkompetenz sind im Zusammenhang mit der Realisation der Programme unmittelbar voneinander abhängig. Heute bereits ist die Vermutung sehr nahe liegend, dass die Umsetzungserfahrungen bei DMP mehr denn je die künftige Weiterentwicklung des entsprechenden Rechts beeinflussen wird.


Rezensent
Michael Schaaf
Vorstand des CareHelix-Instituts für Management und Dialog im Gesundheitswesen
Homepage www.carehelix.de


Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Michael Schaaf. Rezension vom 21.09.2004 zu: Dieter Krauskopf (Hrsg.): Disease Management in der gesetzlichen Krankenversicherung. Asgard-Verlag Dr. Werner Hippe GmbH (Sankt Augustin) 2004. 1550 Seiten. ISBN 978-3-537-55499-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/837.php, Datum des Zugriffs 23.05.2012.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.

Zur Rezensionsübersicht
Zum Seitenanfang

Hilfe & Kontakt

Hinweise für RezensentInnen, Verlage, AutorInnen oder LeserInnen sowie zur Verlinkung bitte lesen, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.

Mehr zum Thema

Christoph Göttschkes: Beschaffung von Hilfsmitteln ❲...❳ (Krankenversicherung)

Viviane Scherenberg: Nachhaltigkeit in der Gesundheitsvorsorge

Literaturliste anzeigen

Stellenangebote

Psychologen, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen als Gesundheitsmanager (w/m), Stuttgart

Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.