Alexander Grimme: Vom Reichtum sozialer Beziehungen
Alexander Grimme: Vom Reichtum sozialer Beziehungen. Zum Verhältnis von Gemeinschaft und Sozialpolitik. Tectum-Verlag (Marburg) 2009. 353 Seiten. ISBN 978-3-8288-2007-4. D: 34,90 EUR, A: 34,90 EUR, CH: 53,50 sFr.
Autor
Alexander Grimme ist diplomierter Betriebswirt und arbeitet als Unternehmensberater in Düsseldorf.
Entstehungshintergrund
Das rezensierte Buch wurde 2009 zugleich bei der Technischen Universität Dortmund als Dissertation eingereicht.
Aufbau und Inhalt
Das Buch ist neben der Einleitung in sieben große Kapitel unterteilt:
- Zur Bedeutung sozialer Beziehungen für Gemeinschaft und Sozialkapital
- Soziale Ordnung als Möglichkeit der Lösung von Kooperationsproblemen
- Gemeinschaft als Determinante des Sozialkapitals ‚Gemeinsinn‘
- Das Sozialkapital ‚Vertrauen‘ als Aspekt von Gemeinschaft
- Rechtfertigung der Kapitaleigenschaften des Sozialkapitals
- Das Sanktionspotenzial Dritter als Sozialkapital
- Sozialkapital in persönlichen Beziehungen
Als Anspruch und Ziel für diese Veröffentlichung nennt der Autor folgende Ausgangpunkte: Die verschiedenen Aspekte der sozialen Beziehungen sollen isoliert und in ihrer Bedeutung für die Effizienz von Austauschprozessen eingeordnet werden; diese Aspekte sollen auf dem Hintergrund einer umfassenden Theorie analysiert werden; ein vollständiges und geschlossenes Sozialkapitalkonzept soll entstehen, das Zusammenhänge einzelner Bestandteile erklärt; der Gemeinsinn oder der Sinn für andere steht im Mittelpunkt; ein Sanktionspotenzial Dritter wird aufgezeigt.
Im zweiten Kapitel befasst er sich mit dem Widerspruch, dass soziale Beziehungen Träger des Sozialkapitals sind und gleichzeitig als autarker Bestandteil des Sozialkapitals begriffen werden. Herangezogen werden zwei konträre Ansichten von Robert D. Putnams und James S. Colemans. Der Verfasser bezieht Position über eine Analyse des Phänomens ‚Kapital‘ und bezieht sich bei der Begriffsbestimmung von Gemeinschaft und Gesellschaft auf Max Weber und Ferdinand Tönnies.
Das dritte Kapitel befasst sich unter anderem mit dem Zusammenhang von gesellschaftlichen Beziehungen und dem Problem der antagonistischen Kooperation und erläutert die Prinzipien der sozialen Ordnung mit ihren beiden Polen den moralischen Akteuren und den rationalen Egoisten.
Im vierten Kapitel stehen moralische Normen der Gemeinwohlorientierung und Elemente der kulturellen Struktur. Der Verfasser folgert in diesem Kapitel, dass nicht nur moralische Normen als Aspekt des Sozialkapitals in Frage kommen, sondern auch moralische Bräuche oder Werte und streicht damit die Bedeutung des Gemeinsinns als ein Aspekt des Sozialkapitals heraus.
Das fünfte Kapitel greift den Aspekt Vertrauen im Sozialkapital auf. Die Fragen ob das Vertrauen als öffentliches oder privates Gut zu betrachten ist und ob das eigene Vertrauen oder das des anderen Teil des Sozialkapitals ist werden aufgeworfen mit dem Fazit, Vertrauen an die soziale Umwelt anzupassen, bedeutet auch auf positive Erfahrungen angemessen reagieren zu können und es lohne sich für Akteure in Vertrauen zu investieren.
Im sechsten Kapitel wird auf der zuvor bearbeiteten Grundlage von Gemeinsinn und Vertrauen als Sozialkapitalelemente der Frage nachgegangen, inwieweit dem Sozialkapital Kapitaleigenschaften abgesprochen werden können. Der Begriff Kapital wird definiert und beschrieben und im Ergebnis wird herausgestellt, dass es berechtigt ist, von dem Sozialkapital als Kapital zu sprechen, wobei es einen tatsächlichen Eigentümer des Sozialkapitals nicht gibt, da es Teil sozialer Beziehungen zwischen mehreren Akteuren ist.
Ebenso wird auf der Grundlage von Gemeinsinn und Vertrauen im siebten Kapitel auf den Aspekt des Sanktionspotenzials Dritter eingegangen. Berücksichtig werden die Ausführungen von Robert Axelrod zur Erfindung von Metanormen in Verbindung mit der eigenen Sanktionierung bei abweichendem Handeln, ebenso die Bedeutung von Emotionen als Verteilungsmechanismus.
Im letzten achten Kapitel greift der Verfasser die Theorie von Pierre Bourdieu auf. Persönliche Beziehungen sind Träger des Sozialkapitals und die Ausstattung an Gesamtkapital oder von bestimmten Ressourcen steht im Kontext zu persönlichen Beziehungen.
Der Verfasser zieht für sich den Schluss, dass bestimmte Aspekte der sozialen Beziehungen bedeutend sind für das ökonomische Handeln und damit auch der Wohlfahrt der Akteure und neben Humankapital und physischem Kapital zu stellen sind.
Zielgruppen
Lehrkräfte, Studierende der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften werden insbesondere als Leserschaft für dieses Buch zu gewinnen sein.
Fazit
Alexander Grimme legt den vielfältigen Reichtum, der in sozialen Beziehung als Sozialkapital verborgen ist, offen. Er entwickelt eine umfassende Systematik und theoretische Basis für den Begriff Sozialkapital und zeigt die Rolle gemeinschaftlicher Bindungen für das soziale Kapital auf und welche Kräfte es entfalten kann. Sein Buch wird vor allem die theoretische Diskussion bereichern.
Rezensent
Prof. Dr. Manfred Neuffer
Dipl. Sozialarbeiter, Dipl. Pädagoge, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Fakultät Wirtschaft und Soziales, Department Soziale Arbeit. Schwerpunkte: Sozialarbeitswissenschaft, Systemische Beratung, Case Management, Mediation
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Zitiervorschlag
Manfred Neuffer. Rezension vom 24.03.2010 zu: Alexander Grimme: Vom Reichtum sozialer Beziehungen. Tectum-Verlag (Marburg) 2009. 353 Seiten. ISBN 978-3-8288-2007-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/8384.php, Datum des Zugriffs 06.09.2010.
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