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Peter Strahm: Qualität durch systematisches Feedback

Cover Peter Strahm: Qualität durch systematisches Feedback. Grundlagen, Einblicke und Werkzeuge. Schulverlag (Bern) 2008. 144 Seiten. ISBN 978-3-292-00470-3. 48,00 EUR.

Reihe: Impulse zur Schulentwicklung.
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Thema

Wie können schulisches Qualitätsmanagement, Feedback sowie Instrumente der Datenerhebung und Berichterstattung dazu beitragen, dass der Unterricht und auch Lehren und Lernen auf Ebene der Gesamtschule gut gestaltet sind, namentlich zugeschnitten auf die Anforderungen und Bedarfslagen von Schülerinnen und Schülern, Eltern usw.

Autor

Peter Strahm blickt zurück auf 30 Jahre Unterrichten auf verschiedenen Berner Schulstufen, war 12 Jahre Schulleiter, hat mehrere Weiterbildungen u. a. in Supervision und Organisationsberatung absolviert und hat als Evaluator und Projektleiter für kantonale Qualitätsentwicklungsprojekte gearbeitet. Heute ist er Eigentümer eines auf Schulen spezialisierten Evaluationsbüros und berät für die Berner Pädagogische Hochschule Schulen.

Entstehungshintergrund

Die Schulevaluation in der Schweiz (insbesondere in den deutschsprachigen Kantonen) ist früh und intensiv institutionalisiert worden. In den meisten Kantonen ist sie inzwischen verpflichtend und als "Externe Schulevaluation" Bestandteil der regionalen Bildungssysteme. Im Unterschied dazu ist die Schulevaluation im Kanton Bern ein Wahlangebot und wird auch heute ausschliesslich "auf Anfrage " tätig. Dass die Berner Evaluationsfachleute ihren Auftrag auf Augenhöhe mit den Schulen aushandeln, schlägt sich in der Grundhaltung des Buches nieder: Stichworte sind "erwachsenengerecht", "Prinzip des selbstverantworteten/-gesteuerten Handelns", "Erhaltung der Gesundheit und Zufriedenheit im Beruf" (S. 5).

Aufbau

Neben der Einleitung besteht das Buch aus neun Kapiteln, die drei Hauptteilen zugeordnet sind:

  1. Lernende Schule als Ziel (Kap. 1-4)
  2. Aufbau einer internen Feedbackkultur (Kap. 5-8)
  3. Verknüpfung von interner und externer Evaluation mit dem Peer-Review-Verfahren (Kap. 9)

Kap. 1 zur "Ausgangslage der Qualitätsdiskussion" skizziert die Entstehung des Qualitätsthemas in Schulen. Strahm hält kritisch fest, dass sich die Evaluationszwecke von "Wachstum und Entwicklung aus professionellem Eigenantrieb" in Richtung "der externen Rechenschaft und Kontrolle" verschoben hätten.

Kap. 2 zur "lernenden Schule" fasst basierend auf Forschungsergebnissen die "Qualitätsmerkmale" wirksamer Schulen zusammen, benennt Dimensionen der Schulqualität (Input, Prozess sowie Output/Outcome) und formuliert ein Ablaufschema sowie Thesen für eine kooperative Schulentwicklung: Zentral komme es auf die Balance zwischen Rahmenvorgaben/Verbindlichkeit sowie Partizipation und Vertrauenskultur an. Die drei tragenden Säulen sind hohe Verbindlichkeit, klare Struktur sowie situative Autonomie/Flexibilität. Ebenfalls wichtig seien die handwerklichen Voraussetzungen wie funktionale Instrumente, angemessene Fokussierung und Beratung durch Evaluationsfachleute.

Kap. 3 beschäftigt sich mit Leitbildern von Schulen und deren Evaluation.

Kap. 4 behandelt QuES: ein mehrjähriges, umfassendes, förderorientiertes und evaluatives Schulentwicklungsprojekt. QuES vereint eine ausgeprägt pädagogische Perspektive mit Ansätzen des Qualitätsmanagements von Unternehmen und dort verbreiteten Instrumenten wie dem 360°-Feedback. QuES umfasst Selbstevaluationen der Lehrpersonen, Datenerhebungen auf Schulebene sowie eine externe Evaluation durch Peers und wird in dieser Reihenfolge von unten her aufgebaut. Auf die Umsetzung der Evaluationsergebnisse im 3. und 4. Projektjahr folgt im 5. Jahr die Vorbereitung für den nächsten Durchlauf. Darüber hinaus kann in Schul-Qualitäts-Netzwerken zusammengearbeitet werden, wie im "Netzwerk innovativer Schulen Schweiz NISS".

Kap. 5 behandelt "Feedback" als Basis für schulische Qualitätsentwicklung. Dies meint eine "gemeinsame Verständigungsleistung zwischen zwei oder mehr Personen", wobei gegenseitig Verhaltensweisen gespiegelt werden (inkl. Liste mit Feedbackregeln).

Kap. 6 stellt das breit angelegte "standardisierte Grundmodell für alle Evaluations- und Entwicklungsprozesse" QuES vor, bestehend aus zwei Zyklen (Entwicklungsschlaufe sowie Evaluationskreis) mit je vier Teilschritten. Es werden hohe Anforderungen formuliert, wie "Integration aller Anspruchsgruppen".

Das in Kap. 7 vorgestellte "Feedback auf individueller Ebene" umfasst gegenseitige Unterrichtsbesuche von Tandems oder in einer Qualitäts-Gruppe. Geschildert wird, wie Unterrichtsbesuche vorbereitet, Daten erhoben und ausgewertet werden. Vorteile des Feedbacks werden durch Originalzitate aus Interviews mit Lehrpersonen zu dessen Wirkungen illustriert, z. B. erhöhtes Gefühl der Selbstwirksamkeit, Anerkennung und Bestätigung, Intensivierung kollegialer Zusammenarbeit. Wichtig sei, niederschwellig und gestaffelt einzusteigen, um Überforderung oder Strohfeuer zu vermeiden. Eine Kartenabfrage sowie ein Schülerfragebogen werden vorgestellt. Weitere Feedbackmöglichkeiten sind auf Eltern, abnehmende Stellen/Personen (zum Beispiel Lehrpersonen nachfolgender Klassen) oder auf die Schulleitung zugeschnitten.

Mit Kap. 8 wechselt die Perspektive auf die Ebene der Schule und darüber hinaus. Ablauf sowie Leit- und Planungsfragen für Schulqualitätsrecherchen und mögliche Fallen werden genannt; Tipps zu deren Vermeidung werden gegeben. Die Datenerhebungsmethoden "Fragebogen" und "Interview" werden vorgestellt. Es wird angesprochen, was bei der Berichterstattung über schulische Evaluationsergebnisse zu beachten ist und wie Evaluationen selbst systematisch evaluiert werden (Meta-Evaluation).

Das 9. Kap. skizziert das Peer-Review als partnerschaftliches Schulentwicklungsmodell, das interne mit externer Schulevaluation verbindet. Als Alternative zum gegenseitigen Peer-Review von Schulpaaren wird ein Pool von Schulen vorgeschlagen, sodass sich immer wieder neue Konstellationen ergeben.

Neben einem kurzen Glossar enthält das Buch eine CD-ROM, die ein Praxisbeispiel dokumentiert sowie Instrumente bzw. Anleitungen zur Instrumentenentwicklung enthält.

Diskussion

Das Buch vermittelt die Grundhaltung, Evaluation schulnah und entwicklungsorientiert anzulegen: nicht zur Kontrolle sondern als Entwicklungsinstrument. Der Autor bringt der Berufsgruppe der Lehrerinnen und Lehrer, aus der er selbst stammt, Wertschätzung entgegen, rechnet mit Widerstand gegen Datenerhebungen und macht Mut. Er versachlicht stets und bahnt damit Wege hin zu einer selbstverantworteten schulischen Evaluationskultur. Konsequent ist das gestufte Vorgehen vom fokussierten unterrichtlichen Individualfeedback über die schulische Inhouse-Evaluation bis zum externen Peer-Review. Die eingearbeiteten Wortlaut-Zitate von Selbstevaluierenden belegen das Nutzenpotential von Feedback. Das Buch erhält durch die CD-ROM einen erheblichen Mehrwert.

Dass der Autor ausbreitet, wie viel unterschiedliche Zugänge möglich sind, und auf wie vielen Ebenen - vom Individualfeedback bis zu den Evaluationen auf Ebene des schulischen Bildungssystems - gearbeitet werden kann, nimmt dem Buch etwas den Fokus. Es bleibt teils unklar, wie die Schwerpunktsetzungen in den verschiedenen Feedbackverfahren erfolgen sollen, und wie diese systematisch bezogen werden auf den Kern von Lehren und Lernen: den gestalteten Erwerb von Wissen und Können. Die hochgradig zirkuläre und partizipative Gestaltung könnte auch davon ablenken.

Fazit

Ein wichtiges Einsatzfeld für das Buch sehe ich da, wo seitens der Unterrichtenden gegenüber Evaluationen Unverständnis oder gar offener Widerstand besteht und ihnen aufgezeigt werden kann, wie Feedback und Evaluation in eine partizipative und wertschätzende Schulkultur eingebunden werden kann.


Rezensent
Prof. Dr. Wolfgang Beywl
Fachhochschule Nordwestschweiz, Pädagogische Hochschule, Institut Weiterbildung und Beratung. Leiter der Professur für Bildungsmanagement sowie Schul- und Personalentwicklung – wissenschaftlicher Leiter Univation GmbH Köln.
Homepage www.fhnw.ch/ph/iwb/professuren/bildungsmanagement
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Zitiervorschlag
Wolfgang Beywl. Rezension vom 10.04.2010 zu: Peter Strahm: Qualität durch systematisches Feedback. Grundlagen, Einblicke und Werkzeuge. Schulverlag (Bern) 2008. ISBN 978-3-292-00470-3. Reihe: Impulse zur Schulentwicklung. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/8389.php, Datum des Zugriffs 05.12.2016.


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